Stufen der Altlastenbearbeitung

Flächendeckende Erfassung und Historische Erkundung

Die Erfassung von altlastverdächtigen Flächen ist der erste Schritt der stufenweisen Altlastenbearbeitung und beinhaltet Erhebungen zu Sachverhalten über die Historie und den Zustand von Grundstücken industrieller oder anderer gewerblicher Altstandorte sowie von Altlablagerungen, die den Verdacht begründen können, dass der Betrieb von Anlagen bzw. das Ablagern von Abfällen zu einer Altlast geführt haben können.
Das anzustrebende Ziel ist eine weitgehend vollständige Erfassung aller relevanten altlastverdächtigen Flächen. Dies erfordert eine Abkehr von der Praxis, dass altlastverdächtige Flächen oft zufällig oder unsystematisch bekannt werden, dahingehend, dass eine gezielte und flächendeckende Suche und Erfassung erfolgt.
Für eine optimale Umsetzung dieser Zielvorstellungen sind Datenerfassungsbögen erarbeitet und deren Einsatz beschrieben worden. Basierend auf der Definition des BBodSchG werden die altlastverdächtigen Flächen getrennt nach Altablagerungen und Altstandorten erfasst (aktueller Stand s. Umweltdaten Thüringen).

Die systematische und flächendeckende Erfassung besteht aus folgenden Komplexen:

  • Adressrecherche
  • multitemporale Karten- und Stadtplanauswertung,
  • multitemporale Luftbildauswertung,
  • Vor-Ort-Ermittlung,
  • Zeitzeugen-Befragung,
  • Ermittlung der geforderten Informationen gemäß Datenerfassungsbogen,
  • Eingabe der ermittelten Daten in die Verdachtsflächendatei,
  • kartographische Darstellung und dem
  • Abschlussbericht.

Diese Komplexe können auch parallel oder in anderer Reihenfolge abgearbeitet werden (nähere Erläuterungen siehe Altlastenleitfaden, Teil I).
Als Differenzierungsmerkmal zur nachfolgenden Stufe der historischen Erkundung (HE) gilt, dass diese Komplexe in der Erfassung gebietsbezogen (z. B. Stadt, Kreis) abzuwickeln sind, während die HE auf die einzelne altlastverdächtige Fläche ausgerichtet ist.
Im Anschluss an die flächendeckende Erfassung findet die formalisierte Erstbewertung statt, die der Ermittlung von fachlichen Prioritäten für den Einstieg in die Abschätzung des Gefährdungspotenzials einzelner Flächen dient. Für die vergleichende Bewertung sind folgende Prämissen zu setzen:

  • In Anbetracht der hohen Zahl zu bewertender Flächen kommt nur ein formalisiertes Verfahren infrage.
  • Die der Erstbewertung zugrunde liegenden objektiven Kriterien sind bei der Erfassung vollständig zu ermitteln.
  • Die Erstbewertung soll schon bei unsicherer Datenlage durchführbar sein. Dann zeigen die Ergebnisse eine größere Streubreite auf.

Ausgehend von einer Schadherd-Schutzgut-Betrachtung wird bei dem in Thüringen angewandten Bewertungsverfahren das Emissions-, das Transmissions- und das Immissionspotenzial der altlastverdächtigen Fläche in die Ergebnisfindung einbezogen.
Die in die Bewertung einfließenden (= bewertungsrelevanten) Daten sind in den Erfassungsbögen als Pflichtfelder gekennzeichnet, welche die Möglichkeit bieten, eine "von-bis-Spanne" anzugeben. Die Bewertung erfolgt getrennt nach Altablagerungen und Altstandorten.
Weitere Einzelheiten über die Bewertungsverfahren sind im Altlastenleitfaden, Teil I dargelegt. Durch die Erstbewertung wird jeder Verdachtsfläche eine Punktzahl bzw. ein durch Minimal- und Maximalwert begrenzter Punktebereich zugeordnet.
Durch gezielte Nachermittlungen kann die Zahl der Flächen mit großen Punktbereichen (= unsichere Datenlage) deutlich verringert werden.
Aus dieser Erstbewertung wird anschließend durch Klassenbildung die Priorität festgelegt.

Klasse Klassifizierungskriterium mittlere Bewertungszahl
1 Wesentliche Beeinträchtigung des Allgemeinwohls unwahrscheinlich < 50
2 Wesentliche Beeinträchtigung des Allgemeinwohls nicht auszuschließen, insbesondere bei Änderungen der Nutzungen und/oder der örtlichen Gegebenheiten 50 bis 70
3 Wesentliche Beeinträchtigung des Allgemeinwohls wahrscheinlich > 70

 

Die "historische Erkundung" umfasst eine beprobungslose Datenaufnahme für einen räumlich abgegrenzten Untersuchungsbereich. Das Ziel der historischen Erkundung von altlastverdächtigen Flächen muss es sein, durch detaillierte Recherchen sämtliche Nutzungen auf dem Standort sowie seiner Umgebung zu erfassen und in Abhängigkeit von den konkreten Standorteigenschaften deren Auswirkungen auf die verschiedenen Umweltmedien (Boden, Bodenluft, Luft, Oberflächengewässer etc.) und/oder Schutzgüter (v. a. Mensch und Grundwasser) darzustellen und zu bewerten.
Im Einzelnen sind bei der Durchführung einer historischen Erkundung insbesondere folgende Teilaspekte auszuarbeiten:

  • Ermittlung von Standortverhältnissen (naturräumliche Daten zur Geologie, Hydrogeologie usw.),
  • Rekonstruktion von Arbeitsabläufen, Störfällen, Gebäudefunktionen, Abfall- und Abwasserbehandlung bzw. -beseitigung, Ver- und Entsorgungsleitungen,
  • Ermittlung der standortspezifischen Schadstoffe mit Einsatzmengen sowie deren ökochemischen Eigenschaften (Toxizität, Mobilität und Abbauverhalten),
  • Lokalisierung von Einsatzbereichen umweltrelevanter Schadstoffe,
  • Ermittlung weiterer umweltrelevanter Nutzungen im Umgebungsbereich des Standortes,
  • Lokalisierung und Eingrenzung von potenziell schadstoffbelasteten Bereichen,
  • Darstellung von Rechtsverhältnissen im Hinblick auf mögliche Haftungsfragen (Schadensverursacher).

Bei Fortbestehen des Altlastenverdachtes muss die historische Erkundung die Basisdaten für sich anschließende Untersuchungen liefern. Eine ausführliche historische Erkundung verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Kontaminationsherde bei späteren Untersuchungen übersehen werden. Bei hinreichend differenzierter Erfassung von Untersuchungsbereichen sind nicht nur beträchtliche Zeiteinsparungen zu erzielen, sondern auch der Aufwand für Beprobungen und Analytik bei der Untersuchung kann reduziert werden. Nähere Einzelheiten zur Durchführung der historischen Erkundung sind dem Altlastenleitfaden, Teil II zu entnehmen.

Orientierende Untersuchung und Detailuntersuchung

Die orientierende Untersuchung und die Detailuntersuchung sind der historischen Erkundung nachgeschaltete Bearbeitungsstufen für eine altlastverdächtige Fläche/Altlast, die den Einsatz technischer Maßnahmen beinhalten. Sachverständige und Untersuchungsstellen, die derartige Aufgaben wahrnehmen, müssen nach BBodSchG die für diese Aufgaben erforderliche Sachkunde und Zuverlässigkeit besitzen sowie über die erforderliche gerätetechnische Ausstattung verfügen.
Orientierende Untersuchung und Detailuntersuchung unterscheiden sich in ihrer Zielsetzung und beinhalten daher unterschiedliche Untersuchungskonzepte. Beide Untersuchungsphasen besitzen aber in der Regel einen vergleichbaren Verfahrensablauf, der wie folgt zu charakterisieren ist:

  • Grundlagenermittlung für die technische Untersuchung
  • Ausarbeitung des Untersuchungsprogrammes
  • Vergabe von Leistungen
  • Durchführung der Untersuchungen
  • Auswertung, Beurteilung und Dokumentation
  • Bewertung durch die zuständige Behörde

Ziel der orientierenden Untersuchung ist es, erste Aussagen über die Art, Konzentration und Verbreitung von Substanzen, die als Schadstoffe im Boden, in der Bodenluft oder im Wasser vermutet werden, zu erbringen, um einen aus den Erkenntnissen der historischen Erkundung abgeleiteten Altlastverdacht zu bestätigen oder auszuschließen. Das gegenwärtige und zukünftige Risikopotenzial der Flächen soll aus den durchgeführten Untersuchungen abschätzbar sein und gegebenenfalls den Handlungsbedarf für die Detailuntersuchung begründen. Das festgestellte Ausmaß der Beeinträchtigungen ist entscheidend für die Dringlichkeit weiterer Maßnahmen.
Durch eine systematische Vorgehensweise bei der Untersuchung von altlastverdächtigen Flächen muss gewährleistet werden, dass eine repräsentative und zuverlässige Beprobung im Untersuchungsgebiet durch bestmögliche Wahl von Untersuchungsmedien, Beprobungspunkten und -tiefen unter Berücksichtigung individueller Standortgegebenheiten erfolgt.

GW-Messstelle
Grundwassermessstelle und Bodenschurf auf einem Altstandort

Die Detailuntersuchung soll durch ergänzende Untersuchungen differenzierte Aussagen über Art und Ausmaß der von einer Altablagerung/einem Altstandort ausgehenden Risiken liefern. Dies beinhaltet insbesondere konkrete Aussagen zur räumlichen Verteilung von Schadstoffen im Untersuchungsgebiet, zur Mobilität bzw. Mobilisierbarkeit der Schadstoffe, zu relevanten Ausbreitungspfaden und zur qualitativen Beeinträchtigung betroffener Schutzgüter.
Die Expositionsverhältnisse sind ebenso wie die von den Schadstoffen ausgehenden Risiken umfassend zu klären. Die Risikobeurteilung soll explizit für jeden relevanten Wirkungspfad erfolgen. Nach Abschluss der Detailuntersuchung sollten für das Untersuchungsgebiet umfassende Kenntnisse

