09.10.2013 10:48 Uhr

WISMUT-Sanierung

Jede Sanierungsmaßnahme im Gebiet des ehemaligen Uranerzbergbaus in Ostthüringen im Bereich Ronneburg und Seelingstädt ist von der WISMUT GmbH zu beantragen. Zwei Antragsverfahren bilden die tragenden Säulen des Genehmigungsverfahrens: radiologische und nichtradiologische (konventionelle). Da die Sanierungsanträge fast in jedem Fall dem Strahlenschutz unterliegen, ist eine Strahlenschutzgenehmigung erforderlich, die vom Thüringer Oberbergamt in Gera erteilt wird. Das konventionelle Antragsgeschehen ist im wesentlichen über den § 54 des Bundesberggesetzes geregelt. Das bergrechtliche Abschlussbetriebsplanverfahren bündelt die jeweils notwendigen Einzelverfahren. Zuständig ist hierfür das Bergamt Gera, das die Behördenbeteiligung vornimmt. In bestimmten Fällen kann eine eigenständige wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich sein, die ebenfalls vom Bergamt Gera unter Beteiligung anderer Behörden erteilt wird.

Seit dem 23. Januar 1996 ist der TLU die Aufgabe der technischen Fachbehörde übertragen. Es erfolgte die Gründung eines eigenen Referats Wismut in der TLU, das dem Präsidenten direkt unterstellt war und 1998 in das Referat Altlasten der Abteilung Wasserwirtschaft eingeordnet wurde.

Durch die sowjetische Besatzungsmacht wurde ab 1949 im Raum Seelingstädt Uranerz in mehreren Tagebauen abgebaut. Im Ronneburger Erzfeld wurden 1951 die ersten Bergwerke in Betrieb genommen. Am Standort Seelingstädt ging 1961 der Aufbereitungsbetrieb 101 in Betrieb, dessen Aufbereitungsrückstände in die stillgelegten Tagebaue Culmitzsch und Trünzig eingespült wurden. 1969 begann die Ausdehnung des Ronneburger Reviers in nördliche Richtung. Es wurden die Grubenfelder Beerwalde, Drosen und wenige Jahre vor Einstellung der Uranerzförderung das Grubenfeld Korbußen aufgefahren. Am 3. Oktober 1990 übernahm die Bundesregierung den Aktienanteil der DDR an der SDAG Wismut, am 16. Mai 1991 auch den sowjetischen Anteil und wurde so zur Alleineigentümerin. Die planmäßige Uranproduktion wurde am 1. Januar 1991 eingestellt.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurde es möglich, die Folgen und Auswirkungen des jahrzehntelangen Uranerzbergbaus zu untersuchen, Sanierungsziele festzulegen und Sanierungsmaßnahmen einzuleiten. Die radioaktiven Kontaminationen sind hauptsächlich auf die Betriebs- und Verkehrsflächen der Wismut beschränkt. Darüber hinaus verursachten die hohen produktionsbedingten Ableitungen von radioaktiven Stoffen in Gewässer und Atmosphäre eine erhöhte Strahlenexposition der Bevölkerung. Zusätzlich bilden die Halden, das Tagebaurestloch Lichtenberg und die nicht abgedeckten Spülstrandflächen der Absetzanlagen eine Strahlungsquelle, die unmittelbare Sanierungsmaßnahmen erfordert.

Entsprechend dem Wismut-Gesetz hat die Wismut GmbH die Bergbaubetriebe stillzulegen, die Bergbaualtlasten zu sanieren und zu rekultivieren. Die Sanierung soll so erfolgen, dass die Nachnutzung möglichst keinen Beschränkungen unterliegt. Im September 1991 legte die Wismut GmbH ein erstes Sanierungskonzept vor, das zwischenzeitlich immer wieder erweitert, dem Sanierungsfortschritt und Erkenntnisgewinn angepasst wurde.

Restloch Lichtenberg
Tagebaurestloch Lichtenberg mit Betriebsfläche Schmirchau und Kegelhalden Reust

Die ehemals vorhandene Vielzahl verschiedener Bergbaubetriebe wurde von der WISMUT GmbH im Sanierungsgeschehen in die überschaubaren Einheiten Ronneburg, Beerwalde, Drosen und Korbußen gegliedert. Den ersten Sanierungsschwerpunkt bildete die Verwahrung der Grubengebäude zur Minimierung der Radonbelastung über den Luftpfad. Gleichzeitig erfüllt diese Maßnahme wichtige Aufgaben aus bergschadenskundlicher Sicht. Inzwischen sind die untertägigen Verwahrarbeiten in allen Flutungsgebieten abgeschlossen und die notwendigen Genehmigungen zur Flutung konnten erteilt werden. Die Flutung wird etappenweise genehmigt. Damit kann auf aktuelle, nicht vorhersehbare Entwicklungen jederzeit angemessen reagieren werden.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass 240 m NN der höchste Wasserstand ist, bei dem keine Auswirkungen an der Tagesoberfläche zu erwarten sind. Zur Überwachung des Flutungsgeschehens, der Sanierungsmaßnahmen und der Auswirkungen auf das Grundwasser wird von der Wismut GmbH eine Vielzahl verschiedener Grund- und Oberflächenwassermessstellen betrieben, welche insbesondere mit der TLU in Lage und Ausbau abgestimmt und deren Ergebnisse mit der TLU fachlich diskutiert werden bzw. Eingang in die Sanierungsmaßnahmen finden.

