07.01.2013 09:40 Uhr

Staatliche Reformpädagogische Schule - Lobdeburgschule Jena

Barbara Wrede
Barbara Wrede, Schulleiterin

"Keine Gesellschaft kann es sich leisten, Potenzial zu verschenken"

Auch wenn die Lobdeburgschule in Jena nicht so heißt, aber sie arbeitet seit Jahren wie eine Gemeinschaftsschule. Wir sprachen mit der Schulleiterin Barbara Wrede über ihre Erfahrungen mit dem Gemeinsamen Lernen und ihre Erwartungen an die Thüringer Gemeinschaftsschule.



Was ist an Ihrer Schule anders, als an anderen Schulen?

Wir verstehen uns als eine Schule für alle Schüler, an der Kinder von der ersten Klasse bis zum Abitur gemeinsam lernen. Zu unserem Konzept gehören offene Unterrichtsformen wie die freie Arbeit und ein Wochenplan mit einer starken Differenzierung der Aufgaben.
 

Wie gelingt die Umsetzung?

Mit unserem Schulkonzept sind wir erfolgreich. Unsere Schülerinnen und Schüler erzielen gute Ergebnisse und auch die Rückmeldungen von Eltern, Schülern und den weiterführenden Einrichtungen sind positiv.
 

Welchen Stellenwert hat dabei die individuelle Förderung?

Individuelle Förderung ist Grundvoraussetzung für erfolgreiches Lernen. Individuelle Förderung verlangt von den Kollegen eine intensive Zusammenarbeit sowohl im Jahrgangsteam als auch im Fachbereich. Die Schüler müssen befähigt werden, ihre Lernkompetenzen richtig einzuschätzen und mit anderen zu kooperieren.
 

Gibt es noch Bereiche, wo Sie sich verbessern möchten?

Prinzipiell bin ich von unserem Weg des gemeinsamen Lernens überzeugt. Zurzeit arbeiten wir an einem Konzept zur Begabtenförderung und setzen dabei auch verstärkt auf externe Partner.
 

Kann das Gemeinsame Lernen Bildungsungerechtigkeit entgegen wirken?

Natürlich. Aber dazu müsste die Gemeinschaftsschule flächendeckend eingeführt werden. Kinder sollten mindestens bis zur achten Klasse gemeinsam lernen. So bleiben weniger Kinder zurück. Keine Gesellschaft kann es sich leisten, Potenzial zu verschenken.
 

Was können Sie Schulen mit auf den Weg geben, die sich für das Gemeinsame Lernen entscheiden?

Erst einmal braucht man viel Geduld und muss möglichst alle Kolleginnen und Kollegen mitnehmen. Wichtig wäre es auch, dass sich Regelschulen und Gymnasien gemeinsam für diesen Weg entscheiden. Aus eigener Erfahrung empfehle ich Teamstrukturen. Das Miteinander der Lehrer ist Motor von Schulentwicklung. Die Lehrer begleiten ihre Schüler über viele Jahre. Da wächst gegenseitiges Vertrauen.
 

Was erwarten Sie von der Thüringer Gemeinschaftsschule?

Das Gemeinsame Lernen bis zur achten Klasse ist ein mutiger Schritt, der unserem bildungsfreundlichen Land gut ansteht. Die Thüringer Gemeinschaftsschule muss eine Schule für alle Kinder sein, die individuelles Lernen und individuelle Förderung ermöglicht und auf die Stärken der Heranwachsenden setzt. Sie braucht dabei ein multiprofessionelles Team an ihrer Seite, geeignete Lehrer, Sozial- und Sonderpädagogen, Schulpsychologen und weitere Partner. Wir wünschen uns, dass die Politik jetzt die Voraussetzungen dafür schafft.