Landwirtschaftlicher Gewässerschutz


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Rechtsgrundlagen

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), im Jahr 2000 ins Leben gerufen, verfolgt über ein mehrstufiges Rahmenprogramm die Erzielung des guten Zustands der Gewässer bis spätestens 2027.

Dazu müssen bei Oberflächengewässern ein guter chemischer und ökologischer Zustand sowie beim Grundwasser ein guter chemischer und mengenmäßiger Zustand erreicht werden. Für alle Gewässer gilt ein Verschlechterungsverbot. Insbesondere auf den chemischen Zustand der Grund- und Oberflächengewässer hat die Landwirtschaft durch Einträge von Stickstoff und Phosphor Einfluss. Die Grenzwerte liegen für Nitrat in Grund- und Oberflächengewässern bei 50 mg/l, für Phosphor bei 0,1 mg/l.

Die Nitratrichtlinie soll die Verunreinigung von Grund- und Oberflächengewässern durch Nitrate aus der Landwirtschaft verhindern. Sie wurde in Deutschland durch die Düngeverordnung (DüV) umgesetzt.

Gesetzestext der Wasserrahmenrichtlinie

Gesetzestext der Nitratrichtlinie

Gesetzestext der Düngeverordnung

 


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Chemischer Zustand der Thüringer Gewässer

Im Jahr 2015 befanden sich 25 % der Thüringer Oberflächengewässer im schlechten chemischen Zustand (Zustandsbewertung des 2. Bewirtschaftungszyklus WRRL). Dabei wiesen von den 124 Oberflächenwasserkörpern 11 zu hohe Nitratkonzentrationen auf. Den Grundwasserkörpern wurde zu 38 % ein schlechter chemischer Zustand attestiert. Dabei verfehlten 15 der 60 Grundwasserkörper den guten chemischen Zustand durch eine zu hohe Nitratbelastung. Ein deutlicher Trend zur Verminderung der Nitratbelastung konnte in den letzten Jahren nicht ausgemacht werden. Die Phosphorbelastung der Oberflächengewässer befindet sich nahezu landesweit über dem Grenzwert. An 70 % der Messstellen wurden Konzentrationen über 0,1 mg/l erfasst. Es besteht ein rückläufiger Trend. Im Grundwasser bestehen keine Grenzwertüberschreitungen bei Phosphor. Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe wurden weder in Grund- noch in Oberflächengewässern Thüringens in bedenklichen Konzentrationen gemessen.

 

Diagramm Gewässerzustand

Anteil der Oberflächen-* sowie der Grundwasserkörper** im schlechten chemischen Zustand (Datenquelle: Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (2016): Thüringer Landesprogramm Gewässerschutz 2016-2021, Erfurt), * prozentuale Auswertung nach Fließgewässerlänge, ohne Hinzu­nahme der Umweltqualitätsnorm für Quecksilber, ** prozentuale Auswertung nach der Fläche, bezogen auf die Grundwasserkörper, für die Thüringen federführend zuständig ist

 

Thüringer Landesprogramm Gewässerschutz 2016 bis 2021

Zustand der Gewässer Deutschlands 2015

Nitratberichte 2008, 2012 und 2016


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Landwirtschaft und Gewässerschutz in Thüringen

Der Stickstoffeintrag in Thüringer Gewässer erfolgt zu 90 % aus diffusen Quellen, insbesondere über Zwischenabfluss und durch das Grundwasser. Zur Verminderung müssen daher Maßnahmen in der Landwirtschaft umgesetzt werden.

Verglichen mit anderen Regionen Deutschlands liegen die N-Bilanzüberschüsse der Landwirtschaftsbetriebe in Thüringen auf einem niedrigen Niveau. Zur Erreichung der Ziele der WRRL ist jedoch eine weitere Reduzierung der Einträge erforderlich. Ungünstig sind hierfür die naturräumlichen Rahmenbedingungen in Thüringen. In vielen Regionen Thüringens – insbesondere die intensiv bewirtschafteten Regionen sind hier betroffen – sind die Jahresniederschläge nicht ausreichend um nennenswerte Sickerwasserraten zu erzeugen. Somit findet kaum eine Verdünnung der verlagerten N-Frachten statt. In der Folge finden sich hohe Nitratkonzentrationen im Sickerwasser, welche wiederum hohe Nitratkonzentrationen im Grundwasser verursachen.

Änderungen in der Ackerbewirtschaftung, wie die Reduzierung der N-Salden, der Anbau von Zwischenfrüchten und die Verbesserung des Bodenschutzes können daher nur langsam Wirkung zeigen. Belastungen aus der Vergangenheit wirken noch heute nach. Hohe Nitratkonzentrationen im Sickerwasser sind in Thüringen also nicht in jedem Fall auf hohe N-Austräge aus dem Boden bzw. hohe N-Bilanzüberschüssen aus der Landwirtschaft zurückzuführen.

Die Bodenerosion ist zu etwa einem Drittel für die P-Einträge in Thüringer Gewässer verantwortlich. Regional treten hier deutliche Unterschiede auf.

Kurzfassung einer Studie zur Quantifizierung der Stickstoff- und Phosphoreinträge in Thüringer Gewässer sowie Identifizierung relevanter Eintragspfade

 


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​Maßnahmen zum gewässerschonenden WirtschaftenErosion auf Ackerfläche

Über die Beachtung der gesetzlichen Vorgaben und die Einhaltung der guten fachlichen Praxis hinaus kann durch gezielte Umsetzung von Maßnahmen sowie durchdachtes und nachhaltiges Wirtschaften eine deutliche Reduzierung der Nährstofffrachten erreicht werden. Engagement und Wissen der Betriebsleitung sind hier die ausschlaggebenden Faktoren.

