18.02.2013 10:35 Uhr

Genau mein Ding

Eine interessante und abwechslungsreiche Ausbildung oder stupides Pauken von Paragraphen und Vorschriften? Einige unserer Anwärter schildern ihre Eindrücke von der Polizeiausbildung in Thüringen. Sehen Sie selbst, ob deren Erfahrungen Ihren persönlichen Vorstellungen entsprechen.


Polizeimeisteranwärterin Elisa H.
Elisa

Ich blicke auf eine tolle Zeit zurück

Bereits in wenigen Wochen beginnen für mich die Abschlussprüfungen und doch kommt es mir so vor, als wäre ich erst gestern zur Polizeimeisteranwärterin ernannt worden. Ich blicke auf eine tolle Zeit zurück, die einerseits viel zu schnell vorbei ging, aber mich dennoch gut auf meinen Traumberuf vorbereitet hat.

Ich schätze bei der Thüringer Polizei besonders, dass ein Großteil der Ausbildung aus praktischen Übungen besteht. Durch Rollenspiele lernen wir, wie wir Verkehrskontrollen durchführen, Verkehrsunfälle aufnehmen, Streitigkeiten schlichten oder Spuren sichern. Das hat mir persönlich sehr dabei geholfen, die graue Theorie, die aus Gesetzestexten, Verwaltungsvorschriften und Leitfäden besteht, besser zu verstehen und in die Praxis umzusetzen. Auch der Umgang mit dem Bürger wird in der Ausbildung Schritt für Schritt trainiert. Anfangs haben sich die Übungen auf einfache Personenkontrollen beschränkt, in denen wir das Einmaleins der polizeilichen Kommunikation angewendet haben. Beispielsweise erinnere ich mich an eine Übung, in der ein betrunkener, nicht mehr ansprechbarer Mann auf einer Parkbank lag. Die Aufgabe meines Teamkollegen und mir war es, diese hilflose Person anzusprechen und zu durchsuchen, um die Identität festzustellen, und anschließend einen Notarzt zu verständigen. Mittlerweile bewältigen wir weitaus schwierigere Sachverhalte und führen eine umfangreiche Tatortarbeit durch, wenn beispielsweise in der Gaststätte eingebrochen wurde und der Täter viele Spuren hinterlassen hat, die es zu sichern gilt.  Oder einen Verkehrsunfall mit Schwerverletzten, bei dem man erste Hilfe leistet, aufgeregte Unfallbeteiligte beruhigt und die Unfallursache feststellt. Viele dieser Übungen werden in der sogenannten Tatortwelt durchgeführt, welche aus einer Gaststätte, einer Sparkasse, einem Einkaufsmarkt, zwei Wohnungen und einer Polizeiinspektion besteht. Diese detailgetreuen und realistisch nachgestellten Örtlichkeiten sind deutschlandweit in der Polizeiausbildung einmalig und helfen uns Anwärtern, ein Stück weit Realität zu erleben und zu bewältigen.

Für Außenstehende mag das, was wir da vor Ort machen, total easy aussehen. Auch ich konnte mir noch vor zwei Jahren nicht vorstellen, wie viel Wissen nötig ist, um solche Maßnahmen zur Zufriedenheit der Betroffenen durchzuführen, rechtlich einwandfrei, gut organisiert und einfühlsam.  Und auch das Wissen allein reicht noch nicht aus - um wirkliche Sicherheit zu erlangen, heißt es viel, viel üben in nachgestellten Situationen.

Wenn der Beruf als Polizeibeamter auch Dein Traum ist, dann bewirb Dich und Du bekommst in Thüringen die Chance, eine spannende, praktisch geprägte und abwechslungsreiche Ausbildung zu absolvieren.