Besonderes Augenmerk wird auf die Wiederaustritte von grubenbeeinflusstem Grundwasser im Bereich der Flutungsgebiete Ronneburg, Drosen, Beerwalde und Korbußen gelegt. Die Prognosen zur Wasserqualität machen eine Behandlung dieses wiederaufgehenden Grundwassers erforderlich. So soll am Standort Ronneburg eine Wasserbehandlungsanlage entstehen, die in der Lage ist, das wiederaufgehende Grundwasser so zu reinigen, dass eine Einleitung in die natürliche Vorflut erfolgen kann.

Neben den Gruben hinterließ der Uranerzbergbau im Ronneburger Raum ein Tagebaurestloch sowie vielfältige übertägige Halden, Anlagen, Gebäude und Flächen, die einer Sanierung bedürfen. Wichtigstes Objekt ist das Tagebaurestloch Lichtenberg mit den umliegenden Halden (Abbildung 32) aus versauerungsgefährdetem Gestein. Der Grundsatz der Konzentration des Schadstoffpotentiales an einer Stelle kann durch Verfüllung des Tagebaurestloches Lichtenberg mit den umliegenden Halden in beispielhafter Weise umgesetzt werden. Hierdurch wird die Freisetzung von radioaktiven Stoffen und insbesondere Schwermetallen aus dem offen liegenden Gestein wirksam unterbunden.
Damit wird die zweite große Kontaminationsquelle weitgehend eingedämmt. Nach derzeitigen Prognosen ist es möglich, alle am Standort Ronneburg, südlich der Bundesautobahn (BAB) 4 vorhandenen Halden im Tagebaurestloch Lichtenberg unterzubringen. Auch hier erfolgt die Genehmigung des Einbaus etappenweise. Jeder Abtragsabschnitt wird von der TLU fachlich geprüft und bewertet, bevor die Genehmigung zur Einlagerung erfolgen kann. Die drei vorhandenen Halden nördlich der BAB 4 wurden bereits am Standort Beerwalde konzentriert.

Verfüllarbeiten
Großtechnik bei Verfüllarbeiten

Die Antragsverfahren zur Sanierung der Betriebsflächen sind in großer Zahl abgeschlossen. Die radioaktiven und konventionellen Kontaminationen werden beseitigt und die Flächen für verschiedene Nachnutzungen hergerichtet. Vor Einlagerung des auf den Flächen abgetragenen Materials im Tagebaurestloch Lichtenberg erfolgt eine fachliche Prüfung in der TLU. Mit organischen Schadstoffen (z. B. Mineralölkohlenwasserstoffe) kontaminierter Boden bzw. Haldenmaterial wird vor Einlagerung im Tagebaurestloch Lichtenberg in einer biologischen Anlage gereinigt.

Im Raum Seelingstädt konzentrieren sich die Sanierungsarbeiten hauptsächlich auf die beiden Absetzanlagen (IAA) mit je zwei Schlammteichen sowie auf die Betriebsfläche des Aufbereitungsbetriebes 101 in Seelingstädt. Für die beiden Absetzanlagen ist unter Abwägung aller relevanten Einflussgrößen eine trockene in-situ-Verwahrung als die geeignetste Variante ermittelt worden. Somit besteht die Hauptaufgabe in der Entfernung des Freiwassers, der Abdeckung der freifallenden Schlammoberflächen sowie der Entwässerung und Konsolidierung der bis zu 70 m mächtigen Schlammablagerungen (Tailings). Auf der IAA Trünzig sind die Vorbereitungsarbeiten (Entwässerung, Konsolidierung) so weit fortgeschritten, dass die fachliche Bewertung der TLU zur Genehmigung von ersten Arbeiten zur Herstellung der endgültigen Kontur abgeschlossen wurde.

Alle derzeit am Standort Seelingstädt anfallenden, fassbaren Wässer werden in der bestehenden Wasserbehandlungsanlage gereinigt und der Vorflut über den Lerchenbach zugeführt. Die Wismut GmbH hat für diesen Standort eine neue Wasserbehandlungsanlage vorgesehen. Die fachliche Bewertung durch die TLU ist erfolgt.

Zweiter Schwerpunkt ist die Sanierung des Aufbereitungsbetriebes Seelingstädt. Die Mehrzahl der Anlagen und Gebäude ist demontiert und abgerissen. Besonderes Augenmerk ist in diesem Zusammenhang auf die sachgerechte Entsorgung der Abbruchmaterialien zu legen. Seit einiger Zeit hat sich die Anlage zur Dekontamination von radioaktiv kontaminiertem Schrott bewährt. Durch ihren Einsatz kann Schrott dem Wirtschaftskreislauf zugeführt werden, anstatt ihn zu deponieren.