21.10.2013 14:27 Uhr

Abfallwirtschaft

Entwicklung des Abfallaufkommens

Das einwohnerspezifische Mengenaufkommen in Kilogramm je Einwohner (kg/E) der Summe der festen Siedlungsabfälle (Abb. 1) hat sich seit 1993 fortlaufend vermindert und lag 2009 mit 201 kg/E erstmalig unter der Summe des einwohnerspezifischen Mengenaufkommens an getrennt erfassten Wertstoffen von 204 kg/E.

Entwicklung Aufkommen Siedlungsabfälle
Abb.1: Entwicklung des einwohnerspezifischen Aufkommens an festen Siedlungsabfällen und getrennt erfassten Wertstoffen (Duale Systeme und örE-Anteil gesamt) in Thüringen 1993 bis 2009

Der Rückgang des Mengenaufkommens der festen Siedlungsabfälle ist bedingt durch fortlaufende Mengenrückgänge beim Hausmüll und den hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen I, bei den im Wechselbehälterverfahren erfassten oder von den Betrieben selbst angelieferten hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen II und beim Sperrmüllaufkommen. Der Anstieg bei den hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen II in 1998 ist auf größere Mengen an Sortierresten zurückzuführen, die seit dieser Zeit gesondert statistisch erfasst und ausgewiesen werden (Abb. 2).

Entwicklung Aufkommen Hausmüll
Abb.2: Entwicklung des einwohnerspezifischen Aufkommens an Hausmüll und hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen I, hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen II und Sperrmüll in Thüringen 1993 bis 2009

In Abb. 3 ist die Mengenentwicklung dominanter Wertstoffraktionen aufgezeigt. Das einwohnerspezifische Mengenaufkommen an Papier/Pappe/Karton (PPK) hat sich von 1993 (54 kg/E) bis 1999 fortlaufend erhöht, lag seitdem bis 2007 bei etwa 72 bis 75 kg/E und ging in 2008 auf 66 kg/E und 2009 auf 68 kg/E zurück.
Beim getrennt erfassten Glas lag das Aufkommen im Zeitraum von 1993 bis 2002 zwischen 30 und 39 kg/E (2007) mit einem Anstieg zwischen 1996 und 1999. Der danach zu beobachtende rückläufige Trend an Glas setzte sich seit 2005 nicht mehr fort und lag auch 2009 mit 24 kg/E auf dem Niveau der Vorjahre.
Nachdem sich das Aufkommen bei den Leichtverpackungen (LVP) von 1993 (11 kg/E) bis 2002 (30 kg/E) nahezu verdreifachte, liegt es seit dieser Zeit auf diesem Niveau, so auch 2009 (32 kg/E).

Entwicklung Aufkommen Wertstoffe PPK
Abb.3: Entwicklung des einwohnerspezifischen Aufkommens an getrennt erfassten Wertstoffen PPK, Glas und LVP in Thüringen 1993 bis 2009

Die über die Biotonne erfassten Mengen an Bio- und Grünabfällen wurden 1993 und 1994 noch gemeinsam statistisch ausgewiesen, haben sich fortlaufend erhöht und lagen in 2009 beim mehr als 3fachen des Aufkommens von 1995. Bei den Grünabfällen wurde mit einem einwohnerspezifischen Aufkommen von 45 kg/E (2009) der bisher höchste Wert erreicht. Das Aufkommen an Bioabfällen lag mit 29 kg/E (2009) auf dem Niveau der Vorjahre (Abb. 4).

Entwicklung Aufkommen kompostierb. Abfälle
Abb.4: Entwicklung des einwohnerspezifischen Aufkommens an kompostierbaren Abfällen in Thüringen 1993 bis 2009