Elisa


Christian L.
Christian

Polizei ist das, was du draus machst

Mein Name ist Christian, ich bin 33 Jahre alt und Polizeimeisteranwärter im mittleren Polizeidienst der Thüringer Polizei. Bevor ich meine Ausbildung bei der Thüringer Polizei in Meiningen begann, war ich zwölf Jahre lang Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr. Während meiner Dienstzeit dort hatte ich das ein oder andere Mal dienstlich mit der Polizei zu tun. Einige der Polizisten konnten mir im Gespräch den Beruf des Polizeibeamten etwas näher bringen, indem sie mir die Aufgaben der Polizei erläutert und von ihren Erfahrungen im polizeilichen Alltag berichtet haben. Die große Abwechslung in diesem Beruf war letztendlich der ausschlaggebende Punkt dafür, dass ich den Entschluss fasste, Polizeibeamter zu werden. Aufgrund der Tatsache, dass ich bereits 1994 meine schulische Ausbildung beendet hatte, waren meine  Bedenken natürlich groß, ob ich im geforderten Einstellungsauswahlverfahren (EAV) mit den weitaus jüngeren Bewerbern mithalten konnte. Zum Glück gab es jedoch diverse Vorbereitungsbücher, bei denen man mit dem erforderlichen Fleiß große Erfolge erzielen konnte. Nachdem ich mein EAV bei der Thüringer Polizei erfolgreich bestanden hatte, bekam ich eine Einstellungszusage.

Jetzt, wo ich drei Monate vor der Beendigung meiner Ausbildung zum Polizeimeister stehe, möchte ich Euch kurz über den unangefochtenen Höhepunkt der Ausbildung, das Praktikum, berichten. Mitte des zweiten Ausbildungsjahres werdet Ihr für ca. neun Wochen das Bildungszentrum verlassen und verrichtet Euren Dienst in einer Polizeiinspektion. In diesem Praktikum habt Ihr die Möglichkeit zu zeigen, was Ihr bis dahin gelernt habt. Und Ihr erkennt, was euch noch an Wissen fehlt. Ihr seid für den Zeitraum des Praktikums voll und ganz in die verschiedenen Polizeiinspektionen integriert. Wechselnde Schichten gehören selbstverständlich auch dazu. Hier werdet Ihr vielleicht das erste Mal in Konflikt mit Euren Freunden geraten, denn es ist kein Geheimnis, dass die Polizei nicht überall in der Gesellschaft gut angesehen ist. Aber an dieser Stelle habt Ihr die Chance zu zeigen, dass es nicht so sein muss. Ihr habt mit Eurem Handeln unmittelbar Einfluss darauf, wie der Bürger über die Polizei denkt. Euer Einschreiten sollte stets korrekt und der Lage angepasst sein. Ich sagte mir immer: „Polizei ist das, was Du draus machst!“ Ihr werdet viele Erfahrungen in diesem Praktikum machen und es werden nicht immer nur die besten sein. Wenn Ihr aber eine Situation hattet, in der Ihr die Dankbarkeit der betroffenen Personen erfahren durftet, wie zum Beispiel, wenn Ihr einer Mutter ihr vermisstes Kind zurückgebracht oder jemanden aus einer gefährlichen Lage befreit habt, werdet Ihr schnell feststellen, dass dieser Beruf genau das ist, was Ihr schon immer machen wolltet. So war es zumindest bei mir. Ich kann mir keinen besseren Beruf vorstellen. Jeder von Euch wird an einer anderen Situation des Praktikums seine Bestätigung bekommen, soviel ist sicher.

Ich wünsche Euch für Euer bevorstehendes EAV und Eure Ausbildung bei der Thüringer Polizei viel Erfolg und vor allem Spaß.

Christian


Polizeimeisteranwärterin Annemarie K.
Annemarie

Und doch hat es mich jedes Mal ein Stück weiter gebracht

Was ich mir am Anfang gar nicht so schwer vorgestellt habe, war, dass ich in einem Zwei- oder Drei-Mann-Zimmer wohnen würde. Diese Informationen entnahm ich dem Internet. Deswegen machte ich mir aber keine Gedanken und dachte: „Lass dich überraschen!“

Mit dem Einzug in das Wohnheim teilte ich also mit zwei Mädels mein Zimmer. Meine anfangs unbeschwerte Einstellung wurde mit der Zeit jedoch etwas gedrückt. Zuhause hatte ich mein eigenes Zimmer, machte dir Tür einfach zu, wenn ich allein sein wollte. Dies war hier nicht so leicht. Allein das Telefonieren mit Familie und Freunden gestaltete sich schwierig. Wohin, um über private Dinge zu sprechen? Im Zimmer – die anderen zwei wollten lernen, lesen etc. Teeküche oder Fernsehraum? Fast immer besetzt! Nach draußen?  Ja, o.k.  Aber im Winter für jedes Gespräch raus in die Kälte? Solche Gewohnheiten wurden an manchen Tagen zur Unmöglichkeit und machten mir anfangs sehr zu schaffen. Man ist von seinen Kollegen rund um die Uhr umgeben, vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. Das Problem sind nicht die Menschen an sich, sondern die Tatsache, dass man selten für sich sein kann.

