Das Grünes Band Thüringen - auf dem Weg zum Nationalen Naturmonument

Das so genannte Grüne Band ist heute der längste Biotopverbund Deutschlands und gleichzeitig ein einzigartiges ökologisches Denkmal der deutschen Teilung und Wiedervereinigung. Mit einer Länge von 763 Kilometern hat Thüringen den mit Abstand größten Anteil am Grünen Band Deutschlands.

Sein besonderer Wert liegt in der einmaligen Verbindung von vielfältigen Biotopstrukturen mit Resten der historischen Grenzbefestigungsanlagen. Das Grüne Band Thüringen verkörpert einen repräsentativen Abschnitt der europäischen Geschichte und ist ein wichtiger Teil des internationalen Biotopverbundsystems Green Belt.

Das Grüne Band bei Behrungen
Blick über das Grüne Band bei Behrungen (Grabfeld)
Foto: Matthias Ditscherlein

Thüringen trägt eine große Verantwortung, das Grüne Band als Mahnmal und Lebensraum zu erhalten. Es soll deshalb bis Anfang 2018 als Nationales Naturmonument Grünes Band Thüringen unter besonderen Schutz gestellt werden. Erst mit dieser Schutzgebietsausweisung werden ein einheitlicher Schutz und eine einheitliche Entwicklung möglich. Als Nationales Naturmonument schlägt das Grüne Band Thüringen eine Brücke zwischen Geschichte und Natur. 

Karte Grünes Band Thüringen - Landkreise am Grünen Band
Neun Thüringer Landkreise und die Stadt Eisenach liegen am Grünen Band Thüringen

Zahlreiche in ihrem Bestand stark bedrohte oder seltene Tier- und Pflanzenarten, wie der Schwarzstorch und das Braunkehlchen, haben im Schatten des Kalten Krieges ein bedeutendes Rückzugsgebiet im Grünen Band gefunden. Seltene Vogelarten nutzen es als Lebensraum, Nahrungs- und Rastgebiet. Seltene Pflanzen, wie das Helm-Knabenkraut, die in anderen Teilen Deutschlands kaum noch vorkommen, sind hier zu Hause.

Bisher wurden lediglich einzelne Perlen des Grünen Bandes als Naturschutzgebiete gesichert oder bieten einen vergleichbaren Schutz, wie z. B. Natura 2000 Gebiete. Mit der Ausweisung des Grünen Bandes Thüringen als Nationales Naturmonument wäre ein einheitlicher Schutz des gesamten Grünen Bandes Thüringen vor neuen Eingriffen möglich.


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Fragen und Antworten zur Ausweisung des Grünen Bandes Thüringen als Nationales Naturmonument

Was ist ein Nationales Naturmonument (NNM)?

Die Schutzgebietskategorie Nationale Naturmonumente (kurz: NNM) wurde im Jahr 2009 in das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) aufgenommen. Danach sind Nationale Naturmonumente schützenswerte Gebiete, die aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind. Nationale Naturmonumente sind rechtlich wie Naturschutzgebiete geschützt.

Die Besonderheit eines Nationalen Naturmonumentes liegt in der untrennbaren Verbindung des Naturschutzes mit dem Erhalt einer Landschaft oder Region aus kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen. Diese Kategorie unterscheidet sich somit inhaltlich deutlich von den sonstigen Schutzgebietsinstrumenten des Naturschutzrechts.Weitere Informationen finden Sie beim Bundesamt für Naturschutz.

Warum sollte das Grüne Band Thüringen als NNM ausgewiesen werden?

Der besondere Wert des Grünen Bandes liegt in der einmaligen Verbindung vielfältiger Naturlebensräume mit den Resten der historischen Grenzbefestigungsanlagen und kulturellen Einrichtungen wie Museen und anderen Orten der Erinnerung. Wo früher die Grenze die Menschen trennte, verbindet heute das gemeinsame Engagement für die Natur und das Geschichtsbewusstsein. Bisher wurden lediglich einzelne Perlen des Grünen Bandes Thüringen als Naturschutzgebiete gesichert oder bieten einen vergleichbaren Schutz, wie z. B. die  Natura 2000-Gebiete.. Ebenso gelten die Bestimmungen des Denkmalschutzes bislang nur für einzelne Bereiche und Objekte.

Die Schutzkategorie Nationales Naturmonument garantiert einen einheitlichen Schutz des Kernbereiches des Grünen Bandes Thüringen und soll eine abgestimmte Entwicklung in der Region sicherstellen. Eine Anerkennung als Nationales Naturmonument sichert die wertvolle Natur am Grünen Band mit seiner geschichtlichen Vergangenheit und seiner nationalen Bedeutung.

Ebenso gelten die Bestimmungen des Denkmalschutzes bislang nur für einzelne Bereiche und Objekte. Die Schutzkategorie Nationales Naturmonument garantiert einen einheitlichen Schutz des Kernbereiches des Grünen Bandes Thüringen und soll eine abgestimmte Entwicklung in der Region sicherstellen. Eine Anerkennung als Nationales Naturmonument sichert die wertvolle Natur am Grünen Band mit seiner geschichtlichen Vergangenheit und seiner nationalen Bedeutung.

