zur Feierlichen Eröffnung der Jugendstation Jena / Saale-Holzland-Kreis in der Aula der Integrierten Gesamtschule "Grete Unrein" in Jena
Es gilt das gesprochene Wort!
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste der feierlichen Eröffnung der Jugendstation Jena / Saale-Holzland-Kreis,
ich begrüße Sie recht herzlich auch im Namen des Thüringer Innenministers Geibert, des Jenaer Oberbürgermeisters Dr. Schröter und des Landrates des Saale-Holzland-Kreises Heller und freue mich, dass Sie so zahlreich unserer gemeinsamen Einladung gefolgt sind. Bevor ich einige einleitende Worte an Sie richte, bitte ich um Ihr Verständnis, dass ich nur einige wenige Anwesende namentlich erwähnen kann:
Ich heiße die Abgeordneten des Thüringer Landtags, Frau König, Herrn Meyer und Herrn Schröter ganz herzlich willkommen.
Weiterhin begrüße ich den Präsidenten des Thüringer Oberlandesgerichts, Herrn Kaufmann, sowie den Thüringer Generalstaatsanwalt, Herrn Reibold unter uns. Ich begrüße den Behördenleiter der Staatsanwaltschaft Gera, Herrn Leitenden Oberstaatsanwalt Villwock. Ich begrüße namentlich den Direktor des Jenaer Amtsgerichts, Herrn Tröstrum, sowie die kommissarische Direktorin des Amtsgerichts Stadtroda, Frau Blasius.
Ebenso heiße ich die Leiter der Polizeiinspektionen in Jena, Herrn Treunert, in Eisenberg, Herrn Worst, und in Stadtroda, Herrn Oertel herzlich willkommen.
Unter uns weilen die Jugendamtsleiter des Saale-Holzland-Kreises, Herr Paul, und der Stadt Jena, Frau Brunner. Seien Sie herzlich gegrüßt. Gleiches gilt für die zahlreichen Mitglieder des Jenaer Stadtrates und des Kreistages des Saale-Holzland-Kreises sowie die Mitglieder beider Jugendhilfeausschüsse.
Last but not least heiße ich den Gastgeber der heutigen Veranstaltung, den Leiter der Integrierten Gesamtschule „Grete Unrein“, Herrn Schütz, Frau Prof. Dr. Ludwig und vor allen Dingen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendstation Jena/Saale-Holzland-Kreis ganz herzlich willkommen.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen – lieber Herr Schütz – dafür bedanken, dass Sie uns die wunderschöne Aula Ihrer Schule für die heutige Festveranstaltung ganz selbstverständlich zur Verfügung gestellt und damit einen wesentlichen Beitrag dafür geleistet haben, dass die Eröffnung der Jugendstation - die vor wenigen Tagen bereits ihren Betrieb aufgenommen hat - in einem so würdigen Rahmen stattfinden kann.
Einen wesentlichen Anteil am Gelingen der heutigen Veranstaltung trägt aber auch ohne jeden Zweifel das Polizeimusikkorps Thüringen, dass in bewährter Weise - wie schon bei der Festveranstaltung zum 10-jährigen Bestehen der Jugendstation Gera - die musikalische Umrahmung gewährleistet. Hierfür danke ich stellvertretend dessen Leiter, Herrn Weyh.
Zu Dank sind wir nicht zuletzt auch Frau Prof. Dr. Ludwig für die Übernahme des heutigen Festvortrags verpflichtet, der uns einen näheren Einblick in das Modell der Jugendstation verschaffen wird.
Ebenso zu danken haben wir Frau Staatsanwältin Karola Glöck, die stellvertretend für die 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendstation Jena / Saale-Holzland-Kreis einige abschließende Worte an uns richten wird.
Ich möchte Sie bereits jetzt dazu ermuntern, dass Sie sich im Anschluss einen persönlichen Eindruck von der benachbarten Jugendstation verschaffen. Nehmen Sie die gebotene Gelegenheit wahr. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Nicht vergessen möchte ich aber auch all diejenigen, die beim Aufbau und der Einrichtung der Jugendstation behilflich gewesen sind. Sei es im Rahmen der einzelnen Umzüge, der Möblierung der Räumlichkeiten sowie der Einrichtung der nötigen technischen Infrastruktur. Ohne Ihre Hilfe wäre die erfolgreiche Einrichtung der Jugendstation in diesem kurzen Zeitraum nicht möglich gewesen. Nochmals ein großes Dankeschön!
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste,
als die Geraer Jugendstation im Jahr 2000 ihren Betrieb aufnahm, wurde in Thüringen Neuland betreten. Damals war noch nicht abzusehen, ob sich dieses besondere Modell im Umgang mit Kinderdelinquenz und Jugendkriminalität bewähren würde.