Allerdings habe ich im Laufe der ersten Monate enorm viel dazugelernt und an Sozialkompetenz im Umgang mit meinen Kollegen gewonnen. Solche scheinbar schwerwiegenden, unüberwindbaren Probleme schrumpfen auf ein Minimum, sobald man mit Jemandem offen und sachlich über diese spricht. Viele Konflikte und aufreibende Probleme speziell auf der sozialen Schiene sind von außen nicht erkennbar und einschätzbar. Es sind aber die, die am meisten belasten und die mir anfänglich den Schlaf raubten aufgrund von stillschweigendem Hinnehmen. Doch durch gegenseitigen Respekt und Verständnis der Kollegen untereinander lässt sich jede Spannung lösen. Am Ende hängt alles nur davon ab, wie man sich gegenüber seinen Mitstreitern gibt. Wenn ich zum Beispiel einmal unbedingt Ruhe brauche, spreche ich mit meinen Mitbewohnerinnen  darüber, und schon bald ist eine Lösung in Sicht. Im Sinne eines Gebens und Nehmens weisen sie mich auch darauf hin, wenn meine Klamotten wieder mal wild im Raum verstreut sind, ich den Tisch abwischen soll oder ich an der Reihe bin, den Müll rauszubringen.

Zu diesem Lernprozess gehört auch, sich durch Kritik nicht sofort persönlich angegriffen zu fühlen, sondern sie anzunehmen, darüber nachzudenken und das Wichtige und Hilfreiche für den eigenen Charakter herauszufiltern. Das ist unbedingt notwendig, denn nichts ist schlimmer, als Komplikationen stillschweigend hinzunehmen und den Ärger in sich aufzustauen.  Ich wurde mit Problemen konfrontiert oder Fehler meinerseits wurden mir deutlich gemacht, über die ich mir bisher noch keine Gedanken machen musste. Und doch hat es mich jedes Mal ein Stück weiter gebracht und stärker gemacht.  Ich bin selbstsicherer geworden und weiß nun, mit Verantwortung umzugehen.

Annemarie


Polizeimeisteranwärter Christian S.
Christian

Echte Verkehrsteilnehmer als große Herausforderung

Highlight des Leitthemas 2 und somit des gesamten Grundkurses 1 ist jedes Jahr der Realeinsatz.  Inhalt des LT 2 ist das Feststellen der Verkehrstauglichkeit der Fahrzeugführer und die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge. Dieses Jahr fand der Einsatz für uns auf dem Parkplatz der BAB 71 Thüringer Tor statt. Mal keine verkleideten Stubenkameraden oder Rollenspieler aus dem Bildungszentrum, sondern   „richtige,  echte“ Verkehrsteilnehmer sollten also kontrolliert werden. Nach mehrwöchiger Vorbereitung durch unsere Fachlehrer wurde es für uns ernst. Aufgeregt, neugierig  und mit einem flauen Gefühl in der Magengegend traten wir gegen 07.15 Uhr unseren „Ausflug“ an. Ausgestattet mit Schutzwesten, vier Kleinbussen und Blaulicht auf dem Dach fühlten wir uns schon etwas bedeutend, als wir zum Rastplatz Thüringer Tor fuhren.

