Steuern Aktuell

Alterseinkünfte

Auf Basis eines Bundesverfassungsgerichtsurteils 2002 wurde die Besteuerung der Altersbezüge durch das Alterseinkünftegesetz seit 2005 neu geregelt. Danach unterliegt jeder, der vor 2006 eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezog, mit diesen Einkünften einem steuerpflichtigen Anteil von 50%. Der Besteuerungsanteil ist abhängig vom Jahr des Rentenbeginns und steigt bis 2020 um jährlich zwei Prozentpunkte und danach um jeweils einen Prozentpunkt auf schließlich 100% im Jahr 2040 an. Gleichzeitig erfolgt eine allmähliche Freistellung der in der Erwerbsphase in die Altersvorsorge eingezahlten Beiträge von der Einkommensteuer. 


Fragen und Antworten zur Besteuerung von Alterseinkünften


Warum wurde die Besteuerung geändert?

Die Änderungen bei der Rentenbesteuerung durch das Alterseinkünftegesetz beruhen auf einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Das Gericht hat im Jahre 2002 entschieden, dass die unterschiedliche Besteuerung von Beamtenpensionen und Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung mit dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes unvereinbar ist.


Woher weiß ich denn, ob ich Steuern zahlen muss oder nicht?

Sie   können sich an Ihr zuständiges Finanzamt wenden, das Ihnen in Einzelfragen weiter hilft. Einen Überblick der Thüringer Finanzämter finden Sie ab Seite 23. Bei einer umfänglichen Beratung ist der Weg zum Steuerberater oder zum Lohnsteuerhilfeverein empfehlenswert.
 


Bis wann muss jährlich eine Steuererklärung abgegeben werden?

Wenn Sie eine Steuererklärung abgeben müssen, ist diese grundsätzlich bis zum 31. Mai des Folgejahres (also für 2013 bis zum 31.05.2014) beim
Finanzamt einzureichen. Sollten Sie  Ihre Steuererklärung mit Hilfe eines Steuerberaters oder eines Lohnsteuerhilfevereins erstellen, ist Abgabetermin immer der 31. Dezember des Folgejahres.


Woher weiß denn das Finanzamt, wie hoch meine Rente ist, und muss ich tatsächlich eine Steuererklärung bei meinem Finanzamt abgeben?

Seit 2006 sind Rentenversicherer, Versorgungswerke und private Versicherer verpflichtet, die Höhe der gezahlten Leistungen an die Zentrale Stelle (Deutsche Rentenversicherung Bund) zu melden. Diese gibt die Meldung an die Finanzämter weiter. Steuerpflichtig ist zunächst jede Bürgerin bzw. jeder Bürger. Ob Sie auch tatsächlich Steuern zahlen müssen, hängt von Ihrem Gesamteinkommen ab.


Ich bin Anfang 2005 in Rente gegangen. Gibt es eine Faustformel, an der ich mich orientieren kann?

Wer als Alleinstehender seit dem Jahr 2005 oder früher eine Rente bezieht, wird derzeit in der Regel keine Steuern zahlen müssen. Das gilt, wenn er nicht mehr als 1.550 Euro an monatlicher Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhält und keine weiteren Einkünfte etwa aus Vermietung und Verpachtung bezieht. Bei Verheirateten beträgt die Grenze 3.100 Euro.


Ich gehe erst 2024 in Rente. Wie wird meine Rente dann ver-steuert? Was ändert sich jetzt für mich?

Der Besteuerungsanteil der Rente bestimmt sich nach dem Jahr des Rentenbeginns. Bei einem Rentenbeginn im Jahr 2005 oder früher beträgt der Besteuerungsanteil 50 %. Wird erstmals nach dem Jahr 2005 eine Rente gezahlt, steigt der Besteuerungsanteil für Neurentner jährlich um 2 % (ab 2021 um 1 %). Danach beträgt der Besteuerungsanteil 52 % bei einem Rentenbeginn im Jahr 2006, 54 % bei einem Rentenbeginn im Jahr 2007 und in der letzten Stufe 100 % bei einem Rentenbeginn ab dem Jahr 2040. Im Jahr 2024 gehen somit 84 % Ihrer Rente in die steuerliche Berechnung ein; 16 % werden in Euro als steuerfreier Anteil lebenslang festgeschrieben.

Seit 2005 wird der Arbeitnehmeranteil Ihrer Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung schrittweise steuerfrei gestellt. Es ist zu empfehlen , das dadurch gesparte Geld für eine private Altersvorsorge zu verwenden. Informieren Sie sich vor allem über geförderte Altersvorsorgeprodukte wie die Riester-Rente, die neue private Leibrente oder eine betriebliche Altersversorgung. Auch die Rentenversicherer, private Anbieter oder Verbraucherzentralen helfen Ihnen dabei weiter.


Ich beziehe eine Betriebsrente. Wie wird diese ab 2005 versteuert?

Hier ist die Rechtslage etwas schwieriger. Entscheidend für die Besteuerung ist die Form der betrieblichen Altersversorgung (z.B Direktversicherung, Pensionskasse oder Direktzusage) und ob die Beiträge überwiegend aus versteuertem oder aus unversteuertem Arbeitsentgelt geleistet wurden.


Ich beziehe bereits seit 2000 eine private Rente. Wird diese seit dem Jahr 2005 auch höher versteuert?

