anlässlich der feierlichen Amtseinführung des neuen Leitenden Oberstaatsanwalts der Staatsanwaltschaft Gera, Herrn Thomas Villwock und der Verabschiedung des ehemaligen Leitenden Oberstaatsanwalts der Staatsanwaltschaft Gera, Herrn Rolf Friedrich Mundt im Justizzentrum Gera
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Präsident des Thüringer Verfassungsgerichtshofs,
verehrter Herr Präsident des Thüringer Oberlandesgerichts,
sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,
verehrte Landgerichtspräsidentin, verehrte Landgerichtspräsidenten,
sehr geehrte Leitende Oberstaatsanwältin, sehr geehrte Leitende Oberstaatsanwälte,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Vornehm,
verehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Gera,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
und vor allem lieber Herr Villwock und lieber Herr Herr Mundt,
ich freue mich, heute mit Ihnen allen gemeinsam den neuen Behördenleiter der Staatsanwaltschaft Gera, Herrn Thomas Villwock, in diesem feierlichen Rahmen in sein neues Amt einführen und gleichzeitig dessen Amtsvorgänger, Herrn Rolf Mundt, in den Ruhestand verabschieden zu können.
Auch wenn der offizielle Ruhestandseintritt vom ehemaligen Leitenden Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Gera und der offizielle Amtsantritt vom neuen Leitenden Oberstaatsanwalt schon einige Wochen zurück liegen, so gebührt doch schon allein die Bedeutung und Verantwortung, die das Amt des Behördenleiters einer Staatsanwaltschaft mit sich bringt, diese „Staffelübergabe“ in einer würdigen Form zu zelebrieren.
Ich will gleich vorweg betonen, dass es mich mit Genugtuung erfüllt, dass es bei der Neubesetzung des Leitenden Oberstaatsanwalts der Staatsanwaltschaft Gera zu keiner nennenswerten Karenz gekommen ist. Die Behördenleitung konnte – wie geplant – trotz mancher Hürden zügig neu besetzt werden.
I.
Meine sehr geehrten Damen und Herren...
dass es zu einem mehr oder weniger bruchlosen und reibungslosen Übergang gekommen ist, hat sicherlich nicht unwesentlich etwas damit zu tun, dass der Amtsnachfolger von Herrn Rolf Mundt bereits langjährige Erfahrungen an der Staatsanwaltschaft Gera vorweisen kann.
An der Staatsanwaltschaft Gera begann für Thomas Villwock im Jahr 1986, nach einem erfolgreichen Studium der Rechtswissenschaften an der nahe gelegenen Friedrich-Schiller-Universität in Jena, seine berufliche Laufbahn in der Justiz. Hier erlebte er den politischen Umbruch des Herbstes 1989 und schließlich die deutsche Einheit im Jahr 1990.
Sein beruflicher Werdegang führte ihn 1998 nach sieben Jahren wieder hierher zurück – mittlerweile als Oberstaatsanwalt und Abteilungsleiter. Seit dem Jahr 2002 fungierte er an der Staatsanwaltschaft Gera zugleich als ständiger Vertreter des Behördenleiters, übernahm in den Abordnungsphasen des ehemaligen Leitenden Oberstaatsanwalts Raimund Sauter zeitweilig die Behördenleitung.
Dass sich Thomas Villwock in dieser Funktion bewährte, trug nicht unwesentlich dazu bei, dass er 2005 – wie schon geraume Zeit in den 1990er Jahren – an das Thüringer Justizministerium abgeordnet und später dorthin versetzt wurde. Im Ministerium übernahm er als Referats- und stellvertretender Abteilungsleiter eine tragende Rolle in der Strafrechtsabteilung.
Ich konnte mich auch persönlich seit meinem Amtsantritt im November 2009 von seinem Sachverstand und seiner und engagierten Arbeit für die Thüringer Justiz überzeugen.
Die Rückkehr von Thomas Villwock an die Staatsanwaltschaft Gera reißt daher einerseits im Thüringer Justizministerium – zumindest zeitweilig eine empfindliche Lücke. Andererseits – und das überwiegt – bedeutet aber seine Berufung zum Leitenden Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Gera eine Bereicherung und wichtige Verstärkung in einer Umbruchphase.
Der Umzug der Staatsanwaltschaft Gera in das neu errichtete Justizzentrum Gera liegt erst wenige Monate zurück. Er hat Belastungen mit sich gebracht. Ich bin mir dessen wohl bewusst.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal die Gelegenheit nutzen, mich bei Ihnen – lieber Herr Villwock – für die bisherige gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu bedanken und zugleich meiner Erwartung Ausdruck verleihen, dass wir auch weiterhin konstruktiv und fruchtbar zusammenarbeiten werden. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre bevorstehenden Aufgaben.
