Was ist „Häusliche Gewalt“?
„Häusliche Gewalt“ bezeichnet nicht jede Form der Gewalt, die im häuslichen Bereich ausgeübt wird, sondern meint speziell Gewalt zwischen erwachsenen Beziehungspartnern, wobei sie sowohl auf aktuelle wie auf in Trennung befindliche oder ehemalige Paare bezogen werden kann. Häusliche Gewalt wird überwiegend von Männern gegenüber Frauen ausgeübt. Teilweise sind auch Männer die Opfer.
Nach einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahre 2004 war jede vierte Frau im Alter zwischen 16 und 85 Jahren in ihrem Leben mindestens einmal Opfer häuslicher Gewalt.
Häusliche Gewalt hat vielfältige Erscheinungsformen. Neben der körperlichen Gewalt gehören auch psychische und sexualisierte Gewalt dazu. Die körperliche Gewalt umfasst alle Formen von Misshandlungen und Qualen von der Ohrfeige bis hin zu Mord. Unter psychischer Gewalt versteht man Drohungen und Nötigungen durch den Partner, Belästigungen, Verfolgung und Terror. Systematische Beschimpfungen und Diffamierungen gehören genauso dazu wie Isolation und Kontrolle. Sexuelle Handlungen und aufgezwungenes sexuelles Verhalten gehören zum Bereich der sexuellen Gewalt.
Gewaltbeziehungen unterliegen einer Dynamik, die einem bestimmten Muster folgt. Die Gewalt wiederholt sich zyklisch. Dabei werden mit der Zeit die Abstände zischen den einzelnen Gewaltakten geringer und auch die Taten nehmen in ihrer Schwere zu. Dieses Muster der Gewaltspirale ist für die Mehrheit der Fälle festzustellen.
In den letzten Jahren ist häusliche Gewalt als schwerwiegendes gesellschaftliches Problem erkannt worden. Hilfsangebote für Betroffene wurden stark verbessert.
Für die Entwicklung von Kindern ist das Miterleben häuslicher Gewalt äußerst problematisch.
Unmittelbare Reaktionen auf die miterlebte Gewalt sind Angst, Mitleid, Belastung, Hilflosigkeit, aber auch Aggressivität. Das Kind fühlt sich und seine eigene Bindungsperson bedroht, fühlt sich verantwortlich, manchmal sogar selbst schuldig. Die miterlebte Partnergewalt ist darüber hinaus geeignet, die Entwicklung betroffener Kinder über längere Zeit hinweg in erheblichem Ausmaß zu beeinträchtigen.
Das Miterleben partnerschaftlicher Gewalt kann Auswirkungen bezüglich späterer eigener Rollenübernahmen haben. Es besteht die Gefahr, später häufig selbst in Gewaltbeziehungen zu geraten. Jungen lernen anhand dieser vorgelebten Muster tendenziell eher, dass Gewaltausübung ein legitimes Mittel der Konfliktlösung ist, wohingegen Mädchen eher die Übernahme der Opferrolle erlernen.