Thüringer Holzbaupreis 2001
Grußwort zur Verleihung des Thüringer Holzbaupreises 2001
Alle zwei Jahre verleihen wir im Freistaat den „Thüringer Holzbaupreis“ für die innovative Verwendung von Holz im Hochbau. Der Preis wird jeweils an den Architekten und den Bauherrn verliehen und wird in Form einer Plakette an das Gebäude angebracht. Außerdem werden bis zu vier Anerkennungen für entsprechende Bauprojekte vergeben. Der „Thüringer Holzbaupreis“ selbst wie auch die Anerkennungen sind mit einer Geldprämie für die Architekten verbunden. Über die Anzahl der Preise und Anerkennungen sowie die jeweilige Dotierung entscheidet eine Jury. Die Gesamtpreissumme beträgt in diesem Jahr 20.000 DM.
Zweifellos gibt es Personen, die sich fragen: „Warum brauchen wir überhaupt einen Thüringer Holzbaupreis?“. Nun, die Antwort ist ganz einfach: Um in der Bevölkerung deutliche Impulse für eine stärkere Verwendung von Holz als Baumaterial zu geben und praktische Beispiele für eine entsprechende Architektur aufzuzeigen. Denn im Gegensatz zu den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg oder den Alpenländern Österreich und Schweiz steckt das Bauen mit diesem nachwachsenden Rohstoff in Thüringen noch immer in den Kinderschuhen.
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- Preisträger: Forstamt in Neuhaus am Rennweg
Im Hinblick auf die zunehmend heikler werdende Umweltsituation und die damit einhergehenden Klimaveränderungen ist es unsere Pflicht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Nicht nur in unserem eigenen, sondern ganz besonders auch im Interesse der nachfolgenden Generationen. Denn den Schaden, den wir heute unserer Umwelt zufügen, müssen unsere Kinder und Enkel bezahlen.
Allerdings geht es nicht darum, aus dem Sinn für die Natur einen Geschäftssinn zu machen. Sondern es geht darum, unsere Umwelt als Lebensraum für die Folgegenerationen zu erhalten und dazu das Kreislaufprinzip im Naturhaushalt zu nutzen, anstatt es zu beeinträchtigen.
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- Preisträger: Forstamt in Neuhaus am Rennweg
Es ist nicht unser Anliegen, Ästhetik und Bequemlichkeit aus der modernen Gesellschaft zu verdammen. Vielmehr wollen wir mit dem Thüringer Holzbaupreis einen Anschub geben, innovative Lösungen für die nachhaltige Holznutzung beim Bauen – besonders auch beim Hausbau – zu entwickeln. Denn gerade neue Be- und Verarbeitungsverfahren dieses Werkstoffes ermöglichen es, Holz in weitaus vielfältigerer Weise als nur in der Schnittholzindustrie zu verwenden.
Als regenerativer, nachwachsender und insbesondere in Thüringen auch reichlich vorhandener Rohstoff ist Holz nicht nur wirtschaftlich in der Verwendung, sondern es strahlt als Baumaterial auch eine besondere Ästhetik und Wärme aus – nicht nur als Dämmstoff in Form von Holzfaserwerkstoffen. Sowohl im Außenbereich als auch im Innenbereich von Gebäuden ist es vielfältig einsetzbar. So finden sich in den südlichen Bundesländern zahlreiche Beispiele für eine zeitgemäße Holzbauweise.
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- Preisträger: Forstamt in Neuhaus am Rennweg
Vor etwa einem Jahr wurde das „Musterforsthaus“ in Neuhaus am Rennweg fertiggestellt. Es ist als reines Holzhaus konzipiert, an dem die vielfältige Verwendbarkeit des im Freistaat vielerorts vorhandenen Rohstoffes Holz aufgezeigt werden sollte. Nun mag die Verwendung von Holz als Baumaterial für ein Forsthaus einigen Menschen vielleicht naheliegender erscheinen als für ein „normales Wohnhaus“. Doch wer einmal in einem Fränkischen Landgasthof oder einem Schweizer Chalet gesessen hat, wird die Behaglichkeit, die dieser Werkstoff ausstrahlt, zu schätzen wissen.