Bis zum Jahr 2002 wurde die Definition der besonders überwachungsbedürftigen Abfälle mehrfach geändert. Seit dem 01.01.2002 werden Abfälle nach der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) bezeichnet und eingestuft, die Daten sind somit vergleichbar.
Das Gesamtaufkommen an gefährlichen Abfällen wird maßgeblich durch die Bau- und Abbruchabfälle aus Sanierungsvorhaben und Abbruchmaßnahmen bestimmt. Von 2002 bis 2005 lag dieses Aufkommen mit 400 bis 470 kt auf vergleichbar hohem Niveau, ging 2006 um etwa ein Drittel zurück, lag 2007 und 2008 in ähnlicher Höhe und ging 2009 (216 kt) nochmals zurück.
Es dominieren außerdem die gefährlichen Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen (Sekundärabfälle), die von 2002 bis 2005 mengenmäßig ebenfalls deutlich zunahmen, 2006 im Vergleich zu 2005 um 20 % zurückgingen und seit dieser Zeit mit einer Unterbrechung in 2008 auf diesem Niveau liegen, so auch 2009 (189 kt).
Das Aufkommen der übrigen Abfälle in der Summe ist nach einem Anstieg in den Jahren 2003 und 2004 seit dem Jahr 2005 (197 kt) rückläufig und lag 2009 mit 107 kt nahezu in der Größenordnung des Jahres 2002 (106 kt) (Abb. 5).

Entwicklung Aufkommen gef. Abfälle
Abb.5: Entwicklung des Aufkommens ausgewählter gefährlicher Abfälle in Thüringen 2002 bis 2009

Abfallbeseitigung

Nach einer Übergangsphase bis zur vollständigen Wirksamkeit der Abfallbehandlungsanlagen hat sich der Anfall an abzulagernden Behandlungsrückständen stabilisiert. Insgesamt wurden auf Thüringer Siedlungsabfalldeponien im Jahr 2010 ca. 280 kt Abfälle abgelagert. Die Restkapazitäten der Thüringer Siedlungsabfalldeponien bieten ausreichend Reserven für die zukünftige, öffentliche Abfallbeseitigung von nicht gefährlichen Abfällen. Tab. 1 enthält die Restkapazitäten der betriebenen Siedlungsabfalldeponien sowie die 2010 insgesamt darauf abgelagerten Abfallmengen.

Tab. 1: Ablagerungsmengen und Restkapazitäten Thüringer Siedlungsabfalldeponien (Stand 01.01.2011)

Deponie

Ablagerungsmenge
2010 [Tsd. t]

Restkapazität zum
01.01.2011 [1.000 m3]

Nordhausen-Nentzelsrode

26,1

361

Erfurt-Schwerborn

32,4

335

Wipperoda

0,3

235*

Rehestädt

13,1

474

Meiningen-Tongraben

30,7

73

Mihla-Buchenau

83,8

96

Krölpa-Chursdorf

24,0

109

Großlöbichau

50,2

563

Pößneck-Wiewärthe

16,4

258

Gesamt

277,0

2.504

* neues Vermessungsergebnis

Zur Beseitigung von gefährlichen Abfällen stehen weiterhin die Sonderabfalldeponie Aga und Untertagedeponie Sondershausen sowie zur Ablagerung von asbesthaltigen Abfällen u. a. die Monodeponie Caaschwitz zur Verfügung. Die verfüllten bzw. nicht mehr benötigten Deponien bedürfen der Oberflächenabdichtung, Rekultivierung und weiterer Nachsorgemaßnahmen. Bisher wurden in Thüringen bereits 300 ha Altdeponieoberflächen abgedichtet und rekultiviert.

Altdeponie Schmiedefeld
Abb. 6: Altdeponie Schmiedefeld vor der Rekultivierung
Rekultivierte Deponie Schmiedefeld
Abb. 7: Rekultivierte Deponie Schmiedefeld 1999

Tab. 2: Kosteneinsparungen bei der Rekultivierung Thüringer Siedlungsabfalldeponien (Stand 03/2011)

Durch Nutzung innovativer Lösungen konnten bei der Abdichtung und Rekultivierung der Deponien Kosten von mehr als 25 Mio. € eingespart werden (Tab. 2).
Als Folge umfangreicher Maßnahmen der Vorbehandlung von Abfällen und der Oberflächenabdichtung konnten die klimaschädlichen Methanemissionen Thüringer Siedlungsabfalldeponien seit dem Jahr 2000 um fast drei Viertel verringert werden. Bis 2020 wird eine nahezu vollständige Eindämmung der deponiebürtigen Methanemissionen in Thüringen prognostiziert.

Entw. deponiebürtige Methanemissionen
Abb. 8: Entwicklung und Prognose der deponiebürtigen Methanemissionen in Thüringen