Vertragsnaturschutz und Förderung von anerkannten Naturschutzvereinigungen

Der Freistaat Thüringen bietet zur Umsetzung von Maßnahmen, die dem Naturschutz und der Landschaftspflege dienen, sowie zur Förderung der Landschaftspflege und der anerkannten Naturschutzverbände folgende Förderprogramme an:

Weiterhin unterstützt der Freistaat Thüringen den Aufbau eines Netzes von Natura 2000-Stationen.

Arnikawiese
Erhaltung artenreicher Bergwiesen durch Vertragsnaturschutz. Foto: J. Wykowski, BR Vessertal

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1. Vertragsnaturschutz

Für den Vertragsnaturschutz in Thüringen nimmt der Naturschutzteil des KULAP eine herausragende Position ein. Mit diesem EU-kofinanzierten Programm pflegen Landwirtschaftsbetriebe alljährlich auf etwa 50.000 Hektar naturschutzfachlich wertvolle, oftmals landschaftsprägende Flächen durch (in Klammern jeweils Nummer der Maßnahme):

  • die Anlage von ein- oder mehrjährigen Blühstreifen und -flächen sowie Schonstreifen und -flächen zum Schutz von Feldhamster, Rebhuhn, Grauammer und Kiebitz (A421, A422, A423)
  • die extensive Bewirtschaftung von Ackerrandstreifen zum Schutz der Segetalflora (A423),
  • die Schaffung von Nahrungsflächen für den Rotmilan (A6),
  • die Pflege durch Beweidung oder Mahd auf Mager- und Trockenstandorten, Bergwiesen, Feuchtwiesen, Wiesenbrüterflächen, Streuobstwiesen und Flachlandwiesen (G2 bis G5) sowie
  • die Offenlanderhaltung in Natura 2000-Gebieten und im Grünen Band  (G6)  

Schnellübersicht der Streifenprogramme im KULAP (71 kB), PDF-Dokument ist nicht barrierefrei

Für die Naturschutzmaßnahmen im KULAP erfolgt vor Antragstellung eine Abstimmung zwischen dem Landwirtschaftsbetrieb und der örtlichen unteren Naturschutzbehörde. Dabei wird von der Naturschutzbehörde zunächst bestätigt, dass die Flächen für eine Naturschutzförderung geeignet sind. Weiterhin werden in einem Pflegeplan die vereinbarten Details zur Flächenbewirtschaftung festgehalten (sog. Leistungsprotokoll). Weitere Auskunft erteilen die örtlich zuständigen unteren Naturschutzbehörden bzw. Landwirtschaftsämter.

Thüringer Programm zur Förderung von umwelt-und klimagerechter Landwirtschaft, Erhaltung der Kulturlandschaft, Naturschutz und Landschaftspflege (KULAP 2014) (369 kB), PDF-Dokument ist nicht barrierefrei

NALAP-Programm

Die zweite Säule des Vertragsnaturschutzes in Thüringen ist das Programm NALAP. Im Gegensatz zu KULAP 2014, bei dem die Flächenpflege durch landwirtschaftliche Betriebe im Vordergrund steht, richtet sich das allein vom Land finanzierte Programm NALAP primär an Verbände, Vereine und Privatpersonen. Weitere Auskunft erteilen die örtlich zuständigen unteren Naturschutzbehörden oder das Referat Ländlicher Raum im Thüringer Landesverwaltungsamt.

Förderung von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege in Thüringen (NALAP) (55.2 kB)
Förderrichtlinie des TMLFUN vom 24.04.2013
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.


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2. Förderung von Naturschutzprojekten

Naturschutzprojekte können mit dem Programm „Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft“ (ENL) unterstützt werden. Das EU-kofinanzierte Programm ist 2015 überarbeitet worden. Danach umfasst ENL neben einem ELER-finanzierten Teil auch einen EFRE-finanzierten Teil.

Gefördert werden können im Teil ELER:

  • Erstellung und Aktualisierung von Plänen, Studien und Konzepten in Zusammenhang mit dem Management in Natura 2000-Gebieten und anderen Gebieten mit besonderer Naturausstattung.
  • Investitionen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung von Lebensräumen, Durchführung von Biotopverbund- und Artenschutzprojekten, Schaffung von grünen Infrastrukturen.
  • Investitionen zur Stärkung der Vielfalt und Eigenart der Landschaft.
  • Investitionen zur In-Wert-Setzung von Produkten der Landschaftspflege.
  • Investitionen zur Entwicklung von Schutzgebieten hinsichtlich Besucherlenkung und –information, Schaffung von Besuchereinrichtungen und Naturerlebnisangeboten.
  • Aktionen zur Sensibilisierung für Naturschutzbelange: Beratungs-, Planungs- und Koordinierungsleistungen in Zusammenhang mit der Flächennutzung, Aus- und Fortbildungsmaßnahmen von zertifizierten Natur- und Landschaftsführern, Durchführung von Informationsveranstaltungen, Ausstellungen und Aktionstage, Erstellung von Informationsmaterialien.