Neben der verhältnismäßig leichten Zugänglichkeit und der hohen Umweltverträglichkeit dieses Baustoffes erschließt sich durch den Handel und Bauplanungen mit Holz auch ein ausgedehnter Markt mit vielfältigen Nischen für entsprechende Produkte. Ein Aspekt, den wir auch im Freistaat im Hinblick auf immer härtere Wettbewerbsbedingungen nicht außer acht lassen dürfen.
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- Forstamt in Neuhaus am Rennweg - Innenansicht
Mit der Auslobung des „Thüringer Staatspreises für Holzbau“ sollen nunmehr Bauherren und Architekten angesprochen und beispielhafte Bauvorhaben, die den Werkstoff Holz mit hoher architektonischer, baukonstruktiver und handwerklicher Qualität verarbeitet haben, gewürdigt werden.
Die Jurysitzung fand am 31. Juli 2001 statt. Der erste Preis wurde für das
Forsthaus in Neuhaus am Rennweg vergeben und ist mit 10.000 DM dotiert. Der Verfasser des Entwurfs ist Professor Rolf Gruber aus Erfurt; Bauherr ist der Freistaat Thüringen, das Staatsbauamt Suhl.
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Beispielhaft wird hier die vielfältige Verwendung des Baustoffes Holz gezeigt und damit auch der künftigen Gebäudenutzung optimal entsprochen. Die Holzbauweise fügt sich insbesondere bei diesem Objekt in harmonischer Weise in die natürlichen Bedingungen der waldreichen Südthüringer Region ein.
Anerkennungen
Weiterhin sprach das Preisgericht des Thüringer Holzbaupreises vier Anerkennungen aus, die jeweils mit 2.500 DM dotiert sind.
Für die Neufert-Box in Weimar-Gelmeroda;
Entwurfsverfasser des Gebäudes ist Dipl.-Ing. Architekt BDA Peter Mittmann aus Weimar-Gelmeroda, Bauherr ist Peter Neufert aus Köln.
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Der als provisorisches Gebäude konzipierte Ausstellungskubus besticht durch seine Außenwirkung und demonstriert, dass Holz nicht zwingend konservativ und bescheiden in Erscheinung treten muß. Die Entwurfsidee nimmt in den Außenmaßen Bezug auf das benachbarte Holzversuchshaus des Bauhäuslers Ernst Neufert aus dem Jahr 1929.
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Das Konzept für das Innere des Gebäudes basiert auf einer einfachen quadratischen, gewendelten Treppe mit 12 bis an die Außenwände reichenden Podesten.
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Diese ergeben zusammen mit der Treppe eine offene transparente Gliederung des Innenraums. Im Innern dominiert die Statik, die wohl aus nutzungstechnischen Gründen recht kräftig wirkt. Der Wandaufbau mit der hinterlüfteten fugenoffenen Holzzementfassade trägt der Idee des demontablen Gebäudes Rechnung. Besonders lobenswert ist die Eigeninitiative des Architekten, innovative Holzbauarchitektur als Werbeträger einem breiten Ausstellungsbesucherpublikum zu vermitteln.
Für das Wohnhaus der Familie Hammer in Scheibe-Alsbach.
Bauherr und Entwurfsverfasser des Gebäudes sind in diesem Falle eine Person. Dieter Hammer ist Freier Architekt in Scheibe-Alsbach.
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Das Wohnhaus liegt an einem Steilhang mit Südostgefälle in einem Thüringer Bergdorf am Rand des Rennsteigs. Aus dieser Gegebenheit und der langen Holzbautradition im Thüringer Wald entwickelte der Architekt, der zugleich mit seiner Frau auch Bauherr ist, ein Wohngebäude, das sich unprätentiös in die städtebauliche Situation einfügt.
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Der von einem örtlichen Holzbaubetrieb vorgefertigte Holzrahmenbau wurde auf eine der Hangsituation gerecht werdende Teilunterkellerung und Streifenfundamente aufgesetzt. Zur Außenverkleidung wurde eine sägerauhe Bodendeckelschalung verwendet. Betont wird der durch die Bauweise mögliche besonders hohe Anteil an Eigenleistungen des Bauherrn.
