Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

07.01.2013 09:46 Uhr

Digitalisierung europäischen Kulturgutes

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Die Bereitstellung elektronischer Publikationen spielt für die Zukunft der europäischen Gemeinschaft und ihrer Entwicklung zu einer Wissens- und Informationsgesellschaft eine herausragende Rolle. Die Digitalisierung des europäischen Kulturgutes (Bibliotheken, Archive und Museen) wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten müssen, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Die Europäische Kommission hat die Initiative eEuropa im Dezember 1999 gestartet, um Europa „ans Netz zu bringen“. Hierfür wurde ein eEuropa Aktionsplan erstellt. Dieser erste Aktionsplan umfasst den Bereich „Europäische digitale Inhalte für globale Netze“. Explizit wird auch der kulturelle Bereich genannt und es wird gefordert, dass ein Mechanismus zur Koordinierung der Digitalisierungsprogramme der Mitgliedstaaten gefunden, gemeinsame Themen festgelegt und vorhandene Ressourcen katalogisiert sowie Interoperabilität gewährleistet werden sollen.

Vor dem Hintergrund der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung hat die Europäische Kommission eine Initiative zur Digitalisierung des kulturellen Erbes in Europa „i2010: Digitale Bibliotheken“ beschlossen, die zum Ziel hat, eine Europäische Digitale Bibliothek aufzubauen. Dabei sollen auch Fragen der Interdisziplinarität in Präsentation und Erschließung, der Mehrsprachigkeit und der Langzeitarchivierung originär digitaler und digitalisierter Dokumente und Objekte berücksichtigt werden.

Aus Sicht Thüringens und der deutschen Länder ist entscheidend, dass der Aufbau einer Europäischen Digitalen Bibliothek von Anfang an nicht nur auf die Nationalbibliotheken oder Bibliotheksgut allgemein beschränkt ist, sondern dass alle Sparten von Kulturguteinrichtungen, die in der Mehrzahl Ländereinrichtungen sind, teilnehmen und in eine finanzielle Förderung einbezogen werden können. Die EU-Förderstrategie zielt bisher vor allem auf die Finanzierung von Netzwerken und eines gemeinsamen Kulturportals ab, ohne dass die Finanzierung der Erschließung, der Vor- und Nachbereitung und Erstellung der Digitalisate umfassend geklärt ist.

Auch die Thüringer Bibliotheken befassen sich seit 2000 mit dem Aufbau einer Digitalen Bibliothek Thüringen, die zum Teil über Mittel des BMBF finanziert wird. Die Erschließung des historischen kulturellen Erbes und Bereitstellung als Digitalisate stellt die europäischen Länder vor besondere Herausforderungen, da dieser Bestand nicht für Massenverfahren geeignet ist und immense Kosten entstehen.

Thüringen wird daher Initiativen mit einer strategischen Ausrichtung der einschlägigen EU-Förderprogramme für die Erschließung historisch wertvoller Bestände unterstützen.

Im Einzelnen sollten folgende Aktivitäten unterstützt werden: 
 

  • Erneuerung des Lunder Aktionsplanes (Lund Actionplan) von 2001 als „Dynamic Action Plan“ im Rahmen der ab 2006 startenden Initiative „i2010“ (European Information Society in 2010). Perspektiven für eine Finanzierung von Aktivitäten der Digitalisierung von Kulturgut auf europäischer Ebene bieten dabei v. a. das 7. Forschungsrahmenprogramm mit den Ist-Aktivitäten und das eContentPlus-Programm.

     
  • Entwicklung von nationalen Strategien und Programmen für die Digitalisierung von Kulturgut. Damit verbunden sind die Entwicklung einer digitalen Infrastruktur und die kommerzielle, wirtschaftliche Verwertung einer Kulturgutdigitalisierung.

     
  • Errichtung einer „Europäischen Bibliothek“ (“European Digital Library“) als europäische Antwort auf kommerzielle Initiativen aus dem amerikanischen Raum (Google, Yahoo,Microsoft). Die Europäische Digitale Bibliothek soll in Form eines Portals mit Suchmaschine das kulturelle und wissenschaftliche Erbe strukturiert und spartenübergreifend im Internet verfügbar machen und auch die Langzeitarchivierung digitaler Kulturgut-Ressourcen berücksichtigen.

 


ec.europa.eu/information_society/activities/econtentplus/index_en.htm

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