21.10.2013 10:49 Uhr

Schutzgebiete, Gebiete gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung, Biotopkartierung

 Schutzgebiete (Stand: 31.12.2010)

 
Übersicht über Anzahl und Fläche von Schutzgebieten in Thüringen (Stand 31.12.2010)
Kategorie
Anzahl
Fläche (in ha)
Anteil Landesfläche (in %)
Nationalpark
1
7.513
0,5
Biosphärenreservat (BR)
2
65.991
4,1
Naturpark mit Verordnung
Naturpark ohne Verordnung
4
1
348.200
85.900
21,5
5,3
Naturschutzgebiet und Zonen I und II der BR
266
47.909
3,0
Landschaftsschutzgebiet und Zone III der BR
55
421.040
26,0
 
 
 

Nationale Naturlandschaften

 
In Thüringen gibt es acht Nationale Naturlandschaften, die unter einer gemeinsamen Dachmarke auftreten.
 
Übersichtskarte der Nationalen Naturlandschaften in Thüringen. (Grafik Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz [TMLFUN], Stand Sept. 2010, Bearb. K.-H. Bock)
Übersichtskarte der Nationalen Naturlandschaften in Thüringen. (Grafik Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz [TMLFUN], Stand Sept. 2010, Bearb. K.-H. Bock)

 

Nationalpark 

Der Nationalpark „Hainich“ wurde am 31.12.1997 als 13. Nationalpark Deutschlands gegründet. Seine Fläche beträgt 7.513 Hektar. Mit einer Gesamtfläche von ca. 16.000 Hektar ist der Hainich das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Er liegt im Dreieck der Städte Eisenach, Mühlhausen und Bad Langensalza. Im Nationalpark Hainich soll sich der "Urwald mitten in Deutschland" ungestört entwickeln können. Mit der Verordnung zur Änderung der Größe und Gliederung der Schutzzonen vom 26. Juni 2009 (GVBl. Nr. 10/2009, S. 631) umfasst die nutzungs- und pflegefreie Schutzzone 1 jetzt eine Fläche von 5.650 ha, das ist eine Vergrößerung von 29 auf 75 % der Fläche des Nationalparks. Entsprechend dem Motto der deutschen Nationalparke, "Natur Natur sein lassen", sind aktuell sogar bereits 90 % der Gesamtfläche des Nationalparks ungenutzt. Lediglich Nadelwaldbestände und Weideflächen unterliegen noch einer Nutzung. Das bedeutet, dass der Hainich zurzeit die größte nutzungsfreie Laubwaldfläche in Deutschland aufweist.
 
Im Februar 2010 wurde vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz der Nationalparkplan gebilligt, sodass jetzt eine aktuelle Grundlage für die weitere mittelfristige Entwicklung des Nationalparks vorliegt. Am 27. März 2010 wurde an der Thiemsburg das Nationalparkzentrum mit der Ausstellung „Entdecke die Geheimnisse des Hainich“ eröffnet. Den Nationalparkbesuchern steht damit dort, zusammen mit dem Baumkronenpfad, ein umfassendes Bildungs- und Erlebnisangebot zur Verfügung. Am 21. April 2010 konnte hier der 1.000.000. Besucher des Baumkronenpfades begrüßt werden, und das noch nicht einmal fünf Jahre nach seiner Eröffnung! Im gesamten Jahresverlauf 2010 wurden knapp 200.000 Besucher am Baumkronenpfad gezählt, im Nationalpark waren es damit insgesamt rund 300.000 (seit seiner Gründung besuchten 2,5 Millionen Menschen den Hainich!). Am 19. Mai 2010 wurde in Kammerforst die Infostelle mit neuer Ausstellung eröffnet. Besonders sehenswert sind die von Thomas Stephan erstellten Bildpräsentationen zur Vielfalt der Pflanzen, Tiere und Lebensräume im Nationalpark. Am 19. September 2010 konnte die erweiterte Jugendherberge Harsberg mit Umweltbildungsräumen für Nationalpark und Naturpark der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und zeigt das große Interesse am Hainich und der Region. Am 1. Dezember 2010 erfolgte mit der Übergabe des Fördermittelbescheides der Startschuss für das Projekt „Wildkatzendorf Hütscheroda“. Bereits 2011 sollen dort ein Gehege mit Wildkatzen, eine Informationsstelle sowie eine Aussichtsplattform der Öffentlichkeit zugänglich werden. Auch das Vorhaben eines Tierfreigeländes auf der Westseite ist 2010 mit der Vergabe einer Machbarkeitsstudie für einen konkreten Standort rings um die Mallinde vorangekommen.
 
