13.11.2015
Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Medieninformation 174

Arbeitsmarkt: Beste Chancen für Thüringer Arbeitnehmer / IAB-Betriebspanel 2014 vorgestellt

Die Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner (DIE LINKE), hat heute in Erfurt über die Thüringer Ergebnisse des IAB-Betriebspanel 2014 informiert. Diese bestätigen die positive Arbeitsmarktentwicklung im Freistaat aus Sicht von Beschäftigten und Unternehmen. Die bundesweite Studie wurde im Auftrag des Thüringer Sozial- und Arbeitsministeriums und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) durchgeführt.

Arbeits- und Sozialministerin Heike Werner sagte: „Die Befunde des Betriebspanel bestätigen die positive Entwicklung des Thüringer Arbeitsmarktes. Seit geraumer Zeit geht die Zahl der Arbeitslosen in Thüringen zurück. Gleichzeitig ist die Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kontinuierlich gestiegen. Wir schöpfen das vorhandene Potential an Fachkräften inzwischen deutlich besser aus als in der Vergangenheit. Dies gilt gerade für Frauen und ältere Arbeitnehmer.“

Laut Ministerin zeigt das aktuelle Betriebspanel eine immer noch hohe Differenz bei Einkommen und Tarifbindung im Vergleich zu Westdeutschland auf. „Wir sind noch längst nicht am Ziel gleicher Einkommens- und Lebensverhältnisse angelangt. Aber die Richtung stimmt. Wir wollen den Trend verstärken. Im Dezember werden wir im Rahmen der jährlich stattfindenden Betriebsrätekonferenz aktuelle Forschungsergebnisse diskutieren, die davon ausgehen, dass die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt geradezu „Rückenwind“ für die Gewerkschaften ist. Damit ist Thüringen auf einem guten Weg hin zu fairen Löhnen und guten Arbeitsbedingungen. Dies wäre auch eine Stütze für die Unternehmen in ihrem Bemühen um Fachkräfte“, sagte Heike Werner.

Ausgewählte Ergebnisse:

- Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Aktuell gehen in Thüringen rund 780.000 Erwerbspersonen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Das sind fast 10 Prozent mehr als noch vor 10 Jahren. Diese Entwicklung ist umso positiver einzuschätzen, als im gleichen Zeitraum die Bevölkerung um 8 Prozent und das Erwerbspersonenpotential sogar um 15 Prozent zurückgegangen ist.

- Ältere Beschäftigte: In der Tat sind heute 41,4 Prozent aller über 50 Jährigen in Beschäftigung. Im Jahr 2000 waren es erst 30 Prozent. Bezogen auf alle 15 bis 65 im Freistaat hat Thüringen mit einem Wert von 60,2 Prozent inzwischen sogar die höchste Beschäftigungsquote aller Länder noch vor Bayern und Baden-Württemberg.

- Beschäftigungsdynamik: Thüringen hat aktuell mit 6,8 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote, die es jemals seit 1990 gab. Ein Indikator für die hohe Dynamik in der Thüringer Wirtschaft zeigt sich in der Relation von wachsenden und schrumpfenden Unternehmen. Im Jahr 2014 haben nur 19 Prozent der Betriebe Beschäftigung abgebaut (in Westdeutschland 21 Prozent). Das heißt 81 Prozent der Betriebe haben ihr Personal gehalten oder ausgebaut. Im ersten Halbjahr 2014 sind 6,2 Prozent zusätzliche Beschäftigte eingestellt worden, während im gleichen Zeitraum nur 4,7 Prozent Stellen in Unternehmen abgebaut wurden. Also: Ein deutlich positiver Saldo bei der Beschäftigung.

- Fachkräftesituation: Thüringen zeichnet sich auch dadurch aus, dass weniger Menschen in atypischer Beschäftigung arbeiten als in Westdeutschland .Während in Westdeutschland beispielsweise 13 Prozent der Arbeitnehmer nur eine geringfügige Beschäftigung haben, sind es in Thüringen nur 8 Prozent. Die Schwierigkeiten bei der Neugewinnung von Personal werden allerdings immer größer. Immerhin 57 Prozent der Betriebe mit 50 bis 250 Beschäftigten sahen es als problematisch an, benötigte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen. Immer länger bleiben vakante Stellen unbesetzt. Häufig können Stellen längere Zeit nicht mit dem geeigneten Fachpersonal besetzt werden. Kein Wunder, dass bereits im 2013er Panel 38 Prozent der Thüringer Unternehmen angaben, Kompromisse bei der Stellenbesetzung eingehen zu müssen (in Westdeutschland waren dies nur 38 Prozent).

- Fachkräftegewinnung: Vieles deutet laut Betriebspanel daraufhin, dass Unternehmen, die ihren Beschäftigten sichere und auskömmliche Beschäftigungsperspektiven anbieten, einen Vorteil haben. Erstmals fragten die Forscher des IAB 2014 auch nach den Strategien zur Fachkräftesicherung. Nach Investitionen in die Fort- und Weiterbildung werden genannt: Attraktive Arbeitsbedingungen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Höhere Löhne und Halten älterer Arbeitskräfte. Offensichtlich erkennen die Unternehmenslenker mehr und mehr, dass die Zeiten vorbei sind, in denen im Überfluss qualifizierte und dennoch duldsame, lohnbescheidene und um jeden Preis loyale Arbeitnehmer vorhanden waren.

- Personalfluktuation: In der Vergangenheit haben viele Arbeitnehmer nicht daran gedacht, freiwillig ihren Arbeitgeber zu verlassen. Die persönlichen Risiken wurden als zu hoch eingestuft. Inzwischen kündigen immer mehr Arbeitnehmer von sich aus den Arbeitsvertrag. Während im Jahr 2005 nur 13 Prozent der Arbeitsverträge durch die Beschäftigten aufgekündigt wurden, waren es im Jahr 2013 bereits 31 Prozent. Umgekehrt sind 2005 35 Prozent durch den Arbeitgeber gekündigt worden und 2013 nur noch 24 (die Differenz zu 100 Prozent ergibt sich aus Verrentung und anderen Gründen). Wenn Arbeitnehmer freiwillig kündigen, dann, weil sie sich in einem anderen Unternehmen verbessern können. Diese Aufstiegskündigung dürfte auch mit erklären, warum die Einkommen in Thüringen inzwischen stärker steigen als in Westdeutschland. Während die Bruttolöhne in Thüringen zwischen 2005 und 2014 um 21 Prozent gestiegen sind, beträgt der Anstieg in Westdeutschland nur 6,4 Prozent.

Die vollständige Studie steht hier als Download bereit: http://www.thueringen.de/mam/th7/tmsfg/arbeit/iab_betriebspanel_2014.pdf

Hintergrund:
Das IAB-Betriebspanel ist eine deutschlandweite repräsentative Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) und wird bereits seit 1993 für westdeutsche und seit 1996 für ostdeutsche Betriebe durchgeführt. Darin werden u.a. die Themen Beschäftigungsentwicklung, Berufsausbildung, Löhne und Gehälter sowie Arbeitszeiten untersucht. Der Freistaat Thüringen beteiligte sich bereits zum 19. Mal an der einzigen für alle Betriebsgrößen und Branchen repräsentativen Arbeitgeberbefragung in Deutschland.
2014 wurden in Thüringen 1.100 Betriebe und Einrichtungen befragt. Mit dieser Stichprobe konnten 1,8 Prozent der Unternehmen mit 6,8 Prozent der Beschäftigten erfasst werden. Die Befragten repräsentieren die Grundgesamtheit von 60.600 Betrieben mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Durch die Ergebnisse des Betriebspanels wird die amtliche Statistik ergänzt. In einigen Punkten ist das Panel sogar die einzige Datenquelle für Aussagen auf Betriebsebene. Beispielsweise für Informationen zur Tarifbindung werden die Paneldaten regelmäßig genutzt.

13.11.2015

Studie IAB-Betriebspanel 2014 (786.6 kB)
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

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