Im vergangenen Jahr konnten wir nach 10-jähriger Existenz eine erste, rundum positive Zwischenbilanz ziehen. Die positiven Erfahrungen in Gera waren einer der maßgeblichen, die im Jahr 2009 dazu führten, konkrete Schritte in Bezug auf die Einrichtung einer zweiten Jugendstation in Thüringen zu unternehmen.
Schließlich hat sich vor allem die Jugendkriminalität in Gera seit der Einrichtung der Jugendstation im Jahr 2000 - und zwar auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung - überproportional rückläufig entwickelt. Dies ist ein ebenso überzeugender Befund wie der Umstand, dass der weit überwiegende Anteil der Strafverfahren in der Jugendstation innerhalb eines Monats und damit vergleichsweise schneller abgeschlossen wird.
Ebenso wichtig erscheint mir, dass im Regelfall häufiger zum Mittel der Diversion gegriffen wird. Dabei wird im Rahmen der Verfahrenseinstellung nach §45 Absatz 2 Jugendgerichtsgesetz auf das gesamte Spektrum an ambulanten Maßnahmen zurückgegriffen.
Das erfolgreiche Modell der Jugendstation zeigt eindrücklich, dass es nicht darum gehen darf, den vorschnellen Rufen nach Verschärfungen des Jugendstrafrechtes und einer Herabsetzung des Strafmündigkeitalters nachzugeben. Es muss uns allen vielmehr darum gehen, den Erziehungsgedanken des Jugendstrafrechts konsequent zur Anwendung zu bringen, frühzeitig und umfassend zu intervenieren, um eine Verfestigung normwidrigen Verhaltens junger Menschen zu verhindern.
Die Jugendstation gewährleistet durch die zügigen Bearbeitungszeiten, dass die Reaktion und ggf. auch die Strafe der Straftat auf dem Fuße folgen. Die enge Kooperation zwischen Jugendgerichtshilfe, Polizei und Staatsanwaltschaft stellt zudem ein effektives und zielgenaues Fallmanagement sicher.
Hinsichtlich der neuen Jugendstation Jena / Saale-Holzland-Kreis bleibt festzuhalten, dass auch hier sozusagen „terra incognita“ betreten wird. Diese Jugendstation wird erstmalig nicht nur für eine Stadt, sondern ebenfalls für einen umliegenden Landkreis zuständig sein. Dies stellt deutschlandweit ein Novum dar. Insofern wird es im Zuge der dreijährigen Erprobungsphase interessant sein zu beobachten, ob sich der erweiterte territoriale Zuschnitt bewährt und ebensolche überzeugenden Ergebnisse wie in Gera vorgewiesen werden können.
Eine gute Voraussetzung und ein solides Fundament für eine erfolgreiche Erprobung bietet nicht nur die sicher engagierte Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugendstation selbst, sondern auch der Umstand, dass dieses Modellprojekt auf ausdrücklichen Wunsch der kommunalen Entscheidungsträger vor Ort entstanden ist.
Ohne den ausdrücklichen Willen und die Bereitschaft vor Ort, wäre ein solches Projekt letztlich nicht realisierbar und zum Scheitern verurteilt. Daher war es eine entscheidende und förderliche Voraussetzung, dass insbesondere die politischen Verantwortlichen in der Stadt Jena mit auf die Einrichtung einer solchen Jugendstation hingearbeitet haben.
Eine weitere positive Startbedingung stellt das bewährte Jenaer Kriseninterventionsprojekt dar, das im Januar 2004 ins Leben gerufen wurde und auf eine gemeinsame Vereinbarung der Stadt mit der örtlichen Polizei und der Staatsanwaltschaft zurückgeht.
Das etablierte Kriseninterventionsprojekt hat - wenn man so will - den Nährboden für die Jugendstation bereitet. Ich meine konkret das funktionierende Netzwerk einer engen Kooperation der verschiedenen Akteure im Bereich der Jugendgerichts- und Straffälligenhilfe.
Es wird entscheidend sein, dieses Netzwerk weiter auszubauen. Sei es zu den verschiedenen freien Trägern in diesem Bereich, sei es durch den engen Austausch mit den Jugendämtern und Fachdiensten, den kriminalpräventiven Räten und Jugendhilfeausschüssen, der Bewährungshilfe und nicht zu vergessen den Schulen. Auch die Einbindung des örtlichen Jugendrechtshauses scheint mir von herausgehobener Bedeutung.
Ich bin sehr optimistisch, dass die Jugendstation Jena / Saale-Holzland-Kreis erfolgreich in die Fußstapfen der Geraer Jugendstation treten wird.
Ich wünsche Ihnen - liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendstation - jedenfalls alles Gute für Ihre zukünftige Tätigkeit. Möge auch die Jenaer Jugendstation eine ähnlich nachhaltige Wirkung in Bezug auf die Entwicklung der Jugendkriminalität entfalten.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich freue mich nun auf die folgenden Redebeiträge, insbesondere auf den Festvortrag von Frau Prof. Dr. Ludwig!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!