Das Projekt „Weltnaturerbe Buchenwälder“ trat in die entscheidende Phase. Zum 1. Februar 2010 wurde der offizielle Antrag beim Welterbekomitee der UNESCO in Paris eingereicht. Im September 2010 erfolgte eine Gebietsbereisung durch einen Experten aus den USA. David Mihalic, langjähriger Leiter von US-Nationalparks, konnte sich dabei nicht nur von der Einzigartigkeit der Hainichwälder überzeugen, sondern auch von der Unterstützung durch die Region. Die Veranstaltung am 10. September 2010 in Hütscheroda mit dem eindeutigen Bekenntnis wichtiger Akteure aus der Region zum Nationalpark und zum Antrag Welterbe hat dies eindrucksvoll unterstrichen und gezeigt, dass der Nationalpark auf dem richtigen Weg ist. Bei der Sitzung des Welterbekomitees in der zweiten Junihälfte 2011 fällt die Entscheidung über den Welterbeantrag.
 
 

Biosphärenreservate (BR) 

Das Biosphärenreservat „Vessertal -Thüringer Wald“ soll noch in dieser Legislaturperiode des Thüringer Landtags deutlich vergrößert werden. In Vorbereitung dafür wurden im Jahr 2010 insbesondere von der BR-Verwaltung zahlreiche Gespräche mit Bürgern und Vertretern der Region geführt sowie ein Fachkonzept für eine mögliche Zonierung erarbeitet (Entwurf: TLUG Jena und BR-Verwaltung, Abstimmung im TMLFUN mit Landesforstverwaltung). Um die internationale Anerkennung durch die UNESCO zu behalten, muss das BR auf mindestens 30.000 ha erweitert werden (aktuelle Größe: 17.081 ha). Der im Auftrag des TMLFUN erarbeitete Konzeptentwurf umfasst 32.700 ha mit 1.000 ha Kernzonen (einschließlich der bestehenden Kernzonen mit 562 ha) und 7.700 ha Pflegezonen (einschließlich der bestehenden Pflegezonen mit 1.949 ha). Insbesondere die Kommunen müssen dazu ihre Zustimmung erteilen. Im Januar 2011 wurde dafür ein moderierter Diskussionsprozess gestartet. Das Evaluierungsverfahren durch die UNESCO ist bereits angelaufen. Im Auftrag der UNESCO haben sich Mitglieder des Deutschen Nationalkomitees für das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ („Man and Biosphere“, MAB) im Oktober 2010 einen Eindruck vom aktuellen Zustand des Biosphärenreservats verschafft. Der Evaluierungsbericht soll bis zum April 2011 vorgelegt werden.
 
