Entstand die Altenburger Stadtbefestigung bereits im Hochmittelalter?

Neue 14C-Datierungen aus dem Stadthausquartier erlauben neuen Blick auf die Entstehung der Stadtmauer und zur Stadtentwicklung von Altenburg.

Im Altenburger Stadtquartier Teichstraße 4–7 und Langengasse 20 kamen bei einer Flächengrabung 2014/2015 zahlreiche spätmittelalterliche und vor allem frühneuzeitliche Gebäudestrukturen zum Vorschein. Daneben fanden sich ein Steinbrunnen, eine Ofenanlage und eine quadratische Abfallgrube einer Buntmetallwerkstatt, die neben drei Gussformen für die Herstellung von Zinnverzierungen zahlreiche Gussteile, u. a. Grapenfüße, aus Buntmetall enthielt. In ihrem Umfeld muss sich im 14. Jh. eine Grapen- und Zinngießerei befunden haben.

Weiterhin sind die Befunde zur mittelalterlichen Stadtbefestigung von Altenburg von besonderer Bedeutung. Es konnte der Rest der 1,45 m breiten Stadtmauer auf einer Länge von 2,50 m aufgenommen werden. Sie bestand aus unterschiedlich großen, in Lehm verbauten Bruchsteinen aus Porphyr. Sie war noch in einer Höhe von 0,20 bis 0,40 m erhalten. Der Mauerbefund war in eine Kulturschicht eingebettet worden, die in die erste Hälfte des 13. Jh. datiert, so dass die Stadtmauer wohl zu diesem Zeitpunkt errichtet worden ist.

Völlig unerwartet kam südlich der Stadtmauer eine Zwingermauer zum Vorschein. Sie konnte auf einer Länge von 17 m erfasst werden. Sie war 0,80 m breit. Das weitgehend ungestört erhaltene Bruchsteinmauerwerk bestand ebenfalls aus Porphyr-, aber auch aus Buntsandsteinen. Das Mauerwerk war sorgfältig in einen feinkörnigen Mörtel gesetzt. Stellenweise war es bis auf die Gründungstiefe von ca. 3 m erhalten geblieben. Die Zwingermauer baute man im 14. Jh. in einen bereits vorhandenen Graben, der beim Bau dieser Mauer seine ursprüngliche Funktion verlor. Diese Mauer wurde vermutlich im 18. Jh. bis zur Oberfläche abgerissen. Der Zwingerbereich war 6 m breit.

Der oben genannte Graben war ca. 6,50 bis 7 m breit und über 4 m tief. Er wurde als Trockengraben angelegt. Die Einfüllschichten belegen eine Verfüllung des Grabens im 15./16. Jh.. Im Graben konnte eine ca. 4 × 7 m große Struktur, bestehend aus verbrannten Brettern, Holzbalken und viel Holzkohle, in einer Tiefe von knapp 3 m unter der Geländeoberkante nachgewiesen werden. Außerdem konnten ca. zehn pfostenartige, ca. 0,20–0,35 m große Verfärbungen dokumentiert werden.

Interessant ist die Frage nach dem Alter des Grabens. Von der im Graben abgelagerten Holzkonstruktion wurde Holzkohle entnommen und am Beta Analytic Radiocarbon Dating Laboratory in Miami zwei 14C-Datierungen vorgenommen. Die Ergebnisse waren erstaunlich. Sie ergaben ein Alter von cal. AD 1016–1154 (95,4 %) und von cal. AD 1070–1154 (49,4 %) bzw. 993–1058 (46,0 %). Die Datierungen belegen, dass um 1100 der Graben mit einer Holzkonstruktion (Brücke) bereits vorhanden war. Mit diesem Graben war mit höchster Wahrscheinlichkeit ein hochmittelalterliches Siedlungsareal befestigt, das die Voraussetzung für die Entstehung des unmittelbar westlich liegenden Nikolaiviertels bildete. Der Graben wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Stadt- und Zwingermauer teilverfüllt, die Brücke brannte ab und wurde teilweise in den Graben abgelagert. Der Graben wurde als Stadtbefestigungsgraben weiter genutzt.

Der Nachweis eines Befestigungsgrabens aus dem 11./12. Jh. und einer Zwingermauer sind bisher ein Novum für das Altenburger Stadtbefestigungssystem. Die Untersuchungen zeigen, dass im Hochmittelalter nicht nur der nördliche Altstadtbereich beim Brühl mit der Bartholomäuskirche und dem Neuen Markt die ersten Siedlungsbereiche waren, sondern auch der Südteil der heutigen Altstadt bereits am Ende des 11. Jh. bebaut war.

 

Altenburg Abb. 1
Luftbild der Grabungsfläche in der Teichstraße 4–7/Langengasse 20. Die Lage von Stadtmauer, Zwinger und Stadtgraben sind eingezeichnet. (Foto: S. Ittig, proofpic.gbr, Aufnahme vom 30.10.2014.)
Altenburg Abb. 3 - Graben
Der Stadtgraben mit seinen Verfüllschichten ist gut im Profil sichtbar (Foto: D. Fuhrmann, TLDA, Weimar)
Altenburg Abb. 4 - Brandschicht 487
Auf dem Boden des Grabens lag eine Brandschicht aus verkohlten Hölzern. Aus dieser konnten zwei 14C-Datum von cal. AD 1070–1154 (49,4 %) bzw. 993–1058 (46,0 %) ermittelt werden (Foto: D. Fuhrmann, TLDA, Weimar)

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