Staatliche Jenaplan-Schule Jena

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Gisela John, Schulleiterin
"Kooperation statt Konkurrenz"
Gisela John (Staatliche Jenaplan-Schule Jena) über die Vorteile des gemeinsamen Lernens und die Stärken ihrer Schule
An der Jenaplan-Schule lernen Schülerinnen und Schüler ab Klasse 1 gemeinsam. Sie können alle Schulabschlüsse bis zum Abitur einschließlich des Förderschulabschlusses erwerben. Voraussetzung dafür ist ein individueller und auf den Schüler abgestimmter Unterricht. Diesen ermöglichen wir innerhalb von Lerngruppen, die höchst unterschiedlich zusammengesetzt sind. Als besonders effektive Formen erweisen sich der jahrgangsgemischte Unterricht und das Projektlernen nach einem schulinternen, mit dem Ministerium abgestimmten Curriculum. Das erfordert freilich in vieler Hinsicht ein Umdenken der Lehrer und die Notwendigkeit, sich auf neue Wege pädagogischer Professionalität einzulassen. Lehrerinnen und Lehrer müssen auch neu über den Leistungsbegriff nachdenken.
Die Jahrgangsmischung zwingt zum differenzierten und leistungsfördernden Arbeiten und zur Bewertung von Schülerleistungen, die sich an den individuellen Möglichkeiten, nicht an normativen Vorgaben orientiert. Die Schüler werden durch gemeinsames, heterogen gemischtes Lernen außerordentlich motiviert, sich entsprechend ihrer jeweiligen Möglichkeiten anzustrengen und in den Lernprozess einzubringen. Alle Schüler profitieren von dieser Form des gemeinsamen Lernens nach dem Handlungsprinzip des „Förderns und Forderns“. Sich wechselseitig anregen, sich gegenseitig beim Lernen helfen, Selbständigkeit in Gruppen- und Einzelarbeit erwerben und erproben, Kooperation statt Konkurrenz erfahren – das sind wichtige und an der Jenaplan-Schule bewährte Methoden des gemeinsamen Lernens. Das hebt die Leistungsstandards. Es schlägt sich in den Lernerfolgen an dieser Schule und in ihren überdurchschnittlich guten Prüfungsergebnissen nieder.
Die Jenaplan-Schule ist als Staatlicher Schulversuch des Freistaats Thüringen mit dem Ziel gegründet worden, ihre Wege und Erfahrungen in die Schulentwicklung Thüringens einzubringen. Durch die gegenwärtigen Pläne für eine Thüringer Gemeinschaftsschule ist sie in dieser Hinsicht mehr denn je gefordert. Die Thüringer Gemeinschaftsschule bietet allen Schülern die Chance, von den Vorteilen gemeinsamen Lernens profitieren zu können. Sie kann allerdings nur dann gelingen, wenn sie von unten wächst, von Eltern und Lehrern gemeinsam getragen und von den zuständigen Instanzen gefördert wird. Gemeinschaftsschulen im Sinne des jetzigen Thüringer Regierungsvorhabens können über bisherige einzelne Schulen hinaus endlich wirkliche Chancengerechtigkeit in der Bildung schaffen und so helfen, die selektiven Methoden des gegliederten Schulsystems zu überwinden. Notwendig sind entsprechende Gestaltungs- und Entfaltungsfreiräume für Schüler, Eltern und Lehrer, die sich auf diesen Weg begeben wollen. Wenn Unterricht dann vom Kind aus gedacht und geplant wird, wird in Thüringen eine kreative Schullandschaft entstehen.