Topthema: Beteiligungsprozess zum Biosphärenreservat Südharz/Kyffhäuser

Am 7. November 2017 startete der Moderationsprozess für ein Biosphärenreservat Südharz/Kyffhäuser. Zum Auftakt kamen über 200 Interessenten in das Bürgerhaus Nordhausen. Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Naturschutzverbände werden in den kommenden 12 Monaten gemeinsam die Chancen eines Schutzgebiets in der europaweit einzigartigen Gipskarstlandschaft diskutieren.

Südharzer Gipskarstlandschaft (© TTG)
Schützenswertes Geotop: Ein ehemaliger Steinbruch für Alabastergips im Naturschutzgebiet "Rüdigsdorfer Schweiz". (© Foto: TTG)

Termine

Dienstag, 23.01.2018, um 16:00 Uhr, Bad Frankenhausen
Informationsveranstaltung für Bürgermeister mit Umweltministerin Anja Siegesmund im Rathaus Bad Frankenhausen

Dienstag, 30.01.2018, um 16:00 Uhr, Nordhausen
Informationsveranstaltung für Bürgermeister mit Umweltministerin Anja Siegesmund im Rathaus Nordhausen

Dienstag, 30.01.2018, um 19:00 Uhr, Ellrich
Informationsveranstaltung für Bürger mit Umweltministerin Anja Siegesmund in der Mehrzweckhalle Ellrich

Arbeitsgruppentermine: www.moderation-biosphärenreservat.de/termine

Bestehende und geplante Schutzgebiete in der Region Südharz
Der sogenannte Suchraum für ein Biosphärenreservat umfasst die beiden Naturparke Südharz und Kyffhäuser.

Auftakt zur Beteiligung

Bereits drei Monate vor dem offiziellen Start begannen die Vorbereitungen für die breit angelegte Beteiligung. Das vierköpfige Moderatorenteam hatte dazu über 50 Gespräche geführt, um Meinungen und Vorstellungen der Menschen vor Ort einzufangen.

Oberste Prämisse für das Moderatorenteam: unvoreingenommen, unparteiisch und ergebnisoffen die Region im Moderationsprozess zu unterstützten. Die Ziele sind:

  • die Akteure zusammenzubringen,
  • mit den Akteuren Zukunftsperspektiven zu entwickeln und
  • mit den Akteuren einen langfristigen Mehrwert für die Region zu schaffen.

Die Entwicklung der Nordthüringer Gipskarstlandschaft in Südharz und Kyffhäuser ist ein politischer Arbeitsschwerpunkt der Landesregierung.

Zunächst steht die Frage, ob ein Biosphärenreservat kommt, nicht im Vordergrund. Im ersten Schritt sollen konkrete Entwicklungsziele und Projekte für die Region entstehen. Innerhalb des nächsten Jahres sind alle Interessierten eingeladen, sich an diesem Prozess in 5 Arbeitsgruppen zu beteiligen:

  1. Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz und Landschaftsentwicklung
  2. Tourismus und Naherholung
  3. Innovative Wirtschaftsansätze
  4. Bildung für nachhaltige Entwicklung
  5. Siedlung und Infrastruktur

Der Südharzer Zechsteingürtel ist die wertvollste Gipskarst-Landschaft Europas

Brillenschötchen auf Gipskarst


Brillenschötchen auf Gipskarst
Blick von der Feuerkuppe ins Wippertal (© Thüringer Tourismus GmbH)


Blick von der Feuerkuppe ins Wippertal (© Thüringer Tourismus GmbH)
Grüne Gipskarstlandschaft am Südrand des Harzes


Gipskarstlandschaft am Südrand des Harzes
Grüne Gipskarstlandschaft (Foto: André Richter)



Ein UNESCO-Biosphärenreservat, was ist das eigentlich? Und was hätte das für Auswirkungen auf die Region?

Die Ausweisung „UNESCO Biosphärenreservat“ wäre wie ein Qualitätssiegel für die Einmaligkeit des Naturschatzes Südharz und Kyffhäuser. Biosphärenreservate sollen besondere Erholungs- und Arbeitsorte sein. Schonende Wirtschaftsweisen sollen erprobt werden, eine eigene Dachmarke wie in der Rhön kann entstehen. Deutschlandweit gibt es 16 UNESCO Biosphärenreservate.

Charakteristisch für das Biosphärenreservat wird die Untergliederung in drei Zonen sein, die in der Landschaft ausgewiesen werden müssen. Nutzungsbeschränkungen sind nur auf 20 Prozentder Fläche erforderlich.

Kernzone

Die Kernzone ist Naturschutz pur. Kernzonen werden in Wäldern ausgewiesen, hier wird auf eine forstwirtschaftliche Nutzung verzichtet, damit sich Tiere und Pflanzen ungestört entwickeln und gerade Bäume unendlich alt werden können. Gemäß der für die deutschen Biosphärenreservate gültigen Kriterien soll die Kernzone mindestens 3 Prozent der Gesamtfläche eines Biosphärenreservats ausmachen. Im Landeswald bereits aus anderen Gründen nutzungsfrei gestellte Bereiche sind ausreichend vorhanden. D. h. private Eigentümer werden nicht von einer Nutzungsfreistellung betroffen sein. Das Betreten der Kernzone ist in der Regel nur für Forschung, Messungen oder für Bildung gestattet. Auf Wegen oder geführt von einem Ranger kann sich der Naturliebhaber ein persönliches Bild von der Kernzone machen.

