Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr

07.01.2013 11:22 Uhr

Thüringer Holzbaupreis 2003

Preisverleihung

Der „Thüringer Holzbaupreis“ wird alle 2 Jahre für die innovative Verwendung von Holz im Hochbau verliehen. Der „Thüringer Holzbaupreis“ und die Anerkennungen sind mit einer Geldprämie verbunden. Die Gesamtpreissumme beträgt 10.000 Euro. Die Jury entscheidet über die Anzahl der Preise und Anerkennungen sowie die jeweilige Dotierung frei, endgültig und unanfechtbar unter Ausschluß des Rechtsweges. Die Jurysitzung fand Anfang Juli 2003 statt.

Preisverleihung Thüringer Holzbaupreis 2003
Die Preisträger des THÜRINGER HOLZBAUPREISES 2003, der dieses Jahr für 2 Projekte gleichwertig vergeben wurde: Die Eheleute Hanke und Langer aus Stadtilm und Anke und Siegfried Hanft aus Gadebusch mit ihren Preisen (v. l.).

Es wurden 2 gleichberechtigte Preise und 2 Anerkennungen vergeben. Die Preise wurden am 13.09.2003 durch die Thüringer Finanzministerin Birgit Diezel und den Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt Dr. Volker Sklenar in der Messe Erfurt im Rahmen der Messe für Nachwachsende Rohstoffe, Technologien und Produkte -naro.tech- verliehen.




THÜRINGER HOLZBAUPREIS 2003

(Plakette, 4.000,- €, Urkunden)

Projekt:Autarkes Wohnhaus in Stadtilm

Preisträger 2003
Autarkes Wohnhaus in Stadtilm

Entwurfsverfasser:
Steffen Langer
Hässlerstraße 7
99096 Erfurt

Bauherr:
Eheleute Hanke + Langer
Auf dem Buchenberg 5
99326 Stadtilm

Bewertung:
Der Wohnhausneubau beeindruckt vor allem durch das ganzheitliche ökologisch-energetische Konzept und eine Anwendung moderner architektonischer Formsprache mit dem Baustoff Holz.

Drei eingeschossige Baukörper sollen die Formation eines in dieser Region typischen Dreiseitenhofes modern weiterentwickeln. Die Fassaden der Gebäude sind differenziert und gehen in ihrer Materialität auf die unmittelbare Umgebung ein.

Der Wohnbereich ist holzverschalt bzw. mit Naturstein verkleidet, das Wirtschaftsgebäude ist mit einem Lehmputz versehen.

Bei der Wahl der Baukonstruktion und der Auswahl der Materialien wurde ein besonderes Augenmerk auf den Einsatz von natürlichen und nachwachsenden Baustoffen gelegt. Die Materialien Holz und Naturstein stellt eine adäquate Materialwahl dar. Holz bzw. Holzwerkstoffe wurden als tragende Bauteile in Wänden und Decken eingesetzt. Im Wohnbereich kam Vollholz als Dielung, für Verkleidungen und als Einbaumöbel zum Einsatz. Die Fassadenschalung und die Dachscheibe bestehen ebenfalls aus Holz.

Preisträger 2003
Die Preisträger des THÜRINGER HOLZBAUPREISES 2003 Architekt Langer aus Erfurt und Bauherrin Frau Hanke (Projekt: Autarkes Wohnhaus in Stadtilm) bei der Preisübergabe durch Frau Ministerin Diezel, Herrn Staatssekretär Baldus und Herrn Architektenkammerpräsidenten Strube.

THÜRINGER HOLZBAUPREIS 2003

(Plakette, 4.000,- €, Urkunden)

Projekt: Fachwerkhaus in Niederorschel

Preisträger 2003
Fachwerkhaus in Niederorschel

Entwurfsverfasser:
Johannes Krause
Uta Hanft
Grindelhof 83/5
20146 Hamburg

Bauherr:
Anke + Siegfried Hanft
Güstrower Weg 2
19205 Gadebusch

Bewertung:
Das zu erweiternde Fachwerkhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zählt zu den ältesten Baudenkmalen in Niederorschel. Die Fachwerkhauskette entlang dem Bachlauf ist charakteristisch für diesen Ort. Dessen Typologie der giebelständigen Vorderhäuser und der untergeordneten Wirtschaftshäuser ist Ausgangspunkt des Entwurfes.

Der Anbau ordnet sich mit seiner Dachneigung und Größe dem Altbau unter, ohne jedoch an Eigenständigkeit einzubüßen. Zusammen beinhalten sie zwei Wohneinheiten, die jeweils Altbau und Neubau gleichermaßen nutzen. Als Entwurfsschwerpunkt beziehen die beiden Gebäudeteile einen inneren Zusammenhalt durch eine livingbox, die unabhängig von der Konstruktion alle dienenden Funktionen des Wohnens (Küche, WC, Haustechnik....) integriert. Sie gliedert den Raum ohne ihn zu trennen. Bei Wunsch kann man mit den bündig eingelassenen Schiebetüren ein Bad, ein Flur, ein Schlafzimmer, und ein Wohnzimmer schaffen.