Dort angekommen bekamen wir von dem stellvertretenden Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Suhl eine kurze Einweisung. Insgesamt wurden elf Kontrollstellen mit je einem Zweierteam  auf dem Parkplatz eingerichtet. Einer unserer Anwärter wurde sogar als Anhalteposten eingeteilt, welcher sich sprungbereit und gut sichtbar an der Einfahrt zum Rastplatz positionierte, um die zu kontrollierenden Fahrzeuge einzuwinken. Voller Tatendrang und hoch motiviert starteten die ersten Teams mit den Kontrollen. „Äh, guten Morgen, mein Name ist äh, mh, … und das ist mein Kollege …. Wir sind vom Bildungszentrum der Thüringer Polizei Meinigen und führen eine Verkehrskontrolle durch. Führerschein und, äh, naja äh, Fahrzeugschein hätte ich gerne gesehen!“ So oder so ähnlich ging es bei den meisten los. Was gelernt wurde, wurde versucht umzusetzen und anzuwenden. Nach anfänglichen Unsicherheiten gelang dies immer besser. Die Unterschiede zwischen unserer Ausbildung und dem Realeinsatz waren verschwindend gering. Das gab uns Sicherheit! Mängelscheine, Barverwarnungen, OE (Ordnungswidrigkeitenerfassungs-) Belege und Kontrollaufforderungen wurden fleißig ausgestellt und fachmännisch an den Fahrzeugführer gebracht. Die Kollegen der VPI, welche Spezialisten in ihrem Gebiet sind, standen uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Es fing an, Spaß zu machen, denn gerade die unterschiedlichsten Erfahrungen beim Zusammentreffen mit den verschiedenen Menschen stießen auf große Begeisterung. Einige Situationen brachten die Anwärter zum Kopfschütteln, viele aber auch zum Schmunzeln. So wie diese von mir erlebte: Eine männliche Person hatte weder Führer- noch Fahrzeugschein dabei. Auch seinen nun verlangten Personalausweis suchte er vergeblich. Anhand seiner Angaben und dem Kennzeichen seines PKW verglichen wir die Daten. Es kam eine männliche Person mit der gleichen Anschrift, aber anderem Nachnamen heraus. Auf Nachfragen beteuerte er, wahrheitsgemäße Angaben gemacht zu haben. Eine zweite Überprüfung ergab wieder einen Unterschied im Nachnamen. Plötzlich fiel es dem Besagten ein: Er hatte geheiratet und den Namen seiner Frau angenommen.

Insgesamt wurden von 08.15 Uhr bis 11.30 Uhr 138 Kraftfahrzeuge verschiedener Arten und Herkunft kontrolliert. Verstöße gab es nicht wenige: defekte Beleuchtung, abgefahrene Reifen, Fahren ohne Führerschein.  Tatsächlich hatten wir so viele Regelverstöße nicht erwartet. Umso mehr spürten wir an diesem Tag, wir wichtig unsere Arbeit ist. Und den meisten von uns hat der Einsatz neben dem Spaß auch ein ganzes Stück mehr Selbstsicherheit gebracht – eine gute Motivation für das zweite Teilstück der Ausbildung

Christian


Polizeimeisteranwärterin S.
Marianne

Ich fühle mich sicher in meinem Tun

Irgendwann im September. Wir befinden uns im zweiten Ausbildungsjahr zum mittleren Polizeivollzugsdienst in Meiningen. Derzeit absolvieren wir das „Leitthema 5 - Häusliche Gewalt“. Es ist 8:00 Uhr morgens und ein Gähnen geht durch die Klasse. Lehrjahre sind ja bekanntlich keine Herrenjahre geht es mir durch den Kopf. Das Thema heute: “Polizeiliche Ziele beim Einschreiten aus Anlass häuslicher Gewalt”.

Ist es nicht eigentlich klar, dass in solchen Fällen weitere Gewalt unbedingt verhindert werden muss? Jeder weiß doch, dass es Beratungsstellen gibt, oder? Wenn nicht, dann gibt es ja auch das Internet. Kinder schützen? Ist doch selbstverständlich! Eigentlich kann ich mir auch gar nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die jahrelang Schläge und Tritte von ihrem “Partner” hinnehmen und ertragen. Gewaltkreislauf? Psychologie? Vernehmungen? Muss ich das wirklich alles lernen?