Geförderten werden können im Teil EFRE:

  • Verbesserung der Planungsgrundlagen für NATURA 2000-Gebiete durch Erstellung und Überarbeitung von Managementplänen einschließlich der dafür notwendigen Grundlagenerhebung, soweit der Schwerpunkt des Planungsgebietes im Hochwasserrisikogebiet, im Umfeld von Fließgewässern oder in den Stadtgebieten von Erfurt, Jena oder Gera liegt.
  • Renaturierung und Vernetzung von Lebensräumen sowie Maßnahmen zur Sicherung der biologischen Vielfalt (einschließlich Maßnahmenplanung), soweit der Schwerpunkt der Maßnahmen in einem Hochwasserrisikogebiet liegt oder das Vorhaben sich schwerpunktmäßig auf Fließgewässer bezieht.
  • Renaturierung und Vernetzung von Lebensräumen, Maßnahmen zur Sicherung der biologischen Vielfalt sowie Schaffung von stadtnahen Erholungsräumen und grünen Infrastrukturen (einschließlich Maßnahmenplanung), soweit der Schwerpunkt des Vorhabens in den Stadtgebieten von Erfurt, Jena oder Gera liegt.

Das Antragsverfahren ist zweistufig: Zur ersten Einschätzung eines Vorhabens ist bis zum 01. September des Vorjahres zunächst eine Projektskizze bei der Thüringer Aufbaubank als Bewilligungsstelle einzureichen. Soweit im laufenden Haushaltsjahr weitere Haushaltsmittel zur Verfügung stehen, erfolgen weitere Aufrufe zur Einreichung von Projektskizzen durch die Thüringer Aufbaubank.

Erst nach Prüfung und Bewertung dieser Projektskizze regt die Bewilligungsstelle die Einreichung eines vollständigen Antrags an. Weitere Details zur Antragstellung sowie die Förderrichtlinie finden Sie auf den Internetseiten der Thüringer Aufbaubank.

Die beihilferechtliche Prüfung ist mittlerweile abgeschlossen. Nach Beschluss der EU-Kommission vom 11.08.2016 entfällt die De-minimis-Beschränkung gemäß Nr. 6.1 der ENL-Richtlinie für alle Fördergegenstände mit Ausnahme von „Investitionen zur In-Wert-Setzung von Produkten der Landschaftspflege“.

 

Programm zur Förderung von Maßnahmen zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)
Richtlinie des TMUEN vom 11.11.2015


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3. Natura 2000-Stationen

Thüringen verfügt über 212 FFH-Gebiete und 35 punkthafte FFH-Objekte sowie 44 EU-Vogelschutzgebiete, die das flächendeckende europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 bilden. Diese Gebiete umfassen rund 270.000 Hektar, das entspricht rund 17% der Landesfläche. Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) wird zum Schutz dieser Naturschätze ein Netzwerk nach dem Vorbild der biologischen Stationen in anderen Bundesländern errichten, welches die staatliche Naturschutzverwaltung bei der Umsetzung von Natura 2000 Gebieten in Thüringen unterstützen soll. Die Natura 2000-Stationen sollen als regionale, nicht-staatliche Einrichtungen des Naturschutzes in gemeinnütziger Trägerschaft errichtet werden und eng mit der Verwaltung, den betroffenen Landnutzern sowie weiteren Akteuren vor Ort zusammenarbeiten. Durch professionelle Betreuung und das Management von Arten und Lebensräumen des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 sollen die Stationen die langfristige Sicherung des Europäischen Naturerbes in Thüringen gewährleisten. Die Fläche des Freistaates soll mit 11 Stationen abgedeckt werden.

Die ersten sechs Stationen nehmen am im April 2016 ihre Arbeit auf und werden im Altenburger Land, in Kaltensundheim (Rhön), im mittelthüringischen Vippachedelhausen, bei der Wildtierland gGmbH in Hörselberg/Hainich, in Nordhausen sowie in Grabfeld bei Römhild eingerichtet. Das TMUEN fördert die personelle Ausstattung der Stationen mit ca. 1 Mio. Euro pro Jahr. Weitere Stationen sollen ab 01. Januar 2017 folgen. Die Finanzierung soll über eine Zuwendung in Form der Projektförderung für den Zeitraum 2016/2017 bis einschließlich 2020 erfolgen. Die Auswahlentscheidung über die Förderung trifft der Beirat für die Natura 2000-Stationen, der sich aus Vertretern der Naturschutzverwaltung zusammensetzt.

Weiterhin fördert das Thüringer Umweltministerium gemeinsam mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eine gemeinsames Kompetenzzentrum von BUND Thüringen, NABU Thüringen und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) zu gleichen Teilen mit insgesamt 740.000 Euro. Das Kompetenzzentrum koordiniert und unterstützt die Arbeit der Natura 2000-Stationen.


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4. Förderung der anerkannten Naturschutzvereinigungen

Für die Tätigkeit der nach § 45a ThürNatG anerkannten Naturschutzvereinigungen (anerkannt gemäß § 3 Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz bzw. vor dem 01.03.2010 gemäß Naturschutzrecht) gewährt der Freistaat Thüringen Zuwendungen als notwendige Unterstützung zur Wahrnehmung ihres Beteiligungsrechts nach Naturschutzrecht. Zurzeit gibt es in Thüringen zehn anerkannte Naturschutzvereinigungen, die diese Förderung in Anspruch nehmen können. Auskunft erteilen die jeweiligen Landesverbände bzw. das Referat 45 des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz.

Förderung der in Thüringen anerkannten Naturschutzvereinigungen (30.3 kB)
Förderrichtlinie des TMLFUN vom 24.11.2011
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

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