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Der offen gegliederte und mit minimalen Verkehrsflächen organisierte Grundriss ergänzt wie selbstverständlich die Logik der Konstruktion und ist damit ein Beispiel für zeitgemäßes, jedoch unspektakuläres Bauen mit Holz
Für eine Wohnhauserweiterung in St. Gangloff;
Entwurfsverfasser der baulichen Änderungen ist H. Ellenberger aus Weimar; Bauherr ist Ivonne Pölitz aus St. Gangloff.
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Die Aufgabe der Erweiterung eines Wohnhauses stellt eine der heute klassischen Bauaufgaben dar. Im Fall der Familie Pölitz war das bestehende Wohngebäude schon drei Jahre nach der Fertigstellung zu klein geworden. Daraufhin wurde der Neubau eines Anbaus beschlossen.
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Das Raumprogramm, dass lediglich aus 2 Schlafzimmern bestand, wurde um einen Flurbereich ergänzt, der die Verbindung zum Haupthaus übernimmt. gleichzeitig erlaubt dieser Verbindungsgang ein Abrücken des Neubaus vom Bestand, was die Selbständigkeit des neuen Baukörpers unterstreicht.
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Der Anbau besteht aus einer Brettschichtholz-Skelettkonstruktion, die zusammen mit einer Massivholzplatte auf Stahlträgern und Punktfundamenten gegründet ist. Die Aussteifung der Konstruktion erfolgt über 4 Wandscheiben. Die durchdachte Konstruktion sowie die sich daraus ableitende zeitlose Gestalt des Anbaus sind ein hervorragendes Beispiel, wie mit dem modernen Holzbau die immer wiederkehrende Bauaufgabe der Erweiterung bzw. des Anbaus intelligent und kostengünstig zu lösen ist.
Für den Umbau der ehemaligen Gewehrkammer in Weimar zum Studentenwohnheim;
Entwurfsverfasser des Umbaus sind die Architekten Gildehaus und Reich aus Weimar; Bauherr ist das Studentenwerk Jena-Weimar aus Jena.
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Die den Archtekten gestellte Aufgabe war kompliziert. Ein Studentenwohnheim mit einer aus der Nutzung abgeleiteten Zellenstruktur in wirtschaftlichen Rastern sollte in ein historisches Gebäude von 1828 - erbaut als Gewehrkammer und nachfolgend landwirtschaftlich genutzt- eingebaut werden. Das historische Gebäude befand sich im Denkmalensemble auf dem Expo 2000 Gelände "neues bauen am horn". Die Fassade des Altbaus und die Geometrie des Gebäudes waren also nur eingeschränkt zu verändern. Die Architekten haben die Aufgabe durch ein "Haus im Haus" fantasievoll gelöst.
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Es entstand ein eigenwilliger Umbau in guter Gestaltungsqualität. Die funktionell bedingte Verglasung des Traufbereichs, die neugestalteten Eingänge und Außentreppen zum Obergeschoss sind als zeitgemäße Ergänzung erkennbar und werten die historische Bausubstanz auf. Ungewöhnlich ist die funktionelle Lösung und die Beurteilung der Nutzungsqualität wird sicher umstritten sein.
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Insgesamt wurde die Aufgabe trotz der Kompliziertheit beispielgebend bewältigt. Das innere Haus besitzt eine Fassadenkonstruktion aus Holz. Eine Pfosten-Riegelkonstruktion wurde eingebaut, die mit einer Holzmehrschichtplatte verkleidet wurde. Bei diesem originellen Entwurf wurde Holz sinnvoll, qualitätsgerecht und beispielhaft verwendet.
Den Bauherren und Architekten spreche ich hiermit meinen herzlichen Glückwunsch aus. Alle eingereichten Arbeiten werden in den nächsten Wochen der breiten Öffentlichkeit in Form einer Wanderausstellung zugänglich gemacht.
Ich möchte es nicht versäumen, mich bei all denen, die zum Gelingen der Aktivitäten um die Verleihung des Thüringer Holzbaupreises beigetragen haben, zu bedanken; insbesondere den Bauherren und Architekten. Ich wünsche ihnen wie auch allen weiteren „Holzbauern“ für die Zukunft innovative Ideen und eine erfolgreiche praktische Umsetzung ihrer Projekte.