14.03.2013 14:05 Uhr

Thüringer Abfallbilanz für 2011

Ausführliche Informationen finden Sie in der Abfallbilanz 2011.


15 Jahre Abfallbilanz (1993-2007) – Ergebnisse und Trends

Die 15. Abfallbilanz war Anlass für eine Rückschau auf die Entwicklung der Abfallwirtschaft der vergangenen 15 Jahre von 1993 bis 2007.

1. Bilanz der kommunalen Abfälle

Mit der Bilanz der kommunalen Abfälle wird seit 1993 jährlich ein Einblick in die den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern (örE) überlassenen Abfall- und Wertstoffmengen sowie deren Entsorgungswege und seit 1999 Informationen über die dabei angefallenen Entsorgungskosten gegeben.

Das einwohnerspezifische Mengenaufkommen in Kilogramm pro Einwohner (kg/E) an festen Siedlungsabfällen, zu denen insbesondere Hausmüll, Sperrmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle gehören, hat sich im Vergleich zu 1993 auf weniger als die Hälfte vermindert.
Demgegenüber haben sich die über die dualen Systeme und die örE erfassten Wertstoffmengen im gleichen Zeitraum insgesamt um 28 % erhöht und erreichten 2007 mit 201 kg/E nahezu die gleiche Größenordnung wie die Summe der festen Siedlungsabfälle mit 209 kg/E.

Der Mengenzuwachs bei den Wertstoffen ist bei allen mengendominanten Abfallarten mit Ausnahme des Glases festzustellen.
Die Entwicklung des einwohnerspezifischen Mengenaufkommens im Zeitraum 1993 bis 2007 erhöhte sich bei Papier/Pappe/Karton von 54 kg/E auf 73 kg/E um etwa 1/3. Die leichte Abnahme in den letzten beiden Jahren dürfte auf eine Zunahme der gewerblichen Altpapiersammlung außerhalb der kommunalen Abfallwirtschaft zurückzuführen sein.
Bei den Leichtverpackungen erhöhte sich das Aufkommen im Zeitraum 1993 bis 2004 von 11 kg/E auf 30 kg/E um knapp das 3fache. Seitdem stagniert es.
Beim Glas ist nach einem Anstieg von 30 kg/E (1993) auf 39 kg/E (1997) seit dieser Zeit ein stetiger Abwärtstrend auf nunmehr 24 kg/E festzustellen. Gründe dafür sind die teilweise erfolgte Verdrängung von Glas als Packmittel durch andere Materialien, insbesondere Kunststoffe, sowie die Produktion von dünnwandigeren Glasverpackungen. Die Abwärtsentwicklung hat sich in den letzten drei Jahren jedoch abgeschwächt.
Einen sehr deutlichen Mengenzuwachs weisen ebenfalls die getrennt gesammelten biogenen Abfälle auf.

Zu den getrennt erfassten biogenen Abfällen zählen Grünabfälle (dazu gehören pflanzliche Abfälle aus privaten Haushalten, gärtnerisch genutzten Grundstücken, Parkanlagen, Friedhöfen oder die als Straßenbegleitgrün anfallen), Abfälle aus der Biotonne und Küchen- und Kantinenabfälle.
Grünabfälle und Abfälle aus der Biotonne werden erst seit 1995 getrennt statistisch erfasst. Diese beiden mengendominanten Abfallgruppen haben seit dieser Zeit stetig zugenommen und seit 2002 ein konstant hohes Niveau von insgesamt 60 kg/E und darüber erreicht.

Zwischen den einzelnen örE gibt es deutliche Unterschiede in der Entwicklung des Abfall- und Wertstoffaufkommens, grafisch dargestellt an der Entwicklung der einwohnerspezifischen Mengen des Hausmülls und der hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle I (werden zusammen mit dem Hausmüll erfasst ) und den getrennt erfassten Wertstoffen.
Dies wird bedingt durch unterschiedliche Gebührensatzungen und damit mit unterschiedlichen Anreizen zur Verringerung des Restmüllaufkommens und unterschiedlichen Angeboten zur getrennten Erfassung von Wertstoffen.