Im Biosphärenreservat „Rhön“ sollen die Kern- und Pflegezonen ausgeweitet werden. Im Jahr 2010 wurde zunächst für die Erweiterung der Kernzonen vom TMLFUN auf der Basis eines Entwurfs der TLUG, der BR-Verwaltung und der betroffenen Forstämter ein Fachkonzept vorgelegt. Diese Erweiterung ist notwendig, damit die Rhön auch nach 2013 den Status Biosphärenreservat behalten kann. In der Thüringer Rhön ist dafür der Kernzonenanteil von derzeit 1,6 % auf 3 % zu erhöhen. 705 ha neue Kernzonen werden dazu benötigt. Die Kernzonen umfassen insbesondere nutzungsfreie Wälder, aber auch, allerdings kleinflächig, Moore und weitere Sonderstandorte. Ab 2011 werden sich die betroffenen Kommunen und privaten Eigentümer mit dem Fachkonzept auseinandersetzen. Danach soll das Gesamtkonzept, also die neue Zonierung einschließlich einer erweiterten Pflegezone (Basis dafür soll ebenfalls ein Fachkonzept der TLUG liefern) des BR in der Region zur Diskussion gestellt werden. Die Auszeichnung einer Region als UNESCO-Biosphärenreservat spiegelt die hohe nationale und internationale Wertigkeit wider.
 
 

Naturparke 

Das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz als oberste Naturschutzbehörde hat per Verordnung mit Wirkung vom 31. Dezember 2010 den Naturpark „Südharz“ ausgewiesen. Er hat eine Größe von 26.700 ha. Mit der Ausweisung des Südharzes als Naturpark sollen einerseits die Arten- und Biotopvielfalt erhalten und andererseits die Regionalentwicklung sowie ein nachhaltiger Tourismus gefördert werden. Räumlich erstreckt sich der Naturpark im Westen von Ellrich an der Landesgrenze zu Niedersachsen, nördlich an der Stadt Nordhausen vorbei bis zum Alten Stollberg nahe Urbach an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt im Osten und ist eingerahmt von den Naturparken „Harz“ (Niedersachsen) und „Harz“ (Sachsen-Anhalt). Träger ist der Südharzer Tourismusverband e. V.
 
Abb 5 1 3 S _dharz Blick Von Den Sattelk _pfen Zum S _dharz 2010okt10 Hwenzel
Blick von den Sattelköpfen (NSG "Sattelköpfe") bei Hörningen (Lkr. Nordhausen) auf den Südharz und die vorgelagerte Gipskarstlandschaft (Bildmitte: links Kammerforst, rechts Himmelsberg bei Woffleben) (Aufn. H. WENZEL, 10.10. 2010)
Für Thüringen ergibt sich damit zusammen mit den Naturparken „Thüringer Wald“, „Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale“ und „Kyffhäuser“ eine endgültig gesicherte Naturparkfläche von 348.200 ha (21,5 % der Landesfläche). Außerdem steht der Naturpark „Eichsfeld - Hainich - Werratal“ mit einer Fläche von etwa 85.900 ha kurz vor der endgültigen Unterschutzstellung.
 
Für den Naturpark „Kyffhäuser“ wurde von 2009 bis 2010 ein Naturparkplan erarbeitet, der die Entwicklung des Naturparks in den kommenden Jahren bestimmt. Es ist kein Fachplan des Naturschutzes, sondern ein inhaltliches übergreifendes Entwicklungskonzept für den Naturpark und die Menschen vor Ort, die bei der Erarbeitung aktiv einbezogen werden. Themen sind Naturschutz und Landschaftspflege, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit, Erholung und Tourismus sowie Regionalentwicklung und Landnutzung. Als Ergebnis entstanden ganz konkrete Maßnahmen und Projekte, die in den nächsten 5 Jahren erfolgreich umgesetzt werden sollen. Aktuell ist auch für den Naturpark „Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale“ die Erarbeitung eines Naturparkplanes in Bearbeitung.
 
 

Naturschutzgebiete (NSG) 

Das Thüringer Landesverwaltungsamt als obere Naturschutzbehörde hat im Jahr 2010 zwei NSG ausgewiesen. Das NSG „Apfelstädtaue zwischen Wechmar und Wandersleben“ mit einer Fläche von 118,3 ha liegt im Landkreis Gotha , das NSG „Schlechtsarter Schweiz“ mit einer Fläche von 538,5 ha im Landkreis Hildburghausen. Unter Berücksichtigung der Kern- und Pflegezonen der beiden thüringischen Biosphärenreservate ergibt sich in Thüringen statistisch eine Gesamtfläche von 47.909 ha in 266 Gebieten (3 % der Landesfläche).
 
