07.01.2013 11:19 Uhr

Ingenieurforum Thüringen 2008

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Herr Prof. Dr. Mönnig,
Ingenieurinnen und Ingenieure,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Klimaschutz ist ein Kernthema des 21. Jahrhunderts.
Diese Einsicht hat sich in den zurückliegenden Jahren weltweit durchgesetzt.
Fragen der Energieerzeugung, Energieeinsparung und der besseren Nutzung von Energie haben darum eine eminente Bedeutung erlangt.

Auf Bauherren sowie auf die Eigentümer von Gebäuden kommen in Zukunft neue Herausforderungen zu.
Das gilt sowohl für die baulichen und technischen Anlagen als auch für die zum Einsatz kommende Gerätetechnik.
Und weil dem Staat eine gewisse Vorbildwirkung zukommt, ist davon natürlich insbesondere auch der Staatlichen Hochbau betroffen.
Die Energiepreissteigerungen der letzten Jahre sind ein zusätzlicher Grund Überlegungen anzustellen, wie wir Energie einsparen und Kosten dämpfen können.

Die Lösung ist: Der effiziente Umgang mit Energie.
Energieeffizienz wirkt Kostensteigerungen entgegen, weil der Verbrauch sinkt und dadurch bei gleichbleibenden Einheitspreisen die Energiekosten fallen.
Energieeffizienz entlastet somit die privaten und öffentlichen Haushalte. Und gleichzeitig schonen wir damit unser Klima und unsere Umwelt.

Denn Gebäude haben mit mehr als 40 % einen erheblichen Anteil am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland.
Etwa ein Viertel aller CO2-Emissionen stammen von Raumheizung und Warmwasseraufbereitung.
Damit ist klar, dass eine höhere Energieeffizienz von Gebäuden ein ganz wichtiger Beitrag zum Klimaschutz ist.

Als Bauherr und Gebäudeeigentümer von ca. 1.000 Liegenschaften bzw. Immobilien ist selbstverständlich auch der Freistaat gefragt, seine Verantwortung für den Klimaschutz wahrzunehmen.
Und das Land wird dieser Verantwortung auch gerecht, so wie ich meine.

Seit 1991 hat der Freistaat im Staatlichen Hochbau Baumaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von ca. 3 Mrd. € umgesetzt.

Dabei war die Energieeffizienz der baulichen und technischen Anlagen war bei diesen zahlreichen Neu-, Um- und Erweiterungsbauten stets ein wichtiges Kriterium.

Und ich kann feststellen: Inzwischen haben wir hier eine Qualität erreicht, die sich im bundesweiten Vergleich absolut sehen lassen kann.

Das belegen verschiedene Indikatoren [Wärmebezug, Elektroenergiebezug, Trinkwasserbezug und Energiekostenbezug] im Ländervergleich sowie der vor wenigen Monaten abgeschlossene Praxistest zum Thema „Energieausweise in landeseigenen Liegenschaften“.

Gleichwohl bestehen in den Landesliegenschaften weitere Einsparmöglichkeiten bei Energie und Wasser.
Dieses Potenzial wollen wir konsequent nutzen.

Denn die Ausgaben des Landes für Energie [Wärme und Strom] und Wasser stiegen seit dem Jahr 2000 um gut 30 % und betragen heute knapp 29 Mio. € jährlich.
Der Kostenanteil für Wärme, d. h. insbesondere Heizenergie, liegt mit ca. 42% von diesen Gesamtausgaben dabei ungefähr in der gleichen Größenordnung wie der für Elektroenergie.

Man kann leicht ausrechnen, welch immense Ersparnis schon eine 10%ige Effizienzsteigerung bei den Energiekosten bewirken kann.
[rund 3 Mio € / Jahr]

Das Land hat daher ein hohes Eigeninteresse, die Ausgaben für Energie und Wasser zu begrenzen und der allgemeinen Energiepreissteigerung entgegenzuwirken.
Aber natürlich sind nicht allein fiskalische Überlegungen ausschlaggebend.
Wie bereits eingangs erwähnt, ist der Landesregierung bewusst, dass der öffentlichen Hand eine Vorbildwirkung beim Klima- und Umweltschutz zukommt.
Und dementsprechend handeln wir.

