Boden Des Jahres 2017
Der Gartenboden oder Hortisol

(von lateinisch hortus = Garten) ist ein von Bodentyp, der sich durch eine gärtnerische Bewirtschaftung aus einem anderen - zumeist nicht mehr erkennbaren - Bodentyp entwickelte. Er ist ein von Menschenhand über Jahrhunderte geschaffener Gartenboden mit mächtigem, humusreichem Oberboden. Sein oftmals hoher Humusgehalt bietet eine fruchtbare Grundlage für die Ernährung des Menschen.

Menschliche Nutzung

Die Bezeichnung Hortisol kommt aus dem lateinischen und setzt sich zusammen aus hortus für Garten und solum für Boden. Dieser Gartenboden gehört nach der Bodenkundlichen Kartieranleitung der Arbeitsgemeinschaft Boden aus dem Jahr 2005 zur Klasse der „Terrestrischen anthropogenen Böden", die durch den Eingriff der Menschen so stark umgestaltet wurden, dass ihre ursprüngliche Horizontabfolge weitgehend verloren ging. Auch beim Hortisol ist der ursprüngliche Bodentyp durch die Bearbeitung zumeist nicht mehr erkennbar.

Der Bodentyp zeichnet sich durch ein sehr aktives Bodenleben aus.  Hier  gibt  es  besonders  viele  Regenwürmer,  die das Bodenmaterial   intensiv durchmischen.  Dieser Bereich der sogenannten Bioturbation (lat. turbare aufwühlen) bildet einen eigenen humusreichen Ex-Horizont im Bodenprofil aus, der zusammen mit dem humosen Oberbodenhorizont (Ah(umos) bzw. Ap(flug)-Horizont) nach der Bodenkundlichen Kartieranleitung eine Mächtigkeit von mehr als 40 Zentimetern aufweisen muss. In der Gesamtheit weist ein Hortisol-Profil folgende Horizontabfolge auf: Ap/Ex/(Ex-)C- Profil.

Der Hortisol ist vor allem deswegen sehr humusreich, weil dem Boden regelmäßig - meist über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte - Nährstoffe in Form von Küchenabfällen, Jauche, Kompost oder Stallmist zugegeben wurden. Diese Zugaben verbesserten die Nährstoffvorräte an organischem Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor um ein Mehrfaches des ursprünglichen Wertes. Zusätzlich wurde der Boden regelmäßig bearbeitet: bewässert, gehackt und tief umgegraben. Pflanzen können deshalb leichter wurzeln und sich deutlich besser entwickeln.

Auch Siedlungsreste wie Scherben, Holzkohle, Knochen etc. unterscheiden Hortisole von natürlich gewachsenen Böden.

Verbreitung der Gartenböden

Im Gegensatz zu den oft großflächigen Verbreitungsgebieten der Naturböden kommt der typische, langsam gewachsene Hortisol innerhalb der Bodenlandschaften nur in kleinräumigen Einheiten vor, die über das ganze land verteilt sind. Da seine Entstehung notwendig auf menschliches Zutun gründet, findet sich dieser Bodentyp überwiegend in Siedlungsbereichen: in alten Dorfstrukturen, Klöstern, an den Rändern unserer Altstädte. In der Summe ist der Gartenboden weit verbreitet, aber aufgrund  seiner  kleinflächigen Einheiten  schwierig zu erfassen und zu kartieren.


Nutzungsformen der Hortisole - Kulturgeschichtliche  Vielfalt

Haus- und Hofgärten: Hüter bester Böden

Wo immer sich Menschen ansiedelten, widmeten sie einen Teil des haus- und hofnahen landes in Gartenland um. Dort finden sich deshalb  häufig  die ältesten  und  mächtigsten Hortisole. Fast jeder alte Dorfkern weist auch heute noch beachtliche Flächen an Gartenland auf. Dort konnten Gartenböden weitgehend ungestört entstehen.