Abb 5 2 Nsg Schlechtsarter Schweiz 2010okt09 Hwenzel
Im jüngsten Naturschutzgebiet Thüringens, der "Schlechtsarter Schweiz" (Landkreis Hildburghausen). Blick vom Spanshügel nach Norden auf den ehemaligen Grenzstreifen und den nördlichsten Keuperhügel des NSG (im Hintergrund rechts). Im Hintergrund links: der Große Gleichberg. (Aufn. H. WENZEL, 09.10.2010)

Landschaftsschutzgebiete (LSG) 

Im Jahr 2010 gab es keine Neuausweisungen von Landschaftsschutzgebieten in Thüringen. Unter Berücksichtigung der Fläche der Biosphärenreservate „Vessertal - Thüringer Wald“ und „Rhön“ (deren Zonen I bis III auch zur Fläche der LSG „Thüringer Wald“ und „Thüringische Rhön“ zählen), der Ausgrenzung von Herausnahmeflächen gemäß diverser LSG-Änderungsverordnungen sowie z. T. neuer digital ermittelter LSG-Größen ergibt sich z. Z. eine LSG-Fläche von 421.040 ha in 55 Gebieten (26 % der Landesfläche).
 
 

Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB), Flächennaturdenkmale (FND), Naturdenkmale (ND), geschützte Gehölze, geschützte Alleen, ökologisch bedeutsame Bereiche 

Im Folgenden werden die regional bedeutsamen Schutzkategorien zusammengefasst, gleichgültig ob es sich dabei um nach ThürNatG ausgewiesene Schutzgebiete (GLB und nach 1993 festgesetzte ND) oder um nach § 26 ThürNatG übergeleitete Schutzgebiete[1] (FND, vor 1990 gesicherte ND, geschützte Gehölze, geschützte Alleen oder ökologisch bedeutsame Bereiche) handelt.
Nach der Statistik der TLUG Jena gibt es in Thüringen 1.403 GLB, FND, ND als flächige Objekte[2] (einschließlich Alleen, jedoch ohne Baum-ND), geschützte Gehölze, geschützte Alleen oder ökologisch bedeutsame Bereiche[3] mit einer Fläche von ca. 5.241 ha[4].
In folgenden Landkreisen und kreisfreien Städten wurden 2010 neue GLB (einschließlich Novellierung von FND als GLB) ausgewiesen:
 
  • Lkr. Greiz: GLB „Bartwiese“ (4,2 ha),
  • Lkr. Hildburghausen: ND „Bunte Mergel bei Westhausen“ (0,03 ha), GLB „Wiese am Sommerberg Schönbrunn“ (9,95 ha),
  • Lkr. Sonneberg: GLB „Herrnberg bei Neuhaus am Rennweg“ (14 ha),
  • Unstrut-Hainich-Kreis: GLB „Bothenheilinger Herzberg“ (7,8 ha),
  • kreisfreie Stadt Weimar: GLB „Kalkmagerrasen am Glockenturm, Ettersberg“ (8,98 ha).
 
