Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit

07.01.2013 10:57 Uhr

Bekämpfung von Kinderarmut in Thüringen

In Thüringen leben laut aktueller Zahlen des Statistischen Bundesamtes leben 18,4 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in den Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II und somit von „Hartz IV“. Zwar ist Thüringen von den neuen Bundesländern damit das Land mit der niedrigsten Kinderarmutsquote, jedoch lebt – trotz einer tendenziellen Rückläufigkeit – fast jedes 5. Thüringer Kind unter 15 Jahren in Armut.

Für die Landesregierung stellt die "Thüringer Initiative zur Integration und Armutsbekämpfung – Nachhaltigkeit" (kurz: TIZIAN) einen wesentlichen Schwerpunkt zur Bekämpfung der Kinderarmut dar. Die Zielstellung von TIZIAN ist es, erwerbsfähige Hilfebedürftige aus Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB 2 mit Kindern bei der sozialen, gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe zu unterstützen. TIZIAN bietet dabei gegenüber allen anderen Projekten und Programmen die Besonderheit, Kinder der Betroffenen indirekt und direkt in die Arbeit mit einzubeziehen.

Mit TIZIAN werden derzeit 30 Projekte gefördert, wobei sich mindestens eines in jedem Landkreis beziehungsweise jeder kreisfreien Stadt befindet. Die aktuelle zweite Förderphase läuft seit dem 1. Januar 2011 und endet am 31. Dezember 2012. Finanziert wird die Initiative mit Mitteln aus dem „Europäischen Sozialfond“ in Höhe von ca. 8 Millionen Euro.

Die an TIZIAN Teilnehmenden sind überwiegend weiblich und alleinerziehend. Die häufigsten Probleme sind
• fehlende Schul- und Berufsabschlüsse,
• fehlende soziale Kontakte,
• fehlende Mobilität,
• familiäre und erzieherische Probleme,
• psychische Erkrankungen sowie
• Ver- oder Überschuldung.

In den einzelnen Projekten gibt es derzeit viele verschiedene konzeptionelle Herangehensweisen und Strategien, diese Menschen zu erreichen, zu motivieren und eine positive Veränderung zu bewirken. Vorrangiges Ziel ist es, in jedem Projekt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern niedrigschwellig Wege aufzuzeigen, ihre soziale Situation zu stabilisieren, Beschäftigungslosigkeit zu überwinden und Brücken für eine berufliche Perspektive zu eröffnen.

Laut einer aktuellen Projektabfrage werden derzeit ca. 1.150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Projekten betreut. Und über die Bedarfsgemeinschaften können ca. 2.100 Kinder in die Projektarbeit mit einbezogen werden. 

Gemeinsames Soziales Wort
Das Gemeinsame Soziale Wort zur Kinderarmut in Thüringen ist unterzeichnet und an Politik, Staat und Kirchen am 01. Oktober 2008 übergeben worden. Das Gemeinsame Soziale Wort ist bundesweit einmalig; es analysiert die Situation und unterbreitet Wege, die gemeinsam vom Landesjugendring, Erwachsenenverbände seiner Mitgliedsverbände und den Mitgliedern der LIGA der freien Wohlfahrtspflege getragen werden. Damit setzen alle mitwirkenden Verbände ein deutliches Zeichen gegen Kinderarmut und fordern zum gesellschaftlichen, politischen und staatlichen Handeln auf.
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Studie "Wege Aus der Kinder- und Jugendarmut in Thüringen", Dr. Jörg Fischer, FSU Jena
Orientierungsrahmen für eine Armutsprävention und Bildungsförderung auf lokaler Ebene. Eine Studie im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit.
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Sozialstrukturatlas
Basisinformationen über die Lebenslagen der Thüringer Bevölkerung