07.03.2013 15:03 Uhr

Teilzeitbeschäftigung von Frauen auf hohem Niveau

Kay Senius, Chef der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen (links) mit Sozialministerin Heike Taubert
Kay Senius, Chef der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen (links) mit Sozialministerin Heike Taubert

Thüringens Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Heike Taubert, und der Chef der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius, zogen anlässlich des Internationaler Frauentag am 8. März eine Bilanz zur Arbeitsmarktsituation von Frauen in Thüringen.

Trotz guter Rahmenbedingungen – noch weiter Weg zur Chancengleichheit

Die gute Nachricht: In Thüringen liegt der Anteil von Frauen an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 48,3 Prozent über dem Bundesschnitt von 46 Prozent. Allerdings ist die Teilzeitbeschäftigung generell auf hohem Niveau. 32 Prozent der beschäftigten Frauen im Freistaat arbeiten in Teilzeit, bei den Männern sind es nur 5,5 Prozent. Im Jahr 2001 arbeiteten noch knapp ein Viertel der beschäftigten Frauen in Thüringen in Teilzeit.
Dabei würden über die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen in Ostdeutschland lieber in Vollzeit arbeiten, im Westen sind es nur 13 Prozent. „Viele Frauen in Thüringen wollen eine Vollzeitstelle, ihnen fehlt aber oft eine Alternative. Wir müssen aber die Vollzeitbeschäftigung von Frauen fördern, um Fachkräftebedarfe zu decken, “ sagte Kay Senius.
Insbesondere bei der Kinderbetreuung haben wir gute Rahmenbedingungen für berufstätige Frauen. Von echter Chancengleichheit sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt, so Senius. Ministerin Heike Taubert verwies darauf, dass Frauen aufgrund ihrer Doppelbelastung bei der Kindererziehung und Berufstätigkeit häufiger Brüche in der Erwerbsbiographie hätten als Männer „Das führt dazu, dass Frauen bei Karriereentwicklung und Entlohnung nach wie vor benachteiligt sind. Sie sind deshalb auch stärker von Altersarmut bedroht als Männer.“

Frauen länger arbeitslos als Männer

Die Arbeitslosenquote bei den Frauen sank in Thüringen in den vergangenen Jahren und glich sich an die von Männern an. Im Jahr 2001 lag die Quote bei 17,1 Prozent und damit mehr als drei Prozentpunkte über der von Männern. Im Jahr 2012 lag sie bei 8,5 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte unter der von Männern. Trotzdem sind Frauen länger arbeitslos: Während arbeitslose Männer im Schnitt 328 Tage ohne Job bleiben, beträgt die durchschnittliche Dauer bei Frauen 474 Tage.

Schieflage bei der Bezahlung bleibt

Frauen in Thüringen verdienen im Schnitt weniger Geld als Männer. In der Einkommensgruppe bis 1.000 Euro sind Frauen zu fast 72 Prozent vertreten, bei Einkommen über 3.000 Euro dagegen nur zu 38 Prozent. Ein Grund: Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen.

Auch beim Vergleich der Vergütung von vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern in den gleichen Berufsgruppen schneiden Frauen schlechter ab. Die Unterschiede reichen beim Bruttoverdienst von etwa 100 Euro bei Köchen bis zu rund 600 Euro bei Technikern und Bankfachleuten. Selbst Krankenschwestern und Hebammen verdienen etwa 30 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. „Frauen müssen sich wegen der Erziehungszeiten immer wieder in den Job hinein kämpfen, sie machen weniger schnell Karriere, während die Männer auch gehaltstechnisch davon ziehen. Generell müssen Beruf und Familie noch besser vereinbar gemacht und Frauen bessere Verdienst- und Aufstiegschancen geboten werden“, sagte Ministerin Heike Taubert.

Klischees durchbrechen - Fachkräftepotential von Frauen besser nutzen

Auffällig ist die Fokussierung vieler Frauen auf wenige Berufsfelder. In den Friseur- und Kosmetikberufen liegt der Frauenanteil bei über 90 Prozent, in der Gastronomie und im Handel bei mehr als 70 Prozent. “Viele Frauen orientieren sich an einem sehr eingeschränkten und oftmals tradierten Berufsspektrum, das mitunter wenige Entwicklungsperspektiven bietet. Technische oder Fertigungsberufe spielen aber auch heute bei der Berufswahl junger Frauen kaum eine Rolle“, sagte Senius. In den „typischen“ Frauenberufen seien aber weder die Bezahlung noch die Karrierechancen besonders gut. Ministerin Heike Taubert rief die Unternehmen auf, das Potential von Frauen noch besser zu nutzen. Sie betonte gleichzeitig, dass immer mehr Firmen erkennen würden, dass sich familienbewusste Personalpolitik für sie lohne. „Die Mitarbeiter sind motivierter, kündigen nicht so schnell und haben weniger Fehlzeiten.“ Kay Senius wies darauf hin, dass die Arbeitsagenturen in diesem Jahr im Rahmen einer Kampagne verstärkt auf Arbeitgeber zugehen würden, um sie zu flexiblen Arbeitszeitmodellen und familienfreundlicher Personalpolitik zu beraten. „Frauen sind als Fachkräfte unersetzlich, gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass sie ihr Potential besser entfalten können“, sagte Senius.