Die Erweiterung des Fachwerkhauses zeigt eine beispielgebende Lösung des Umgangs mit historischer Bausubstanz und der immer wichtiger werdenden Bauaufgabe der Nachverdichtung historischer Ortskerne in einer ortstypisch richtigen, aber nicht anbiedernden Gestaltung.

Preisträger 2003
Die Preisträger des gleichwertigen THÜRINGER HOLZBAUPREISES 2003 Architektin Uta Hanft aus Erfurt und Bauherren Anke und Siegfried Hanft aus Gadebusch erhalten den Preis für das Projekt Fachwerkhauserweiterung in Niederorschel.

Anerkennung zum THÜRINGER HOLZBAUPREIS 2003

(1000,- €, Urkunden)

Projekt: Eisschnelllaufhalle in Erfurt

Anerkennung 2003
Eisschnelllaufhalle in Erfurt

Entwurfsverfasser:
Dipl.-Ing. Göran Pohl
Freier Architekt BDA
Wilhelm-Külz-Straße 23
99084 Erfurt

Bauherr:
Landeshauptstadt Erfurt
Hochbauamt
Löberwallgraben 19/20
99096 Erfurt

Bewertung:
Die Eisschnelllaufhalle ist ein Solitärbau und macht mit seinen abgerundeten Giebeln und der Grundrissform, entsprechend dem Oval der 400 m Bahn, die Funktion nach Außen erlebbar. Die Baukörperform, die sich aus dem Tragwerk entwickelt, optimiert auch äußerlich das Volumen der Halle. Mit der geschwungenen Traufe und Fassade wird die Höhe in ihrer Wirkung erheblich reduziert, um den Kaltluftstrom vom Steigerwald in die Innenstadt so wenig wie möglich zu behindern.

Das Tragwerk mit seiner 80 m stützenfreien Spannweite besteht im geraden Teil aus 14 bogenförmigen Brettschichtholzbindern mit Stahlseilüberspannung. Durch die mit der Überspannung erlangten statischen Höhe, erreicht man eine Annäherung des Bogentragwerkes an ein flaches Rahmentragwerk und somit eine enorme Reduzierung der Hallenhöhe. Der Fußpunkt ist gelenkig auf Stahlpfannen gelagert. Die Hallenrundung wird durch 15 weitere aufgefächerte Halbrahmen gebildet, die sich entlang des 400 m Ovals strahlenförmig anordnen und in den Kurven die dynamische Wirkung des Eisschnelllaufens verstärken.

Die im Sockelbereich umlaufende, 3 m hohe Verglasung ermöglicht einen großzügigen Einblick in die Halle und erlaubt eine Nutzung unter Tageslichtbedingungen.
Insgesamt ist vor allem die bereits mit dem Ingenieurpreis Thüringen ausgezeichnete bauingenieurtechnische Leistung der imposanten Holztragkonstruktion beachtenswert, die äußere Form wirkt jedoch etwas schwerfällig.




Anerkennung zum THÜRINGER HOLZBAUPREIS 2003

(1000,- €, Urkunden)

Projekt: Gartenhaus in Behrungen

Anerkennung 2003
Gartenhaus in Behrungen

Entwurfsverfasser:
Dipl.-Ing. Jörg Seidel
Lassallestraße 4
99086 Erfurt

Bauherr:
Anneliese Kramß
Große Keh 93
98631 Behrungen

Bewertung:
Die Gartenlaube wurde am Ortsrand eines kleinen Dorfes, als geschützter Aufenthaltsort im Garten, als Ersatz für eine baufällige alte Laube errichtet. Sie folgt mit hoher architektonischer Qualität bei wenigen einfachen Materialien und Gestaltungselementen dem tradierten Formenkanon der in der Nähe liegenden Bauernhöfe als moderne und charmante Interpretation dieser oft ungestaltet gelösten Bauaufgabe.

Entwurfsbestimmend für diesen drei mal drei Meter großen Bau war eine Pfosten-Riegel-Konstruktion, mit durchgehenden Stützen, zwischen die die Riegel stumpf eingeschnitten und in zwei Richtungen angeschlossen wurden. Im Gegensatz zur traditionellen Holzbauweise sind hier rationalisierte Arbeitsweisen mit schnellem Zusammenbau vor Ort möglich.

Die Fassade besteht aus drei Grundelementen:

  • wandhohen Fassadenplatten aus yellow-pine-Sperrholz, welche auch zur Aussteifung dienen,
  • flexiblen Schiebeelementen aus Schaltafeln und
  • verstellbaren Holzlamellen.
Konstruktiven Holzschutz bietet das überkragende Dach. Es wurde eine recht große Flexibilität und Vielfältigkeit der Nutzung angestrebt. Der Anteil der geöffneten Hüllenflächen kann so jeder Witterung angepasst werden, wobei eine reizvoll abwechslungsreiche Spannung zwischen geschlossener Hülle, halboffenen und ganzoffenen Bereichen entsteht.

Dieser Bau stellt einen interessanten Beitrag für die meist gestalterisch nicht beachteten Nebengebäude dar.

Weiterführende Informationen

Preisträger 2003
Preisträger 2003
Preisträger 2003
Preisträger 2003
Anerkennung 2003
Anerkennung 2003
Anerkennung 2003
Anerkennung 2003

Jury
Jurymitglieder und Sachverständige