Angebaut wurden Gemüse, Kräuter, Zierblumen, auch Futterpflanzen. Hinter dem Gemüsegarten folgte oft ein Baum- oder Grasgarten, auf dem Obstbäume standen. Hier wurde Geflügel gehalten und weidete Jungvieh. Waren die Hofstellen zu klein und im Dorfkern nicht genügend Platz, wurden Flächen am Rande des Dorfkerns einbezogen. Auf diesem sogenannten Grabeland wurden vorwiegend Kohlsorten und Hackfruchtkulturen wie Kartoffeln und Rüben angebaut. Auch hier finden sich nach langer und intensiver Nutzung Hortisole.

Klostergärten: Orte innovativer Bodenkultur

In Thüringen lassen sich über 200 historische Klöster und Orden nachweisen. Begründet durch ihre europaweiten Vernetzungen gingen von Klöstern vielfältige Innovationen, auch im Gartenbau, aus. In den Klostergärten züchteten die Nonnen und Mönche neue Obst- und Gemüsesorten wie Kohl, Pastinaken, Zwiebeln und Spinat, Ziergewächse und Küchenkräuter, die bald auch ihren Weg in die bäuerlichen Gärten fanden.

Schloss- und Burggärten für herrschaftliche Ansprüche

Schon die hochmittelalterlichen Burgen besaßen zur Eigenversorgung der Burgherren Nutzgärten. Auf Flach- oder Hochbeeten  wurden  hier verschiedene  Würz-,  Duft- und Heilkräuter, Obst, Gemüse und  Blumen  gezogen. Die Standortbedingungen am Hang waren äußerst schwierig. Die flachgründigen und steinigen Böden wurden durch Auftrag von Mutterboden, Schutt und Mörtelresten verändert, das Gelände wurde terrassiert. Im laufe der Jahrhunderte konnten so selbst unter ungünstigen Bedingungen Hortisole entstehen.  Als sich zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert die kleinflächigen Burggärten hin zum großflächigen Schlosspark entwickelten, entstanden viele Schlossgärtnereien mit ihren Küchengärten. Sie professionalisierten Anbau und Bodenpflege und zogen auf mistgedüngten Frühbeeten und in  Gewächshäusern Rüben, Salat, Kresse und Spinat, Bohnen und Kürbis, Spargel, Artischocken und Melonen.

Städtisch-bürgerliche Nutzgärten: jede Ecke wird genutzt

Auch in städtischen Siedlungen finden sich seit dem 12. und 13. Jahrhundert Nutzgärten. Die ältesten lagen in der überaus engen hochmittelalterlichen Kernbebauung, jüngere in den Stadterweiterungen, die auch oft von einer Befestigung umgeben waren. Diese Gemüse- und Gewürzgärten waren sehr klein, so dass oft auch die Flächen vor den Stadtmauern in Gartenland umgewandelt wurden.

Auf diesen nur wenige Jahrhunderte lang intensiv bewirtschafteten Flächen finden sich typische Hortisole. In den Stadtkernen sind sie rar, da viel Boden abgetragen oder überbaut wurde. Dazu ist der Boden oft mit Brandschutt und Ziegelbruch, Zement- und Metallresten verunreinigt. Die Hortisole in den Städten unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung oft von denen der Hausgärten, welchen vorwiegend Stallmist zugegeben wurde: In den  Städten bestand die Düngung - anders als in den ländlichen Gebieten - zunächst aus flüssigen Fäkalien aus den Kloaken, organischem Haushaltsabfall und Herdasche, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Klärschlämmen, Komposten und künstlichen Düngemitteln.

Bodenschutz geht alle an! Bodenschutz im Freizeitgarten und zu Hause

Es sind die Gärtner und Bauern, die mit ihrem Wissen um den Boden als gefährdete und nicht vermehrbare Ressource zuerst dessen Schutzwürdigkeit erkannt haben.
Sie tragen gleichzeitig auch eine besondere Verantwortung sorgsam mit dem Boden, ihrer Existenzgrundlage, umzugehen. Ein umfassender Bodenschutz verlangt aber, dass wir uns alle unserer Verantwortung gegenüber dem Boden bewusst werden und an den verschiedensten Stellen für ein nachhaltiges Management unserer Böden eintreten.

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