Archäologische Untersuchungen an der Ortsumfahrung Schönstedt – Großengottern (B247n), Unstrut-Hainich-Kreis

Durch das erhöhte Verkehrsaufkommen und der teils engen Straßenführung ist für die beiden Orte Schönstedt und Großengottern eine großzügige Umfahrung geplant. Auf einer Strecke von 6,6 km wird die B 247 in diesem Bereich neu ausgebaut. Da die Maßnahme mit massiven Bodeneingriffen einhergeht, ist eine archäologische Untersuchung des Trassenbereiches durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) im Vorfeld der Bautätigkeit unablässig.

Angelegt ist das Projekt auf zweieinhalb Jahre, in der die Trasse ausschnittsweise archäologisch dokumentiert wird. Dem vorausgegangen ist eine Voruntersuchung, in der durch Sondageschnitte und Kartierung von Oberflächenfunden archäologisch interessante Flächen prospektiert wurden. Anhand dieser Ergebnisse sind 16 Fundplätze ausgewiesen worden, die bis Ende des Jahres 2019 sukzessiv abgearbeitet werden sollen. Im Juni 2017 haben diese Arbeiten begonnen. Zwei der Fundstellen sind mittlerweile vollständig untersucht worden.

Die erste Fläche mit einer Größe von ca. 1,5 ha verläuft von SO nach NW über einen seichten, lößbedeckten Geländesporn, der als Schalkenberg bekannt ist. Dieser befindet sich südlich von Großengottern. Insgesamt konnten hier 104 archäologische Befunde erkannt werden. Diese verteilen sich locker über die gesamte Grabungsfläche, wobei eine deutliche Zunahme hangaufwärts in Richtung NW ersichtlich ist. Bei dem Großteil der Bodenverfärbungen handelt es sich um Vorrats- und Abfallgruben eines Siedlungsareals der späten Bronze- und frühen Eisenzeit (1200–600 v. Chr.). Hausgrundrisse lassen sich jedoch nicht nachweisen. Das Fundmaterial setzt sich hauptsächlich aus Keramik, Tierknochen (Schlacht- und Produktionsabfälle) und Resten gebrannten Tons zusammen. In eher geringer Stückzahl sind Webgewichtfragmente, Spinnwirtel, Reste technischer Keramik sowie Schleif- und Reibesteine nachweisbar. Im direkten Umfeld der Siedlung ist zudem eine Körperbestattung wohl gleicher Zeitstellung entdeckt worden. Das weibliche, frühadulte Individuum wurde in Bauchlage mit nach hinten angewinkelten Beinen vorgefunden. Nach der Lage zu urteilen, muss man davon ausgehen, dass es sich hier nicht um eine reguläre Grablege handelt. Einen der herausragenden Befunde stellt ein kleiner Bronzehort dar. Dieser ist ebenfalls im Bereich des Siedlungsareals lokalisiert worden. Er setzt sich aus drei verschiedenen Sicheln, einer einfachen Armspirale, vier Doppeldrahtarmspiralen und mehreren, teils stark fragmentierten Spiralröllchen zusammen.

Neben den bronze- und eisenzeitlichen Befunden sind auch einige anderer Zeitstellungen erkannt worden. Zu erwähnen wäre hier ein Kindergrab der endneolithischen Schnurkeramischen Kultur (2800–2050 v. Chr.). Bei dem Toten handelt es sich um ein ca. 9–12 Jahre altes Individuum, welches mit einem kleinen Steinbeil ausgestattet wurde. Zudem fand man in der Grubenverfüllung zwei durchlochte Muschelscheibchen und einen durchlochten Backenzahn vom Hund, welche zu einer Schmuckausstattung gehören.

Die zweite Fundstelle befindet sich am nordwestlichen Ortsrand von Großengottern, ebenfalls auf einem kleinen Geländerücken, der seicht in die Unstrut-Niederung abfällt. Ca. ein Drittel der 0,5 ha großen Fläche ist durch moderne Bodeneingriffe schon gestört gewesen. Trotzdem konnten noch 43 Befunde dokumentiert werden. Dazu zählen 10 Hockerbestattungen der neolithischen Schnurkeramischen Kultur. Die Gräber enthielten Skelette aller Altersstufen und beiderlei Geschlechts. Man fand sogar drei Einzelgräber, die Überreste von Neugeborenen bargen. Diese sehr früh verstorbenen Kinder wurden mit einem ähnlichen Aufwand wie die erwachsenen Individuen beigesetzt. Die Ausstattung der Gräber besteht zumeist aus einem Keramikgefäß. Durchlochte Muschelscheibchen, die wohl auf der Kleidung angebracht wurden, finden sich zudem in einem Kindergrab. Ein stark gestörtes Männergrab erbrachte eine einfache Steinaxt und ein Knochenwerkzeug.

Südlich dieser kleinen Gräbergruppe stieß man auf etwa ein Dutzend weitere Körperbestattungen. Die Toten wurden in gestreckter Rückenlage niedergelegt. In einigen der Gräber sind sogar größere Travertinsteine verbaut worden. Leider sind bis auf drei Bestattungen alle altberaubt und dadurch stark gestört, so dass nur noch bedingt Aussagen zum Bestattungsritus möglich sind. Zwei der besser erhaltenen Gräber zeigen eine Schmuckausstattung der Toten. Zum einen handelt es sich um massive Fußringe aus Bronze und zum anderen aus einer Bronzenadel. Aus den gestörten Gräbern fand man nur einzelne Bronzeobjekte, darunter eine Hakenspirale. Grünfärbungen an Schläfenbereichen von Schädelresten, Halswirbeln, Schlüsselbeinen und Unterschenkelknochen sind indirekte Hinweise zum Tragen von bronzenen Schmuckobjekten. Die Gräber datieren in die späte Bronzezeit und werden der lokalen Unstrutgruppe zugewiesen, die neben dem Brandgrab auch immer noch den Brauch der Körperbestattungen praktizierte (1300–750 v. Chr.).

Außer den Gräbern stieß man auf drei Gruben, die zum Teil umfangreiches, zumeist keramisches Material der frühen Eisenzeit der Stufe Ha D beinhalteten (ca. 625–460 v. Chr.). Darunter sind auch zwei Löffelfragmente zu verzeichnen.

Im Frühjahr 2018 werden die Arbeiten fortgeführt.

Karin Schwerdtfeger

 

Dr. Mario Küßner
Gebietsreferent Nordthüringen, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 346
mario.kuessner{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Schönstedt Der Freigelegte Bronzehort_
Der Bronzehort bei der Freigelegung (Foto: TLDA, Weimar)
Schönstedt Blockbergung Des Bronzehortfundes_
Blockbergung des Bronzehortfundes (Foto: TLDA, Weimar)
Schönstedt Grab Eines Kleinkindes Der Schnurkeramischen Kultur_
Grab eines Kleinkindes der Schnurkeramischen Kultur (Foto: TLDA, Weimar)
Schönstedt Körpergrab Der Späten Bronzezeit Mit Beinschmuckausstattung_
Körpergrab der späten Bronzezeit mit Beinschmuckausstattung (Foto: TLDA, Weimar)

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