Januar. Es wird ernst, ich bin im Praktikum. Die Nacht ist ruhig, wir haben zwei kleinere Unfälle bearbeitet und nun Verkehrskontrollen durchgeführt. Mittlerweile ist es 0:30 Uhr morgens. Plötzlich geht der Funk. Ein junger Mann hat über Notruf mitgeteilt, er vermute, dass der  Lebengefährte seiner Mutter diese schlagen würde. Er habe eben mit ihr telefoniert, als er plötzlich Schreie und dumpfe Schläge hörte. Der Puls steigt in Sekundenschnelle. Ich ziehe meine Handschuhe an, wer weiß was passiert?! Ich  rechne mit einem aggressiven und schreienden Mann. Hoffentlich geht das gut. Irgendwie erinnert mich das an Psychologie und den Gewaltkreislauf, und wie war das noch gleich? Welche Beratungsstellen gibt es alles? Den Mann der Wohnung verweisen? Bleib ruhig, verdammt noch mal! Fünf Minuten später treffen wir an der Adresse ein. Im Hof des Einfamilienhauses steht eine Frau in T-Shirt und kurzer Schlafanzughose. Auf ihrem Arm ein kleines Mädchen, auch in T-Shirt und Schlafanzughose. Es sind  -20 °C draußen.

Da sitze ich nun mit diesem kleinen Mädchen, habe Sie in meinen Pullover und die dicke Jacke eingewickelt, versuche es zu beruhigen. Sie fängt wieder an zu weinen und erzählt mir ihre lange, traurige Geschichte. Jede Nacht sei das so, sie habe Angst. Ich bin wütend und verstehe die Welt nicht mehr. Auch wenn es emotional ganz anders aussieht – ich fühle mich sicher in meinem Tun. Zumindest rechtlich weiß ich genau, was zu tun ist.

Marianne


Polizeimeisteranwärter Steffen P.
Steffen

Am Anfang war es für mich einfach nur verwirrend

Die Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten stellt in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar. Wenn man sich dieser stellt, bringt Sie jedoch viele hoch interessante Fakten und zugleich Spaß mit sich.

Um im späteren Dienst handlungssicher zu sein, bedarf es eines hohen Wissensstandes, den man sich in den zwei Ausbildungsjahren aneignen muss.
Im ersten Jahr wird hauptsächlich theoretischer Stoff vermittelt, welcher dann im darauf folgenden in die Praxis umgesetzt wird. Natürlich kommen aber auch dann noch weitere neue Inhalte dazu. Jedoch steht zunächst die benannte Theorie in Form verschiedenster Rechtsfächer an. Diese reichen von Eingriffs-, Straf-, Staats- und Verfassungsrecht über Verkehrs-, und öffentliches Dienstrecht bis hin zur Kriminalistik. Hier nun ein kleiner Ausflug in die anfangs für mich völlig „graue Materie“:

Jede Straftat/Ordnungswidrigkeit ist durch ganz bestimmte Merkmale gekennzeichnet. Und sie zieht ein ganz bestimmtes Handeln des Polizeibeamten nach sich. Dadurch wird gewährleistet, dass er nicht willkürlich, sondern rechtmäßig handelt, ohne die Rechte des Bürgers zu verletzten. Ein Beispiel, mit dem ich zu Beginn der Ausbildung konfrontiert wurde, ist die Körperverletzung (KV). Jeder kann sich in etwa vorstellen, was das ist!  Aber eben nur in etwa, denn - so einfach ist das eben nicht. Ich lernte, dass es da gehörige Unterschiede gibt. Allein ein eigentlich „simples“ Delikt wie die KV kann in verschiedenster Weise begangen werden:  begonnen bei der fahrlässigen, dann der einfachen, über die gefährliche, weiter zur schweren bis hin zu jener mit Todesfolge. Und alle haben unterschiedliche Merkmale. Nehmen wir als Beispiel die „einfache KV“. Hier muss laut Gesetz  ein Anderer (das Opfer durch den Täter) körperlich misshandelt oder an der Gesundheit geschädigt werden. Kurz gesagt:  A schlägt dem B mit der flachen Hand ins Gesicht, was ein Hämatom zur Folge hat. Rechtlich stellt die einfache Körperverletzung ein Vergehen gemäß §223 I StGB dar. Der Täter wird zunächst einer Identitätsfeststellung nach §163 b I StPO unterzogen, bei geeigneten Umständen gemäß §§ 163 I Satz 2 in Verbindung mit 163 a IV in Verbindung mit 136 StPO vernommen und gegebenenfalls gemäß § 18 I Satz 1PAG des Platzes verwiesen. Das klang zunächst auch für mich einfach nur verwirrend. Und dann zu sehen, wie sich durch kleinste Veränderungen in den zu bearbeitenden Sachverhalten auch die Paragraphenkette ändert. Für mich war das anfangs Herausforderung pur. Der Umgang mit den Paragraphen wird jedoch im Verlaufe der Ausbildung zum täglichen Handwerk. Durch das Zusammenlaufen der Inhalte verschiedenster Fächer wird schnell klar, was sich hinter den einzelnen Paragraphen verbirgt und was das für mich als Polizeibeamter bedeutet. Und so macht das Spielen mit derartigen Paragraphenketten bei zunehmendem Wissensstand zunehmend viel Spaß. Nicht zuletzt entsteht in mir das sehr gute Gefühl, fachlich korrekt arbeiten zu können.

