Perspektiven
Mit zahlreichen Initiativen und Projekten macht Thüringen deutlich, dass es genauso wie die kirchlichen Gremien und Akteure die Vorbereitung des Reformationsjubiläums „Luther 2017“ als bedeutende Aufgabe und wichtigen Bestandteil der Kulturlandschaft Thüringens begreift. Mit der Berufung eines
Beauftragten der Thüringer Landesregierung zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums „Luther 2017“ zum 01.09.2010, der die Aktivitäten des Freistaates bündelt und fokussiert, haben sich die entsprechenden Aktivitäten und die Dynamik sowohl in quantitativer wie in qualitativer Hinsicht erhöht.
Im Mittelpunkt dieses Engagements steht die sorgfältige Erschließung und nachhaltige Sicherung der zahlreichen bildungspolitischen sowie kultur- und tourismuswirtschaftlichen Chancen, die sich aus der Reformationsdekade für das Land Thüringen und für Mitteldeutschland ergeben. Eine Stärkung der Region Mitteldeutschland gemeinsam mit den „Lutherland-Weggefährten“ Sachsen-Anhalt und Sachsen ist absolut sinnvoll und ausdrücklich politisch gewollt.
Die Entdeckung und Auseinandersetzung mit dem „Lutherland Thüringen“ soll in einem erkennbar säkularisierten Land die kulturelle Verwurzelung und die elementare Sprach- und Diskursfähigkeit von Menschen unterschiedlicher religiöser oder nicht-religiöser Überzeugungen und Weltanschauungen stärken. Hierzu muss auch die Befassung mit Luthers erschreckenden Äußerungen über Juden und Türken, genauso wie seine erbarmungslose Haltung gegenüber den Aufständischen und seines ehemaligen Anhängers Thomas Müntzer im Großen Bauernkrieg gehören. Dabei geht es im Raum der Politik nicht um Fragen des Glaubens oder kirchliche Belange.
Mit Blick auf den Besuch Papst Benedikts XVI. im September 2011 in Thüringen erhielt dieses Thema überdies eine interessante und lohnenswerte ökumenische Herausforderung. Das interreligiöse Gespräch muss auch weiter darüber geführt werden müssen, was das Erbe der Reformation für den Diskurs der Weltreligionen im 21. Jahrhundert bedeutet.