Familiensachen beim Amtgericht Erfurt


Die „Erfurter Praxis“ bei dem Familiengericht in Kindschaftssachen

Seit Juli 2007 werden alle beim Familiengericht des Amtsgerichts Erfurt neu eingehenden Verfahren, in denen es um die Regelung der elterlichen Sorge für das gemeinsame Kind bzw. die gemeinsamen Kinder oder um den Umgang des nicht betreuenden Elternteils mit dem gemeinsamen Kind bzw. mit den gemeinsamen Kindern geht, in einem besonderen Verfahren behandelt. In der Praxis wird dieses Verfahren häufig als „Cochemer Modell“ oder „Cochemer Praxis“ bezeichnet. Bereits Anfang der 90-er Jahre wurde diese Verfahrensweise erfolgreich beim Familiengericht des Amtsgerichts Cochem eingeführt und ist zwischenzeitlich bundesweit anerkannt. Im Jahre 2009 wurden die wesentlichen Elemente dieses Verfahrens durch den Gesetzgeber aufgegriffen und im Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) verankert.

Im Mittelpunkt stehen das Kind bzw. die Kinder. Die streitenden Eltern sollen unter Zurückstellung ihrer eigenen Interessen befähigt werden, ihre Elternverantwortung wieder selbst wahrzunehmen. Die Einbeziehung der verschiedenen Professionen soll unterstützend geschehen. Ein wesentliches Anliegen dieser Praxis ist es, die Eltern in die Lage zu versetzen, Anliegen ihres Kindes oder ihrer Kinder wieder miteinander besprechen zu können.


Die „Erfurter Praxis“ bei dem Familiengericht lässt sich wie folgt beschreiben:
 

  • Die Schriftsätze der Parteien sollen so abgefasst werden, dass der andere Elternteil nicht herabgewürdigt wird und frei ist, von persönlichen Vorwürfen.
     
  • Gegebenenfalls verzichten die beteiligten Eltern auf eine schriftliche Erwiderung zur Antragstellung bis zur ersten mündlichen Erörterung beim Familiengericht. Hierdurch entstehen keine Rechtsnachteile.
  • Das Familiengericht bestimmt einen Termin für die mündliche Anhörung der Parteien innerhalb eines Monats nach Antragseingang.
  • Das Jugendamt erhält die Antragsschrift ebenfalls, ein/e Mitarbeiter/in nimmt bereits vor dem Anhörungstermin Kontakt mit der Familie auf und nimmt an der Anhörung der Eltern beim Familiengericht teil.
  • Im ersten Anhörungstermin wird unter Moderation des/r Familienrichters/in und eines/r Mitarbeiters/in des Jugendamtes versucht, eine einvernehmliche Regelung in Bezug auf die elterliche Sorge oder den Umgang zu erarbeiten. Möglicherweise wird zunächst nur eine vorläufige Regelung getroffen, um zu sehen, ob diese Regelung in der Praxis angenommen wird und den Wünschen der Eltern und des betroffenen Kindes entspricht.
  • Der/Die Familienrichter/in hört in geeigneten Fällen das gemeinsame Kind bzw. die gemeinsamen Kinder an. 
  • Kommt keine Einigung in dem ersten Anhörungstermin zustande, wird mit den Eltern besprochen, welche Hilfestellunge in Betracht kommen. Im Mittelpunkt steht die freiwillige Inanspruchnahme einer Familienberatungsstelle oder der Mediation.
  • Die Mitarbeiter/innen der Familienberatungsstellen und Mediator(inn)en sind an die Schweigepflicht gebunden. Die Eltern ermächtigen die Berater/innen und Mediator(inn)en nur insofern Auskunft gegenüber dem Familiengericht zu geben, dass die Beratung begonnen hat, noch fortdauert oder beendet wurde.
  • Für den Fall, dass es den Eltern nicht gelingt, ein von ihnen beiden gemeinsam getragenes Konzept zu erarbeiten, werden die weiteren Verfahrensschritte mit den Eltern besprochen und ggf. durch das Familiengericht bestimmt.

 


Nach den bisher gemachten Erfahrungen mit dieser Verfahrensweise gelingt es den Eltern in den allermeisten Fällen, eine gemeinsame und dauerhaft tragende Lösung des Sorgerechts- oder Umgangsproblems zu finden.

Beim Amtsgericht Erfurt hat sich im Jahre 2006 ein Arbeitskreis der beteiligten Professionen gebildet. Ziel dieses Erfurter Arbeitskreises „Kinder bei Trennung und Scheidung“ ist die Schaffung der Verfahrensvoraussetzungen in Erfurt. Insofern wurde durch die beteiligten Professionen ein Verfahrensablaufmodell erarbeitet, das die Verhältnisse in Erfurt berücksichtigt. Konkrete Verfahren werden nicht angesprochen. An dem Erfurter Arbeitskreis „Kinder bei Trennung und Scheidung“ beteiligen sich die Familienrichterinnen und Familienrichter des Amtsgerichts Erfurt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes, der Familienberatungsstellen, der Frauenhäuser und Interventionsstellen in der Stadt Erfurt, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Mediatorinnen und Mediatoren sowie Verfahrensbeistände. Die Mitglieder des Arbeitskreises treffen sich ca. alle 2 Monate.

Weiterführende Informationen zu Trennung und Scheidung im Internet:

Arbeitskreis Trennung und Scheidung, Cochem  Link

Bundesfamilienministerium  Link

Staatsinstitut für Frühpädagogik  Link

Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung  Link

Die Bilder auf dieser Internetseite sind im Rahmen eines gemeinsamen Projektes "groß und klein" mit der Kunstschule "IMAGO Kunst- und Designschule e.V., Juri-Gagarin-Ring 111, 99084 Erfurt entstanden. Den beteiligten Kindern und den Kursleiterinnen wird herzlich für die Bereitstellung gedankt.

Brief an die Eltern (20.4 kB)
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

KiTS - Erfurter Arbeitskreis "Kinder bei Trennung und Scheidung" - Professionen (46.2 kB)
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

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