Zur Vermeidung von Erosion und damit dem Stofftransport von Phosphor in die Gewässer bieten sich eine Reihe von Maßnahmen an. Das oberste Ziel muss es sein, Erosion auf der Ackerfläche zu vermeiden und somit die Produktionsgrundlage auch langfristig zu erhalten. Der Minimierung der Zeitspanne ohne Bodenbedeckung (Fruchtfolgegestaltung, Zwischenfruchtanbau, Untersaaten) kommt hier eine Schlüsselfunktion zu.

Nicht alle Erosionsereignisse können jedoch vermieden werden. Wenn Bodenmaterial ins Fließen kommt, sind zum Schutz der Gewässer bzw. der Infrastruktur pflanzenbauliche Maßnahmen möglich, welche eine Barriere schaffen und so fließendes Bodenmaterial bremsen, Sediment auskämmen und Wasser infiltrieren lassen.

Zur Vermeidung von Stickstoffausträgen ist insbesondere eine Düngungsoptimierung erforderlich. Grundlage ist die Annahme realistischer Zielerträge bei der feldstücksbezogenen Düngungsplanung und die entsprechende Anpassung der N-Zufuhr (mineralisch wie organisch) sowie die Berücksichtigung von Nmin-Werten, Vorfruchtstellung, Bodenbedingungen und Ausgangsbeständen. Betriebe mit niedrigen N-Salden zeichnen sich meist auch durch überdurchschnittlich hohe Erträge aus. Intensive Beobachtung der Bestände und kurzfristige Korrektur der Düngestrategie, Wissen um Nährstoffgehalte der verwendeten organischen Dünger sowie Optimierung der Ausbringungsmethoden und der Aufwandmengen greifen zusammen und führen zu besten Betriebsergebnissen bei gleichzeitiger Schonung der Gewässer.

Informationen der TLL zu Bodenerosion und Maßnahmen zur Vermeidung

Informationen der TLL zum Thema Düngung

TLL-Veröffentlichung: Gewässerschonende Landbewirtschaftung in Thüringen

Förderrichtlinie KULAP 2014

Praxisleitfaden für Maßnahmen zur Reduzierung von Nährstoffausträgen aus dränierten landwirtschaftlichen Flächen

 


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Beratung zur gewässerschonenden BewirtschaftungGruppenberatung

Mit der Gründung des „Arbeitskreises Gewässerschutz“ in Nordthüringen startete im Jahr 2009 die regionale interdisziplinäre Zusammenarbeit von Landwirtschaftsbetrieben, Ingenieurbüros sowie land- und wasserwirtschaftlichen Fachbehörden mit dem Ziel der nachhaltigen Senkung der Stickstoff- und Phosphorausträge aus der Landwirtschaft in Grund- und Oberflächengewässer. Die Schwerpunkte der Kooperationsarbeit sind bis heute die Optimierung des Stickstoffmanagements und die Verbesserung des Erosionsschutzes unter Beachtung der standörtlichen und betrieblichen Voraussetzungen. Wesentliche Inhalte der Kooperationsarbeit sind die zielorientierte Gewässerschutzberatung, der Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Interessengruppen sowie die Steigerung der Akzeptanz von Gewässerschutzmaßnahmen und die Umsetzung einer gewässerschonenden Bewirtschaftung der Ackerflächen. Das Angebot ist für die teilnehmenden Landwirtschaftsbetriebe kostenfrei. Inzwischen arbeiten in Thüringen fünf regionale Gewässerschutzkooperationen in Gebieten mit einem erhöhten N- und P-Eintrag in die Wasserkörper. Neben der individuellen Beratung dienen Feldrundgänge und ein jährliches Treffen der Mitglieder der regionalen „Arbeitskreise Gewässerschutz“ der Analyse der erzielten Ergebnisse, sowie der Information über aktuelle wasser- und landwirtschaftliche Rahmenbedingungen und relevante Forschungsergebnisse.

Abschlussworkshop 2017 der Thüringer Gewässerschutzkooperationen

Kurzbericht der regionalen Gewässerschutzkooperationen in Thüringen von 2009 bis 2017

Weiterhin besteht die Möglichkeit der einzelbetrieblichen Beratung landwirtschaftlicher Unternehmen zu Aspekten der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (insbesondere landwirtschaftlicher Gewässerschutz, landwirtschaftliche Tätigkeiten in Trinkwasserschutzgebieten) im Rahmen der ELER-Förderung (Fachlos 4). Dabei muss die Beratung die Optimierung des Stickstoff-Managements im Betrieb und die Reduktion der betrieblichen Stickstoffsalden zum Ziel haben.

Für eine Beratung kommen nur die Betriebe in Frage, deren landwirtschaftlich genutzte Fläche zu mindestens 50 % in den N-belasteten Grundwasserkörpern der entsprechenden Kulisse liegt.

Informationen zur Beratung ELER Fachlos 4

 


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Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL)

Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN)

Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG)

Thüringer Landesverwaltungsamt (TLVwA)


Fachlicher Ansprechpartner:
Manuela Bärwolff
Tel.: 03641 - 683 262
E-Mail: manuela.baerwolff{at}tll.thueringen{punkt}de

- Stand: 16.02.2018 -

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