Strahlenschutzvorsorge in Thüringen

Die Erfahrungen mit den Auswirkungen des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl im Jahre 1986 haben gezeigt, dass zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt ein bundeseinheitliches Vorgehen aller für die Strahlenschutzvorsorge zuständigen Behörden gewährleistet sein muss. Um zukünftig besser gerüstet zu sein, wurden von Bund und Ländern eine Reihe verbindlicher Regelungen getroffen.

Beispielhaft sind

  • das Strahlenschutzvorsorgegesetz vom 19.12.1986, das die Arbeitsteilung zwischen Bund und Ländern bei der Strahlenschutzvorsorge regelt,
  • die "Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Integrierten Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt (IMIS) nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz (AVV-IMIS)" vom 13.Dezember 2006
  • die "Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung der Überwachung von Lebensmitteln nach der Verordnung (EURATOM) Nr. 3954/87 des Rates vom 22. Dezember 1987 zur Festlegung von Höchstwerten an Radioaktivität in Nahrungsmitteln und Futtermitteln im Falle eines nuklearen Unfalls oder einer anderen radiologischen Notfallsituation" vom 28. Juni 2000 zu nennen.

Thüringen hat im Rahmen der Strahlenschutzvorsorge die gesetzliche Pflicht, auf seinem Gebiet die Radioaktivität in der Umwelt - in Arbeitsteilung mit dem Bund - ständig zu überwachen.
Die Überwachung führen die zuständigen beiden Landesmessstellen der TLUG nach den gesetzlichen Vorgaben des § 3 des Strahlenschutzvorsorgegesetzes (StrVG) in Bundesauftragsverwaltung durch. Zusätzlich werden spezielle Landesmessprogramme betrieben, die den besonderen Bedingungen Thüringens Rechnung tragen, z. B. die Überwachung der Thüringer Talsperren, die zur Trinkwasseraufbereitung genutzt werden und die Überwachung der Thüringer Waldökosysteme.

Grundlage der Überwachung sind die Vorgaben der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Integrierten Mess- uns Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt (IMIS) nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz (AVV-IMIS)" im Normal- und Intensivbetrieb. Grundsätzlich befindet sich IMIS im Normalbetrieb. Im Falle von Ereignissen mit möglichen nicht unerheblichen radiologischen Auswirkungen wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit der Intensivbetrieb angeordnet.
In den jeweiligen, den Betriebsarten zugeordneten Messprogrammen ist festgelegt,

  • welche Umweltbereiche,
  • an wie vielen Standorten,
  • in welchen Zeitabständen,
  • worauf zu untersuchen sind.

Zu überwachen sind alle Umweltbereiche, die bei einer Kontamination der Umwelt Einfluss auf die Strahlenexposition des Menschen haben können. Dazu wurden die Probennahmeorte in Thüringen so verteilt, dass alle für den jeweiligen Umweltbereich relevanten Regionen (z. B. Hauptanbaugebiete, Ressourcenschwerpunkte usw.) in der Überwachung berücksichtigt sind. Außerdem wurde auf eine möglichst engmaschige Verteilung von Probennahme- bzw. Messpunkten über das ganze Land geachtet, damit jeder Landkreis einbezogen und stets ein repräsentativer Überblick über die Umweltradioaktivität im Freistaat gegeben ist.
Die Probennahmen werden unter Einsatz amtlicher Probennehmer der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei, des Thüringer Landesamtes für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz, der kommunalen Lebensmittel- und Veterinär- Untersuchungsämter, der Mitarbeiter der Thüringer Fernwasserversorgung und der Fernwasserversorgung Südthüringen durchgeführt.

Weiterhin werden importierte Produkte im Handel beprobt:
(Freilandgemüse, Getreide, Obst, Kartoffeln, Rindfleisch, Schweinefleisch, Kalbfleisch,
Geflügel, Wildbret, Milchprodukte, Einzelfuttermittel, Fisch)

Für die Landesmessprogramme werden Oberflächenwasser aus Trinkwassertalsperren, Böden
aus Agrar- und Waldökosystemen und Wildpilze beprobt.

Gammaspektrometrie
Gamma-Spektrometriesystem (stickstoffgekühlter Germanium-Detektor mit Probe in Bleiburg)

Folgende Messverfahren kommen zur Anwendung:
Gamma-Spektroskopie
Alpha-Spektroskopie
Messung von Beta-Strahlern
In-Situ-Gamma-Spektroskopie
Messung der Gamma-Ortsdosisleistung

Die Überwachung der Radioaktivität konzentriert sich auf Radionuklide wie z. B. Strontium-90, Iod-131, Cäsium-134, Cäsium-137, Plutonium-239, die insbesondere als Folge der langfristigen Auswirkungen der oberirdischen Kernwaffenversuche und des Betriebs kerntechnischer Anlagen in der Umwelt häufig vorkommen.
Alle Proben werden in den Landesmessstellen auf gammastrahlende Radionuklide, ein Teil der Proben zusätzlich auf beta- und alphastrahlende Radionuklide untersucht. Im folgenden sind die, nach AVV-IMIS, zu bestimmenden Nuklide insgesamt aufgeführt (kursiv – zusätzlich im Intensivbetrieb):

gamma-Spektroskopie
40K, 60Co, 134Cs, 137Cs, 103Ru, 131I, 144Ce
alpha-Spektroskopie
234U, 235U, 238U, 238Pu, 239/240Pu, 241Am
Messung von beta-Strahlern
90Sr, 89Sr, 3H

Alphaspektrometer
Alpha-Spektrometer mit 4 Messkammern zur Bestimmung von Alphastrahlern
Flüssigkeitsszintillationsmessgerät
Flüssigkeitsszintillationsmessgerät zur Bestimmung alpha- und beta-strahlender Radionuklide

Die nachfolgende Tabelle zeigt das seit 01.01.2007 gültige Mengengerüst für Thüringen, mit den entsprechenden zu beprobenden Umweltbereichen unter Berücksichtigung der jeweiligen Messverfahren.

IMIS-Mengengerüst des Landes Thüringen für 2007
Größe: 158.4 kB

Zusätzlich, zu den oben aufgeführten Messungen, ermittelt das Land an ausgewählten Standorten mit hoher Bevölkerungsdichte bzw. im Einflussbereich von deutschen Kernkraftwerken kontinuierlich die Gamma-Ortsdosisleistung (ODL). Das Messnetz umfasst inzwischen 11 Messpunkte in den Stadtzentren von Erfurt, Nordhausen, Suhl, Greiz, Eisenach, Altenburg, Weimar, Gera, Meiningen/Dreißigacker und Wintzingerode sowie Jena als Messnetzzentrale.
Es ist so konzipiert, dass relative Veränderungen des Strahlungspegels durch die Freisetzung von radioaktiven Stoffen z. B. bei Unfällen in kerntechnischen Anlagen in kürzester Zeit erkannt, abgeschätzt, zeitlich verfolgt und bewertet werden können.

Die zusammengefassten Messergebnisse werden im Umweltbericht des jeweiligen Jahres veröffentlicht.

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