Welchen Umfang soll das NNM haben?

Das Nationale Naturmonument soll den Kernbereich und damit das Rückgrat des Grünen Bandes Thüringen beinhalten. Es umfasst eine Gesamtfläche von rund 6 500 Hektar ein. Umschlossen wird das Nationale Naturmonument auf der einen Seite durch die Landesgrenze und auf der anderen Seite durch den noch vorhandenen Kolonnenweg oder dessen ehemaligen Verlauf. In den Fällen, in denen der Kolonnenweg überdurchschnittlich vom Verlauf der Landesgrenze abweicht und sogenannte „Säcke“ entstehen, werden eingeschlossene Flächen in der Regel nicht zum Schutzgebiet gehören.

Das Nationale Naturmonument verbindet vorhandene Schutzgebiete und -objekte des Natur- und Denkmalschutzes. Zum Nationalen Naturmonument gehören damit auch Teile des Biosphärenreservats Rhön, der Naturparke Südharz, Eichsfeld-Hainich-Werratal, Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale sowie Teile des Naturschutzgroßprojektes „Grünes Band Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal“. In das Gebiet einbezogen sind neben dem Kolonnenweg auch weitere Reste der ehemaligen Grenzbefestigungsanlagen sowie Gedenksteine, Tafeln und andere Erinnerungseinrichtungen als Spuren der deutsch-deutschen Geschichte. Zum Gebiet gehören damit auch in Teilen die Bereiche der Grenzlandmuseen.

Wem gehören die Flächen im zukünftigen Nationalen Naturmonument?

Im zukünftigen Nationalen Naturmonument Grünes Band Thüringen mit seinen rund 6.500 Hektar gibt es knapp 13.000 Flurstücke mit einer Vielzahl von Eigentümergemeinschaften.

Rund 44 Prozent der Flächen des Nationalen Naturmonuments gehören der Stiftung Naturschutz Thüringen, die sich zum Erhalt und zur Entwickelung der ihr vom Freistaat im Jahr 2009 übertragenen Flächen verpflichtet hat. Ursprünglich hatte der Bund die Flächen des sogenannten Nationalen Naturerbes an den Freistaat übergeben. Neben den 2.900 Hektar im Nationalen Naturmonument grenzen weitere Stiftungsflächen im Umfang von 1.100 Hektar direkt an.

Was haben die Menschen vor Ort davon?

Grenzen trennen – Natur verbindet. Jahrzehntelang wurde den Menschen der Zugang zur innerdeutschen Grenze verwehrt. Daher wird besonderer Wert darauf gelegt, dass das Grüne Band Thüringen heute für die Menschen vor Ort und die Gäste der Region erlebbar bleibt. Bewährte Regelungen für die Nutzung von Flächen oder Einrichtungen bleiben bestehen.

Viele Abschnitte des Grünen Bandes Thüringen brauchen sogar eine extensive Nutzung, um die entstandenen Lebensräume dauerhaft zu sichern. Um das Nationale Naturmonument für die Region zu entwickeln, werden die Landnutzer vor Ort in die Pflege von Flächen eingebunden. Es gilt ein ausgewogenes Miteinander aller vorhandenen Interessen auszuloten, das die ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse gleichermaßen berücksichtigt.

Das Nationale Naturmonument fördert das Entwickeln einer umweltschonenden, naturnahen Erholung und des Tourismus in der Region. Das Alleinstellungsmerkmal des Natur- und Geschichtstourismus ist ein großer Vorteil für künftige überregionale Vermarktungsstrategien. Die Kommunen werden auch wirtschaftlich vom ersten Nationalen Naturmonument dieser Größe in Deutschland profitieren können. Das schafft nachhaltige Arbeitsplätze in diesen ländlichen Regionen.  Naturtouristische Angebote können dazu beitragen, die Wertschöpfung zu steigern.

Was erwartet die Landnutzer und Flächeneigentümer?

Die land- und forstwirtschaftliche und die fischereiliche Nutzung nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis sollen weiter zulässig bleiben. Gleiches gilt für die ordnungsgemäße Jagdausübung und Gewässerunterhaltung. Beschränkungen wird es für bestimmte Änderungen der Bewirtschaftung geben, so kann beispielsweise Dauergrünland nicht umgebrochen oder aufgeforstet werden.

Gerade eine extensive Nutzung hilft die zu schützenden Landschaften am Grünen Band Thüringen zu erhalten. Die Aussage „Schutz durch Nutzung“ hat hier eine besondere Bedeutung. Auf zahlreichen Flächen am Grünen Band Thüringen haben Flächeneigentümer, Landnutzer, die Stiftung Naturschutz Thüringen, der BUND, die Landentwicklung und andere wichtige Akteure bereits die naturverträglichste Bewirtschaftungsform gefunden. Dadurch können die Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten wie auch die besondere Eigenart des Gebietes erhalten werden. Dieser kooperative Ansatz soll weitergeführt und ausgeweitet werden.

Was bedeutet der Schutzstatus für Planungsträger und Bauwillige?