Außerdem wurden ein ND im Landkreis Hlidburghausen von 2007, zwei ND im Landkreis Schmalkalden-Meiningen von 1940 und zwei FND im Unstrut-Hainich-Kreis von 1980 bzw. 1985 nachträglich in die zentrale Schutzgebietsregistratur und Statistik der TLUG aufgenommen: 
 
  • Lkr. Hildburghausen: ND „Ehemaliger Steinbruch WINZER bei Heßberg in der Gemarkung Weitersroda“,
  • Lkr. Schmalkalden-Meiningen“: ND „ Petersee“, ND „Stedtlinger Moor“ (liegen in der Pflegezone „Bischofswaldung mit Stedtlinger Moor“ des Biosphärenreservates „Rhön“),
  • Unstrut-Hainich-Kreis: FND „Wolfsmilchsteppe“ (im NSG Nr. 381 „Grabsche Berge“), FND „Zimmerbach“ (im NSG Nr. 328 „Zimmerbachtal - Hellerbachtal“).
 
Von der TLUG wurden 960 Baum-ND als punktförmige Objekte erfasst (ohne ND der Landkreise Nordhausen und Gotha). Im Saale-Holzland-Kreis wurden folgende ND unter Schutz gestellt:
 
  • ND SHK 1070 „Birnbaum am Löbichauer Wege“,
  • ND SHK 1071 „Baumhauslinde an der Stünzmühle“.
 
Nachträglich berücksichtigt wurden die Unterschutzstellung und die Löschung von mehreren Baum-ND im Saale-Orla-Kreis im Jahr 2008 sowie die Löschung von Baum-ND im Landkreis Hildburghausen im Jahr 2009.
 
 


[1] Für die ebenfalls übergeleiteten Kategorien "Schongebiet", "Geschützte Feuchtgebiete" und "Geschützte Parks" ergeben sich keine Änderungen, sie werden hier nicht behandelt.
[2] Die im Folgenden vorgenommene Unterscheidung von ND als flächige Objekte und Baum-ND als punktförmige Objekte ist zwar rechtlich nicht relevant, jedoch aus Gründen der Datenhaltung im Geographischen Informationssystem und wegen der besonderen Betroffenheit von Baum-ND bei Cross Compliance sinnvoll.
[3] Hier wird nur der per Beschluss Nr. 14-7/90 des Rates des Kreises Artern v. 14.03.1990 gesicherte ökologisch bedeutsame Bereich "Segelberg" geführt.
[4] Flächenangabe im Vergleich zum Stand 31.12.2009 unter Berücksichtigung technischer Korrekturen bei der Digitalisierung und Ersetzen von digital ermittelten Größen durch Größen laut Beschluss oder Verordnung.

 

Gebiete gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung (Naturschutzgroßprojekte des Bundes) und landwirtschaftliche Gebiete mit hohem Naturschutzwert

 
Im Rahmen des "Förderprogramms zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sind in Thüringen zwei neue Naturschutzgroßprojekte begonnen worden.
 

Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Eichsfeld-Werratal“

Ziel des Projektes ist, die naturnahen Abschnitte des Grünen Bandes im Projektgebiet dauerhaft in ihrer Lebensraum- und Strukturvielfalt zu bewahren und andere Bereiche gezielt zu entwickeln, um den naturschutzfachlichen Wert wieder herzustellen. Hervorzuheben sind hier wertvolle und gefährdete Wälder, Heiden, Magerrasen, Streuobstwiesen und Fließgewässer. Es ist das erste Naturschutzgroßprojekt, an dem mit Thüringen, Niedersachsen und Hessen drei Bundesländer zusammenarbeiten. Neben dem Schutz des Grünen Bands geht es bei diesem Vorhaben auch darum, durch umfangreiche Quervernetzungen die Großräumigkeit des länderübergreifenden Biotopverbunds zu betonen. Das Projektgebiet liegt zwischen Harz, Hainich und Hessischem Bergland und ist ein Zentrum des Waldverbunds in Deutschland. Hier sind Wildkatze und Luchs besonders hervorzuhebende Leitarten. Das 18.500 Hektar große Kerngebiet zeichnet sich durch bemerkenswerte Vorkommen von vielen stark gefährdeten oder sogar vom Aussterben bedrohten Arten wie der Mopsfledermaus und dem Raubwürger aus. Auch der stark gefährdete Schwarzstorch und die Groppe haben hier ihren Lebensraum. In den nächsten Jahren wird es darum gehen, die spätere Umsetzung auf eine vernünftige fachliche Grundlage zu stellen. Neben der Erarbeitung eines Pflege- und Entwicklungsplans stehen dabei Diskussionen und Abstimmungen mit allen beteiligten gesellschaftlichen Gruppen und den Bürgern in einer Reihe von moderierten Gesprächen im Mittelpunkt.
Förderzeitraum:
Förderphase I: 2009 - 2012 (Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans)
Förderphase II: 2013 - 2020 (Umsetzung der Maßnahmen)
  

