Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr

07.01.2013 11:19 Uhr

Thüringer Holzbaupreis 2007

Der Thüringer Holzbaupreis 2007 wurde am 14. Juni 2007 von der Jury vergeben !

Die Jury unter Vorsitz von Prof. Ulf Hestermann von der Fachhochschule Erfurt hat den Thüringer Holzbaupreis 2007 für die Studentenwohnanlage am Grenzhammer in Ilmenau vergeben. „Da die Projekte durchweg von hoher Qualität sind, war die Entscheidungsfindung nicht leicht“, stellte der Juryvorsitzende nach der Entscheidung fest.

1. Preis: Studentenwohnanlage am Grenzhammer in Ilmenau

Hbp07 Sieger Studentenwohnanlage Ilmenau
Hbp07 Sieger Studentenwohnanlage Ilmenau
Studentenwohnanlage am Grenzhammer in Ilmenau

Bauherr
Bauherrengemeinschaft Wicht + Kirchner, Ilmenau

Planer
Dipl.-Ing. Jens Lars Schmidt, Langewiesen

Holzbauunternehmen
Holzhaus Weidenbach, Geschwenda

Würdigung der Jury
Diese Wohnanlage mit ihrer pragmatischen und gleichzeitig guten Lösung ist ein wichtiger Beitrag für mehrgeschossigen, verdichteten Wohnungsbau in Holz. Der Wettbewerbsbeitrag stellt exemplarisch die Vorteile der Energieeffizienz, der Vorfertigung, der kurzen Bauzeiten durch Teilvorfertigung und die hierdurch bedingten Kostenvorteile der Holzbauweise auf Grundlage der erweiterten Einsatzmöglichkeiten der novellierten Thüringer Bauordnung dar.
Die Grundkonstruktion in Holzbauweise wird im äußeren Erscheinungsbild der Schalungsflächen an den Fassaden der oberen Geschosse identitätsstiftend sichtbar gemacht. Das Tragwerk als Holz-Skelettbau wird materialgerecht und wirtschaftlich eingesetzt. Beachtlich ist das gewählte Grundprinzip des Tragwerkes in der erfahrungsgemäß aufwändigeren Skelettbauweise. Bedauerlich ist, dass das Holzskelett weder innen noch außen als gestaltprägendes Mittel eingesetzt wird.
Nicht der innovative Anspruch der Verwendung des Materials Holz sondern die gestalterisch soliden und energetisch qualitätvollen Projektmerkmale stehen bei der Betrachtung im Vordergrund. Durch die Anwendung bekannter und baurechtlich jetzt erst zulässiger Möglichkeiten wird eine Einheit von Gestaltung, Funktionen und Konstruktion bei einer der Bauaufgabe entsprechender Architekturqualität erreicht.
Im Sinne der Zielstellungen des Thüringer Holzesbaupreises stellt diese mehrgeschossige, verdichtete und kostengünstige Wohnanlage einen guten, beispielgebenden Beitrag zur Verwendung des Materials Holz dar.

Sonderpreis Wohnbauten

Ergänzungsbau zum ehemaligen Pfarrhaus in Saalborn-Blankenhain

Ergänzungsbau zum ehemaligen Pfarrhaus in Saalborn-Blankenhain
Ergänzungsbau zum ehemaligen Pfarrhaus in Saalborn-Blankenhain
Ergänzungsbau zum ehemaligen Pfarrhaus in Saalborn-Blankenhain

