07.06.2013 16:56 Uhr

Juni-Hochwasser in Thüringen: Erste Bilanz und Ausblick

überflutete Straßenkreuzung
Überflutete Straßenkreuzung am Ortseingang von Treben (Altenburger Land), 03.06.2013, Foto: TMLFUN

Eine Woche lang hat sich Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz täglich vor Ort über die Hochwasserlage in verschiedenen Landesteilen informiert: Er besuchte die Hochwassernachrichtenzentrale in der TLUG in Jena, die Saale-Talsperren, zahlreiche Hochwasserschutz-Anlagen und überschwemmte Wohngebiete, diskutierte mit betroffenen Anwohnern, Einsatzkräften, Experten und Kabinettskollegen.

Minister Reinholz im Gespräch mit Betroffenen
Minister Reinholz macht sich zusammen mit der Landrätin des Kreises Altenburger Land und dem Bürgermeister von Gößnitz ein Bild von der Hochwassersituation, 03.06.2013, Foto: TMLFUN
Reinholz setzt sich für höhere Investitionen des Freistaats für den Hochwasserschutz ein. „Die Erfahrungen der vergangenen Tage haben gezeigt, dass wir hier nie genug Vorsorge treffen können“, sagte der Minister. Trotz der ausgezeichneten Talsperrensteuerung und dem vorbildlichen Einsatz aller Rettungs- und Ordnungskräfte konnten in vielen Orten Überschwemmungen nicht vermieden werden. „Deshalb wird Thüringen künftig noch stärker in den Hochwasserschutz investieren müssen. Dabei ist nicht nur das Land gefragt. Auch die Kommunen müssen dazu beitragen“, so der Minister.
 
Die Experten schätzen, dass die Reparaturen durch das Hochwasser beschädigter Deiche das Land in den nächsten fünf Jahren mindestens zwei Millionen Euro pro Jahr kosten werden. Hinzu kommen neue Projekte des technischen Hochwasserschutzes und zur planmäßigen Entwicklung von Überschwemmungsgebieten. Die Informations- und Warnsysteme müssen weiter ausgebaut werden und die Kommunen beim Ausbau ihrer Gefahrenabwehr unterstützt werden. Insgesamt dürfte sich aus heutiger Sicht der mittelfristig erforderliche Mehraufwand im Haushalt des Umweltressorts auf rund zehn Millionen Euro jährlich belaufen.
 
mit Sandsäcken verstärktes Flußufer
In Treben schützen Sandsäcke nur begrenzt gegen das Wasser der PleißeFoto: TMLFUN
Neben der akuten Gefahrenabwehr bei ausgerufenen Alarmstufen investiert Thüringen seit 1991 jedes Jahr Millionen in den vorsorgenden Hochwasserschutz – in diesem Jahr rund 13 Millionen Euro. Es werden Deiche erneuert und verstärkt, Flutmulden und Rückhalteräume geschaffen oder Gewässerläufe renaturiert. An so genannten Gewässern zweiter Ordnung, die nicht vom Land selbst unterhalten werden, fördert der Freistaat entsprechende Projekte der Kommunen. Mit dem neuen Landesprogramm Hochwasserschutz soll die Hochwasservorsorge von Gemeinden, Landkreisen und Land ab 2015 noch besser koordiniert werden.
 
Aktuell entspannt sich die Hochwasserlage im Freistaat: Waren es am 1. Juni noch mehr als 40 Flusspegel, die den Meldebeginn überschritten hatten, sind es vier Tage später nur noch 19. Alle Pegel melden sinkende oder gleichbleibende Wasserstände. Überall laufen die Aufräumarbeiten, Kommunen, Unternehmen und Privathaushalte bilanzieren ihre Schäden durch das Hochwasser.

 

Durch offene Gullideckel fließt Wasser ab, dahinter liegen Sandsäcke auf der überfluteten Straße.
Das Wasser kommt, das Wasser geht: An der Gera in Erfurt-Molsdorf, 31.05.2013, Foto: TMLFUN

Juni-Hochwasser 2013 in Thüringen, Fotos: TMLFUN