Die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Heike Taubert (SPD), lobt alljährlich den Thüringer Tierschutzpreis aus.
„Tierschutz ist ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Es wird in vielfältiger Form vor allem von ehrenamtlich tätigen Thüringern getragen, häufig im Verborgenen. Die Landesregierung will gerade dieses uneigennützige Engagement für das Mitgeschöpf Tier mit der öffentlichen Verleihung eines Tierschutzpreises hervorheben und anerkennen“, sagte Sozialministerin Heike Taubert.
Der Preis
Der Thüringer Tierschutzpreis wird 2013 bereits zum 19. Mal verliehen. Er wird für herausragende Leistungen bei der Betreuung und Pflege von herrenlosen und in Not geratenen Tieren, bei der Schaffung von Tierheimplätzen sowie beim Einsatz für einen besseren Umgang mit Tieren einschließlich der Vermittlung des Tierschutzgedankens an Kinder und Jugendliche vergeben. Darüber hinaus sollen mit dem Tierschutzpreis beispielgebende Initiativen zur artgerechten Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere, zum tierschutzgerechten Tiertransport sowie zur Entwicklung und Anwendung von Alternativmethoden zur Ablösung von Tierversuchen gewürdigt werden.
Das Verfahren
Aufgerufen sind alle Bürgerinnen und Bürger sowie Verbände und Vereine, ihnen bekannte beispielhafte Initiativen in den genannten Bereichen vorzuschlagen. Vorschläge für die Auszeichnung mit dem Thüringer Tierschutzpreis sind mit einer kurzen Tätigkeits- oder Projektbeschreibung einschließlich einer Begründung
bis zum 29. Juni 2013 beim
Thüringer Ministerium
für Soziales, Familie und Gesundheit,
Werner-Seelenbinder-Str. 6,
99096 Erfurt
einzureichen.
Die Auswahl der Preisträger nimmt der Thüringer Tierschutzbeirat vor. Es werden fünf Preise in einer Gesamthöhe von 2.600 EUR ausgeschrieben. Die Preisverleihung erfolgt jedes Jahr zum Welttierschutztag am 4. Oktober.
Die Preisträgerinnen und Preisträger 2012
Zur Auszeichnung mit dem Tierschutzpreis 2012 wurden 16 Vorschläge eingereicht. Der Thüringer Tierschutzbeirat hat als Jury fünf Preisträger ausgewählt. Im Jahr 2012 wurden drei Tierschützer sowie zwei Unternehmen aus dem Bereich der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung prämiert.
Ausgezeichnet wurden:
- Sabine Wonitzki, Cossengrün/Vogtländisches Oberland
- Ingeborg Riemer, Gera
- Monika Hahn, Nahetal-Waldau/OT Hinternah
- Landwirtschaftsbetrieb Volker Knorre, Gera/OT Reichenbach
- Erzeuger-Genossenschaft Neumark e. G., Neumark
Sabine Wonitzki gründete 1990 mit Gleichgesinnten den Tierschutzverein Greiz und verwirklichte als Vereinsvorsitzende ein besonderes Tierheimprojekt. Im Dezember 1992 schlossen sich fünf Kommunen, der Landkreis und der Tierschutzverein zum Verein „Tierheim Ostthüringen e. V.“ zusammen. Bis heute sind weitere sieben Kommunen beigetreten. Damit stellt der Verein „Tierheim Ostthüringen e. V.“ ein herausragendes und nachahmenswertes Beispiel in Thüringen dar, wie Kommunen es verstanden haben, ihre Aufgaben als Fundtierbehörden gemeinsam und mit Unterstützung des örtlichen Tierschutzvereins sowie des Landkreises in hoher Qualität zu erfüllen. Frau Wonitzki ist als engagierte und couragierte Streiterin für die Interessen der Tiere, als langjähriges Mitglied im Thüringer Tierschutzbeirat und seit kurzem als Autorin des Romans „In tierischer Mission“ bekannt.
Ingeborg Riemer betreut seit Jahrzehnten frei lebende Katzen im Bereich der Stadt Gera. Hierfür hat sie mit eigenen Mitteln eine Katzenstation aufgebaut, in der in Not geratene Katzen eine Zeitlang Unterkunft finden können. Unter großem finanziellem Einsatz betreibt sie ihre Katzenstation und opfert den größten Teil ihrer Freizeit, inklusive der Wochenenden und des Urlaubs. Die von Frau Riemer praktizierte Kombination aus Pflege, Fütterung, Gesundheitsscheck und Kastration zeigt, dass hier Tierschutz mit Weitblick betrieben wird. Vor einiger Zeit gelang es ihr, die Tierschutzgruppe für Katzen in Not e. V. zu gründen, so dass die Hilfe nunmehr noch erfolgreicher geleistet werden kann.
Monika Hahn engagiert sich seit 1990 in vorbildlicher Weise für das Wohl von vernachlässigten, kranken und verletzten Tieren. Als Gründungsmitglied des Tierschutzvereins Südthüringen e. V. hat sie sich seit dem Jahr 2005 für eine überregionale Zusammenarbeit engagiert und diese mit großer Überzeugungsarbeit in die Tat umgesetzt. Ihre Devise „Nicht wegsehen, sondern handeln!“ setzt sie gemeinsam mit den zuständigen Behörden um. Neben der Öffentlichkeitsarbeit in Schulen ist es ihr besonderes Anliegen, im Raum Hildburghausen ein Tierheim einzurichten, um den notwendigen Bedarf für die Versorgung und Betreuung von Fundtieren abdecken zu können.
Im Landwirtschaftsbetrieb Volker Knorre wurden über einen Zeitraum von nunmehr 15 Jahren die Vorstellungen des Betriebsleiters hinsichtlich der Verwirklichung von tiergerechter Stallkonzepten mit Herz und Verstand in die Tat umgesetzt. Neben der hervorragenden Luftqualität ist dieser Betrieb ein Beispiel für tierschutzgerechte Nutztierhaltung, da die Schweine durch den Stroheinsatz ihrem Komfortverhalten und ihrem Beschäftigungsbedürfnis nachgehen können. Die hohe Aufzuchtleistung von 26 Ferkeln pro Sau ist das Ergebnis einer optimalen Betreuung, Haltung und Fütterung der Tiere. Dieses Beispiel zeigt, dass auch in einer 400er Sauenanlage herausragende Bedingungen für eine artgerechte Haltung geschaffen werden können.
Die Erzeuger-Genossenschaft Neumark e. G. ist mit einer Investition von über 5,4 Millionen Euro in den Bau von zwei Milchviehställen, einen Reproduktionsstall sowie eine moderne Fischgrätenmelkanlage für 1 560 Tiere einen mutigen neuen Weg gegangen. In diesem Betrieb wurde und wird der Begriff „Tierkomfort“ mit Herz und Fachverstand gelebt. So ist durch die baulichen Umsetzungen und durch den Einbau von temperatur-, regen- und windgesteuerten Windnetzen eine optimale Luftzirkulation gewährleistet. Von der Tiefliegeboxeinstreu, der Konzeptionierung des Reproduktionsstalls über die Gruppenaufteilung und Futterrationsgestaltung, bis hin zur Geburtsüberwachung und Erstkolostrumversorgung ist auch dieser Betrieb ein lebendiges Beispiel dafür, dass auch in größeren Tierhaltungen herausragende Bedingungen für eine artgerechte Haltung geschaffen werden können.