Folgen des Klimawandels in Thüringen

Nach dem 5. Sachstandbericht des Weltklimarats IPCC ist ein globaler Temperaturanstieg um 4°C und mehr gegenüber dem vorindustriellem Niveau möglich. Die Folgen dieses Klimawandels wären unvermeidbare Schäden durch den Meeresspiegelanstieg und Extremereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen für den Menschen und zahlreiche Ökosysteme. Zur Verhinderung dieser Folgen besteht auch für den Freistaat Thüringen die Aufgabe die möglichen Folgen des Klimawandels für Thüringen zu erkennen und Vermeidungs- (Klimaschutz) und Anpassungsmaßnahmen (Klimaanpassung) zu entwickeln und umzusetzen.

 

Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT

Bereits im Thüringer Klima- und Anpassungsprogramm von 2009 wurden elf relevante klimasensitive Handlungsfelder identifiziert und erste Erkenntnisse und Handlungsansätze beschrieben. Im Jahr 2013 hat die Thüringer Landesregierung das Integrierte Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT erstellt. Für IMPAKT wurde die Themenpalette um das Handlungsfeld Energiewirtschaft ergänzt, so dass folgende zwölf Unterkapitel entstanden sind:

•    Menschliche Gesundheit,
•    Wasserwirtschaft,
•    Landwirtschaft,
•    Boden,
•    Wald und Forstwirtschaft,
•    Naturschutz,
•    Verkehrswesen,
•    Tourismus,
•    Bauwesen,
•    Energiewirtschaft,
•    Katastrophenschutz sowie
•    Raumordnung und Landesplanung.

Diese Handlungsfelder wurden innerhalb von IMPAKT nach einem einheitlichen Schema analysiert. Die einzelnen Hauptkapitel beginnen jeweils mit einleitenden Hinweisen zu handlungsfeldspezifischen

•    Zielen,
•    Planungshorizonten und -instrumenten sowie
•    klimatische und nicht-klimatische (sozioökonomische) Sensitivitäten.

Die Erläuterungen werden durch herunterladbare Abbildungen und Karten sowie durch interaktive Kartenmodule ergänzt, die Klimaänderungen und deren Folgen bis auf Gemeindeebene darstellen können.

 

Klimawandelfolgenmonitoring in Thüringen

IMPAKT sieht unter anderem auch den Aufbau eines Monitorings vor, auf dessen Grundlage eine regelmäßige Berichterstattung über Klimafolgen und Klimaanpassung in Thüringen erfolgen soll. Aus diesem Grund wurde 2017 das Klimafolgenmonitoring erstmals als Klimawandelfolgen in Thüringen - Monitoringbericht 2017 veröffentlicht.

Das Klimafolgenmonitoring basiert auf einem Indikatorensystem und nutzt Daten aus bereits existierenden und laufenden Erhebungen behördlicher und nicht-behördlicher Einrichtungen. State-Indikatoren beschreiben die beobachtbaren Klimaveränderungen in Thüringen, Klimawandelfolgen werden in Form von Impact-Indikatoren dargestellt. Es ist geplant, das System nach Überarbeitung des Integrierten Maßnahmenprogramms zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels um weitere Indikatoren zu Anpassungsaktivitäten und -maßnahmen (Response-Indikatoren) zu ergänzen.

Die Thüringer Klimaagentur an der TLUG hat 12 State-Indikatoren ausgearbeitet. Sie beschreiben die Entwicklung von Temperatur und Sonnenscheindauer, Niederschlag und Schneedecke sowie zum Gewittergeschehen. Die 40 Impact-Indikatoren der zwölf Handlungsfelder des Integrierten Maßnahmenprogramms sind in Kooperation mit Vertreterinnen und Vertretern der Thüringer Fachbehörden und Ministerien entstanden. Alle Indikatoren sind in diesem Bericht dargestellt und die Zusammenhänge mit dem Klimawandel beschrieben. Die zeitliche Entwicklung wurde mit Hilfe von Trendanalysen interpretiert.

Die Indikatoren machen deutlich, dass die Auswirkungen des Klimawandels in Thüringen angekommen sind. So steigt die witterungsbedingte Waldbrandgefahr, die Böden werden im Herbst trockener, die Schneedecke geht vor allem in den höheren Lagen zurück und die Zusammensetzung von Artengemeinschaften verändert sich. Die Entwicklungen sind aber jeweils differenziert zu interpretieren und bewerten, da ökologische und sozio-ökonomische Prozesse stets von vielen unterschiedlichen Faktoren und nicht allein vom Klimawandel beeinflusst werden. Umso wichtiger sind eine langfristige Datenerhebung und Beobachtung der Indikatoren. Das Klimafolgenmonitoring soll regelmäßig fortgeschrieben werden.

Der Monitoringbericht ist als Publikation des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz als PDF herunterladbar.

 

Satellitengestütztes Phänologiemonitoring in Thüringen (PhaenOPT)

Eine weitere direkt messbare Folge des Klimawandels ist die Verschiebung der Vegetationsperiode von Pflanzen in den Winter – sie blühen früher und länger im Jahr. Messbar sind sie mit zehn sog. phänologische Phasen. Mit dem Projekt Satellitengestütztes Phänologiemonitoring in Thüringen (PhaenOPT) soll ein erster, zuverlässiger webbasierter Monitoring-Dienst eingerichtet werden, der Aussagen zu zeitlichen Änderungen phänologischer Phasen treffen kann. Die Informationen sollen frei abrufbar sein.

Änderungen über die letzten Jahrzehnte sind anhand von kontinuierlichen Beobachtungsdaten freiwilliger Beobachter in Diensten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sehr gut belegbar. Um diese punktuellen Messungen in die Fläche zu übertragen, bedient sich „PhaenOPT“ der Fernerkundung. Auf Basis von Daten der europäischen Sentinel-Satelliten und anderer Sensoren können, über spektrale, klimatische und topographische Zusammenhänge, punktuelle Informationen in die Fläche übertragen werden.

Um die Datendichte der phänologischen Beobachtungen zu erhöhen, verfolgt das Projekt das Ziel, zusätzliche Messmethoden miteinzubeziehen. Über die App „MySeasons“ kann jede/r Interessierte/r Angaben zur Phänologie von ausgewählten Pflanzen in seiner Umgebung machen und somit zum Erfolg des Projekts beitragen.

IMPAKT Deckblatt 681 x 959 px
IMPAKT-Homepage mit interaktiven Karten. Oder zum Download als PDF-Dokument (17,3 MB)

Klimafolgenmonitoring 2017 Deckblatt 624 x 883 px
Download als PDF-Dokument (8,7 MB)

1 Thueringen Phaenologie FSU 601 x 475 px
Homepage zum Projekt „PhaenOPT“ – Satellitengestütztes Phänologiemonitoring in Thüringen