Steffen


Polizeimeisteranwärterin Elisa N.
Elisa

Ich bin überzeugt, es zu schaffen

Was würde auf mich zukommen? Recht, Gesetze, Vorschriften - nun ja, das interessierte mich. Hier glaubte ich nicht, dass ich Probleme haben würde. Schießen – ich war zwar kein Waffennarr, aber auch hier war ich überzeugt, dass man das lernen kann. Angst hatte ich auf jeden Fall nicht. Aber der Sport! Die erforderlichen Normen hatte ich gelesen, ganz unsportlich war ich auch nicht, doch so richtig intensiv hatte ich Sport nie betrieben. Würde ich die Normen schaffen?

Wie sich in den ersten paar Wochen nach Ausbildungsbeginn dann auch herausstellte, schien meine Vorahnung völlig richtig zu sein. Die theoretische und praktische Ausbildung machten mir Spaß und stellten kein größeres Problem dar, genauso wie das Schießen. In der Sportausbildung sah das etwas anders aus. Ich hätte nie gedacht, dass die geforderten Leistungen so schwer zu erreichen sein würden. Ich dachte: „Das schaffst du nie!“ Doch ich wollte es schaffen. Aber wie?

Alles begann mit der Schwimmausbildung. Mein ganzes Leben war ich sehr gern in das Schwimmbad gegangen. Aber nach Stoppuhr schwimmen und tauchen – das war doch etwas anderes. Ich bekam Zweifel. Würde mein Traumberuf an sportlichen Leistungen scheitern? Diese Zweifel waren jedoch unbegründet. Keiner wird bei der Ausbildung allein gelassen, das Lehrpersonal steht hinter jedem Auszubildenden und versucht, auf individuelle Schwächen einzugehen. Natürlich muss man diese Hilfe auch wollen und eigene Initiative entwickeln. Egal, ob man gerade Defizite im Lernstoff oder im Sportlichen hat, jederzeit kann man sich an das Lehrpersonal wenden, welches dann versucht, einem weiterzuhelfen. Zeigt man Bereitschaft und Interesse, wird man auf jeden Fall nicht allein gelassen. So können einzelne Schwächen prima ausgebügelt und Leistungen verbessert werden. Und so war es auch bei mir. Nach vielen Unterrichtseinheiten im Schwimmen habe ich die Schwimmnormen geschafft. Und nicht nur das – jetzt bin ich sogar Rettungsschwimmer. Zeit, um darauf stolz zu sein, blieb mir aber nicht. Jetzt stehen Ausdauer- und Kraftübungen an. Auch dies scheint nicht so einfach zu werden. Trotzdem bin ich überzeugt, es zu schaffen. Der Sportunterricht ist methodisch auf eine Leistungssteigerung ausgerichtet und mein Wille ist da. Außerdem absolviere ich in meiner Freizeit noch einige Trainingseinheiten.

Der Beginn der Ausbildung zur Polizeivollzugsbeamtin hat zweifellos mein Leben verändert.  Der Polizeiberuf ist nicht nur Beruf, er ist Berufung.  Obwohl wir angehenden Polizeibeamten sicherlich ein Teil der Gesellschaft sind, sind wir doch irgendwie etwas Besonderes. Rechtskenntnisse in allen Bereichen, gute physische Leistungsfähigkeit und die ständige Bereitschaft, für die öffentliche Sicherheit und Ordnung da zu sein, stellen schon hohe Anforderungen. Deshalb braucht es auch mehr als nur ein bisschen Engagement und Willen um die Ausbildung zu meistern. Aber gerade das bringt mich voran. Außerdem schweißt der Beruf zusammen und keiner ist allein – das macht den Arbeitsalltag viel lockerer und entspannter.