Brillenschötchen auf Gipskarst
Brillenschötchen auf Gipskarst

Pflegezone

Um die sensible Kernzone von äußeren negativen Einflüssen abzuschirmen, ist sie idealerweise von einer Pflegezone oder Pufferzone  umgeben. Hier sind ökologisch verträgliche Aktivitäten zugelassen, wie sanfter Tourismus, eine forstwirtschaftliche Nutzung im Sinne der guten fachlichen Praxis, die auf bestimmte Arten besondere Rücksicht nimmt, oder auch eine extensive Landwirtschaft. Auch in der Pflegezone ist der "Schutz" wichtig, allerdings der Schutz von Lebensräumen, die erst durch eine bestimmte menschliche Nutzung entstanden sind und diese weiter brauchen. Die für deutsche Biosphärenreservate gültigen Kriterien fordern, dass Pflege- und Kernzone zusammen mindestens 20 Prozent der Gesamtfläche ausmachen.

Um in einem Biospährenreservat Südharz/Kyffhäuser auf die 20 Prozent zu kommen, müssten noch Flächen einbezogen werden, die über das beantragte Bundesprogramm Biologische Vielfalt neu erschlossen werden – natürlich nur mit Zustimmung des Eigentümers oder Nutzers. Die Idee dahinter ist, landwirtschaftliche Nutzflächen mit geringen Ertragszahlen zu halten und zu entwickeln. Insbesondere geht es um die Unterstützung der Schäfer und andere Partner in der Landschaftspflege.

Traktor beim Pflügen auf dem Feld
Forst- und Landwirte können einem Biosphärenreservat gelassen entgegen sehen.

Entwicklungszone

Die größte Fläche nimmt im neuen Biosphärenreservat die Entwicklungszone mit  80 % der Gesamtfläche ein. Hier sind grundsätzlich alle Wirtschafts- und Nutzungsformen erlaubt. Für Land- und Forstwirte, ändert sich nichts, es sei denn, sie wollen Förderangebote freiwillig nutzen. Durch die gezielte Förderung von Modellprojekten soll für den Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsweisen in der Gesellschaft und Wirtschaft geworben werden.

Wie bei allen Förderungen bringen dann Betriebe auf eine bestimmte Zeit besondere Leistungen für Natur und Landschaft ein. In der Entwicklungszone soll gezeigt werden, wie eine nachhaltige Entwicklung erfolgen kann - und dass sowohl im besiedelten wie unbesiedelten Bereich.

Fragen und Antworten

Warum ist das Biosphärenreservat wichtig, welche Ziele werden verfolgt?

Alle UNESCO-Zertifikate (wie z. B. auch „Weltkulturerbe“) gelten vielen Menschen als Qualitätsprädikate und üben auf sie eine besondere Anziehungskraft aus. Bestehende Biosphärenreservate belegen dies z. B. durch wachsende Besucher- und Übernachtungszahlen oder die Nachfrage nach regionalen Erzeugnissen, die den Herkunftsnachweis „Biosphärenreservat“ tragen. Ein Beispiel dafür ist die „Dachmarke Rhön - Qualität des Biosphärenreservats“.

Teil einer wirtschaftlich erfolgreichen Internationalen Gemeinschaft

Zugleich wäre ein UNESCO-Biosphärenreservat Südharz-Kyffhäuser Teil der internationalen Gemeinschaft von rund 670 Biosphärenreservaten in 120 Ländern mit der Möglichkeit zum weltweiten Erfahrungsaustausch. Ja, wir wollen als Bundesland Thüringen auch über den Tellerrand hinaus schauen, dabei Erfahrungen sammeln und unsere Erfahrungen weitergeben.

Ziel und Auftrag von Biosphärenreservaten ist es, eine Modellregion für eine nachhaltige Entwicklung zu sein. Hier besteht Raum für die Erprobung besonders schonender Wirtschaftsweisen. Biosphärenreservate schließen das gesamte Spektrum der in einem Raum vorhandenen Wirtschaftszweige ein – von der Land- und Forstwirtschaft über den Tourismus bis hin zu Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie. Sie sind Arbeits- und Erholungsraum für die Menschen.

Kritiker sagen, eine Waldbewirtschaftung sei nicht mehr möglich. Stimmt das?

Nein. Die Kernzone für Waldwildnis würde ohnehin aus bereits geschützten Flächen bestehen. In der Pflegezone ist eine forstwirtschaftliche Nutzung so wie jetzt unter Rücksicht auf bestimmte Arten oder Lebensräume möglich. Besondere Rücksichtnahmen ergeben sich etwa aus einem Pflege- und Entwicklungsplan für ein Naturschutzgebiet, einem Natura 2000-Managementplan oder einer mit der oberen Naturschutzbehörde abgestimmten Forsteinrichtung.

