Medieninformation

Erstmalig Uhu-Brut in Mühlhausen
Entkräftetes Uhu-Weibchen in Auffang- und Pflegestation der Vogelschutzwarte Seebach (VSW) gut versorgt

Erstmalig brütete in Thüringen ein Uhu-Brutpaar in einer Stadt. Seit Ende Februar wurden die Tiere auf dem Turm der Marienkirche in Mühlhausen/Unstrut-Hainichkreis gesichtet. Bei Einbruch der Dämmerung flog das Uhu-Brutpaar regelmäßig die Marienkirche an.

Anfang Mai wurde die VSW Seebach über den Fund eines möglicherweise verletzten, völlig entkräfteten und flugunfähigen Uhus von einer Mühlhäuser Familie informiert. Das Tier wurde auf dem Steinweg in der Fußgängerzone von Mühlhausen am Tage von Rabenkrähen attackiert. Die Tierrettung übergab den Uhu an die Tierklinik Orthmann und Stief zur eingehenden Untersuchung. Die Vogelschutzwarte Seebach übernahm die Pflege des Uhus bis zur vollständigen Genesung.

Inzwischen wurde das Uhu-Weibchen von einer Tierpflegerin der VSW Seebach bis zu seiner vollständigen Regeneration artgerecht betreut und anschließend in dem ihr bekannten Revier wieder erfolgreich ausgewildert.

Bei dem Uhu handelt es sich um ein beringtes Uhu-Weibchen. In Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Hiddensee und der Vogelwarte Helgoland konnte anhand der Ringnummer nachgewiesen werden, dass das Uhu-Weibchen in Hessen beringt wurde. Der Ring wurde 2014 im Rahmen der wissenschaftlichen Vogelberingung von der Vogelwarte Helgoland an einen Beringer in Hessen ausgereicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der Brut im Turm der Mühlhäuser Marienkirche auch um die erste Brut des Uhu-Weibchens.

Mitarbeiter der Vogelschutzwarte Seebach fanden bei der Inspektion des Uhu-Brutplatzes leider nur noch einen toten Jungvogel und ein kaputtes Ei vor. Als mögliche Störfaktoren stehen Rabenkrähen und Wanderfalken an erster Stelle. Letztes Jahr war an gleicher Stelle ein Wanderfalken-Brutpaar mit einer Brut erfolgreich. Der Kampf um geeignete Nist- und Brutplätze erlangt auch im innerstädtischen Bereich zunehmend neue Dimensionen.


Weiterführende Informationen

Der Uhu ist die größte Eulenart der Welt. Männchen können bis zu zwei Kilogramm wiegen. Die Weibchen erreichen eine Körpermasse von über drei Kilogramm. Die Körpergröße kann zu 75 Zentimeter erreichen, die Flügelspannweite bis zu 180 Zentimeter. Markant sind seine orangegelb Augen und die auffälligen bis zu acht Zentimeter langen Federohren.

Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Südwesteuropa und Nordafrika über Mitteleuropa und Nordeuropa ostwärts bis nach Ostsibirien sowie südostwärts bis nach Arabien, Indien und Südchina. In Nordfrankreich und den Britischen Inseln sowie auf den meisten Inseln im Mittelmeer fehlt die Art. Bevorzugter Lebensraum des Uhus sind reichgegliederte Mittelgebirgslandschaften mit fließenden oder stehenden Gewässern. Steinbrüche mit Nischen, felsiges Gelände mit Höhlen aber auch den Erdboden nutzt er als Brutplatz.

Mit einem Jahr ist der Uhu geschlechtsreif. In der Wildnis pflanzen sich Uhus erst dreijährig erfolgreich fort. Im Oktober erfolgt während der Herbstbalz die Revierabgrenzung und Paarbildung. Im Februar findet die eigentliche Balz statt. Je nach Witterung beginnt die Eiablage meist im März. Im Abstand von 3 bis 4 Tagen legt das Weibchen 2 - 3 Eier, gelegentlich 4. Nur das Weibchen brütet. Nach zirka 34 Tagen Brutdauer schlüpfen die etwa 60 Gramm schweren Jungen. Im Alter von 4- 5 Wochen verlassen die jungen Uhus den Horst.

Umfangreiche Beuteanalysen belegen, dass der Uhu in der Regel ein Beuteopportunist ist. Igel, Greifvögel, Fledermäuse, Tauben, Hasen, Kleinsäuger und Fische sowie Füchse gehören zum Beutespektrum. Nach Schätzungen der Experten leben derzeit in Deutschland rund 2.100 bis 2.500 Uhupaare. In Thüringen sind es 100 bis 120.

Zu den wichtigsten Gefährdungsfaktoren gehören Verkehr, Freileitungen und Windenergieanlagen. Zum Schutz des Uhus ist es daher wichtig, bei Planungs- und Genehmigungsverfahren die Brutgebiete möglichst großräumig auszugrenzen oder wirksame Vermeidungsmaßnahmen umzusetzen. Insbesondere bei Freileitungen lassen sich solche Maßnahmen vergleichsweise einfach realisieren. Dabei werden die stromführenden Leiterseile im Bereich der Traversen, die von den Vögeln gerne als Sitzwarte genutzt werden, mit einer Kunststoffkappe abgedeckt.

Von dieser Schutzmaßnahme profitiert nicht nur der Uhu, sondern auch alle anderen Großvogelarten, die auf diese Weise immer weniger an Freileitungen verunglücken. Die Erfolge machen sich auch in der Auffang- und Pflegestation der Vogelschutzwarte Seebach bemerkbar. Dort mussten in den in letzten Jahren, in denen diese Schutzmaßnahmen verstärkt umgesetzt wurden, immer weniger Stromschlagopfer gesund gepflegt werden.

Quellen:
GÖRNER, MARTIN: Acta ornithoecologica, Band 8, Heft 3-4 (2016)
MEBS, THEODOR; SCHERZINGER, WOLFGANG: Die Eulen Europas, Kosmos-Verlag (2000)

22.05.2017

Dr. Lutz Baseler
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