Wo dürfen Radfahrer fahren? Fahrbahn – Radweg oder Bürgersteig?

"Runter von der Straße!" oder "Fahr auf dem Radweg!" sind noch die freundlicheren Zurufe von Autofahrern, die sich Radfahrer oft gefallen lassen müssen. "Runter vom Fußweg!" hört man dann wieder die Fußgänger rufen.
Sicherlich, einige Aufforderungen sind manchmal berechtigt, oft aber eben nicht. Woran liegt das? Fahrradfahrer müssten, um im Sinne der StVO zu fahren, eigentlich eine extra Fahrradfahrschule besuchen, um die Vielfalt an Ge- und Verboten für Radfahrer zu beherrschen. Aber nicht nur Radfahrer, alle Verkehrsteilnehmer, also auch Fußgänger und vor allem Autofahrer sollten die Verkehrsregeln für Radfahrer kennen.

Mit dem Rad sicher unterwegs sein bedeutet, einige Schutzmaßnahmen zu beachten und die Verkehrsregeln zu kennen. Der ADFC und die Thüringer Polizei wissen um die Vielzahl von Tipps und Regeln, die Rad- und Autofahrer gleichermaßen beachten bzw. kennen sollten. Nicht immer erscheinen sie logisch und sind für Radler komfortabel. Da hilft nur fortwährende Aufklärung. Und gemeinsam geht das am besten. Deshalb arbeiten der ADFC und die Polizei in Thüringen zukünftig enger zusammen und unterstützen sich in der Informationsarbeit, weisen auf Schwachstellen im Verkehrsalltag hin und frischen das Wissen der Verkehrsteilnehmer auf.
“Nur fünf Prozent der Radfahrer fühlen sich laut Fahrrad-Monitor auf ihren Wegen sicher”, Katrin Lux, Geschäftsführerin des ADFC Thüringen. Damit meint Lux Straßen mit Fahrradspur gleichermaßen wie Radwege oder Rad-/Fußwege und äußert, dass Radfahren nur dann besser angenommen wird, wenn man sich auf jedem der vorgegebenen Wege sicher fühlen kann. Um dieses Ziel zu erreichen, muss außer stadtplanerischer Arbeit und baulicher Umsetzung auch mehr an Aufklärungsarbeit geleistet werden: wo wer wann wie fahren muss oder eben fahren kann.

Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Das sollte für alle Verkehrsteilnehmer selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht. Dirk Sauter, Pressesprecher Landespolizeidirektion:“ „Viele Verkehrsteilnehmer sind mal als Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger unterwegs. So müsste das Verständnis für die anderen Teilnehmer sehr ausgeprägt sein. Häufig machen die Verkehrsteilnehmer aber andere Erfahrungen.“

Folgend die wichtigsten Regeln für Fahrradfahrer für die Benutzung von Fahrbahnen, Radwegen und Bürgersteigen.

Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird (§1 StVO - Grundregel).

Radfahrer dürfen auf allen Straßen mit Ausnahme von Autobahnen und Kraftfahrstraßen fahren, sofern dies nicht ausdrücklich verboten wird (durch Zeichen 254) und sofern im Straßenraum keine benutzungspflichtigen Radwege (Zeichen 237, 240 und 241) angeordnet sind.

Verbot für Radverkehr
Zeichen 254 Verbot für Radverkehr

Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen, ältere Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Auf Fußgänger ist besondere Rücksicht zu nehmen. Beim Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder absteigen.

Des Weiteren dürfen Fahrradfahrer nicht auf der Fahrbahn fahren, wenn folgende drei Schilder (Zeichen 237, 240 und 241) eine Radwegbenutzungspflicht anzeigen:

Kombibild

Sind diese Wege so gekennzeichnet, müssen sie von Radfahrern benutzt werden. Sie dürfen hier nicht auf der Straße fahren. Durch ein Zusatzschild kann die Benutzung des Radweges durch Mofas gestattet werden.

