Reinholz: „Potenziale der Bioenergie noch besser erforschen“
Energiepflanze „Durchwachsene Silphie“ als Alternative zu Mais
Die Thüringer Landesregierung engagiert sich bei der Suche nach alternativen Energiepflanzen. „Endlose Mais-Monokulturen wie in einigen Regionen Deutschlands erwarten wir zwar nicht für Thüringen. Doch auch wir sollten Lösungen für eine effiziente, ökologisch verträgliche Energiewende parat haben“, sagte Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz heute anlässlich der Vorstellung eines Verbundvorhabens zur Verbesserung der Durchwachsenen Silphie in Erfurt. Im Projekt arbeiten das Thüringer Zentrum Nachwachsende Rohstoffe (TZNR) und der Pflanzenzüchter N.L. Chrestensen wissenschaftlich zusammen.
Das TZNR an der Landesanstalt für Landwirtschaft und das Unternehmen wollen, gefördert von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, das Leistungspotenzial und die Konkurrenzfähigkeit der Energiepflanze verbessern. Hierzu fördert das Landwirtschaftsministerium Anbauversuche in neun Agrarbetrieben auf derzeit 15 Hektar. Parallel dazu versucht die N.L. Chrestensen Erfurter Samen- und Pflanzenzucht GmbH, besonders wuchsstarke Silphien mit möglichst hoher Methanausbeute zu züchten. Denn schließlich soll die Pflanze später in Biogasanlagen Methan produzieren.
Für die Durchwachsene Silphie sprechen der hohe Biomasseertrag von bis zu 18 Tonnen je Hektar und eben ihr Methangehalt. Zudem eignet sie sich – anders als Mais – auch für den Anbau auf trockenen Standorten, da ihre Blätter am Stängel Becher bilden, mit denen die Pflanze Tauwasser auffangen und aufnehmen kann. Speziell in Thüringen kann die Silphie die Artenvielfalt auf den Feldern erhöhen und Fruchtfolgen erweitern. Denn die hiesigen Fruchtfolgen weisen bislang einen sehr hohen Getreideanteil auf.
Weil die Samen der Durchwachsenen Silphie schlecht keimen und daher die Bestände bisher besser durch Pflanzung angelegt werden, liegen die Anfangsinvestitionen deutlich höher als beim Mais. Außerdem bildet die Pflanze im ersten Standjahr nur eine Blattrosette auf dem Boden, erst ab dem zweiten Jahr ist eine Ernte möglich, dann aber mindestens zehn Jahre lang.
Umweltminister Reinholz sprach sich für eine weitere Unterstützung von Forschungsprojekten über Biomasse und ihre energetische Nutzung aus: „Der Ausbau von Bioenergie in Thüringen ist richtig und wichtig, wenn die Energiewende gelingen soll. Genauso wichtig ist die Entwicklung neuer Technologien zur Erzeugung oder Speicherung dieser Energie. Wir müssen die Potenziale, die uns Bioenergie liefert, noch besser erforschen.“
Daten zu Maisanbau und Biogas in Thüringen
• Derzeit gibt es rund 220 Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 100 Megawatt in Thüringen. Davon stehen mehr als 90 Prozent in landwirtschaftlichen Betrieben.
• Der Maisanteil (55.000 ha) an der Thüringer Ackerfläche (610.000 ha) liegt bei neun Prozent.
• Weniger als ein Viertel, nämlich 12.000 bis 13.000 ha des angebauten Maises, dient der Biogasproduktion. Der Rest wird zu Viehfutter.
Andreas Maruschke
Pressesprecher
06.06.2012
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Durchwachsene Silphie in Blüte, Foto: TLL Jena