  • zur Belastungssituation am Standort, z. B. relevante Schadstoffe, horizontale und vertikale Schadstoffverteilung in verschiedenen Medien, Konzentrationen und Frachten, Schadstoffverfügbarkeit, -mobilität und -bindungsformen, geogene und anthropogene Hintergrundkonzentrationen,
  • zur geologischen und hydrogeologischen Situation, z. B. Schichtenfolge und Mächtigkeiten in der ungesättigten Bodenzone, Anzahl, Tiefenlage und Mächtigkeit von Grundwasserleitern und hydraulischen Trennschichten, Grundwasserfließrichtung, Durchlässigkeiten, Abstandsgeschwindigkeit, Grundwasserneubildung usw.
  • zur Nutzung, zum Umfeld und zu relevanten Schutzgütern, z. B. aktuelle bzw. geplante Nutzung, Standorthistorie, relevante Wirkungspfade, betroffene Schutzgüter

vorliegen.
Aus diesen Kenntnissen müssen verlässliche Prognosen zur Entwicklung des Kontaminationsgeschehens am Standort und in dessen Umfeld für unterschiedliche Szenarien herleitbar sein. Auf der Basis der Erkenntnisse der Detailuntersuchung soll eine Entscheidung ermöglicht werden, ob und mit welcher Dringlichkeit weitere Maßnahmen zur Gefahrenabwehr notwendig sind.
Zur Abschätzung der Ausbreitung umweltgefährdender Stoffe im Boden (ungesättigte Zone), in Gewässern und der Austragsrate in Gewässer/Luft sowie des Transfers in Pflanzen können prognostische Modellrechnungen oder Simulationen eingesetzt werden.
Nähere Einzelheiten zur Durchführung der orientierenden und der Detailuntersuchung sind Bestandteil des Altlastenleitfadens, Teil II.

Sanierung

Als erster Bearbeitungsschritt der Phase III (Sanierung und Überwachung) dient die Sanierungsuntersuchung zur

  • Präzisierung der Abgrenzung der unterschiedlich stark belasteten Bereiche,
  • Prüfung der möglichen Sanierungstechniken,
  • Erarbeitung von Sanierungsvarianten,
  • Durchführung einer Kosten- und Kostenwirksamkeitsschätzung und
  • als Grundlage für die Erstellung des Sanierungsplans.

Eine eventuell erforderliche Sanierung kann sowohl durch Sicherung als auch durch Dekontamination erfolgen. Die Entscheidung erfolgt unter Berücksichtigung der durch die zuständige Behörde nutzungs- und schutzgutbezogen festgelegten Sanierungsziele.

Rekultivierung
Altablagerung nach Sicherung und Rekultivierung

Als verbindliche Vorgabe für sämtliche Sanierungsaktivitäten dient der durch die zuständige Behörde zu genehmigende Sanierungsplan. Die Sanierung ist durch eine ständige Fachbegleitung zu dokumentieren und nach Abschluss einer Erfolgskontrolle zu unterziehen.

GW-Sanierung
Grundwassersanierung auf einem Altstandort

Überwachung und Nachsorge

Das Erfordernis von Überwachungsmaßnahmen kann sich sowohl nach Abschluss einer Sanierung ergeben, als auch bei Altlasten, die nicht saniert oder nur teilsaniert bzw. in der Bearbeitung zurückgestellt wurden.
Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob aktiv Sicherungs- oder Dekontaminationsmaßnahmen durchgeführt wurden oder natürliche Selbstreinigungskräfte im Vordergrund stehen.
Ist nach Dekontaminationsmaßnahmen keine Restbelastung nachweisbar, entfällt in der Regel eine technische Nachsorge. Wurde eine Altlast nur teilweise dekontaminiert, unterliegt das Gelände Nutzungsbeschränkungen und die verbleibenden Schadstoffe sind im Hinblick auf Konzentration und Mobilität zu überwachen. Derartige Überwachungsmaßnahmen sind z. B. die Messung von Bodenluftkonzentrationen, der Sickerwassermenge und -zusammensetzung, die Kontrolle der Grundwasserbeschaffenheit sowie arbeitsmedizinische Untersuchungen.
Diese Erhebungen können auch bei der Überwachung nicht sanierter Flächen erforderlich sein.
Bei Sicherungsmaßnahmen sind zusätzliche Überwachungen notwendig, da die Sicherungselemente eine endliche Funktionsdauer aufweisen. Solche Maßnahmen sind z. B. die Überprüfung der Langzeitstabilität von Bauwerken, die Funktionskontrolle von Sicherungselementen oder die Kontrolle der Langzeitstabilität der Immobilisate.
Die Zeitdauer, die Parameter und die Intensität der Überwachung müssen fallspezifisch gestaltet werden.
Überwachungsmaßnahmen erfordern einen personellen sowie finanziellen Aufwand und sind bereits in der Entwurfsplanung zu berücksichtigen.

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