Das Grüne Band Thüringen ist nicht lückenlos. Natur und Grenzanlagen wurden umgenutzt, beseitigt und überbaut. Ziel ist es, weitere Lücken durch die Inanspruchnahme für Siedlungen und Infrastrukturprojekte nur in Ausnahmefällen zuzulassen und vorhandene nach Möglichkeit wieder zu schließen.

Grundsätzlich und damit auch für die Eigentümer und Landnutzer gilt: Bestandsschutz haben Nutzungen auf der Grundlage von planungsrechtlichen Zulassungen, Erlaubnissen, Gestattungen und Berechtigungen, die zum Inkrafttretens des Gesetzes rechtskräftig sind einschließlich dafür erforderlicher Unterhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen.

Auch neue für Thüringen wichtige Infrastrukturprojekte werden zukünftig möglich sein, sie müssen sich aber an dem höheren Maßstab zum Schutz des Grünen Bandes messen lassen. Dies gilt zukünftig auch für örtliche Bauvorhaben, Nutzungsänderungen und alle anderen Inanspruchnahmen von Natur und Landschaft wie z. B. Bodenabbauvorhaben.

Was wird aus den Orten der Erinnerung?

Forschung, Dokumentation, Besucherinformation und aktive Erinnerungsarbeit zur SED-Diktatur an authentischen Orten bleiben von allen Beschränkungen unberührt. Die Einrichtungen der Erinnerungskultur sollen auch künftig erhalten und als Teil des Grünen Bandes Thüringen soweit wie möglich unterstützt werden. Ziel ist es, noch vorhandene Elemente der ehemaligen Grenzanlagen und besondere Orte der Erinnerung für nachkommende Generationen zu schützen.

Die Kommunen am Grünen Band Thüringen und die Erinnerungseinrichtungen tragen eine besondere Verantwortung. Durch Forschungsarbeit sollen weitere historisch bedeutsame Orte ausfindig gemacht und vor dem Vergessen oder Zerstörung bewahrt werden. Private Eigentümer sollen hier unterstützt werden.

Auch der ehemalige Kolonnenweg ist ein wichtiges Zeitzeugnis. Seine prägende Bauweise ist ein Alleinstellungsmerkmal. Trotzdem bleibt er weiterhin nutzbar, er ist häufig ein wesentlicher Bestandteil des regionalen Wegenetzes am Grünen Band. Soweit es aus Gründen der Verkehrssicherheit und wirtschaftlich vertretbar ist, soll er auch bei Wegeinstandsetzungsarbeiten erhalten werden. Eine finanzielle Unterstützung seitens des Landes ist vorgesehen.

Wie kann das NNM zur Bildung beitragen?

Unter dem Motto „Schutz durch Wertschätzung“ soll das Grüne Band Thüringen als Nationales Naturmonument einen Beitrag zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung leisten. Den Grenzlandmuseen kommt hier eine wichtige Funktion zu, die es zu unterstützen gilt. Kooperationen mit Schulen für die Wissensvermittlung an nachwachsende Generation sind dabei ausdrücklich erwünscht.

Im Entwicklungskonzept für das Nationale Naturmonument sollen die Umwelt- und Geschichtsbildung fest verankert sein

Wann, wo und mit wem werden konkrete Planungen abgestimmt?

Mit seinen Regelungen stellt das Gesetz den so genannten Drittschutz, einen Schutz vor Veränderungen sicher. Maßnahmen zur Biotopentwicklung oder zur Information (z. B. Aufstellen von Tafeln), zur Bildung etc. sollen in einem Pflege-, Entwicklungs- und Informationsplan festgelegt werden. Dieser ist innerhalb von fünf Jahren nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zur einheitlichen Entwicklung des Nationalen Naturmonuments zu erstellen. Der Plan soll breit abgestimmt werden. Eine Umsetzung von Maßnahmen wird es nur mit Zustimmung der Eigentümer und Nutzungsberechtigten geben.

Die Erstellung des Plans soll von einem Fachbeirat begleitet werden, dessen Zusammensetzung noch festgelegt wird.

Die im Nationalen Naturmonument gelegenen kommunalen Gebietskörperschaften und die Träger öffentlicher Belange werden bei der Planerstellung beteiligt. Der Entwurf des Plans ist im Übrigen öffentlich in den vom Nationalen Naturmonument betroffenen Landkreisen und in der kreisfreien Stadt auszulegen. Ort und Dauer der Auslegung sind mindestens eine Woche vorher ortsüblich durch die Landkreise und die kreisfreie Stadt bekannt zu machen.


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Naturschutzgroßprojekt am Grünen Band Thüringen

Das Grüne Band ist mit einer Länge von ca. 130 Kilometern in das Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal“ einbezogen.

Geringes Restrisiko am Grünen Band

In Abschnitten der ehemaligen innerdeutschen Grenze wurden durch die Grenztruppen der DDR Antipersonenminen verlegt. Die Flächen wurden in den 1990er Jahren beräumt. Trotzdem kann ein geringes Restrisiko nicht ausgeschlossen werden. Verlassen Sie in den entsprechend beschilderten Gebieten nicht die befestigten Wege und beachten Sie darüber hinausgehende Hinweise!

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