Wie haben sich Verkehrsteilnehmer bei diesen Verkehrszeichen zu verhalten:
Radweg
Zeichen 237 – Radweg

1. Radfahrer dürfen nicht die Fahrbahn, sondern müssen den Radweg benutzen (Radwegbenutzungspflicht).
2. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen ihn nicht benutzen.
3. Ist anderen Verkehrsteilnehmern durch Zusatzzeichen die Benutzung eines Radweges erlaubt, so darf nur mit mäßiger Geschwindigkeit gefahren werden.

Gemeinsamer Geh- und Radweg
Zeichen 240 - Gemeinsamer Geh- und Radweg

1. Radfahrer dürfen nicht die Fahrbahn, sondern müssen den gemeinsamen Geh- und Radweg benutzen (Radwegbenutzungspflicht).
2. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen ihn nicht benutzen.
3. Ist anderen Verkehrsteilnehmern durch Zusatzzeichen die Benutzung eines gemeinsamen Geh- und Radweges erlaubt,
so darf nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Auf einem gemeinsamen Rad- und Gehweg haben Radfahrer und die Führer von motorisiertenZweiradfahrzeugen auf Fußgänger Rücksicht zu nehmen.

Getrennter Geh- und Radweg
Zeichen 241 - Getrennter Geh- und Radweg

1. Radfahrer dürfen nicht die Fahrbahn, sondern müssen den Radweg des getrennten Rad- und Gehwegs benutzen (Radwegbenutzungspflicht).Fußgänger und Radfahrer müssen auf ihrer „Spur“ bleiben. Keiner darf den Bereich des anderen mitbenutzen. Fahrräder dürfen aber auf dem Gehweg abgestellt werden,

2. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen ihn nicht benutzen.

 

Wann darf ich mich als Radfahrer frei entscheiden, wo ich fahre?
 

Sind Wege mit dem Zusatzschild "für Radfahrer frei" gekennzeichnet, dürfen sie dort fahren, es besteht aber keine Benutzungspflicht. Hier dürfen Radfahrer auch auf der Straße fahren, es liegt also im Ermessen des Radfahrers, ob er die Straße oder (meist den Fuß-/Rad-) Weg benutzt.

Wenn also bspw. ein Linksabbiegen von einem Radweg aus nicht möglich oder schlichtweg zu gefährlich ist, wird sich ein Radfahrer in diesem Fall für das sicherere Fahren auf der Straße entscheiden.
 
Weitere Verkehrszeichen, die es Fahrradfahrern erlauben, bestimmte Fahrbahnen zu benutzen:
Einbahnstraße mit Zusatzzeichen 1000-32 Radverkehr von links und rechts
Zeichen 220 - Einbahnstraße mit Zusatzzeichen 1000-32 Radverkehr von links und rechts

Fahrzeugführer müssen beim Einbiegen und im Verlauf einer Einbahnstraße auf Radverkehr entgegen der Fahrtrichtung achten.              

Erläuterung: Das Zusatzzeichen zeigt an, dass Radverkehr in der Gegenrichtung zugelassen ist.

Verbot der Einfahrt mit Zusatzzeichen 1022-10 Radfahrer frei
Zeichen 267 - Verbot der Einfahrt mit Zusatzzeichen 1022-10 Radfahrer frei

Fahrzeugführer dürfen nicht in die Straße einfahren.

Erläuterung: Durch das Zusatzzeichen Radfahrer frei zum Verbot der Einfahrt, ist die Einfahrt für den Radverkehr gestattet.
Fahrradstraße
Zeichen 244.1 - Beginn der Fahrradstraße

Eine Fahrradstraße (Zeichen 244.1) ist ausschließlich für Fahrräder bestimmt. Ausnahmen gelten, wenn dies durch entsprechende Zusatzzeichen angezeigt wird.Alle Fahrzeuge dürfen nur mit mäßiger Geschwindigkeit fahren. In einer Fahrradstraße ist eine Geschwindigkeit als mäßig anzusehen, die derjenigen des Fahrradverkehrs angepasst ist. Schneller als 30 km/h darf nicht gefahren werden.Radfahrer dürfen in Fahrradstraßen nebeneinander fahren.

durchlässige Sackgasse
Zeichen 357.1 durchlässige Sackgasse

Achtung! Geisterradfahrer!

