Eine Siedlungsstelle der Linienbandkeramik im Borntalweg, Erfurt

Im Jahr 2016 wurde am Borntalweg im Vorfeld des Parkhausbaus eine bislang unbekannte Siedlungsstelle der späten Linienbandkeramik entdeckt. Da das Parkhaus nur halb in den Boden eingetieft wurde und die archäologischen Befunde unter massiven Kolluviumschichten abgedeckt waren, wurde in diesem Jahr nur ein Teil der Fläche untersucht. Es liegen fast keine modernen Störungen vor, so dass die urgeschichtlichen Befunde sehr gut erhalten waren, die Funderhaltung war ebenfalls hervorragend.

2017 wurde der Bau einer Fernwärmeleitung zwischen Borntalweg und Blumenstraße durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) begleitet, durch den von Nord nach Süd ein Querschnitt über das gesamte Baufeld erfolgte. Es zeigte sich, dass die Fundstelle das gesamte Areal umfasst, mit unterschiedlich starken Überdeckungen und Befundlagen. Direkt am Borntalweg befanden sich große Lehmentnahmegruben, nach Ausweis der daraus geborgenen Scherben angelegt und verfüllt im 16./17. Jh.

Nach Nordwesten schloss sich ein höher gelegenes Areal an, in dem neolithische Befunde und Funde angetroffen wurden, vermengt mit jüngeren Befunden. Eine natürliche Geländekante begrenzte dieses Areal. Wiederum östlich davon konnten dann die ersten Hausbefunde dokumentiert werden und zahlreiche Siedlungsgruben: Abfall- und Vorrats- sowie neolithische Lehmentnahmegruben.

Teilweise bereits parallel zu dieser Grabung begann die Untersuchung auf dem nächsten Grundstück, das direkt im Osten anschließt, hier ebenfalls der Bau von Mehrfamilienhäusern mit Tiefgarage geplant. Die Grabungen wurden bis in den Dezember 2017 hinein durchgeführt, dann erfolgte zunächst eine witterungsbedingte Unterbrechung. Direkt an der Blumenstraße mussten auf dieser Fläche zunächst zwei teilweise unterkellerte Gebäude abgebrochen werden, eine weitere größere moderne Störung lag direkt am Borntalweg, eine dritte etwa in der Mitte der Fläche. Davon abgesehen sind die archäologischen Befunde auch hier hervorragend erhalten, die Lehmentnahmegruben setzten sich ebenso fort wie die natürliche Geländekante des Löß. Die Befunde zogen bis direkt an die Blumenstraße, hier mit einer relativ geringen humosen Überdeckung. Zu Jahresbeginn 2018 wurde das komplette Baufeld zur Vorbereitung der Grabung mit dem Bagger freigelegt, die Bearbeitung wird im Frühjahr 2018 fortgeführt. Schon jetzt kann man sagen, dass zwei Häuser komplett erfasst wurden.

Das südliche Haus wies eine Länge von etwa 24 m bei fast 6 m Breite auf. Es handelte sich um ein dreischiffiges, 13-jochiges Gebäude. Die Nordseite war teilweise durch eine Leitungstrasse gestört, die nördlichste Pfostenreihe daher nur im Westen erhalten. Begleitet wurde das Haus durch große Grubenkomplexe in der Mitte der beiden Längsseiten, hier wurde der Lehm für den Verstrich der Wände gewonnen. Anschließend verfüllte man die Gruben mit Abfall, daher konnten daraus zahlreiche Funde geborgen werden. Das nördliche Haus lag parallel zum südlichen. Es war z. T. durch ein modernes Gebäude gestört. Es hatte eine Mindestlänge von neun Jochen und war vierschiffig. Noch deutlicher als beim südlichen Haus zeichneten sich unterschiedliche Zonen im Haus ab, die mit den verschiedenen Nutzungsbereichen (Tierhaltung, Vorratshaltung, Wohnen) und damit verbundenen Zwischenebenen im Zusammenhang standen. Die Mindestlänge betrug 18 m, die Breite etwa 7 m.

Unter dem Fundmaterial der beiden Grabungen ist bemalte Keramik hervorzuheben, die auch schon bei den Untersuchungen 2016 auftrat. Unter den Steinartefakten fallen besonders die Fragmente von zwei Keulen auf. Diese sind in Siedlungsbereichen äußerst selten anzutreffen, in Gräbern werden sie in der Regel als Statussymbole angesprochen. Das weitere Fundinventar umfasst neben Keramik und Tierknochen in Form von Speiseabfällen, wie beispielsweise ein zu großen Teilen erhaltenes Biberskelett, auch zu Werkzeugen verarbeitete Knochengeräte wie Nadeln, Ahlen und mehrere Knochenspatel. Unter den Steingeräten gibt es mehrere Reibsteine, Beile und Silexgeräte.


Dr. Karin Sczech
Gebietsreferentin Erfurt, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 342
karin.sczech{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Borntalweg Grabung
Grabungen am Borntalweg. Die Drohnenaufnahme zeigt die Untersuchungsfläche im Sommer. Es fehlen noch die östlichen Flächen. Im Hintergrund der Petersberg, rechts neben der Grabungsfläche das Parkhaus aus der Grabung 2016 (Foto: M. Jedamzik)

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