Antrittsbesuch des US-Generalkonsuls Mark Powell
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Thüringens Innenminister Jörg Geibert empfing am 19. Januar den für Mitteldeutschland zuständigen US-Generalkonsul Mark Powell zum Antrittsbesuch.
Er sei sehr interessiert an den regionalen Besonderheiten in seinem Zuständigkeitsbereich, sagte Mark Powell, der die Vereinigten Staaten als Generalkonsul in den mitteldeutschen Bundesländern von Leipzig aus vertritt, bei seinem Antrittsbesuch am 19. Januar im Thüringer Innenministerium. Als geeigneten Ort, diese Besonderheiten in Thüringen bei einem weiteren Besuch näher kennenzulernen, empfahl ihm Innenminister Jörg Geibert die Stadt Weimar.
Die Klassikerstadt, so Jörg Geibert, biete einerseits die Erinnerung an einige der bedeutendsten Momente der deutschen Geistes- und Kulturgeschichte. Andererseits trete gerade deshalb auch der Kontrast zur Barbarei der Nazi-Herrschaft bei einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Buchenwald besonders hervor.
Angesichts dessen empfand es der Innenminister geradezu als Katastrophe, dass die rechtsradikale Bande, die über ein Jahrzehnt mordend durch Deutschland zog, ausgerechnet aus Weimars Nachbarstadt Jena stammte. Dem Generalkonsul gegenüber betonte er deshalb seine Überzeugung, dass man aus diesen Geschehnissen seine Lehren ziehen, frühere Fehlentschätzungen in Bezug auf rechte Gewalttäter korrigieren müsse.
Sein Interesse an den Originalschauplätzen der deutschen Geschichte führte den gebürtigen Texaner Mark Powell bereits zur Gedenkstätte Point Alpha, berichtete er dem Minister. Als Kind habe er von der erbitterten Feindseligkeit zwischen den beiden deutschen Staaten zu Zeiten des Kalten Krieges erfahren. Die praktischen Folgen der deutschen Teilung an der ehemaligen Grenze so detailgenau rekonstruiert zu sehen, sei für ihn sehr beeindruckend gewesen. Nun habe er darüber hinaus als Gast der Region Mitteldeutschland dazu gelernt, dass die Teilung Deutschlands in Ost und West eine sehr willkürliche gewesen sei und die kulturellen Identitäten in Deutschland wesentlich facettenreicher sind, als das in den USA üblicherweise bekannt ist.
Auch der Einsatz deutscher Polizisten in Afghanistan kam im Gespräch zwischen Mark Powell und Jörg Geibert zur Sprache. Der Generalkonsul, der sich in diesem Themengebiet sehr gut auskennt, weil er vor seinem Umzug nach Leipzig in der Provinz Bagdad West im Irak von 2009 bis 2010 für den Wiederaufbau verantwortlich war, erkundigte sich nach den Erfahrungen der deutschen Einsatzkräfte.
Jörg Geibert berichtete, dass er nach Möglichkeit alle aus Thüringen stammenden Polizisten, die nach Afghanistan gehen, persönlich verabschiedet und wieder zu Hause begrüßt. Dabei erfahre er viele sehr persönliche Geschichten: von großen Herausforderungen, vor denen die Beamten vor Ort stehen, aber auch von der festen Überzeugung dieser Beamten, dass ihr Einsatz tatsächlich etwas bewirken kann. Die derzeit laufende Aktion "Train the Trainer!" diene dazu, die afghanische Polizei dazu zu befähigen, Sicherheit und Ordnung im Land zunehmend selbst zu garantieren.
Zu den Aufgaben des Generalkonsuls gehört es nicht nur, den Austausch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Bildung und Kultur zwischen den Vereinigten Staaten und Mitteldeutschland zu fördern. Ein wichtiger Teil der konsularischen Arbeit ist die Betreuung von US-Bürgern, die im Ausland Hilfe benötigen. Im Generalkonsulat in der Leipziger Wilhelm-Seyfferth-Straße kümmern sich 15 Angestellte um die Amerikaner in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. So kam zwischen Mark Powell und Jörg Geibert natürlich auch zur Sprache, was auch in Zukunft zu unternehmen ist, damit sich ausländische Mitbürger in Thüringen möglichst heimisch fühlen.
Mark Powell lobte die sehr gute Zusammenarbeit mit den mitteldeutschen Landesregierungen und wünscht sich, dass die engen Kontakte auf allen Ebenen aufrechterhalten werden können. Der Generalkonsul, der übrigens nicht mit dem ehemaligen US-Außenminister Colin Powell verwandt ist, will seine dreijährige Amtszeit auch dazu nutzen, seine Kenntnisse der deutschen Sprache weiter zu verbessern.
Text und Foto: Torsten Stahlberg