Die archäologischen Ausgrabungen am Mainzerhofplatz, Erfurt

Zwischen Januar und Anfang März 2017 wurden auf dem Gelände Mainzerhofplatzes 4–5 archäologische Untersuchungen durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) durchgeführt, Anlass war der Bau eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage. Es konnten 123 Befunde dokumentiert und umfangreiches Fundmaterial aus verschiedenen Zeitstellungen (Urgeschichte bis Neuzeit) geborgen werden.

Urgeschichte

Die ältesten Funde – einige wenige Scherben aus zwei Befunden (Pfostengrube und Grube/Senke) – stammen aus dem Neolithikum, ihre Befundzugehörigkeit ist allerdings aufgrund von Vermischung unsicher.

Unter den Kulturschichten und Aufplanierungen, die sich über Teilbereiche der Grabungsfläche zogen, verdient Kulturschicht 12 besondere Erwähnung. In dieser fanden sich zahlreiche Keramikscherben sowie Tierknochen und ein Reibmühlenbruchstück, die eine Datierung in die späte Bronzezeit zulassen. Als Detektorfund wurde zudem eine Scheibenfibel mit grünen und blauen Emaileinlagen geborgen, die als zentrales Motiv eine Adlerdarstellung aufweist. Bislang fehlen genaue Vergleichsstücke, daher kann sie nur allgemein dem 9.–11. Jh. zugeordnet werden.

12./13. Jh.

Der älteste Keller (Befund 32) lag im südwestlichen Grabungsbereich und kann in das 12. Jh. datiert werden. Das Kalksteinmauerwerk seiner Innen- wie Außenschale bestand aus behauenen Quadern, der Kern der Mauer aus Kalkbruchsteinen. Die  Nordwand konnte auf  rund 2,7 m erfasst werden, sie reicht über das Baufeld hinaus. Die  Ostwand war teilweise ausgebrochen, die Ausbruchsgrube und der erhaltene Mauerbereich zeigten eine Ausdehnung von mindestens 4,9 m. Die Mauerstärke betrug bis zu 1,5 m, erhalten waren bis zu drei Steinlagen. An der östlichen Kellerwand konnte an der Innenschale ein ca. 0,2 m tiefer Vorsprung/Absatz dokumentiert werden, welcher als Fundamentvorsprung angesprochen werden kann. Am äußeren Eckbereich zeigte sich eine Verstärkung des Mauerwerkes.

Neben einem eingegrabenen Holzfass aus dem 12./13. Jh., das sich als Negativabdruck erhalten hatte, fand sich eine rechteckige Holzverschalung. Dieser mit Holz ausgekleidete Abfallschacht (Befund 122/123) wies eine Größe von 1,57 m (ONO-WSW) × 1,15 m (NNW-SSO) und eine Eintiefung von rund 0,4 m auf. In den Eckbereichen befand sich jeweils eine Stake. An den Wandungen hat sich fragmentarisch die Holzverschalung, bestehend aus senkrecht stehenden Holzbrettern und horizontal angebrachten Holzriegeln erhalten. Im Bereich der Sohle fanden sich keine Hinweise auf Holzreste. Das geborgene Fundmaterial, bestehend aus Keramikscherben, Tierknochen sowie einem Silexstück spricht für eine zeitliche Einordnung in das 12./13. Jh.

Bebauung zwischen 12./13. Jh. und Barock

Das Mauerwerk der drei neuzeitlichen Keller (Befunde 6–8; 9; 51) bestand aus teils behauenen, in Mörtel gesetzten Kalksteinen. Darüber hinaus konnten auch die Fußböden dokumentiert werden (Lehmfußboden in Befund 6–8; Ziegelfußboden in Befund 51; gelegte Kalksteinplatten in Befund 9).

Hervorzuheben ist die Kulturschicht 38 (am westlichen Profil der Grabung). Aus dieser wurden Knochenreste geborgen, darunter zwei Halbfabrikate aus der Würfelherstellung sowie Abfälle aus der Paternosterperlenproduktion. Zu datieren ist die Kulturschicht zwischen dem 14. und 16. Jh.

Im nördlichen Bereich der Grabung konnten straßenbegleitend ca. 0,6–0,8 m unter dem heutigen Straßenniveau Fundamentreste aus der Zeit des Barock für nicht unterkellerte Fachwerkgebäude dokumentiert werden. Eine Reihe von Latrinen- oder Brunnenschächten auf dem Grabungsareal erbrachten zahlreiche Funde des 14. bis 17. Jh.

Melanie Großmann


Dr. Karin Sczech
Gebietsreferentin Erfurt, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 342
karin.sczech{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Mainzerhofplatz Grabung
Übersicht über die Grabung am Mainzerhofplatz. Der romanische Keller befindet sich in der linken Bildmitte (Foto: TLDA, Weimar)
Mainzerhofplatz Fibel
Fibel mit erhaltenen Emaileinlagen in grün, blau und gelb. Das zentrale Motiv stellt einen Adler dar. (9.–11. Jh.; Foto: TLDA; Weimar)

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