Naturschutzgroßprojekt Grünes Band Rodachtal – Lange Berge – Steinachtal

Ziel des Naturschutzgroßprojektes „Grünes Band Rodachtal“ ist es, die zahlreichen wertvollen Lebensräume für Tiere und Pflanzen miteinander zu vernetzen, wobei das Grüne Band als eine Art „Rückgrat“ fungiert: Großflächige Wälder, schützenswerte Kulturlandschaftsbiotope und Fließgewässer sind über geeignete Trittsteine und Korridore daran angebunden. Es sollen naturnahe Abschnitte des Grünen Bandes im Projektgebiet dauerhaft in ihrer Lebensraum- und Strukturvielfalt zu erhalten und andere Bereiche naturschutzgerecht entwickelt werden. Hierzu zählen auch der dauerhafte Schutz und die Pflege wertvoller, seltener oder bedrohter Waldgesellschaften und Kulturlandschaftsbiotope sowie die Fließgewässernaturierung in ausgewählten Abschnitten. Das Kerngebiet des Naturschutzgroßprojektes weist mit ca. 43 % einen hohen Anteil an naturnahen Lebensräumen auf. Hervorzuheben ist hier die große Anzahl an hoch gefährdeten Biotoptypen (Rote Liste 1 bzw. 1 – 2), wie beispielsweise dystrophe Teiche, Europäische trockene Heiden, Übergangs- und Schwingrasenmoore, Kalktuffquellen, Moor- und Auwälder. Bemerkenswert sind überdies die Vorkommen von prioritären Lebensräumen nach der FFH-Richtlinie. Hierzu gehören unter anderem lückige Kalk-Pionierrasen, naturnahe Kalk-Trockenrasen sowie Schlucht- und Hangmischwälder. Auch eine Vielzahl von Arten, die vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet sind, leben im Projektgebiet (12 Arten Rote Liste 1, 140 Arten Rote Liste 2). Beispielhaft seien hier Mopsfledermaus, Bekassine, Raubwürger, Edelkrebs, Bachmuschel und Eichen-Zungenporling erwähnt.
Förderzeitraum:
Förderphase I: 2010 - 2012 (Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans)
Förderphase II: 2013 - 2021 (Umsetzung der Maßnahmen)
 
  

Erhebung des HNV-Indikators in Thüringen 

Im Rahmen des „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)“ der EU wurde für den Förderzeitraum 2007 bis 2013 erstmals ein Indikator des „High Nature Value Farmland“ (HNV-Landwirtschaftsflächen bzw. Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturschutzwert) eingeführt.
 
Bedeutung: 
In der Agrarlandlandschaft sind naturnahe Landschaftselemente sowie extensiv genutzte Flächen von heraus­ragender Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt. Daher ist auf die Erhaltung und Ausweitung dieser Bereiche besonders zu achten. Durch die systematische Erfassung von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert können Auswirkungen u. a. der Agrarpolitik in Hinblick auf die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft aufgezeigt werden. Auch Auswirkungen von Nutzungsänderungen – wie z. B. der verstärkte Anbau von Bioenergiepflanzen – werden sich künftig in den Indikatorwerten wider­spiegeln.
 
