18.10.2013 10:47 Uhr

Bodenfunktionsbewertung

Böden erfüllen eine Vielzahl von Funktionen für den Naturhaushalt und die menschliche Gesellschaft. In einem hochindustrialisierten und dicht besiedelten Land wie der Bundesrepublik Deutschland werden dabei vielfältige Nutzungsansprüche an die Böden gestellt.
Gleichzeitig sind Böden leicht zerstörbar und nicht vermehrbar. Im Widerstreit der Nutzungen muss daher die begrenzte Ressource Boden so eingesetzt werden, dass sie ihre Funktionen optimal erfüllen kann.

Für Vorhaben, welche die Bodennutzung betreffen oder regeln, ist es daher unerlässlich, die Funktionen des Bodens zu erfassen und zu bewerten. Dadurch ist es möglich, konkurrierende Nutzungen gegeneinander abzuwägen und die Funktionen der Böden im Naturhaushalt zu gewährleisten.

Der Schutz des Bodens als nicht erneuerbare Ressource und wesentliches Element einer nachhaltigen Entwicklung nimmt einen zunehmenden Stellenwert in der umweltpolitischen Diskussion ein. Wichtiges Ergebnis dieser Entwicklung ist das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG), welches am 01. März 1999 in Kraft getreten ist. Der Gesetzgeber hat die Bedeutung der Böden erkannt und formuliert die nachhaltige Sicherung und Wiederherstellung der Bodenfunktion folgendermaßen:

1. Natürliche Bodenfunktionen

  1. Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen
  2. Bestandteil des Naturhaushaltes, insbesondere mit seinen Wasser- und Nährstoffkreisläufen
  3. Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für stoffliche Einwirkungen aufgrund der Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften, insbesondere auch der Schutz des Grundwassers

2. Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte

3. Nutzungsfunktion

  1. Rohstofflagerfläche
  2. Fläche für Siedlung und Erholung
  3. Standort für land- und forstwirtschaftliche Nutzung
  4. Standort für sonstige wirtschaftliche und öffentliche Nutzungen, Verkehr, Ver- und Entsorgung.

Zur Umsetzung eines flächendeckenden Bodenschutzes sind in Ergänzung zur Bodenschutzgesetzgebung eine Fülle bestehender gesetzlicher Bestimmungen anwendbar, so z.B. Bestimmungen des Naturschutzes und des Baurechtes. Dabei gilt es die in § 2 BBodSchG genannten Bodenfunktionen zu erhalten bzw. zu verbessern.

Bevor die konkurrierenden Nutzungen gegeneinander abgewogen werden, muss bekannt sein, wie gut der Boden die einzelnen relevanten Bodenfunktionen erfüllen kann. Die Bodenfunktionsbewertung erfolgt auf der Grundlage der zur Verfügung stehenden Informationen. Dabei gilt es, aus dieser umfangreichen Datensammlung diejenigen auszuwählen, welche mit einem vertretbaren Aufwand praxisorientierte Ergebnisse liefern. Sie ist somit Voraussetzung für einen qualitativen, an der differenzierbaren Schutzwürdigkeit der Böden orientierten vorsorgenden Bodenschutz.

Kontakt:

Dr. Stefan Brune
Stefan.Brune{at}tlug.thueringen{punkt}de