Bauherr
Eckhard Baier, Saalborn-Blankenhain

Planer
Architektin Kerstin Vogel, Saalborn-Blankenhain

Tragwerksplanung
Rolf Mauersberger, Weimar

Holzbauunternehmen
Zimmerei Toralf Schwarz, Triptis

Würdigung der Jury
Der Beitrag besticht durch seine zurückhaltende Haltung und stellt hierdurch eine dem Ort angemessene räumliche Ergänzung und Aufwertung des Bestandes dar. Die behutsame Einfügung der Baukörper auf Grundlage bestehender Gegebenheiten und die erreichte baulichräumliche Schließung auf Grundlage historischer Befunde überzeugen sehr.
Dieser im besten Sinne des Wortes mit "Bescheidenheit" erreichten qualitätvollen Lösung dieser einfachen Bauaufgabe gelingt es, durch die Wahl konstruktiv einfacher, materialgerechter, unprätentiöser gestalterischer Mittel eine der örtlichen Situation verpflichtete räumliche und gestalterisch hochwertige bauliche Lösung sowohl für die außenräumliche Wirkung aber auch für die innenräumlichen Qualitäten umzusetzen.
Nicht der Innovationscharakter in der Materialverwendung und auch nicht technisch-konstruktive Anforderungen stehen im Vordergrund dieses Beitrages sondern die dem Ort angemessene, zurückhaltende aber dennoch qualitätvolle architektonische Lösung bei gleichzeitiger gestalterisch hoher Qualität in der Verwendung des Baustoffes Holz. Damit stellt die bauliche Lösung einen beispielgebenden Beitrag zum Thema Bauen im ländlichen Kontext dar.

Sonderpreis Öffentliche Bauten

Pavillon für Nachwachsende Rohstoffe auf dem BUGA-Gelände „Neue Landschaften“ in Gera – Ronneburg

Pavillon für Nachwachsende Rohstoffe auf dem BUGA-Gelände „Neue Landschaften“ in Gera – Ronneburg
Pavillon für Nachwachsende Rohstoffe auf dem BUGA-Gelände „Neue Landschaften“ in Gera – Ronneburg
Pavillon für Nachwachsende Rohstoffe auf dem BUGA-Gelände „Neue Landschaften“ in Gera – Ronneburg

Bauherr
BUGA Gera + Ronneburg 2007 GmbH, Gera

Planer
Architekt Helge Bucki, Erfurt

Tragwerksplanung
Lehmann, Block und Partner, Erfurt

Holzbauunternehmen
HIF-Holz, Finsterbergen

Würdigung der Jury
Für Fliegende Bauten wird oft Holz verwendet. Holz ist leicht zu transportieren, und kann vorgefertigt werden. Holzkonstruktionen sind schnell auf- und abgebaut. Leider genügen diese Bauobjekte häufig nicht den Mindestanforderungen an eine vertretbare Baugestaltung. Der vorliegende Beitrag stellt ein positiven Beispiel für ein so geartetes Gebäude für die Bundesgartenschau in Gera + Ronneburg, dem Treffpunkt der Gartenfreunde aus ganz Deutschland in diesem Jahr dar.
Auf wiederverwendbare Fertigteilfundamente werden ausgesteifte Dreigelenkbinder aus Brettschichtholz montiert, die er mit einer Membran überspannt sind. Der Fußboden wird aus sichtbaren Holzkassetten aufgestapelt. Auf diesen stehen farbige Container für Ausstellungen und Servicefunktionen in variabeler Anordnung. Überdeckt werden sie von der plastischen Dachkonstruktion.
Entstanden ist damit ein originelles die Blicke anziehendes Gebäude in zeitgemäßer Gestaltung, themengerecht aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, mehrfach verwendbar, also sogar nachhaltig.

Sonderpreis Ingenieurbauten

Holzspannbandbrücke in Ronneburg

Holzspannbandbrücke in Ronneburg
Holzspannbandbrücke in Ronneburg
Holzspannbandbrücke "Drachenschwanz" in Ronneburg

Bauherr
BUGA Gera + Ronneburg 2007 GmbH, Gera

Planer
Dipl.-Ing. Richard J. Dietrich, Büro für Ingenieur-Architektur , Traunstein