2. Betrachtungen zur Entwicklung der Deponiekapazitäten

Der Freistaat Thüringen hat die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger im Bereich der Abfallwirtschaft seit 1990 kontinuierlich finanziell unterstützt.
Zu Beginn war es zunächst notwendig, die für den weiteren Betrieb erforderlichen Deponiekapazitäten nach dem Stand der Technik durch Ertüchtigungsmaßnahmen zu sichern.
Mitte der 90er Jahre griffen dann die eingeführten Maßnahmen der Abfallvermeidung und –verwertung. Die abzulagernden Abfallmengen gingen zurück. Zudem war das Ende der klassischen Hausmülldeponie durch die Technische Anleitung Siedlungsabfall angekündigt.
Somit wurde es erforderlich, Deponiekapazitäten zu bündeln und Kapazitäten, die nicht mehr benötigt wurden bzw. nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnten, stillzulegen.
Dieser Wandel vollzog sich über einige Jahre und war mit einer fortlaufenden Konzentration von Deponiestandorten mit Erhöhung des technischen Ausstattungsgrades verbunden.

Mülldeponie in der Landschaft
Ungesicherte Abfalldeponie in Geschwenda, anno 1992
Bagger und Raupen bearbeiten eine Fläche vor einem Nadelwald
Ertüchtigung nach dem Stand der Technik, Deponie Wolfsberg 1995
Hügel mit vergilbtem Gras vor Nadelwald
Rekultivierte Deponie in Schmiedefeld 1999

Einen besonderen Stellenwert nimmt mit Inkrafttreten der Abfallablagerungsverordnung seit dem 1. Juni 2005 der endgültige Übergang von der Ablagerung von Abfällen mit organischen Anteilen, insbesondere von Hausmüll, zur nunmehr gesetzlich vorgeschriebenen Restabfallvorbehandlung ein. In diesem Zusammenhang ist ein starker Rückgang der auf Hausmülldeponien abgelagerten Abfallmengen zu verzeichnen.
Dadurch wurde der weitere Ausbau der Entsorgungslogistik durch Umladestationen erforderlich.
Ein Großteil der Förderung wurde für die kontinuierliche Rekultivierung stillgelegter Deponien eingesetzt.
Eine Übersicht über die Fördermaßnahmen und vergebenen Fördermittel für den Zeitraum von 1990 bis 2007 gibt die folgende Tabelle:

Maßnahmen Vergebene Fördermittel
in € (gerundet)
Verfahren der Vermeidung/Verwendung 42.000
Abfallbehandlung 6.500.000
Rekultivierung von DDeponien 58.000.000
abfallwirtschaftlich Untersuchungen 1.000.000
Deponie Übernahme 11.600.000
Altmaßnahmen 1990-1994* 37.000.000
Gesamt 114.142.000

*) statistisch anders erfasst: Maßnahmen der Deponieertüchtigung und Vermeidung/Verwertung

Die auf den betriebenen Hausmülldeponien insgesamt abgelagerten Mengen (zur Beseitigung abgelagerte und zu Deponiebaumaßnahmen verwertete Mengen) haben sich im Erfassungszeitraum kontinuierlich vermindert. In gleichem Maße reduzierte sich die Anzahl der mittlerweile nach dem Stand der Technik betriebenen nachgerüsteten Siedlungsabfalldeponien auf 10.

Durch umfangreiche Maßnahmen der Vorbehandlung von Abfällen und der Oberflächenabdichtung konnten die klimaschädlichen Methanemissionen Thüringer Siedlungsabfalldeponien seit dem Jahr 2000 halbiert werden. Bis 2020 wird eine nahezu vollständige Eindämmung der deponiebürtigen Methanemissionen[*] in Thüringen prognostiziert.