Der HNV-Indikator ist gemäß des „Common Monitoring and Evaluation Framework“ (CMEF) ein Basisindikator zur Evaluierung der Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum. Er muss von allen Bundesländern gegenüber der EU berichtet werden und ist auf Bundesebene im Rahmen der Berichtspflichten zum Nationalen Strategieplan darzustellen.
 
Erhebung in Thüringen: 
Im Rahmen der ELER-Verordnung soll auf repräsentativen Stichprobenflächen folgendes ermittelt werden:
1. Erfassung der Ausgangssituation: Erhebung der landwirtschaftlich genutzten Fläche, die einen hohen Naturwert (HNV-Landwirtschaftsfläche) aufweist: Zu diesem Zweck wurde 2009 in Thüringen erstmalig die naturschutzfachliche Wertigkeit von 103 Stichprobenflächen (27 Bundes- und 76 Landesstichprobenflächen) ermittelt.
2. Qualitative und quantitative Veränderungen der HNV-Landwirtschaftsflächen: Hierzu wird die HNV-Landwirtschaftsfläche in den vier Folgejahren jeweils auf 25% der Stichprobenflächen erneut kartiert.
 
 
Der Indikator bilanziert den Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (High Nature Value Farmland-Flächen, HNV Farmland-Flächen) an der gesamten Landwirtschaftsfläche. Er zeigt, wie sich der Umfang aus Sicht des Naturschutzes wertvoller Flächen sowie die Qualität dieser Flächen im Kontext landwirtschaftlicher Nutzungen verändern. Als Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert gelten extensiv genutzte, artenreiche Grünland-, Acker-, Streuobst- und Weinbergsflächen sowie Brachen. Hinzu kommen strukturreiche Landschaftselemente wie z. B. Hecken, Raine, Feldgehölze und Kleingewässer, soweit sie zur landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft gehören.
 
Bewertung: 
Die Einstufung von Flächen und Landschaftselementen erfolgt nach einer standardisierten Erfassungs- und Bewertungsmethode anhand von Qualitätskriterien und / oder Kennarten. Die Methoden zur standardisierten Erfassung und Bewertung der HNV-Landwirtschaftsflächen und zur Berechnung des Indikators wurden in einem Bund-Länder-Gremium bundesweit abgestimmt.
 
Um den Flächenanteil von HNV-Landwirtschaftsflächen in Deutschland zu erhöhen, ist ein gezielter Ausbau solcher Agrarumweltmaßnahmen erforderlich, die umwelt- und naturverträgliche Produktionsformen in der Landwirtschaft honorieren und von denen deutliche positive Effekte für die biologische Vielfalt in der Kulturlandschaft ausgehen. In welchem Umfang dies in Thüringen durch „KULAP 2007“ gelingt, soll künftig über den sogenannten HNV-Wirkungsindikator im Rahmen der ELER-Berichterstattung dargestellt werden.
 
 

  

Biotopkartierungen

 
Seit August 1996 wird die landesweite Offenland-Biotopkartierung im Auftrag des TMLNU von der TLUG (Koordination) und zu Beginn auch von den Staatlichen Umweltämtern durchgeführt. Ende 2010 waren etwa 93 % der zu bearbeitenden Fläche kartiert, für 79 % lagen digitalisierte Ergebnisse vor.
Mit Beginn der Kartiersaison 2004 wurde die räumliche Vorgehensweise der Offenland-Biotopkartierung aufgrund der Vordringlichkeit der Natura 2000-Berichtspflichten umgestellt. Seit 2007 werden von der laufenden Geländekartierung kartenblattweise bearbeitet. Die Biotopkartierung wurde in allen bis 2010 noch nicht fertig gestellten Landkreisen, mit Ausnahme der Stadt Eisenach, fortgesetzt. Für den Landkreis Sonneberg sind die Geländearbeiten abgeschlossen worden. Die Aufbereitung der Geländedaten von 2010 erfolgt kontinuierlich.