Thüringer Staatspreis 1998
"Architektur spielt keine unschuldige Rolle."
„Den Menschen wird langsam bewußt, daß Architektur zu tun hat mit Freiheit oder Gefangensein. Architektur spielt keine unschuldige Rolle.“ Wer dies wie der Architekt Daniel Libeskind bedenkt, weiß um die Bedeutung der Architektur für unser gesamtes Leben. Diese hervorzuheben und gleichzeitig die Öffentlichkeit mit den Gestaltungsmöglichkeiten der heutigen Architektur vertraut zu machen, ist das Ziel des „Staatspreises für Architektur und Städtebau 1998“. Zugleich soll der zum zweiten Mal vergebene Preis für die neu entstehende Baukultur werben und die Entwicklung der Architektur in Thüringen begleiten und festhalten. Die Wende im politischen hat auch Einfluß genommen auf die Gestaltung von Baukörpern. Weg vom eintönigen Plattenbau hin zu gestalteten, funktionell durchdachten und den Bedürfnissen der Menschen zugewandten modernen, zeitgemäßen Bauten, die sowohl kostengünstig in der Errichtung als auch kostensparend und wirtschaftlich in der Unterhaltung sind.
Waren bei der erstmaligen Vergabe des Thüringer Staatspreises 1996 nur wenige herausragende Einzelbaumaßnahmen zu erkennen, sind in diesem Jahr fast ausschließlich hochwertige Neubaumaßnahmen bewertet worden. Dabei war nicht das Bauvolumen entscheidend, sondern vor allem die Qualität der baulichen Lösung.
Diese erfreuliche Tatsache verdeutlicht, wie sehr die Baukultur in Thüringen innerhalb weniger Jahre an Bedeutung gewonnen hat. Eine wichtige Entwicklung, die sich mit dem Bemühen der Politik im Freistaat deckt, ein kreatives wie innovatives Thüringen in Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung zu gestalten. Die Architektur im Land wird zum Gesicht des neuen Thüringen. Es ist der Ausdruck eines modernen, weltoffenen und sensiblen Landes.
Der Träger des diesjährigen Staatspreises zeigt dabei in eindrucksvoller Weise, daß sich Baukultur und soziale Aspekte nicht ausschließen müssen, ja sogar miteinander verbunden werden können. Gerade in den gesichtslosen Plattenbaugebieten, in denen vor allem Jugendlichen wenige Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung geboten werden, ist es wichtig, durch eine sensible Architektur Zeichen zu setzen. Dies ist bei dem Freizeitzentrum als zentralem Bezugspunkt der dort wohnenden Menschen in städtebaulich hervorragender Weise gelungen. Die Architektur ist integriert, lebt mit und für die Menschen.
Es ist ein gutes Beispiel dafür, daß der Einfluß der Architektur auf die Lebensqualität und letztlich das Lebensgefühl in unseren Städten und Gemeinden nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Auch ist es ein Zeugnis der wiederentstandenen Selbstverwaltung der Kommunen und anderer öffentlicher Träger. Es ist Blickpunkt des öffentlichen Interesses und somit ein wesentlicher Beitrag zur Identifikation des Bürgers mit seiner unmittelbaren Umgebung.
Ich hoffe, daß sich durch die Preisverleihung alle an den Projekten Beteiligten ermuntert fühlen, in Thüringen einen Beitrag zur Entstehung von guten, kreativen Gebäuden auf hohem Niveau zu leisten.
Der „Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 1998“ wurde vom Preisgericht an das
Architekturbüro: Prof. Dipl. Architekt Peter Kulka, Köln
Bauherr: Bauherrengemeinschaft Landratsamt Schmalkalden-Meiningen/ Stadt Meiningen, unterstützt durch den Freistaat Thüringen
für den Neubau einer „Multifunktionalen Halle für Sport und Kultur“ in Meiningen vergeben.