Wachstumszentrum Erfurt-Weimar-Jena: Konferenz am 22.5.2013 im TMWAT.

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Nachdem das Thema der Kooperation der Städte Erfurt, Weimar und Jena in den letzten Wochen große mediale Wellen geschlagen hatte, fand am Mittwoch den 22.5. im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie die Konferenz „Wachstumszentrum Erfurt, Weimar, Jena“ statt, zu der Wirtschaftsminister Matthias Machnig und die Oberbürgermeister Andreas Bausewein (Erfurt), Albrecht Schröter (Jena) und Stefan Wolf (Weimar) gemeinsam eingeladen hatten. Mit rund 130 Teilnehmern wurden die Bedeutung des urbanen Wachstumskerns Thüringens und die verschiedenen möglichen Kooperationsfelder intensiv diskutiert. Wirtschaftsminister Matthias Machnig betonte eingangs, dass Thüringen einen urbanen Wachstumskern braucht, der Unternehmen und Fachkräfte anzieht und die Attraktivität des gesamten Wirtschaftsstandortes steigert. Ein gemeinsamer Ausbau von Infrastruktur und Nahverkehr sowie eine stärkere Verzahnung von Wissenschaft und Hochschulen stärkten die Dynamik des ganzen Landes. Dabei sei es aber wichtig, dass neben der Kooperation zwischen Erfurt, Weimar und Jena auch die regionalen Mittelzentren, unter denen einige eine hohe wirtschaftliche Dynamik aufweisen, gestärkt werden und kein künstlicher Gegensatz zwischen den Interessen von Stadt und Land in Thüringen aufgebaut werde.

Die Bedeutung der Region Erfurt-Weimar-Jena für Thüringen wurde von den Referenten durchweg unterstrichen. So betonte Oberbürgermeister Bausewein, dass die Region Erfurt-Weimar-Jena von großer wirtschaftlicher Dynamik bei gleichzeitigem Rückgang der Arbeitslosigkeit und Wachstum der Bevölkerung geprägt sei. Die wirtschaftliche und touristische Kooperation zwischen den Städten und dem Landkreis Weimarer Land im Rahmen der Impulsregion werde stetig ausgebaut. Prof. Dr. Fritsch benannte die Vorteile, die aus einer Agglomeration von Städten entstünden und sich den Konzepten sharing (z.B. geteilte Infrastruktur), matching (z.B. größere, gemeinsame Arbeitsmärkte) und learning (z.B. bessere Wissensakkumulation in innovativen Clustern) zuordnen ließen. Diese Vorteile würden die Hindernisse, die vor allem aus der kleinstaatlichen Geschichte Thüringens stammten, bei weitem überwiegen und im spezifischen Thüringer Fall ferner durch die Komplementarität der Stadtprofile, mit Jena als Innovations-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt, Weimar als Kulturmetropole und Erfurt als Industrie und Verwaltungszentrum, gestützt. In der Podiumsdiskussion machte auch der Oberbürgermeister von Weimar, Stefan Wolf, seine Unterstützung der Kooperation deutlich. Auch wenn in Feldern wie dem Fußball die Rivalität der Städte ruhig erhalten bleiben sollte, so sei doch gerade angesichts der mancherorts stark steigenden Wohnungspreise und knapp werdenden Gewerbeflächen ein gemeinsamer Handlungsbedarf klar erkennbar.

Eine internationale Erfolgsgeschichte einer Städtekooperation stellte Prof. Dr. Mariusz Czepczynski von der Universität Danzig vor. Danzig, Zoppot und Gdingen kooperieren seit vielen Jahren erfolgreich und sind in Polen als Metropolregion „Trójmiasto“ (Dreistadt) bekannt. Ähnlich wie in Thüringen handelt es sich hier um zwei größere (Danzig, Gdingen) Wirtschaftsmetropolen und dazwischen einer etwas kleineren Stadt mit kulturellem und touristischem Profil, dem Seebad Zoppot. Alle Städte haben nach wie vor ausgeprägte eigene Identitäten, profitieren aber stark von der Zusammenarbeit. Insbesondere die Einführung eines S-Bahn Korridors hat zu einer gemeinschaftlichen Entwicklung der Städte und einer Konzentration von neuen Entwicklungen entlang des Korridors geführt. Die Städte kooperieren zudem in vielen weiteren Dimensionen: Im Bereich der wirtschaftlichen Entwicklung, der Bildung und Forschung, im Gesundheitsbereich, in der Kultur und im Verkehrsmanagement. Da die Städte weiterhin unabhängig voneinander sind und keine Verwaltungsstrukturen zusammengelegt worden sind, sei die Kooperation vor allem wegen der Beharrlichkeit, das Projekt auch gegen gelegentliche Widerstände weiterzutreiben und der Kompromissbereitschaft der Akteure zum Erfolg geworden. Um aus den guten Erfahrungen in Polen lernen zu können, hat Prof. Dr. Czepczynski den Wirtschaftsminister und die Oberbürgermeister im Auftrag des Bürgermeisters von Danzig zu einem vertiefenden Gedankenaustausch in die Metropolregion Danzig, Zoppot und Gdingen eingeladen. Ein gemeinsames Treffen ist für den Herbst geplant.  
 
Nach der Pause wurden in drei Fachforen verschiedene Aspekte der Städtekooperation vertieft. Forum I beschäftigte sich mit der Vernetzung der drei Städte mit Blick auf wirtschaftliche Aktivitäten und den Arbeitsmarkt. Herr Prof. Dr. Lütke Daldrup, Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung Thüringen, unterstrich die Bedeutung von Metropolen für die regionale Entwicklung, da diese die Ansiedlung von Unternehmenszentralen sowie Innovationsleistungen begünstigten, den Zugang zu Märkten sowie den Kontakt zwischen kreativen Leistungsträgern erleichterten und allgemein das Image einer Region positiv prägten. Frau Dr. Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung Sachsen-Anhalt-Thüringen analysierte insbesondere die Pendlerverflechtungen zwischen den drei Städten und hob zwei Erkenntnisse hervor: Erstens weist ein überdurchschnittlich großer Anteil der Pendler eine hohe Qualifikation (Fach- oder Hochschulabschluss) auf. Zweitens zog gerade Jena in der jüngeren Vergangenheit aufgrund seiner wirschaftlichen Dynamik Arbeitskräfte an. Da freie Wohnraumkapazitäten in Jena selbst nur begrenzt zur Verfügung stehen, muss einem Ausbau der Verkehrsverflechtungen entlang der Städtekette Erfurt - Weimar - Jena eine hohe Priorität zukommen.
 
Die Frage von Infrastruktur, Wohnen und Verkehr wurde im Forum II weiter vertieft. Volker Hädrich, Konzernbevollmächtigter Thüringen der DB AG, stellte klar, dass deutliche Verbesserungen im Nahverkehr zwischen den drei Städten bereits fest bestellt seien. Ab Dezember 2015 werde ein 20-Minuten S-Bahn Takt Erfurt, Weimar und Jena verbinden, der mit stündlichen Umsteigemöglichkeiten in den Fernverkehr die Vorteile des ICE-Kreuzes Erfurt auch auf die Bewohner der anderen Städte ausweiten werde. Wichtig sei es nunmehr, auch den städtischen Nahverkehr auf die S-Bahn Verbindung auszurichten sowie in der städtischen Raumplanung die sich aus der verbesserten Verbindung ergebenden Potentiale zu nutzen. Denis Peisker, Dezernent für Stadtentwicklung & Umwelt Jena wies darauf hin, dass es gerade für Jena eine Herausforderung sei, ein weiteres Wachstum der Beschäftigtenanzahl zu ermöglichen. Neben der Problematik der hohen Wohnungspreise sei es auch entscheidend, qualifizierte Beschäftigte aus dem Ausland für Tätigkeiten in der Region zu interessieren. Eine intensivierte Kooperation der Städte könnte entscheidend zur Lösung beider Herausforderungen beitragen. Auch der Vorschlag, das Wachstumszentrum in einer gemeinsamen Planungsregion zu erfassen, fand im Forum großen Widerhall. Forum III beschäftigte sich mit der Frage, wie im Bereich von Tourismus und Kultur weiter kooperiert werden könne. Bärbel Grönegres, Geschäftsführerin der Thüringer Tourismus GmbH und Prof. Silvius von Kessel, Erfurter Domorganist und Künstlerischer Leiter der Thüringer Bachwochen hoben hier hervor, dass es bereits einige gute Beispiele für gemeinsame Projekte und erfolgreiche Kooperationen gäbe. Dieser Weg solle weiter beschritten werden.

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