Holzbauunternehmen
Schaffitzel Holzindustrie GmbH & Co KG, Schwäbisch Hall

Statik und Dynamik
Ing.büro Fichtner + Köppl, Rosenheim

Würdigung der Jury
Die Holzspannbandbrücke Ronneburg stellt mit ihrer ästhetisch gelungenen Umsetzung von Form und Funktion unter konsequenter Ausschöpfung aller Möglichkeiten der noch relativ jungen Technologie der blockverleimten Brettschichtholzquerschnitte einen Meilenstein im Holzbrückenbau in Europa dar. Bei dieser bisher erst relativ selten ausgeführten Bauart wird der Brückenüberbau als Holzzugband ausgeführt und ermöglicht so bei einer sehr geringen Bauhöhe die Überbrückung großer Spannweiten. Durch weitere sowohl gestalterisch gelungene als auch konstruktiv sehr effektive Maßnahmen, wie beispielsweise die Taillierung des Brückenquerschnittes und die Ausführung der baumartigen, schlanken Pfeilerböcke aus Stahlhohlprofilen fügt sich das Brückentragwerk zudem sehr harmonisch in die Landschaftsgestaltung ein.
Die spürbaren sanften Verformungen beim Begehen der Brücke lassen für die Besucher der Bundergartenschau eine Interaktion mit dem Bauwerk entstehen, welche dazu beiträgt die ingenieurtechnische Beherrschung des Kräftespiels im Bauwerk mit allen Sinnen zu erleben. Die klare, funktions- und werkstoffgerechte Ausführung sämtlicher Konstruktionsdetails runden das Bild eines gelungenen Ingenieurbauwerkes ab.
Insgesamt verkörpert das Brückenbauwerk somit die gelungene Synthese aus Ästhetik und Funktion und ist daher besonders prädestiniert dem Besucher das besondere bautechnische Potential des ökologischen Holzbaustoffes zu vermitteln.

Anerkennungen

Rad- und Fußgängerbrücke „Jägerstieg“ über die BAB A4 bei Erfurt

Rad- und Fußgängerbrücke „Jägerstieg“ über die BAB A4 bei Erfurt
Rad- und Fußgängerbrücke „Jägerstieg“ über die BAB A4 bei Erfurt

Bauherr
Freistaat Thüringen, Landesamt für Straßenbau, Erfurt

Eigentümer
Freistaat Thüringen

Planer
Beratende Ingenieure Krebs und Kiefer, Erfurt

Holzbauunternehmen
Eichholz-Bau GmbH, Halle

Würdigung der Jury
Mit einer Spannweite von ca. 60m überspannt dieses schlanke Bogentragwerk aus Brettschichtholz die Bundesautobahn ohne Zwischenunterstützungen. Die klare Gliederung der Konstruktion des Brückenüberbaues unterstreicht die Tragfunktion und fügt sich somit harmonisch in das Landschaftsband der Autobahn ein. Bei der Ausführung wurde besondere Sorgfalt auf die fachgerechte Umsetzung des konstruktiven Holzschutzes verwendet, wie die beispielhafte Herstellung der Holzbauteile unter Verwendung heimischer resistenter Holzarten belegt. Durch die insgesamt ansprechende funktionale Gestaltung im Zusammenspiel mit der konsequenten Verwendung des insbesondere auch in Thüringen nachhaltig verfügbaren Baustoffes Holz für eine vielfach im Zuge der Erweiterung und Modernisierung des deutschen Fernstraßennetzes wiederkehrende Bauaufgabe hat das Brückenbauwerk eine besondere Vorbildfunktion.

Neubau Gemeinschaftshaus „Maloca“ in Auerstedt

Neubau Gemeinschaftshaus „Maloca“ in Auerstedt
Neubau Gemeinschaftshaus „Maloca“ in Auerstedt

Bauherr
Förderverein Auerstedt, Bad Sulza

Planer
Ingenieurbüro Trabert + Partner, Geisa

Holzbauunternehmen
Chr. Burgbacher GmbH + Co., Trossingen

Würdigung der Jury
Die Formen der thüringischen „Maloca“ in der Übersetzung der brasilianischen Urform sind in der Interpretation und baulichen Umsetzung als Sonderbauform sehr überzeugend.
Die Nutzung moderner Holzbaulösungen und Materialien mit Fertigteilen in hohem Vorfertigungsgrad, welche durch ihre Sonderformen eine große Kombinationsvielfalt bieten, wurde von der Jury als anerkennungswürdig empfunden. Die Anwendung von Modullösungen für Entwicklungshilfeprojekte kann besonderen Wert für die Außenwirkung des Thüringer Holzbaus haben.

