Teil eines mittelalterlichen Hauses in Berga an der Elster

Auf einer Freifläche im Zentrum des 1427 mit Stadtrechten versehenen Ortes Berga an der Elster soll ein Funktionsgebäude für die Freiwillige Feuerwehr entstehen. Bereits im Jahr 1985 wurden auf dem westlich gelegenen Grundstück beim Bau der Konsumverkaufsstelle Mauerreste entdeckt. Einige aufmerksame Bürger meldeten den Befund dem zuständigen Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar. Unter Anleitung des für die Bodendenkmalpflege im ehemaligen Bezirk Gera zuständigen Kollegen wurde der Bereich archäologisch untersucht. Der damals freigelegte Befund ergab Mauerreste, die zu einem Gebäude von 3,70 × 4,00 m rekonstruiert werden konnten. Des Weiteren wurde im Fußboden des Gebäudes eine diagonal verlaufende Drainage freigelegt, die außerhalb des Gebäudes in einer Grube endete. Im archäologischen Fundmaterial sind Tierknochen, eine große Anzahl an stark korrodierten Eisengegenständen und Keramikscherben des 13./14. Jh. vertreten.

Das neuerliche Bauvorhaben befindet sich nur wenige Meter südlich der bereits untersuchten Fläche. Aus diesem Grund kam es 2017 bezüglich der besonderen archäologischen Relevanz zu einer bauvorgreifenden archäologischen Untersuchung durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Diese umfasst nicht die gesamte zu bebauende Fläche, sondern nur den Teil, der für das Einbringen von Betonstützen vorgesehen war. Der etwa 4 m breite Streifen wurde bis auf den anstehenden Boden abgetragen. Die 1 m mächtige Auffüllung bestand zu einem Drittel aus Bauschutt des 20. Jh. und zu zwei Drittel aus einem homogenen dunkelbraunen Substrat. In diesem Substrat fand sich mittelalterliches Fundmaterial, welches aufgrund seiner starken Fragmentierung nur grob in das 14. Jh. datiert werden kann.

Nach Abtrag der Auffüllung zeigte sich im Planum eine sehr kontrastarme rechteckige Verfärbung von 4,80 × 4,00 m. Die Ost-West-Ausdehnung des Befundes konnte nicht erfasst werden, da für die weiteren baulichen Maßnahmen das Gelände nur bis auf eine Tiefe von 0,30 m abgetragen wird. Somit sind konkrete Aussagen über den Grundriss des Hauses nicht möglich. Allerdings zeigt der Befund deutliche Spuren eines Brandereignisses. Im Bereich des Kellers konnten sehr große Stücke verziegelten Lehmbewurfs geborgen werden. Des Weiteren befand sich in der Nordwestecke des Kellers eine Anzahl von mindestens vier Gefäßen, die durch das Herunterbrechen aufgehender Gebäudeteile zerstört wurden. Bei dem Fundmaterial handelt es sich im Wesentlichen um Keramikscherben aus der ersten Hälfte des 14. Jh.

Die Reste von verkohlten Brettern bilden die Grenze zwischen dem anstehenden Boden und dem Befund. Somit ist an einen hölzernen Ausbau des Kellers zu denken. Für einen in Stein ausgeführten Bau ergeben sich keine Hinweise. Dennoch ist eine größere Anzahl an Steinen geborgen worden, deren Kantenlängen bis zu 0,60 × 0,30 m betrugen. Das geborgene Steinmaterial ist dem in unmittelbarer Umgebung anstehenden Phycodenschiefer zuzuordnen. Die aus dem Keller geborgenen Steine lagen ausschließlich auf dem etwa 0,20–0,40 m starken Brandhorizont auf, da sie nach dem Brand in den Befund gelangten. An den Steinen selbst sind nur sehr sporadisch Spuren von Feuereinwirkung erkennbar.

Den Fußboden des 1,20 m in den anstehenden Boden eingetieften Kellers bildete ein 1–2 cm starker Laufhorizont, der durch natürliche Kalkeinlagerung sinterartig verfestigt war. Die beiden archäologisch untersuchten Flächen erbrachten seltene Belege für die hochmittelalterliche Besiedlung dieses ostthüringischen Gebietes.

Thomas Queck
 

Dr. Ines Spazier,
Gebietsreferentin Ostthüringen, TLDA, Weimar

Tel.: 0361 / 57 3223 343
ines.spazier{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Durch Bodenverfärbnungen erkennbarer Hausgrundriss
Teil des mittelalterlichen Hausgrundrisses in Berga an der Elster (Foto: TLDA, Weimar)
Grabungdbild mit Steinen, die über einer dunklen Schicht asu einem Grabungsprofil ragen
West-Ost-Profil des Kellers mit auf der Brandschicht aufliegenden Steinen (Foto: TLDA, Weimar)

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