Untersuchungen an der Ölmühle in Erfurt

An der Ecke Franckestraße/Juri-Gagarin-Ring stand bis zu seiner Brandzerstörung 1985 ein großes Mühlengebäude. Der Standort nutzte die angrenzende Hirschlache, die seit dem Mittelalter als Nutz- und Brauchwasserkanal eine wichtige Rolle spielte. Das Bauprojekt an dieser Stelle sah eine Bebauung mit Tiefgarage und Keller vor, die bis in die rückwärtigen Grundstücksflächen reicht, wo keine modernen Gebäude archäologische Befunde zerstört hatten. Das Grundstück grenzt unmittelbar an die romanische Stadtmauer, aus dem Umfeld waren jedoch neben mittelalterlicher Bebauung vor allem latènezeitliche Siedlungsbefunde bekannt. Auch Siedlungsspuren der römischen Kaiserzeit wurden nicht weit von diesem Grundstück entfernt bereits dokumentiert (vom Juri-Gagarin-Ring 153 stammt eine Fibel der römischen Kaiserzeit mit Emaileinlagen).

Die ältesten Befunde der Grabung von 2017 datierten in die Latènezeit: Es handelte sich um zwei ziemlich exakt O-W-ausgerichtete Grubenhäuser. Ein Haus lag im rückwärtigen Grundstücksbereich, es konnte komplett erfasst werden. Das zweite lag teils unter der neuzeitlichen Mühle an der Franckestraße und teils im Straßenraum, damit außerhalb des Baufeldes. Das rückwärtige Grubenhaus war 4,50 × 2,86 m groß. Es besaß an den Schmalseiten Firstpfosten, an den Längsseiten standen innerhalb des Hauses vermutlich ursprünglich jeweils drei weitere Pfosten, die aber nur noch auf einer Seite erfasst werden konnten.

Im hinteren Grundstücksbereich konnten außerdem mehrere latènezeitliche Gruben dokumentiert werden. Auffällig ist die Orientierung der Bebauung, die stark von der mittelalterlichen Ausrichtung abweicht – vermutlich erfolgte die Parzellierung der Grundstücke erst mit dem Bau der Stadtmauer im 12. Jh. Die Johannesstraße dürfte ebenfalls zu dieser Zeit entstanden sein, da mittelalterliche Befunde nordöstlich der Straße erst mit dem 12. Jh. einsetzen.

Zur mittelalterlichen Grundstücksnutzung gehörte neben der Pfostenreihe – möglicherweise einer Parzellengrenze – eine größere Anzahl an Gruben. Darunter war ein annähernd rechteckiges kleines Haus mit einem Treppenzugang. Reste einer hölzernen Aussteifung hatten sich erhalten. In den Ecken und in der Mitte der Längswände standen Pfosten. Ungewöhnlich für den hölzernen Keller sind die Proportionen: Bei einer Länge von rund 4 m betrug die Breite lediglich die Hälfte. Die erhaltene Tiefe lag bei 1,25 m. Da ein zugehöriges Außenniveau nicht sicher bestimmt werden kann, ist eine ursprünglich größere Tiefe denkbar. Die Treppenseite war durch das Scheunengebäude aus dem 17./18. Jh. überbaut, daher konnte der Zugang nicht komplett erfasst werden. Die Verfüllung erfolgte im 14./15. Jh.

Direkt daneben konnte eine annähernd runde Grube mit einem Durchmesser von etwa zwei Metern erfasst werden. An ihrer Sohle waren Staken eingegraben in zwei konzentrischen Kreisen. Im inneren Kreis standen die Staken eng nebeneinander, im äußeren mit größeren Abständen. Auffällig war die Verfüllung der Grube, die sich durch eine leuchtend orange Farbe auszeichnete. (Das gleiche Material fand sich auch in kleinerem Umfang im hölzernen Keller). Eisenschlacke deutet auf eine technische Anlage hin; wozu sie diente, ist aber bislang ungeklärt. Datiert werden kann sie in das 14. bis 16. Jh.
 

Dr. Karin Sczech
Gebietsreferentin Erfurt, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 342
karin.sczech{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Erfurt Ölmühle Grubenhaus
Das vollständig ergrabene latènezeitliche Grubenaus an der Ölmühle in Erfurt (Foto: TLDA, Weimar)

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