Im Vordergrund steht dabei die Reduzierung des Treibhausgases CO2. Dies lässt sich sowohl durch Reduzierung des Primärenergiebedarfs wie auch durch die Senkung der Transmissionswärmeverluste [Wärmedurchgang durch Wand und Fenster] in den landeseigenen Gebäuden erreichen.

Dabei ist der Freistaat, wie jeder private Bauherr auch, selbstverständlich an gesetzliche Vorgaben wie z. B. die „Energieeinsparverordnung“ von 2007 oder das „Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz“ von 2008 gebunden.

Wir sind bestrebt, diese gesetzlichen Vorgaben vorfristig, auf jeden Fall aber fristgerecht einzuhalten. [z.B. durch den Einsatz von Biomasse schon vor dem Biomassefördergesetz].
Und wo es möglich ist, versuchen wir, über die gesetzlichen Minimalanforderungen hinaus eine noch höhere Qualität zu erreichen.
[z.B.: Einbau höherer Fenster als Norm – d.h. mit geringerem Wärmedurchgangswert]

Vier der Maßnahmen zur Optimierung der Energieeffizienz, auf die wir im staatlichen Hochbau in Thüringen besonderen Wert legen, möchte ich Ihnen anschließend vorstellen:

Wir streben bei allen Bauvorhaben an,
1. den Anteil regenerativer Energien zu erhöhen und
2. liegenschaftsbezogene Energiekonzepte zu entwickeln.
3. evaluieren wir unsere Energiesparmaßnahmen und
4. gehen wir neue Wege bei der Durchführung von Energiesparmaßnahmen über alternative Vertragsformen.

Damit meine Damen, meine Herren zum
1. Punkt: Erhöhung des Anteils regenerativer Energien

Die Landesregierung hat dazu 2006 das Thüringer Bioenergieprogramm beschlossen, das inzwischen über die Landesgrenzen hinaus viel Aufmerksamkeit erfahren hat.

Es sieht u. a. vor, den Anteil der Biomasse an der Wärmeversorgung der landeseigenen Liegenschaften bis 2020 auf ca. 15 % zu steigern.
Damit nimmt der Freistaat eine Vorreiterrolle bei der Nutzung der Bioenergie ein.

Und gerade in Einrichtungen mit natur- und umweltnahem Bezug haben wir uns zum Ziel gesetzt, nachwachsende Rohstoffe [Holzscheite, Stroh, Hackschnitzel] einzusetzen.

Grundsätzlich wird aber bei jeder Landesbaumaßnahme geprüft und bewertet, ob umweltverträgliche Energieversorgungssysteme die mit erneuerbaren Energieträgern arbeiten, eingebaut werden können.

Eine Lösung zu finden, ist nicht immer einfach, weil die meisten Landesliegenschaften in den Innenstädten lokalisiert sind und teilweise im Geltungsbereich von Fernwärmesatzungen liegen.

Trotzdem halten wir auch in diesen Fällen daran fest, fossile Energieträger zumindest teilweise durch erneuerbare Energien zu ersetzen.

Die oberflächennahe Erdwärme, die z. B. im Verwaltungsgebäude am Petersenschacht in Sondershausen (ehem. Staatliches Umweltamt) die Wärme bereit stellt oder die Energieversorgung mittels Biomasse, besitzen dabei einen besonderen Stellenwert.

Gerade beim Einsatz von Biomasse haben wir in Thüringen schon eine ganze Menge erreicht.
Im deutschlandweiten Vergleich nimmt der Freistaat hierbei eine Spitzenposition ein.

Auch das Land nutzt diesen Energieträger.
Die installierte thermische Leistung der landeseigenen Biomasseheizungen beträgt derzeit 4 Megawatt.

Beispiele dafür sind:
• 58 Scheitholzanlagen für die Raumheizung und Warmwasserbereitung in Forstliegenschaften, die der Freistaat von 1992 bis 2004 einbauen ließ,
• ein Strohheizwerk mit einer Wärmeleistung von 1,4 Megawatt, das seit 1995 die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Jena beheizt und
• die Hackschnitzelheizung im Sportgymnasium Oberhof, die 2005 fertig gestellt wurde.