Nein, im Gegensatz zur gesetzlichen Rente bleibt es hier bei der Ertragsanteilbesteuerung. Das bedeutet, dass die Rente mit einem Prozentsatz der Besteuerung unterliegt, der sich nach dem Alter des Rentenbeziehers bei Beginn der Rente richtet.

Wenn Sie die private Rente seit Ihrem 65.  Lebensjahr beziehen, dann beträgt ab 2005 der steuerpflichtige Anteil 18 %.


Ich habe im Jahre 1999 eine kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen, die 2014 fällig wird. Wird die Auszahlung versteuert?

Nein, die Kapitalauszahlung ist steuerfrei,  wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, zum Beispiel, wenn die Versicherung mindestens zwölf Jahre lief und wenigstens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden.


Was versteht man unter der privaten Leibrente (sog. Rürup-Rente)? Wie wird sie steuerlich behandelt?

Das ist eine Form der privaten Altersvorsorge, die steuerlich der gesetzlichen Rente gleichgestellt wird. Sie darf unter anderem nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar sein. Beiträge für die neue Basis-Rente, für die gesetzliche Rente, für berufsständische Versorgungseinrichtungen und landwirtschaftliche Alterskassen können bei Alleinstehenden schrittweise maximal bis zu einer Summe von 20.000 Euro, im Jahr 2013 höchstens 76 % = 15.200 Euro steuerlich geltend gemacht werden. Bei Verheirateten sind es 40.000 Euro, im Jahr 2013 höchstens 76 % = 30.400 Euro. Dieser Prozentsatz steigt bis zum Jahre 2025 auf 100 %. Die private Basis-Rente kann sowohl von Arbeitnehmern als auch von Selbständigen und Beamten abgeschlossen werden. Genau wie die gesetzliche Rente wird sie bei Auszahlung mit dem neuen Besteuerungsanteil erfasst.


Ich habe eine Direktversicherung in Form einer Rentenversicherung. Wie erfolgt in diesem Fall die Besteuerung?

Für Direktversicherungen in Form einer Rentenversicherung, die ab 2005 abgeschlossen wurden, gilt: Die Beiträge sind steuerfrei, soweit sie im Kalenderjahr 4 % der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung zuzüglich 1.800 Euro nicht übersteigen. Die Rentenzahlungen müssen bei Inanspruchnahme dieser Steuerfreiheit in der Auszahlungsphase grundsätzlich voll versteuert werden.

Für Beiträge in vor dem 01.01.2005 abgeschlossene Direktversicherungen hatte der Arbeitnehmer bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen im Jahr 2005 ein Wahlrecht,  weiterhin eine Pauschalversteuerung mit 20 % durch den Arbeitgeber vornehmen zu lassen oder die Steuerfreiheit in Anspruch zu nehmen. Die getroffene Entscheidung wirkt für die steuerliche Behandlung der Beiträge fort. Die Besteuerung der Renten in der Auszahlungsphase
richtet sich nach der steuerlichen Behandlung der Beiträge in der Einzahlungsphase.


Ich beziehe seit Anfang 2013 eine Witwenrente. Wie erfolgt die Besteuerung, wenn mein verstorbener Ehemann zuvor noch keine Rente erhalten hat? Werden die Steuern wie beim Arbeitslohn direkt einbehalten oder muss ich eine Steuererklärung abgeben?

Die Witwenrente gehört ebenfalls zum steuerpflichtigen Einkommen. Da Ihr Ehemann zuvor noch keine Rente bezogen hat, entscheidet das Jahr, in dem Sie die Witwenrente erstmalig bekommen, über deren steuerpflichtigen Anteil. Da Sie die Witwenrente erstmals im Jahr 2013 bezogen haben, beträgt der Besteuerungsanteil 66 % der Jahresbruttorente. Der steuerfreie Anteil wird in Euro festgeschrieben und gilt dann bis zum Ende dieses Rentenbezugs. Die Steuern werden nicht direkt bei Auszahlung der Rente abgezogen. Sofern Sie neben der Witwenrente noch Arbeitslohn beziehen, von dem ein Steuerabzug vorgenommen wurde, sind Sie verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben, wenn die Rente mehr als 775 Euro im Jahr beträgt.


Werden Beamten- und Werkspensionen seit 2005 vom Staat höher versteuert?

Nein, die Beamten- und Werkspensionen waren bisher schon voll steuerpflichtig, abgesehen vom Versorgungsfreibetrag. Mit den neuen Regelungen werden gesetzliche Renten und Pensionen nach und nach gleichgestellt, und deshalb wird der Versorgungsfreibetrag bis 2040 schrittweise abgeschafft. Wer erstmals in 2013 eine Pension bezogen hat, für den wird ein Versorgungsfreibetrag von maximal 2.040 Euro lebenslang festgeschrieben. Für Pensionäre hat sich ab 2005 die Werbungskostenpauschale von 920 auf 102 Euro verringert. Um Härten auszugleichen, gibt es stattdessen zunächst einen individuellen auf Dauer gleichbleibenden Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag. Im Jahr 2013 beträgt dieser 612 Euro.

Thüringer Finanzämter
Hier finden Sie ihr zuständiges Finanzamt!

Die komplette Broschüre erhalten Sie hier als PDF-Datei.
Größe: 417.2 kB

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