Nachwachsende Rohstoffe (NaWaRo)

Sonnenblume (NaWaRo)


Unter dem Sammelbegriff  "Nachwachsende Rohstoffe" fasst man eine Vielzahl land- und forstwirtschaftlicher Rohstoffe bzw. ein- oder mehrjährige Kulturpflanzen zusammen. Diese werden auf entsprechenden Nutzflächen angebaut und ausschließlich zur industriellen oder energetischen Verwertung erzeugt. Nachwachsende Rohstoffe bilden sich ständig neu, binden Kohlendioxid und nehmen Syntheseschritte der Chemie in Naturprozessen voraus.

Pavillon_
Pavillon Nachwachsende Rohstoffe

 

Nachwachsende Rohstoffe in Thüringen

Der Fachbeirat Nachwachsende Rohstoffe beim Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz  hat ein “Konzept zur Förderung der Nutzung nachwachsender Rohstoffe im Freistaat Thüringen” erarbeitet. Mit dem Thüringer Zentrum Nachwachsende Rohstoffe (TZNR) in der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) soll eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft, Industrie und Handel beim Anbau, der Verarbeitung und Vermarktung nachwachsender Rohstoffe erreicht werden.

 


Folgende Arbeitsschwerpunkte bestehen:

  • Angewandte Forschung zum Anbau und der Erstverarbeitung
  • Betreuung von Pilot- und Demonstrationsvorhaben
  • Demonstration des Anbaus und der Verwertung
  • Öffentlichkeitsarbeit, Schaugarten und Dauerausstellung
  • Information, Beratung, Marketing
  • Pavillon Nachwachsende Rohstoffe

 

In dem durch die Landesregierung bestätigten Konzept werden für Thüringen folgende Produktlinien als besonders erfolgversprechend angesehen:

Weiterführende Informationen zu speziellen Pflanzen (nachwachsende Rohstoffe) finden Sie unter Leitlinien bzw. unter Anbautelegrammen

Sudangras
Sudangras


Energiepflanzen

Energiepflanzen bilden die Grundlage für die unterschiedlichsten Formen der Bioenergiegewinnung und werden speziell zu diesem Zweck angebaut.

Feste Bioenergieträger wie Energieholz (Pappel, Weide) und Nebenprodukte wie z.B. Stroh oder Landschaftspflegeholze sind für die Verbrennung prädestiniert.

Eine der wichtigsten Energiepflanzen in Thüringen ist der Winterraps, der die Basis für die Herstellung von Biokraftstoffen bildet. Diese können auch aus Getreide, Zuckerrüben oder lignozellulosehaltiger Biomasse gewonnen werden.

Biogas wird derzeit insbesondere aus Mais, Getreide, Getreideganzpflanzen und Grünlandaufwüchsen gewonnen. Zukünftig werden auch verstärkt alternative Energiepflanzen wie Durchwachsene Silphie, Hirsearten oder Ackergras zur Biogasgewinnung angebaut.

Dabei sind die Übergänge zwischen den einzelnen Verwendungslinien oft fließend bzw. ergeben sich durch innovative technische und technologische Entwicklungen neuer Ansatzpunkte.

Rapsfeld
Rapsfeld


Ölpflanzen

Pflanzliche Öle und Fette wurden von den Menschen schon immer in zwei verschiedenen Nutzungsrichtungen verwendet, zum einen zur Ernährung und zum anderen für technische Zwecke.
Die Anbaufläche von Ölfrüchten beläuft sich in Thüringen auf ca. 120 000 ha, was etwa 1/5 der gesamten Ackerfläche entspricht. Hauptkultur ist dabei der Winterraps. Gewisse Anbaubedeutung haben auch Öllein, Sonnenblumen, Sommerraps und Rübsen. Für spezielle technische und industrielle Anforderungen werden auch Pflanzen, wie Saflor, Schwarzkümmel und Drachenkopf angebaut und verwendet.