Und in diesem Jahr werden wir noch die neuen Biomasseheizungen
• im Aus- und Fortbildungsinstitut der Thüringer Polizei in Meiningen,
• im Forstamt Bad Salzungen und
• im Forsthaus Willrode bei Erfurt
fertig stellen bzw. in Betrieb nehmen .

Denn: dezentral erzeugte Energie aus Biomasse schließt nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvolle Kreisläufe.
Denn neben Impulsen für Hersteller von Biomasseheizungen und Heizungsfachbetriebe führt die regionale Bereitstellung von Biomasse auch zu einer höheren Wertschöpfung in der Region.
Deshalb werden wir diesen Weg weiter beschreiten und wie Wärmegewinnung aus Biomasse in Zukunft weiter ausbauen.
Aktuell aber, meine Dame und Herren, basiert der Großteil unserer Energieversorgung noch auf den fossilen Energiequellen Erdöl und Erdgas sowie Braun- und Steinkohle, die bei ihrer Verbrennung große Mengen von Kohlendioxid (CO2) freisetzen.

Weil sie aber nicht kurzfristig ersetzt werden können, legen wir großen Wert darauf, diese fossilen Energieträger so effizient wie möglich zu nutzen.

Sofern es die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen zulassen, greifen wir daher auf Fernwärme zurück.
Ihr Anteil an der Gesamtwärmeversorgung der Landesliegenschaften beträgt derzeit ca. 35 %.

Wesentliches Effizienzkriterium auch bei Fernwärme ist der Primärenergiefaktor.
Er berücksichtigt auch die vorgelagerten Prozessketten bei der Gewinnung, Umwandlung und Verteilung der eingesetzten Brennstoffe.
Da er Wirkungsgrade und Verluste einbezieht, ist er der Gradmesser für die Energieeffizienz.

Deshalb spielt dieses Kriterium bei der Auswahl des Anbieters zur Versorgung der Landsliegenschaften eine zunehmend wichtigere Rolle. [besonders guter Primärenergiefaktor Erfurt, besonders schlechter: Schmalkalden].

Meine Damen, meine Herren,
damit zum zweiten Abschnitt
Liegenschaftsbezogene Energiekonzepte.

Bei der Suche nach Möglichkeiten zur Energieeinsparung und Energieeffizienzsteigerung hat sich gezeigt, dass effiziente Lösungen für energiesparendes, klima- und umweltschonendes Bauen immer objektbezogen sein müssen.
Standard- oder Typenlösungen erfüllen die Anforderungen in aller Regel nicht.
Das richtige, passgenaue Konzept zu finden, ist allerdings nicht leicht.
Bei der Suche danach sind die Thüringer Ingenieurbüros wichtige Partner für uns.

Gute Erfahrungen hat der Freistaat als Bauherr mit ganzheitlichen Energiekonzepten gesammelt, die schon in den ersten Planungsphasen erarbeitet werden.

Denn am Beginn des Planungsprozesses werden die Weichen für effiziente und zukunftsorientierte Lösungen gestellt.
Zumal hier noch die Freiheitsgrade, für optimale objektbezogene Ergebnisse bestehen.

Die Erfahrung zeigt weiter, dass künftige Nutzer und Betreiber frühzeitig in die Planung eingebunden werden sollten.
Dadurch steigt die Akzeptanz, da die Nutzer sich stärker mit den innovativen Konzepten identifizieren.

Erfolgreiche Beispiele für eine frühzeitige Abstimmung des Energiekonzepts mit den Betreibern sind
• die Sanierung des Sportgymnasiums Oberhof oder
• der geplante Neubau der Jugendstrafanstalt in Arnstadt-Rudisleben.

Am Sportgymnasium Oberhof ist allein schon durch die Verwendung der vorhandenen Bausubstanz eine nachhaltige und energieeffiziente Lösung gefunden worden.

Und hinter den mit Holz verkleideten und teilweise auch transparenten Fassaden sind zukunftsorientierte und energieeffiziente technische Lösungen eingebaut worden, z.B.: eine energieeffiziente Beleuchtung und eine höchst effektive Lüftungsanlage mit sehr guter Wärmerückgewinnung.