Mögen Sie Ihr neues Amt mit Umsicht und Weitsicht führen.
Ich denke, Ihre langjährige Berufserfahrung, die Sie nicht zuletzt hier vor Ort gesammelt haben, bietet dafür die notwendige Gewähr. Ich bin mir sicher, dass Ihre Kolleginnen und Kollegen in der Staatsanwaltschaft Gera Sie dabei nach Kräften unterstützen werden. Und Ich bin überzeugt, dass Sie Ihrem neuen Amt hervorragend gewachsen sind. Dass Sie die zweitgrößte Thüringer Staatsanwaltschaft so erfolgreich fortführen und weiterentwickeln werden, wie es Ihr Amtsvorgänger Herr Mundt seit 2004 getan hat.
Die entscheidende Voraussetzung hierfür liefert die engagierte Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Staatsanwaltschaft Gera. Diese wird zum einen durch die Entwicklung der Erledigungsleistung, die sich in der Regel über der Zahl der Eingänge bewegt, dokumentiert. Zum anderen will ich nicht verschweigen, dass der weit überwiegende Anteil der Ermittlungsverfahren innerhalb von nur drei Monaten abgeschlossen wird.
Hierfür will ich all jenen Dank sagen, die Ihren persönlichen Beitrag zur erfolgreichen Arbeit leisten – seien es die Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, die Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger in der Geschäftsstelle oder die Bediensteten im Büro- und Kanzleidienst. Mit Ihrer vorbildlichen Arbeit gewährleisten Sie alle eine zügige und effiziente Strafverfolgung.
Ich wünsche mir darüber hinaus aber auch, dass es Ihnen – lieber Herr Villwock – alsbald gelingen möge, zu Ihren zahlreichen Kolleginnen und Kollegen in den verschiedenen Gerichten hier im Geraer Justizzentrum – von denen heute eine ganze Reihe anwesend sind – ein enges und vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren...
dass Thomas Villwock eine nahezu ideale Verstärkung für die Staatsanwaltschaft Gera darstellt, ergibt sich auch aus dem Umstand, dass er sich seit geraumer Zeit mit dem Komplex der Jugendkriminalität intensiv befasst und in diesem Zusammenhang der Behörden übergreifenden Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe unter dem Dach der sogenannten Jugendstation seine besondere Aufmerksamkeit widmet.
Vor wenigen Wochen haben wir hier in Gera, ebenfalls im feierlichen Rahmen, in der Aula der Berufsakademie an die mittlerweile zehnjährige erfolgreiche Existenz der ortsansässigen Jugendstation erinnert. Herr Villwock hat sich in seinem Festvortrag in eindrücklicher Weise mit der Frage befasst, wie Staat und Gesellschaft auf straffällige junge Menschen angemessen, zeitnah und konsequent reagieren und einwirken sollten. Er hob insbesondere hervor, dass dabei immer – ganz im Sinne des Jugendstrafrechts – der Erziehungsgedanke im Fokus stehen und unser aller Ansinnen darin bestehen müsse, die Jugendlichen und Heranwachsenden mit erzieherischen Mitteln von ihrem Irrweg der Straffälligkeit abzubringen.
Insoweit überrascht es nicht, dass ich Thomas Villwock als engagierten und überzeugten Streiter für das Modell der Jugendstation kennengelernt habe. Er sieht im Modell der Jugendstation eine Erfolg versprechende Möglichkeit, Jugendkriminalität effektiv und nachhaltig zu begegnen.
Gerade durch die enge Verzahnung von Polizei, Jugendgerichtshilfe und Staatsanwaltschaft kann eben schnell, konsequent und angemessen reagiert werden. Angemessen heißt in diesem Zusammenhang vor allem, sich intensiv mit den Jugendlichen, ihren Straftaten, aber auch mit ihrem familiären Umfeld zu befassen. Wenn möglich, die Eltern in diesen Prozess der Aufarbeitung mit einzubeziehen. Genau diese intensive Auseinandersetzung mit dem jugendlichen Straftäter, die rechtzeitige Intervention und erzieherisch wirksame Reaktion gewährleisten auf längere Sicht, das Abgleiten in kriminelle Karrieren zu verhindern.
Wir alle dürfen daher sicherlich darauf gespannt sein, wie Sie – lieber Herr Villwock – die Arbeit der Geraer Jugendstation, aber nicht minder auch die gerade im Aufbau befindliche Jugendstation in Jena begleiten und unterstützen werden, um die bereits erkennbaren Erfolge bei der Bekämpfung von Jugendkriminalität zu verstetigen und wenn möglich noch auszubauen.
II.
