07.01.2013 11:23 Uhr

Glossar

Der Begriff „Demografischer Wandel“ hat sich angesichts der aktuellen Entwicklungen der Bevölkerung in Thüringen, Deutschland und Europa in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion Eingang gefunden. Begleitet wird er oftmals von einer Vielzahl von Fachbegriffen:

Abhängigkeitsquotient (auch Gesamtquotient, Lastquotient, engl. total dependency ratio)
Der Abhängigkeitsquotient bezeichnet das Verhältnis der wirtschaftlich abhängigen Altersgruppen (Personen, die noch nicht bzw. nicht mehr im erwerbsfähigen Alter sind) zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. In den Industriestaaten geht man auf Grund der meist längeren Ausbildungszeiten häufig von einem produktiven Alter zwischen 20 und 65 Jahren aus. In weniger entwickelten Ländern ist eher ein produktives Alter von 15 bis 65 Jahren anzunehmen. Eine andere Wahl von Altersgrenzen ist jedoch ebenfalls möglich. Die Gruppen der Jugendlichen bzw. der Senioren können auch einzeln zur produktiven Altersgruppe ins Verhältnis gesetzt werden. Man spricht dann vom Jugend- beziehungsweise Altersabhängigkeitsquotienten. Der Abhängigkeitsquotient gibt an, wie hoch die Belastung einer Volkswirtschaft beziehungsweise der Bevölkerung im produktiven Alter durch die nicht produktive Bevölkerung auf Grund der Altersstruktur ist.

Abwanderung (auch Emigration, engl. emigration)
Abwanderung bezeichnet das Verlassen einer bestimmten geografischen Einheit (Land, Region, Gemeinde), um in einer anderen geografischen Einheit einen dauerhaften oder temporären Wohnsitz zu nehmen. Siehe auch Wanderung

Abwanderungsrate
Die Abwanderungsrate ist ein Maß, das die Zahl der Abwanderer (Emigranten) pro Jahr je 1.000 Einwohner einer geografischen Einheit angibt. Die Abwanderungsrate berücksichtigt nicht die im gleichen Zeitraum erfolgten Zuzüge und lässt deshalb keinen Rückschluss auf die Bevölkerungsentwicklung zu. Hierfür ist die Wanderungsrate besser geeignet.

Alter, gebärfähiges
Für demografische Berechnungen wird als „gebärfähiges Alter“ i. d. R. die Zeit zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr einer Frau angenommen. Teilweise wird in den Ländern wo häufiger auch nach dem 45. Lebensjahr noch Kinder geboren werden, der Zeitraum bis zum 49. Lebensjahr einbezogen. Außerhalb dieser Zeitspanne treten kaum noch Geburten auf.

Alterung, demografische
Demografische Alterung tritt bei einem steigenden Anteil der älteren und sinkenden Anteil der jüngeren Bevölkerung auf. Das Medianalter der Population steigt. Ursache dieser Entwicklung kann sinkende Fertilität, steigende Lebenserwartung oder auch die Abwanderung jüngerer Bevölkerungsgruppen sein.

Bevölkerungsbewegung
Die Bevölkerungsbewegung bezeichnet die Gesamtheit der demografischen Ereignisse (Geburten und Sterbefälle, Zu- und Fortzüge) einer Population in einem Zeitintervall. Dabei werden natürliche Bevölkerungsbewegung sowie räumliche Bevölkerungsbewegung unterschieden. Während die natürliche Bevölkerungsbewegung Geburten und Sterbefälle betrachtet, umfasst die räumlich Bevölkerungsbewegung Zu- und Abwanderungen (Siehe auch Migration). Die Bevölkerungsbewegung wird mathematisch mit Hilfe der Grundgleichung ausgedrückt.

Bevölkerungsbewegung, natürliche
Die natürliche Bevölkerungsbewegung bezeichnet Anzahl und Verhältnis von Geburten und Sterbefällen in einer Population. Siehe auch Bevölkerungsbewegung

Bevölkerungsbewegung, räumliche
Die räumliche Bevölkerungsbewegung bezeichnet Anzahl und Verhältnis von Zu- und Abwanderungen in einer Population. Siehe auch Bevölkerungsbewegung

Bevölkerungspyramide
Die Bevölkerungspyramide ist die grafische Darstellung der Alters- und Geschlechterstruktur einer Bevölkerung. Dabei werden in einem Koordinatensystem Altersgruppen als Anzahl oder Anteil in Form eines liegenden Balkens abgebildet und übereinander gestapelt. Von der Mittelachse des Koordinatensystems aus werden dabei links die Anzahl der männlichen und rechts die Anzahl der weiblichen Personen abgetragen.
Daraus ergibt sich, zumindest für traditionelle Gesellschaften mit dauerhaft über der Fertilität liegender Sterblichkeit, eine pyramidenförmige Gestalt: eben die Bevölkerungspyramide. Bei zurückgehender Fertilität kann sich eine „Bevölkerungspyramide“ auch umkehren. Bei einer Überzahl an Personen in älteren Jahrgängen nimmt sie dann eine Urnenform an. Die Bevölkerungspyramide stellt stets eine Momentaufnahme der Alters- und Geschlechterstruktur dar und bezieht sich auf einen Stichtag.