Elisa


Danny

Die Unterstützung durch meine Klassenkameraden gab mir zusätzliche Kraft

Am Anfang dachte ich, der Sportunterricht und die damit verbundenen Normen, die jeder Polizeimeisteranwärter in den zwei Jahren Ausbildung ablegen muss, werden schon nicht so schwer sein. Schließlich hatte man ja den Einstellungstest im Sport gemeistert - aber ich sollte eines Besseren belehrt werden. Denn der Einstellungstest ist nicht mit den Normen, die während der Ausbildung abzulegen sind, zu vergleichen.

Im ersten Jahr hieß es im Sportunterricht „ab ins kalte Nass“, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jeden Freitagvormittag wurden wir mit dem Polizeibus in die Schwimmhalle zum Schwimmunterricht gefahren. Mit dem Ziel vor Augen, am Ende des ersten Ausbildungsjahres meinen Rettungsschwimmer  ablegen zu müssen, bin ich jedoch zusätzlich dazu noch ein- oder zweimal in der Woche mit Klassenkameraden in die Schwimmhalle gefahren, um die erlernten Techniken zu festigen und zu verbessern. Im Nachhinein muss ich sagen, dass sich das zusätzliche Training positiv ausgewirkt hat. Ich legte die geforderten Normen ohne Schwierigkeiten erfolgreich ab.

Im zweiten Ausbildungsjahr war unsere körperliche Fitness auf dem Land gefragt. Es standen Ausdauer, Kraft und Schnell-Kraft auf dem Plan. Die geforderten Normen im Bankdrücken, Beinheben, Klimmziehen und Dreisprung waren hier in wenigen Wochen erfüllt. Da mir vor allem das Bankdrücken lag, wollte ich sehen, wie weit ich kommen würde, und trainierte zusätzlich dreimal wöchentlich. Mit Erfolg! Ich schaffte es sogar auf die Bestenliste. In den Laufdisziplinen merkte ich jedoch schon nach der ersten Leistungsfeststellung, dass meine Kondition „etwas in die Jahre gekommen war“. Das Lauftraining staffelte sich in zwei Laufeinheiten pro Woche. Die Termine wurden auch stets eingehalten, bei Wind und Wetter. Dabei war es egal, ob es 30 Grad im Schatten waren oder es in Strömen regnete. Dennoch erreichte ich die geforderten Zielzeiten zunächst nicht. Mir blieb also nichts anderes übrig, als zusätzliche Trainingseinheiten einzuschieben. Zu Hause suchte ich mir eine 8-Kilometer-Strecke, die ich dann am Wochenende lief. Der Erfolg stellte sich schneller als erwartet ein.  Die geforderte Zielzeit für die Ausdauernorm konnte ich somit in wenigen Wochen erreichen. Der Sprint sollte allerdings meine größte Herausforderung werden.  Neben den Laufeinheiten im Stadion musste ich zweimal wöchentlich meine Beinkraft im Kraftraum trainieren. Manchmal war es ziemlich hart, den eigenen inneren Schweinehund zu überwinden.  Eine sehr große Hilfe waren  meine Klassenkameraden, die mich während des Sprinttrainings permanent unterstützt und angefeuert haben. Dies gab mir zusätzliche Kraft. Und dann kam endlich der Tag, auf den ich hintrainiert hatte - der Tag der Normabnahme. Ich war so überglücklich, endlich die beiden letzten Normen geschafft zu haben. dass die quälenden Übungen im Kraftraum und im Stadion im Nu vergessen waren.

Mein Fazit zum Sportunterricht während der Ausbildung ist, dass für mich der Weg mit viel Schweiß gezeichnet war. Trotz aller Quälereien ist man dann umso stolzer, wenn die Normen erfolgreich abgelegt sind. Ich habe gelernt, dass man, wenn man etwas wirklich erreichen will, hart dafür arbeiten bzw. trainieren muss. Und manchmal ist es sogar notwendig, über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen.

Danny