In der Entwicklungszone  bestehen für die forstwirtschaftliche Bodennutzung  keine Regelungen. Wer an Förderprogrammen teilnehmen will, kann das tun.

Wie entgegnet das TMUEN den Vorwürfen von Agrarunternehmen, dass ihre Flächen an Wert verlören?

Diese Befürchtungen sind unbegründet. Die landwirtschaftliche Bodennutzung in einem Biosphärenreservat ist in der Entwicklungszone ohne Einschränkung gewährleistet. Es gibt keinen Grund, warum hier landwirtschaftliche Nutzfläche an Wert verlieren sollte. Pflegezonen werden in Gebieten mit geringen Ertragszahlen eingerichtet, dort haben landwirtschaftliche Betriebe oft zu kämpfen.

Landwirtschaftliche Nutzflächen können nur mit Zustimmung des Eigentümers oder Nutzers Teil einer Pflegezone des Biosphärenreservats werden.  Dafür soll es bis 2020 eine großzügige Förderung geben, finanziert über das  Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“, wenn der Thüringer Antrag Erfolg hat. 4,6 Millionen Euro könnten dann in die Region Südharz fließen: 75 Prozent vom Bund, 15 Prozent vom Land und 10 Prozent vom Landkreis beziehungsweise der Stiftung Naturschutz. Die Idee dahinter ist, landwirtschaftliche Nutzflächen mit geringen Ertragszahlen zu halten und zu entwickeln. Insbesondere geht es um die Unterstützung der Schäfer und anderer Partner in der Landschaftspflege.

Die Gipsindustrie befürchtet, dass ein Biosphärenreservat Arbeitsplätze gefährde.

Grundsätzlich gilt:

  1. Vorhandene Abbaubereiche mit einem nach Bergrecht zugelassenem Betriebsplan oder einer Zulassung nach anderem Recht genießen Bestandsschutz.
  2. Die Regionale Planungsgemeinschaft Nord kann weitere Vorranggebiete Rohstoffabbau im neuen Regionalplan unter Beachtung des bestehenden Rechts festlegen. Die Ausweisung eines Biosphärenreservats würde diese Vorgabe der Regionalplanung beachten, indem das Vorranggebiet Rohstoffsicherung im Regelfall in der Entwicklungszone liegen wird.

Es bleibt deshalb bei der Regelaussage: Gipsabbau in der Entwicklungszone ist möglich, in der Pflege- und Kernzone wird es keine Abbaugebiete geben. . Der pauschale Vorwurf, dass ein Biosphärenreservat in der Gipskarstregion Arbeitsplätze gefährde, stimmt also nicht.

Nur nachhaltiges Wirtschaften sichert Zukunft

Zudem sind Gips-Lagerstätten  endlich, Gipsabbau kann es nicht ewig geben. Hinsichtlich der Arbeitsplätze gilt es, sich zukunftsfähig aufzustellen.

Entscheidend in diesem Zusammenhang ist, dass ein Biosphärenreservat dazu beitragen kann, durch mehr Besucher in der Region andere, nämlich nachhaltig sichere Einkommensmöglichkeiten im stets stärker wachsenden Naturtourismus, im Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe und auch im Gesundheitswesen zu generieren.

Die aktuellen und potentiellen regionalökonomischen Effekte durch Naturtourismus im Suchraum für ein Biosphärenreservat werden zur Zeit im Auftrag des TMUEN im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie durch die Universität Würzburg untersucht.

Wie geht es jetzt weiter im Moderationsprozess?

Es wird noch im Jahr 2017 jeweils eine separate Informationsveranstaltung zum Thema Landwirtschaft sowie Forstwirtschaft in einem möglichen Biosphärenreservat geben. Eine weitere Informationsveranstaltung mit den Bürgermeister*innen zu den Themen Siedlung/ Wirtschaft/ Tourismus wird folgen.

Im Moderationsprozess gilt der Grundsatz: Keine Frage soll unbeantwortet bleiben.

Breites Informationsangebot

Kontinuierlich begleitet wird der Prozess durch Informationen im Onlineangebot des Moderatorenteams sowie über eine E-Mail- und Telefon-Hotline. Weiterhin werden Newsletter herausgegeben und Flyer erstellt. Darüber hinaus führen die Moderatoren auf Wunsch weiter mit allen Personen und Gruppen persönliche Gespräche. Jeder ist eingeladen, sich intensiv zu informieren. Als Ergebnis des Moderationsprozesses im November 2018 wird ein Abschlussbericht mit Empfehlungen an die Landesregierung entstehen. Erst dann ist klar, ob und ggf. unter welchen Maßgaben die Region ein Biosphärenreservat befürwortet.

Kontakt zum Moderationsteam

Internet: www.moderation-biosphärenreservat.de

E-Mail: moderation.biosphaere{at}online{punkt}de

Telefon: 0361 67964-904

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein www.bildungsfreistellung.de Kampagne Wegweiser Wir sind Energie-Gewinner.

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