Meine sehr geehrten Damen und Herren...
die heutige Veranstaltung soll selbstverständlich nicht nur dazu dienen Herrn Villwock in sein neues Amt einzuführen, sondern zugleich Sie – lieber Herr Mundt – in den wohlverdienten Ruhestand zu entlassen.
Ich möchte daher auch mit einigen wenigen Worten auf Ihre berufliche Laufbahn und ihre Arbeit in und für die Thüringer Justiz eingehen. Auch Ihr Name – lieber Herr Mundt – steht in enger Verbindung mit der Staatsanwaltschaft Gera.
Die Anfänge Ihrer staatsanwaltlichen Tätigkeit in Thüringen reichen bis in das Jahr 1993 zurück und nahmen hier in Gera ihren Ausgangspunkt. Sie haben seit Ihrer Abordnung an die Staatsanwaltschaft Gera im Jahr 1993 – mit wenigen Unterbrechungen – die erfolgreiche Arbeit hier vor Ort ganz wesentlich mit geprägt.
Nach Ihrer zwischenzeitlichen Tätigkeit an der Staatsanwaltschaft Erfurt und der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft wurden Sie im Oktober 2004 schließlich an die Staatsanwaltschaft Gera versetzt und zum Leitenden Oberstaatsanwalt ernannt.
Wenn wir uns in diesen Tagen und Wochen der Hilfen westdeutscher Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger beim Wiederaufbau einer unabhängigen, rechtsstaatlichen Justiz hier in Thüringen erinnern, dann darf man ganz gewiss auch Ihren Namen – lieber Herr Mundt – nennen. Auch wenn Sie nicht bereits in der unmittelbaren Umbruchphase des Jahres 1990 nach Thüringen gekommen sind, so haben Sie sich doch durch Ihre langjährige Tätigkeit – nicht zuletzt bei der Staatsanwaltschaft Gera – nennenswerte Verdienste um die Thüringer Justiz erworben. Hierfür sind wir Ihnen alle zu Dank verpflichtet. Und diesen Dank übermittle ich Ihnen ganz gewiss nicht nur in meiner Funktion als Thüringer Justizminister, sondern auch im Namen Ihrer langjährigen Kolleginnen und Kollegen, Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Sie haben den Neuaufbau der Staatsanwaltschaft Gera zur zweitgrößten Staatsanwaltschaft in Thüringen miterlebt und mit vollzogen. Einer Staatsanwaltschaft, die heute 49 Staatsanwälte, vier Amtsanwälte, acht Rechtspfleger und 70 Bedienstete im Büro- und Kanzleidienst zählt.
Eine erfolgreiche Strafverfolgung in Thüringen wäre ohne die Staatsanwaltschaft Gera nicht zu denken. Hier leistet bspw. die Schwerpunktabteilung für die Verfolgung von Organisierter Kriminalität ganz hervorragende Arbeit. Die Anfänge dieser Zuständigkeitskonzentration an der Staatsanwaltschaft Gera reichen bis in das Jahr 1993 zurück, in dem Sie – lieber Herr Mundt – erstmalig an der Geraer Staatsanwaltschaft tätig wurden.
Die herausgehobene Bedeutung und das Vertrauen in die hervorragende Arbeit der Staatsanwaltschaft Gera können Sie alle aber auch daran ersehen, dass wir uns gegenwärtig bemühen, zur Unterstützung der Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen an der Staatsanwaltschaft Mühlhausen auch hier in Gera eine Wirtschaftsprüfgruppe einzurichten, um wirksamer und entschiedener gegen Wirtschaftskriminalität vorzugehen.
Lieber Herr Mundt,
wir allen wünschen Ihnen von ganzem Herzen für den neuen Lebensabschnitt Gesundheit und Wohlergehen. Auf dass Sie im Unruhestand nun ausreichend Gelegenheit für all die Dinge finden mögen, die in den Jahren Ihrer Berufstätigkeit zurück treten mussten. Genießen Sie vor allem die Zeit mit Ihrer Familie, pflegen Sie Ihre Freundschaften und Ihre Hobbys. Aber ich will an dieser Stelle auch nicht vergessen: bleiben Sie auch zukünftig unserem schönen Freistaat Thüringen und seiner Justiz verbunden.
III.
Meine sehr geehrten Damen und Herren…
lassen Sie mich zum Abschluss auch Herrn Tilo Villwock für seine musikalischen Einlagen danken. Es hat sich – so denke ich – eindrücklich gezeigt, dass Herr Villwock sein musikalisches Talent an seinen Sohn weitergegeben hat. Nochmals herzlichen Dank für die musikalische Umrahmung!
Ihnen allen danke ich für Ihre Aufmerksamkeit!
Ich bitte Sie – lieber Herr Mundt, lieber Herr Villwock – nun kurz zu mir nach vorne zu kommen, um Ihnen jeweils ein kleines Präsent überreichen zu können.