Runddach der Förderschule in Höngeda

Runddach der Förderschule in Höngeda
Runddach der Förderschule in Höngeda

Bauherr
Mühlhäuser Werkstatt für Behinderte, Mühlhausen

Planer
Ingenieurbüro Trabert + Partner, Geisa

Holzbauunternehmen
Zimmerei W. Kastor, Oberwesel

Würdigung der Jury
Der zentrale Innenbereich des Neubaus der Förderschule in Höngeda ist mit einem Runddach aus Holzfertigteilen mit einem Durchmesser von 22,0 m frei überspannt. In der Mitte befindet sich ein Oberlicht. Das Runddach besteht aus einer Kombination aus Kegelschale und verspannter Unterkonstruktion. Die Unterkonstruktion ist als Biegeträger konzipiert, welcher sich im Bereich des Oberlichtes in einen oberen Druckring und einen unteren Zugring auflöst. Die allgemein übliche Konstruktion für ein Runddach aus Druck- und Zugringen sowie strahlenförmigen Pfetten bzw. Biegträgern ist hier durch Abwandlung in einer interessanten und optisch ansprechenden Weise umgesetzt worden.
Die Form der Hauptrippen ist rechnerisch optimiert worden, um nahezu konstante Spannungsauslastungen längs des Randes zu erhalten. Hervorzuheben ist weiterhin der hohe Vorfertigungsgrad, da Fertigteilsegmente zur Anwendung kamen, welche in wenigen Tagen, lediglich mit Hilfe einer Montageunterstützung, errichtet werden konnten.

Wohnhaus in Holzrahmenbauweise, Weimar

Wohnhaus in Holzrahmenbauweise, Weimar
Wohnhaus in Holzrahmenbauweise, Weimar

Bauherr
Torsten Carl, Weimar

Planer
Gruppe Vierquadrat GbR, Weimar

Holzbauunternehmen
Holzbau Otto, Kromsdorf

Würdigung der Jury
Die Anwendung von Holz für die Tragkonstruktion im Einfamilienhausbau ist trotz der in Thüringen vorhandenen Bautraditionen im Holzbau und verstärkter Werbung in der Öffentlichkeit für die Verwendung des Baustoffes immer noch die Ausnahme. Es fehlen immer noch genügend gute Beispiele für individuelle Einfamilienhäuser in zeitgemäßer Holzbauweise und entsprechender ebenfalls zeitgemäßer Gestaltung. Mit dem eingereichten Wohnhaus in Holzbauweise in Weimar ist nun so ein positives Beispiel entstanden. Der zweigeschossige klare Baukörper mit einem Sattelkaltdach ist in Holzrahmenbauweise errichtet.
Er wurde mit anthrazitfarbenen Holzfaserplatten flächig verkleidet. Ein zweigeschossiger Wintergarten mit Gründach an der Südseite ergänzt das Gebäude und erzeugt eine wohltuende Transparenz. Besonderes Augenmerk wurde von den Entwurfsverfassern auf eine innovative Heizungs- und Lüftungstechnik gelegt. Damit wurde ein sehr niedriger Energieverbrauch erreicht. Entstanden ist somit ein Haus aus Holz mit modernster Technik unter umfangreicher Berücksichtigung ökologischer Aspekte in einer zeitgemäßen Architektursprache.

Energieeffizientes Einfamilienhaus in Gehren

Energieeffizientes Einfamilienhaus in Gehren
Energieeffizientes Einfamilienhaus in Gehren

Bauherr
Familie Dr. J. Wurmus/Jakob, Gehren

Planer
Architekturbüro Hornschuh + Riesmeier, Ilmenau

Holzbauunternehmen
Zimmerei Bamberger, Arnstadt-Dosdorf

Würdigung der Jury
Das Gebäude überzeugt in seiner unprätentiösen Schlichtheit. Das klassische Thema Einfamilienhaus bedarf keiner aufgeregter Details, sondern lediglich ruhiger Linearbezüge in den Fassaden. Dies sind Qualitäten, die oft erst auf den zweiten Blick hin auffallen, im Vergleich zu der sonst üblichen Bandbreite. Vorbildlich ist das Gebäude ebenso hinsichtlich Materialverwendung in Konstruktion und Außenhaut, wie in Bezug auf die energieeffiziente Bauweise. Ergänzt wird das Konzept durch eine innovative Gebäudetechnik.

Fotografen
Mathias Heller, Erfurt: Hauptpreis, Öffentliche Bauten, Sonderpreis Ingeneurbauten
Eckhard Beier, Saalborn-Blankenhain: Sonderpreis Wohnbauten
Lars Bucki, Erfurt: Sonderpreis Öffentliche Bauten
Krebs und Kiefer, Erfurt: Anerkennung "Jägerstieg"
Trabert + Partner, Geisa: Anerkennung "Malovca"; Anerkennung Runddach Höngeda
Gruppe Vierquadrat GbR, Weimar: Anerkennung Wohnhaus Weimar
Andrea Gerloff, Ilmenau: Anerkennung Einfamilienhaus Gehren