In welcher Richtung darf gefahren werden? (§ 2 Abs. 1 StVO)

Für Radfahrer gilt das Rechtsfahrgebot! Und zwar nicht nur auf der Fahrbahn, sondern auch auf freigegebenen Gehwegen, Radwegen, Fahrradstraßen, Seitenstreifen, Radfahrstreifen und Schutzstreifen. Trotzdem kommen rechts fahrenden Radfahrern immer wieder Radfahrer entgegen. Das verunsichert die richtig fahrenden Radfahrer, die sich zum Ausweichen genötigt fühlen. Oft weichen aber diese Geisterradler selbst ganz überraschend, auch auf den angrenzenden Gehweg, aus, auf dem Radfahren untersagt ist.

Besonders gefährlich ist das Falschfahren von Radfahrern an Einmündungen, Kreuzungen und Ausfahrten. Dort rechnen Autofahrer nicht mit falsch fahrenden Radfahrern und können diese übersehen.
 
Die Benutzung des linksseitigen Radweges ist nur erlaubt, wenn dies durch ein Zusatzzeichen angezeigt wird.
Radfahrer frei
Zusatzzeichen 1022-10 Radfahrer frei

(Ein einzeln stehendes Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ erlaubt das Fahren auf dem linksseitigen Radweg, verpflichtet aber nicht dazu. Doch auch wenn Radfahrer erlaubterweise den linken Radweg benutzen, werden Autofahrer oft von ihnen überrascht, was zu Unfällen führen kann. Deshalb werden sie an Einmündungen durch Zusatzzeichen an dem Schild „Vorfahrt gewähren“ auf Radfahrer aus beiden Richtungen hingewiesen.)

Zusatzinformationen: Im Jahr 2013 gab es 1.494 (1.688) Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern. Davon waren 1.120 Verkehrsunfälle (1.282) mit verletzten oder getöteten Personen. 10 Radfahrer wurden 2013 bei diesen Unfällen getötet (10). (Werte im Klammern vom Vorjahr 2012.)

 
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist ein bundesweit organisierter Interessenverband mit dem Anspruch die Interessen Radfahrender in Deutschland zu vertreten. Der ADFC möchte, dass unsere Straßen wieder sicherer und Städte und Gemeinden wieder lebenswerter werden, indem möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zum Umsteigen vom Auto auf Fahrrad oder ÖPNV bewegt werden. Das kann nur umgesetzt werden durch ein tolerantes und kooperatives Miteinander im Straßenverkehr und durch sichere und gut zu befahrende Radverkehrsnetze in allen Städten und Gemeinden. Sicherheit rund um das Fahrrad heißt auch besserer Schutz gegen Diebstahl, z. B. durch die Bereitstellung entsprechend sicherer Abstellanlagen und bewachter Fahrradstationen. Sicher Rad fahren bedeutet aber auch mehr Eigenverantwortung zu übernehmen, teure Räder zu versichern, selbst entscheiden einen Helm zu tragen und darauf zu achten, dass sich das Rad in einem verkehrssicheren Zustand befindet.
 
Im Infoladen des ADFC in Erfurt, Bahnhofstraße 22 kann man sich jeden Dienstag von 14.00 - 18.00 Uhr, Donnerstag von 09.00 - 13.00 Uhr und Samstag von 10.00 Uhr - 13.00 Uhr informieren. Jeden dritten Mittwoch im Monat ab 18.00 Uhr besteht die Möglichkeit, sich hier sein Fahrrad (oder andere Wertgegenstände) codieren zu lassen. Weiter Informationen sind unter www.adfc-thueringen.de oder telefonisch unter 0361/ 225 17 34 erhältlich.

 

 

 

Dirk Sauter (Pressesprecher)

Katrin Lux (Geschäftsführerin Landesverband ADFC Thüringen)

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein www.bildungsfreistellung.de Kampagne Wegweiser Wir sind Energie-Gewinner.

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen