Machnig: Thüringer Aufbaubank muss breiter aufgestellt werden
Eigenes Geschäftsmodell notwendig / Wachstum erfordert höheres Eigenkapital
Die Thüringer Aufbaubank (TAB) soll neu ausgerichtet werden: Angesichts rückläufiger Fördermittel, einer schärferen Finanzmarktregulierung und Angebotslücken bei der Darlehensfinanzierung muss die Bank neue, marktnahe Finanzierungsinstrumente für die Thüringer Unternehmen entwickeln. Das ist das Ergebnis eines heute vorgestellten Gutachtens der PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (PwC) im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums. „Wir brauchen die Aufbaubank auch künftig als Wachstumsfinanzierer der Thüringer Wirtschaft“, sagte Wirtschaftsminister Matthias Machnig. „Die TAB braucht ein eigenes Geschäftsmodell, das sie unabhängig von öffentlichen Fördermitteln und wettbewerbsfähiger gegenüber den Förderbanken anderer Länder macht.“
Auch die erwartete Verschärfung des EU-Beihilferechts ab 2014 schränke die Fördermöglichkeiten weiter ein – trotz nach wie vor hoher Finanzierungsbedarfe etwa bei Unternehmensansiedlungen, Erweiterungsinvestitionen, Unternehmensübernahmen und -fusionen, dem Ausbau der Infrastruktur oder der Förderung von Forschung und Entwicklung.
Zugleich sei unverkennbar, dass der Freistaat Nachholbedarf bei der Kreditfinanzierung gewerblicher Investitionen habe, so Machnig: Statt zwölf Banken bzw. Bankengruppen sind laut PwC-Gutachten in Thüringen heute nur noch sechs im Bereich der Mittelstandsfinanzierung aktiv. Und: Während das Bruttoinlandsprodukt im Freistaat zwischen 2000 und 2011 um 27 Prozent anstieg, wuchs das Kreditvolumen im selben Zeitraum um gerade 5,6 Prozent. „Es gibt eine strategische Angebotslücke vor allem bei Darlehen zwischen fünf und zehn Millionen Euro“, sagte Machnig. Für die Sparkassen sei dieser Bereich häufig zu groß, für andere Geschäftsbanken wiederum nicht lukrativ genug. „Gerade hier ist die Nachfrage der mittelständischen Wirtschaft in Thüringen besonders hoch.“
Für den Wirtschaftsminister ist deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Förderbank strategisch neu auszurichten. „Wir müssen jetzt die richtigen Weichen stellen, damit wir in den kommenden Jahren noch Spielraum für eine aktive Wirtschafts- und Förderpolitik in Thüringen haben“, sagte Machnig.
Zusätzlicher Handlungsdruck resultiert aus Sicht des TAB-Vorstandsvorsitzenden Matthias Wierlacher aber auch aus schärferen Regulierungsvorgaben für den Finanzsektor (z.B. Basel III, Maßnahmen zur Finanzmarktstabilisierung), die kurzfristig umgesetzt werden müssen. „Das bedeutet höhere Eigenkapitalanforderungen und Vorgaben für die Liquiditätsausstattung der Banken“, so Wierlacher. Zudem sei eine Reduzierung und Verteuerung langfristiger Kredite, vor allem in Bereichen mit geringen Margen (Förderkredite für Unternehmen, Kommunalfinanzierung) zu erwarten.
In ihrem Gutachten schlägt PwC daher eine Portfolioerweiterung vor und zeigt die damit verbundenen Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Bank auf. „Die TAB sollte sich marktnäher und umfassender aufstellen“, sagte Jens Weigel, Prokurist der PwC-Niederlassung in Erfurt. Unter Berücksichtigung der anstehenden Veränderungen im Förderrecht und der Finanzmarktregulierung könne die TAB so dem Bedarf der Thüringer Unternehmen nach Finanzierung ihrer Investitionen entsprechen.
Konkrete Ansatzpunkte für die strategische Weiterentwicklung der TAB sind:
- Einstieg in das Konsortialgeschäft (Beteiligung mit maximal 50 Prozent, keine Konsortialführerschaft), um Finanzierungen für Ansiedlungen, Investitionen, Fusionen und Übernahmen insbesondere größerer Unternehmen sowie größere Infrastrukturprojekte zu ermöglichen;
- Ausbau des Angebots an Förderdarlehen etwa durch spezifische Angebote für FuE-Projekte, für die Internationalisierung von Unternehmen oder Wachstumsbranchen wie die Kreativwirtschaft sowie die Bereitstellung zusätzlicher revolvierender Fonds;
- Ausbau eigenkapitalähnlicher Finanzierungsangebote (Nachrangdarlehen), da das bisherige Programm Thüringen-Kapital auf Höchstbeträge von 200.000 Euro begrenzt ist;
- Fortführung des Engagements in der Kommunalfinanzierung, um den erwarteten Rückzug der Geschäftsbanken aufzufangen;
- weiterhin Bereitstellung von Globaldarlehen an Marktinstitute.
- Zusätzlich wird der Ausbau von Beteiligungen bzw. Eigenkapitalfinanzierungen vorgeschlagen. Dazu könnten die Möglichkeiten der TAB-Tochter bm-t um zusätzlich 5 bis 10 Millionen Euro pro Jahr für Neugründungen und Unternehmensnachfolgen erweitert werden.
Je nach Umsetzung der genannten Maßnahmen wird die Bilanzsumme der TAB in den kommenden fünf Jahren um 1,2 bis 1,9 Milliarden Euro – d.h. um 41 bis 62 Prozent – steigen. Zur Absicherung dieses notwendigen Wachstums muss der Bank dazu (entsprechend den Eigenkapitalvorschriften des Basel-III-Regelwerks) zusätzliches Eigenkapital zugeführt werden. Beim mittleren Wachstumsszenario beläuft sich dieser Eigenkapitalbedarf innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren auf rund 46 Millionen Euro. Damit würde die Eigenkapitalausstattung der Bank von aktuell 87 auf 133 Millionen Euro steigen.
„Die Neuausrichtung der TAB ist sachlich begründet und machbar“, sagte Wirtschaftsminister Machnig. Die notwendige Kapitalzuführung sei überschaubar. Ein erster Schritt könnte laut PwC-Gutachten sein, dass die TAB erwirtschaftete Überschüsse einbehält. „In jedem Fall ist es notwendig, nicht einfach abzuwarten, sondern mit der strategischen Neupositionierung der TAB jetzt zu beginnen“, so der Minister: „Nur dann kann sie auch künftig ihre Aufgabe als echte ‚Aufbau-Bank’ des Freistaats Thüringen erfüllen.
Stephan Krauß
Pressesprecher
11.07.2012