Bronze- und eisenzeitliche Siedlungsspuren im oberen Werrabergland – die Ausgrabungen im Industriegebiet Südlicher Gutsweg in Eisfeld, Lkr. Hildburghausen

Seit dem Juli 2018 finden in einem 30 ha großen Bereich im Zuge der weiteren Erschließung des Industriegebietes in Eisfeld archäologische Untersuchungen statt. Das Areal im Südosten der südthüringischen Kleinstadt bot aufgrund des nach Süden und Südwesten exponierten Terrains und der Nähe zu einem in die Werra entwässernden Bachlauf den prähistorischen Menschen gute Bedingungen für eine dauerhafte Ansiedlung. Darüber hinaus ist aus der benachbarten Gemarkung Steudach seit langem der Fund eines keltischen Knotenarmringes bekannt.

So verwunderte es nicht, dass in dem mittels zahlreicher Suchschnitte prospektierten Gebiet an zwei 1 km voneinander entfernten Stellen prähistorische Siedlungsspuren aufgedeckt wurden. Es handelt sich um Siedlungs- und Pfostengruben sowie möglicherweise ein Grubenhaus aus der späten Bronzezeit, der sog. Urnenfelder-Kultur (1000–800 v. Chr.), sowie der älteren vorrömischen Eisenzeit (5./4. Jh. v. Chr.), d. h. der Zeit, als die Steinsburg auf dem Kleinen Gleichberg erstmals befestigt wurde. Offene, d. h. unbefestigte spätbronzezeitliche Siedlungen gehören in Südthüringen noch immer zu ausgesprochenen Seltenheiten und sind beispielsweise aus Henfstädt, Lkr. Hildburghausen, oder Belrieth, Lkr. Schmalkalden-Meiningen, bekannt.

Die in den Grabungsflächen teils in linearer Reihung angetroffenen Pfostengruben geben Hinweise auf Wohn- und Speichergebäude, wie diese typisch für den Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. sind. Die ursprünglich zu Materialentnahme oder zur Einlagerung von Getreidevorräten angelegten Gruben wurden nach deren Aufgabe mit Siedlungsabfall verfüllt. Der überwiegende Teil des Fundmaterials besteht aus Keramikscherben, zumeist Grobkeramik und wenigen Bruchstücken feinkeramischer Warenarten. Außergewöhnlich ist eine kleine Bernsteinperle, die anzeigt, dass die bronzezeitlichen Siedler in ein weiträumiges Austauschsystem eingebunden waren.

Das kleinräumig reliefierte Areal bot dem prähistorischen Menschen unterschiedliche Möglichkeiten, die Siedlungen anzulegen. Während die spätbronzezeitliche Ansiedlung deutlich auf die Kuppe eines nach Südwesten orientierten Geländerückens Bezug nimmt, lag die eisenzeitliche Siedlung im oberen- und mittleren Bereich des langestreckten Hanges. Die Ausgrabungen sind noch nicht abgeschlossen, zeigen aber schon jetzt, dass die metallzeitliche Besiedlung des oberen Werraberglandes nicht auf das Werratal beschränkt war, sondern das Hinterland miteinbezog.
 

Dr. Mathias Seidel,
Gebietsreferent Südthüringen,  TLDA, Römhild

Tel. 0361/573222013
mathias.seidel{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Eisfeld Randscherbe Eines Spätbronzezeitlichen Vorratsgefäßes
Randscherbe eines spätbronzezeitlichen Vorratsgefäßes aus Eisfeld (Foto: M. Seidel, TLDA, Römhild)
Eisfeld Bruchstück Einer Bernsteinperle
Bruchstück einer Bernsteinperle aus Eisfeld (Foto: D. Labitzke, TLDA, Römhild)

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