30.01.2014 08:47 Uhr

Rote Listen

Rote Listen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, Pflanzengesellschaften und Biotope Thüringens

Rote Listen sind Fachgutachten zur Gefährdung von Arten, Pflanzengesellschaften und Biotope. Die Bewertungsmethodik folgt den Empfehlungen des Bundesamtes für Naturschutz Bonn. Anhand einheitlicher Kriterien wird die Gefährdung jeder einzelnen Art bewertet und in eine Kategorie eingeordnet.
Für den Freistaat Thüringen werden alle zehn Jahre aktualisierte Rote Listen erstellt. Der vorliegende Sammelband enthält 54 Rote Listen. Insgesamt 16.814 Arten (315 Wirbeltiere,  
7.343 Wirbellose, 3.885 Pflanzen und 5.271 Pilze) 686 Pflanzengesellschaften und 76 Biotoptypen wurden hinsichtlich ihrer Gefährdung überprüft. Die 93 Autoren sind die besten Kenner der Thüringer Tier- und Pflanzenwelt, die meisten sind Mitglieder ehrenamtlicher Fachvereinigungen, von denen die landesweiten Basisdaten erfasst werden. Für einige Artengruppen war auf Grund fehlender Spezialisten oder unzureichender aktueller Daten keine Neubearbeitung möglich. Als in Thüringen gefährdet oder bereits ausgestorben wurden 3.455 Tierarten (45 %), 1.903 Pflanzenarten (49 %) 1.510 Pilzarten (29 %), 351 Pflanzengesellschaften (51 %) und 68 Biotoptypen (89 %) in die Rote Liste aufgenommen.
Die Veränderungen zu den letzten Roten Listen aus dem Jahr 2001 sind bei einigen Gruppen erheblich. Sie sind vor allem auf die methodischen Änderungen, einem verbesserten Kenntnisstand und nur zum Teil auf eine geänderte Gefährdungssituation zurückzuführen. Positive Entwicklungen wurden bei den Arten unserer Fließgewässer dokumentiert, die auf die deutlichen Verbesserungen der Wasserqualität reagieren (Mollusken, Libellen, Eintags-, Stein- und Köcherfliegen, Wasserkäfer). Durch einen Rückgang gefährdeter Arten zeichnen sich auch Flechten aus, meist infolge der Verbesserung der Luftqualität. Für mehrere Arten konnte die Bestandssituation auch durch Naturschutzmaßnahmen verbessert werden (Kleine Hufeisennase, Fischotter, Luchs, Schwarzstorch, Wanderfalke, Uhu). Ausgesprochen kritisch ist die Situation nach wie vor bei Arten, die an Lebensräume der Agrarlandschaft mit extremen Standortbedingungen gebunden sind, wie sehr trockene, nasse oder nährstoffarme Biotope. Hauptgefährdungsursachen sind Veränderungen der Landnutzung (Intensivierung wie auch Nutzungsaufgabe), Nähr- und Schadstoffeinträge sowie eine direkte Zerstörung von Lebensräumen. Die Roten Listen sind nach der „Thüringer Strategie zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt“ ein Gradmesser für die Erfolge der Maßnahmen zur Wiederherstellung der Vielfalt an Arten und Lebensräumen in Thüringen.

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