Der bauliche Wärmeschutz wurde verbessert, so dass heute der reduzierte Wärmebedarf fast vollständig durch nachwachsende Rohstoffe gedeckt werden kann.
Die alte, klimaschädliche und ineffiziente Nachtspeicherheizung wurde durch eine hochmoderne Holzhackschnitzelheizung ersetzt.
Dadurch spart das Oberhofer Sportgymnasium, eine bundesweit anerkannte Eliteschule des Sports, nun jedes Jahr den Großteil ihrer früheren Energiekosten.
Und gleichzeitig reduzieren sich die CO2-Emissionen um jährlich 1.600 Tonnen, was der Umwelt zugute kommt.

Die in die Fassade des neuen „Heizhauses“ integrierte Solaranlage nutzt die Sonnenenergie und stellt Wärme für Heizung und Warmwasser bereit.
Wenn Sie mehr über die energieeffizienten, ressourcen- und umweltschonenden Lösungen in der erfolgreichen Sportschule im Thüringer Wald wissen wollen, verweise ich auf die dazugehörige Projektdokumentation, die Sie über die Website des TMBLM abrufen können.

Ein weiteres Beispiel für maßgeschneiderte Energiekonzepte aus der Praxis ist der Neubau der Jugendstrafanstalt in Arnstadt-Rudisleben.
Der Neubau mit einer Hauptnutzfläche von über 14.000 m² soll im Zeitraum 2009 – 2012 entstehen.

Bei der Erstellung des Energiekonzepts sind verschiedene Varianten zur Wärmeversorgung durch

• Geothermie,
• Verwendung von fossilen Energieträgern oder
• Biomasse
geprüft und gegeneinander abgewogen worden.

Der direkte Vergleich zwischen den Varianten mit regenerativer und fossiler Energie fiel im konkreten Fall zugunsten der Biomassevariante aus.

Und das obwohl die Jahresgesamtkosten der Biomasseheizung mit Holzhackschnitzeln knapp 10 % über denen der Heizölkesselvariante liegen.

Gemäß dem bereits erwähnten Thüringer Bioenergieprogramm, dem sich die Landesregierung verpflichtet fühlt, überwog der Umwelt- und moralische Bonus der Biomassevariante gegenüber dem Heizöl.

Auch beim bautechnischen Wärmeschutz haben wir bereits höhere Standards vorgesehen, als derzeit vorgeschrieben.

Konkret geht es darum, dass wir hier schon die wesentlich höheren Standards der künftigen Energieeinsparverordnung 2009 anwenden, obwohl es durchaus noch möglich wäre, nach der derzeit gültigen Energieeinsparverordnung 2007 zu bauen [30% besserer Wärmeschutz in der neuen Verordnung vorgeschrieben].

Zusammenfassend lässt sich also feststellen:
• durch die Orientierung an der Energieeinsparverordnung 2009
• eine 550 kW Holzhackschnitzelheizung in Kombination mit
• einem 285 kW Heizölkessel zur Abdeckung von Spitzenlasten

reduzieren sich die CO2-Emissionen um 605 Tonnen pro Jahr.
Damit werden 85 % der sonst anfallenden CO2-Emissionen vermieden.

Ich denke, meine Damen und Herren, an beiden Bauprojekten wurden durch überzeugende, maßgeschneiderte Energiekonzepte gute und überzeugende Entscheidungen für Umwelt und Klima gefällt.

Um überprüfen zu können, wie sich diese Entscheidungen auswirken führen wir Erfolgskontrollen durch.

Damit komme ich zu Punkt 3: Erfolgskontrollen von Energieeinsparmaßnahmen.
Diese Erfolgskontrollen dienen dazu, die Wirtschaftlichkeit der Systeme zu bewerten und Probleme und Optimierungspotenziale zeitnah zu erkennen.

So zeigte z.B. die Auswertung der solarthermischen Anlage im Gefahrenabwehrzentrum Suhl/Zella-Mehlis, dass nur 50 % des prognostizierten solaren Ertrages erreicht wurde.
Aufgrund dieses Evaluierungsergebnisses sind der Solarregler und hydraulische Einstellungen nachjustiert worden.
Jetzt liefert die solarthermische Anlage die zuvor berechnete Wärme aus Sonnenenergie und erfüllt damit nicht nur die Erwartungen, sondern auch die Wirtschaftlichkeitskriterien.