Demografischer Wandel
Der Begriff bezeichnet die Veränderung der Zusammensetzung der Bevölkerungsstruktur.
Er hat zunächst keine wertende Funktion, sondern dient ausschließlich der Beschreibung der Zusammensetzung der Altersstruktur einer Gesellschaft. Demografischer Wandel wird von den Faktoren Geburtenrate, Lebenserwartung und Wanderungssaldo beeinflusst. Eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur ergibt sich aus der Summe der drei Faktoren. Aktuell verändern eine zunehmend älter werdende Bevölkerung Alterung, demografische, sinkende Fertilitätsraten und Wanderungsbewegungen (häufig von Nord-Süd- und Ost-West) Städte und Gemeinden. Aufgabe der Politik ist es auf diesen Wandel zu reagieren Raumordnung.

Fertilität (auch Fruchtbarkeit, engl. fertility)
Im biologischen Sinn wird bereits die potenzielle Fähigkeit, sich fortzupflanzen, als Fertilität aufgefasst (auch Fekundität, Fortpflanzungsfähigkeit). Demgegenüber bezeichnet der Begriff Fertilität in der Demografie nur die tatsächlich realisierten Geburten (Geburtenhäufigkeit) einer Einzelperson, eines Paares, einer Gruppe oder einer gesamten Bevölkerung. Als demografische Maße für Fertilität werden allgemeine und altersspezifische Fertilitätsraten sowie die Gesamtfertilitätsrate berechnet.

Fertilitätsrate, allgemeine (auch Fruchtbarkeitsziffer, allgemeine, engl. general fertility rate)
Die allgemeine Fertilitätsrate gibt die Zahl der lebend geborenen Kinder je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 45 Jahren (manchmal zwischen 15 und 49 Jahren) an. Die Berechnung erfolgt unabhängig vom Familienstand der Frauen bzw. der Legitimität der Kinder.

Geburtenrate, rohe (auch Geburtenziffer, rohe; Geburtenziffer, allgemeine)
Die rohe Geburtenrate bezeichnet die Zahl der lebendgeborenen Kinder pro Jahr je 1000 Einwohner eines Gebietes. Anders als Fertilitätsraten werden also hier die Geburten nicht nur auf Frauen im gebärfähigen Altern, sondern auf die Gesamtpopulation bezogen. Altersstruktureffekte können sich so in rohen Geburtenraten deutlich bemerkbar machen.

Gesamtfertilitätsrate (auch Gesamtfruchtbarkeitsrate, zusammengefasste Geburtenziffer, Periodenfertilität,)
Die Gesamtfertilitätsrate gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich bekommen würde, wenn die für den gegebenen Zeitpunkt maßgeblichen altersspezifischen Fruchtbarkeitsverhältnisse der betrachteten Population als konstant angenommen werden.

Jugendabhängigkeitsquotient (auch Jugendlastquotient, engl. youth dependency ratio)
Der Jugendabhängigkeitsquotient bezeichnet das Verhältnis der wirtschaftlich abhängigen Jugendlichen einer Population zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. Siehe auch Abhängigkeitsquotient
Für die noch nicht erwerbstätigen Personen wird dabei häufig ein Alter von 0 bis 19 Jahren und für die Erwerbstätigen eine Altersklasse von 20 bis 64 Jahren angenommen. Eine andere Wahl von Altersgrenzen ist jedoch ebenfalls möglich. Auf Grund der demografischen Veränderungen in Deutschland ist davon auszugehen, dass der Jugendabhängigkeitsquotient in den kommenden Jahren zurückgehen wird.

Kohorte
Unter einer Kohorte versteht man demografisch eine Personengruppe mit einem gemeinsamen zeitbezogenen Charakteristikum, am häufigsten das Geburtsjahr. Beispielweise bilden alle Personen, die im gleichen Jahr geboren wurden, eine Geburts- oder Alterskohorte. Man kann jedoch auch andere zeitliche Gemeinsamkeiten, wie das Jahr der Heirat oder das Jahr des Berufseinstiegs für die Kohortendefinition zugrunde legen. Man spricht dann entsprechend von Heirats- bzw. Berufseintrittskohorten.

Mikrozensus
Befragung einer repräsentativen Auswahl von Einzelpersonen oder Haushalten z.B. zur Feststellung demografischer Eigenschaften oder zu Entwicklungstendenzen in Teilen der Bevölkerung oder der Gesamtbevölkerung. In Deutschland wird die „Repräsentativerhebung der Bevölkerung und des Erwerbslebens“– kurz: Mikrozensus seit 1957 (in den neuen Bundesländern und Ostberlin seit 1991) jährlich durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine Stichprobenerhebung, bei der ein Prozent aller Haushalte der Bundesrepublik nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und befragt werden.

Sterberate, rohe
Die rohe Sterberate gibt die Zahl der Gestorbenen pro Jahr je 1.000 Personen einer Population an.

Wanderungssaldo (auch Wanderungsbilanz, Nettowanderung, Migrationssaldo, engl. net migration)
Die Wanderungsbilanz bzw. der Wanderungssaldo ist die Differenz aus der Zahl der Zuzüge und der Fortzüge in bzw. aus einer Raumeinheit innerhalb eines Zeitraumes (i. d. R. innerhalb eines Kalenderjahres).


Quelle: Online-Handbuch Demografie. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. www.berlin-institut.org  (Auszug)