 

Kamille
Kamille


Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen, Sonderkulturen

Der Anbau von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen verfügt in Thüringen über eine lange Tradition. Diese konnte aufgrund des Know-hows der Thüringer Betriebe im professionellen Anbau unter Ausnutzung der standörtlichen Bedingungen bis in die heutige Zeit weitergeführt werden ( Thüringer Interessenverband Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen). Anerkannte wissenschaftliche Einrichtungen unterstützen die Landwirte. Thüringer Kräuter sind zu einem Qualitätsbegriff geworden. Mit einer Anbaufläche von jährlich 1 300 bis 1 500 ha gehört Thüringen bundesweit zu den Hauptanbauländern und bestreitet ca. 20 bis 25 % der 6000 bis 6500 ha umfassenden Gesamtfläche an Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen.

roter Sonnenhut
Roter Sonnenhut


Ein Sortiment von ca. 30 Kulturen wird nachfrageorientiert in etwa 10 Thüringer Betrieben angebaut.
Die Hauptanbaukulturen der letzten 5 Jahre waren Kamille (700 bis 1000 ha), Pfefferminze (150 bis 200 ha) sowie Schafgarbe, Johanniskraut, Zitronenmelisse, Baldrian und Gewürzsenf (mit jeweils 20 bis 50 ha).
Weiterhin werden Spitzwegerich, Kümmel, Fenchel, Salbei, Thymian, Dill, Rosenwurz, Ringelblume, Pharmaweide, Tollkirsche und Weißdorn angebaut. Für zahlreiche weitere Kulturen liegen Anbauerfahrungen vor. Diese können bei entsprechender Nachfrage sofort wieder in Kultur genommen werden.

Hopfen
Hopfen


Kaum ein anderer landwirtschaftlicher Produktionszweig erreicht die Wertschöpfung der Arzneipflanzen, aber kein anderer unterliegt solch extremen Nachfrageschwankungen wie der Arznei- und Gewürzpflanzenanbau.
Dies trifft in ähnlicher Form auch auf Färberpflanzen, wie den in Thüringen mit einer langen Tradition behafteten Waid, zu.
Eine wichtige Sonderkultur des Thüringer Anbaus ist mit etwa 400 ha der Hopfen, der dem Elbe-Saale-Anbaugebiet zugeordnet ist. Dieses ist das größte Hopfenanbaugebiet Deutschlands außerhalb der Hallertau.

Hanf
Hanf


Faserpflanzen

Aus einer Vielzahl von Kulturpflanzen lassen sich Fasern gewinnen, die zur Vlies- und Garnherstellung in unterschiedlichen Einsatzbereichen geeignet sind.
Unter Thüringer Standortbedingungen kommen für die Fasernutzung nur Hanf und Faserlein bzw. Ölleinstroh in Betracht. In eingeschränktem Maße wäre noch an eine Nutzung der Fasernessel zu denken.
Aufgrund aktuell wachsender Potenziale sowohl im Bereich der Faserverbundwerkstoffe als auch auf dem Dämmstoffsektor sind für den Standort Thüringen Einsatzchancen im nichttextilen Bereich zu sehen. Verbundwerkstoffe, Dämmstoffe und Geotextilien stellen geringere Anforderungen an die Faserqualität. Neue, kostengünstige und vollmechanisierte mechanische Aufschlussverfahren befinden sich hierzu in der Praxiseinführung. Die höchste Faserertragsleistung je Flächeneinheit sichert im Vergleich der Faserpflanzen in Thüringen eindeutig Faserhanf mit einem potenziellen Ertragsniveau von ca. 2 t Fasern/ha. Aufgrund der Ertragsleistung von Hanf und dessen Faserqualität steht ein idealer Rohstoff für Anwendungen im Bereich der Kurzfasertechnologie zur Verfügung.

Dämm- und Isoliermaterial


Nachwachsende Rohstoffe in anderen Anwendungen

Bauen und Dämmen mit nachwachsenden Rohstoffen hat in den letzten Jahren wieder stark an Bedeutung gewonnen. Baumaterialien aus der Natur sind ökologisch und haben keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt. Auch hier kommen lignozellulosehaltige Pflanzen (Holz, Stroh, etc.) und Faserpflanzen zur Anwendung.

Bioenergie Beratung Thüringen (BIOBETH)

Auf Grundlage des Thüringer Bioenergieprogramms wurde im Jahre 2008 die BIOenergie- BEratung THüringen (BIOBETH) gegründet. Die Aufgabe besteht in der neutralen und vorwettbewerblichen Beratung, insbesondere auf kommunaler Ebene, der Begleitung von Bioenergieprojekten sowie Öffentlichkeitsarbeit als Grundlage für die Akzeptanz der Bioenergienutzung. Dazu werden u.a. Lösungen aufgezeigt, wie moderne Konzepte zur biomassebasierte Wärmeversorgung von öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen tragfähig sind, welche Biomasse regional verfügbar ist und welche Technik sich erfolgreich in der Praxis bewährt hat.

 


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Kontakt:
Torsten Graf   (Referatsleiter)
Tel.: 03641 683146
E-Mail: Torsten.Graf{at}tll.thueringen{punkt}de

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