In diesen Zusammenhang gehören auch die Ergebnisse der Studie „Einsparungspotenziale durch alternative Beleuchtungskonzepte und Lichtmanagement-Systeme“.

Schon bei ersten Untersuchungen zeigte sich, dass der Einsatz von Leuchten mit T5-Leuchststofflampen sowie elektronischen Vorschaltgeräten wirtschaftlich und energieeffizient ist.
Die Verwendung dieser Leuchtstofflampen mit 16 mm Rohr wurde daher bereits vor 8 Jahren bei den Baumaßnahmen des Landes verbindlich vorgeschrieben.

Der Primärenergieverbrauch für die Beleuchtung in Verwaltungsgebäuden konnte dadurch deutlich gesenkt werden.

Ein so eindeutig positives Ergebnis zugunsten der T5-Leuchten konnte bei Versuchen mit Lichtmanagementsystemen, wie zum Beispiel Präsenzmeldern und Tageslichtsensoren, nicht festgestellt werden.

Thüringen hat daher im Bundesrat eine Anpassung der Energieeinsparverordnung vorgeschlagen, die sich eindeutig für die T5-Leuchtstofflampen ausspricht.

Interessierte unter Ihnen verweise ich für weitere Details auf die drei Abschlussberichte der Versuchsprojekte, die auf der Website des TMBLM unter der Rubrik „Staatlicher Hochbau“ eingestellt sind.

Einbezogen in die Evaluierungen wird auch das Nutzer- und Betreiberverhalten, denn dies beeinflusst maßgeblich den tatsächlichen Energieverbrauch.

Im Gegensatz zu baulichen Maßnahmen erfordert energieeffizientes Verhalten der Nutzer und Betreiber keine Investitionen.
Sie sind daher zwangsläufig auch „wirtschaftlich“ und unter finanziellen Gesichtspunkten besonders interessant.

So hat beispielsweise die Fachhochschule Erfurt ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Forschungsprojekt mit dem Namen "INNOSEG" durchgeführt.
Ziel dieses Projektes war es, das Zusammenspiel zwischen der Wirkung von technischen Komponenten und Prozessen in Gebäuden und dem Nutzerverhalten zu untersuchen.

Beim Praxisteil von "INNOSEG" in den Jahren 2006 und 2007 hat der Staatlichen Hochbau mit der FH Erfurt zusammengearbeitet und das Gebäude der Verkehrspolizeiinspektion in Gotha ist eingehend untersucht worden.

Dafür wurden
• die Planungs- bzw. Bestandsunterlagen analysiert,
• der Planungs- und Bauprozess bewertet,
• Nutzerbefragungen und psychologische Untersuchungen am Arbeitsplatz durchgeführt sowie
• die Stoff- und Energieströme durch konkrete Messungen erfasst und bewertet.

Ein Maßnahmenpaket, das auf diesen Untersuchungen basiert, soll die energetische Situation verbessern.
Und ein erstes aussagekräftiges Ergebnis liegt auch schon vor:

Im ersten Halbjahr 2008 sanken die Energie- und Wasserkosten um ca. 10 %.

Dieses eine, uneingeschränkt positive Ergebnis lässt bereits erahnen, dass auch in anderen Liegenschaften noch Reserven und Potenziale vorhandenen sind.

Meine Damen und Herren,
abschließend möchte ich noch auf den vierten Punkt, Alternative Energiespar-Vertragsformen eingehen.
Hierzu haben wir ein Pilotprojekt in der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld (kurz: JVA Untermaßfeld) durchgeführt.
Das Ergebnis ermutigt, ähnliche Lösungen auch in anderen landeseigenen Liegenschaften verstärkt anzuwenden.

Worum geht es?
Energiespar-Contracting ist eine Sonderform von Public Privat Partnership (PPP).
Dabei werden Energiedienstleistungen und Energiebewirtschaftungsmaßnahmen auf einen Dritten, den so genannten Contractor, ausgelagert.

Der Contractor übernimmt
- Planung,
- Errichtung,
- Finanzierung und
- Betrieb von Energiesparmaßnahmen (z. B. Erneuerung der Gebäudeautomation).
Für deren Erfolg, d. h. das Erreichen einer vertraglich garantierten Energieeinsparung, trägt er die volle unternehmerische Verantwortung einschließlich des wirtschaftlichen Risikos.

Mit Energiespar-Contracting können Energiesparmaßnahmen auch dann zeitnah umgesetzt werden, wenn Mittel für Investitionen im Landeshaushalt in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen.

Investitionen können so vorgezogen und Energieeinsparpotenziale schneller genutzt werden, weil der Landeshaushalt durch diese Maßnahmen nicht belastet wird.
Besonders bei Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen von Gebäuden lassen sich so große Mengen CO2 früher einsparen als bei anderen Finanzierungsvarianten.
Im konkreten Fall der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld ist der Vertrag mit dem Contractor am 27. September 2006 unterzeichnet worden.

Für vorwiegend technische Energiesparmaßnahmen wurden bis Ende August 2007 Erstinvestitionen in Höhe von knapp 800.000 € realisiert.

Dazu gehörten u. a.
• die Sanierung des Wärmeverteilnetzes,
• die Erneuerung der Gebäudeautomation und
• der Einbau eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerkes mit einer elektrischen Leistung von 200 kW.

Der Contractor garantiert Einsparungen in Höhe von ca. 137.000 € pro Jahr bis zum Ende der Hauptleistungsphase am 31. Dezember 2015, was erheblich zur Wirtschaftlichkeit beiträgt.
Durch diese Energiesparmaßnahmen werden außerdem jährlich CO2-Emissionen von 718 Tonnen, das sind fast 35 %, vermieden.

Aber auch über sogenannte Gestattungsverträge kann der Ausbau regenerativer Energien forciert werden.

Dabei werden baulichen Anlagen, etwa Dachflächen, Räumlichkeiten oder Grundstücksflächen einem Nutzungsberechtigten zeitlich begrenzt überlassen.
Dieser kann dann dort auf eigene Kosten und eigenes Risiko umweltfreundliche Anlagen für regenerative Energien installieren und betreiben.

Darauf zielt auch der Beschluss zu „Photovoltaik auf Landesdächern“ des Thüringer Landtages vom 11. April 2008 ab.
Dabei geht es darum, geeignete Dächer von landeseigenen Gebäuden für die mögliche Errichtung von Photovoltaikanlagen zu ermitteln und interessierten Gesellschaften oder Einzelpersonen den Aufbau und den Betrieb von Photovoltaikanlagen auf diesen Dächern zu ermöglichen.

Gute Erfahrungen mit solchen Gestattungsverträgen liegen bereits vor.

Auf dem Dach des Funktionsgebäudes des Thüringer Landtages errichteten die Stadtwerke Erfurt eine Photovoltaikanlage, die seit Anfang Januar 2004 Strom aus Sonnenenergie liefert.

Diese Solaranlage mit einer Spitzenleistung von 20 kWP (gesprochen: kW Piek) speist seit Inbetriebnahme jedes Jahr über 18 MWh (Megawattstunde) in das Stromnetz ein.
Damit können mindestens vier Haushalte mit jeweils vier Personen mit Strom versorgt werden.
12 Tonnen CO2-Emissionen werden jährlich vermieden.

Diesem erfolgreichen Projekt sollen zeitnah möglichst weitere folgen.
Die notwendigen Vorarbeiten und Untersuchungen laufen derzeit auf Hochtouren.
Das Thüringer Liegenschaftsmanagement und der Staatliche Hochbau arbeiten hier sehr intensiv zusammen.
Ich gehe davon aus, dass wir Ihnen 2009 über neue Fortschritte und Erfolge bei der Nutzung der Sonnenenergie berichten können.


Meine Damen, meine Herren,
ich denke, es ist deutlich geworden, dass es dem Freistaat Thüringen ein zentrales Anliegen ist, seine Liegenschaften umweltfreundlich und energiesparend zu gestalten.
Einige erfolgreiche Beispiele habe ich Ihnen vorgestellt.

Sie, die Ingenieure sind bei allen diesen Plänen und Vorhaben unsere wichtigsten Partner.

Ich danke Ihnen für das bislang Erreichte und hoffe auf weitere Anregungen aus der heutigen Veranstaltung.

Vielen Dank.