Jahrestagung des Thüringer Museumsverbandes
Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Christoph Matschie
Grußwort
zur Jahrestagung des Thüringer Museumsverbandes
22. September 2011
Musikschule „Ottmar Gerster“ Weimar
Thüringen ist Kulturland
Thüringen lebt von seinen Theatern, Orchestern und Museen. Bis heute prägen ehemalige Residenzen und selbstbewusste Städte das kulturelle Leben. Eine solche Dichte an kulturellen Schätzen ist einzigartig in Deutschland.
Dazu tragen in besonderem Maße auch die mehr als 200 Thüringer Museen bei, die sich im Thüringer Museumsverband zusammengeschlossen haben. Sie machen unsere Geschichte erlebbar. Sie tragen zur Identität des Kulturlandes Thüringen bei und sind seit Jahren bewährte Partner in der kulturellen Bildung. Und nicht zuletzt sind sie Publikumsmagneten: Vier Millionen Besucher im Jahr sprechen für sich.
Die Museen bewahren unsere Überlieferungen von den frühesten Zeugnissen der Menschheit bis hin zu aktuellen Entwicklungen in der Optik und Glasindustrie. Sie sind die Schatzkammer Thüringens.
Ein Netzwerk für die Kultur
Der Museumsverband arbeitet mit verschiedenen Partnern zusammen. Ein gutes Beispiel sind die Aktivitäten zum Themenjahr „Reformation und Musik“ 2012. Gemeinsam mit dem Landesmusikrat und der Thüringer Tourismus GmbH bereiten Sie dieses Jahr vor. Solche Vernetzung wünsche ich mir noch viel häufiger zwischen unseren Akteuren im Kulturbereich.
Der Thüringer Museumsverband bringt sich aktiv ein in die kulturpolitische Diskussion in unserem Land. Ich will hier als Beispiel nur das Kulturforum nennen. Hier leiteten Sie, Herr Schuchardt, einen Workshop. Für dieses Engagement will ich mich herzlich bedanken. Sie haben sich heute viel vorgenommen. Sie möchten Ihren Verband fit machen für die Zukunft: Mit einem neuen Entwicklungskonzept stecken Sie den Rahmen die Arbeit der nächsten Jahre ab.
In diesem Konzept bringen Sie Ihre Sorge um die finanzielle Ausstattung der Museen in Thüringen zum Ausdruck. Insbesondere betrifft das aus Ihrer Sicht die Bereiche Museumspädagogik, Öffentlichkeitsarbeit und Restaurierungen. Ich nehme die Kritik sehr ernst. Ich weiß um die Situation unserer Museen.
Herausforderung Kultur
Thüringen steht vor großen Herausforderungen. In den nächsten Jahren werden die Mittel aus dem Solidarpakt und den europäischen Förderprogrammen sinken bzw. auslaufen. Und auch der demographische Wandel hat finanzielle Folgen. Immer weniger Menschen bezahlen immer weniger Steuern. Auf den Punkt gebracht: Dem Freistaat wird in Zukunft immer weniger Geld zur Verfügung stehen.
Aber für mich ist eines klar: Kultur ist wichtig für Thüringen. Deshalb dürfen wir nicht an der falschen Stelle sparen. Ich setze mich dafür ein, dass wir die Kulturfinanzierung langfristig sichern. Ich will, dass Thüringen Kulturland bleibt. Das gilt insbesondere für die Museen. Hier setze ich mich für eine stabile Finanzierung ein. Das macht ein Blick auf die Zahlen deutlich:
Trotz angespannter Haushaltssituation haben wir die Museumsförderung von 2009 bis 2010 um 8 Prozent auf nun 8 Mio. Euro gesteigert.
Und ich stehe zu meinem Wort. Im kommenden Jahr wird es mit mir keine Kürzungen bei den Museen geben. Zurzeit laufen die Haushaltsverhandlungen im Landtag. Wir planen die Mittel für die institutionelle Förderung der Museen leicht zu steigern. Die Projektfördermittel halten wir auf stabilem Niveau. Und das bei schrumpfendem Gesamthaushalt. Sie sehen, wir setzen uns für die Museen ein.
Kommunale Zweckverbände im Kulturbereich
Ein großes Problem liegt in der Situation der Kommunen. Mit Sorge blicken auch Sie auf diese Entwicklungen. Diese Sorge kann ich nachvollziehen. Der Bereich der Kultur muss deshalb im kommunalen Finanzausgleich berücksichtigt bleiben. Hierzu stehen wir im Dialog mit dem Finanzministerium.
Aber: Viele Kommunen besitzen schon heute nicht mehr die notwendige Größe, um auch nur die wichtigsten Pflichtaufgaben stemmen zu können. Spielräume für freiwillige Aufgaben gibt es da kaum. Wer die Sanierung von Kindergärten und Schulen nur unter größtem Aufwand finanzieren kann, wird in der Kultur keine großen Sprünge machen. In den kommenden Jahren wird die Einwohnerzahl in den Kommunen weiter sinken.
Kultureinrichtungen brauchen aber handlungsfähige Kommunen. Unsere Lösung ist die Gebietsreform. Sie schafft Landkreise und Gemeinden mit arbeitsfähiger Größe.
In der Zwischenzeit dürfen wir aber nicht untätig bleiben. Unser Vorschlag heißt: kommunale Zweckverbände im Kulturbereich. Die Idee ist simpel: Mehrere Kommunen gründen auf freiwilliger Basis einen Kulturzweckverband, der die Finanzierung einer oder mehrerer Kultureinrichtungen auf breitere Schultern verteilt. Denn viele Museen, Burgen und Denkmäler wirken in und für eine ganze Region. Wer von Touristen und Restaurantbesuchern profitiert, kann und soll sich auch an der Finanzierung der Kultur beteiligen. Auf diese Art und Weise können wir für eine solidarische Finanzierung der Kultur sorgen.
Auch die Museen können enger zusammenarbeiten. Sie selbst schlagen vor, dass Leitmuseen Patenschaften in der Region übernehmen. Und so die kleineren Häuser fachlich unterstützen. Das finde ich ganz hervorragend. Das ist auch eine Idee, die in das Kulturkonzept eingebracht wird: nämlich die Entwicklung eines gegenseitigen Beratungs- und Unterstützungssystems der Museen. Von solchen Kooperationen können alle Partner profitieren.
Im Dialog für Kultur
Wir setzen uns ein für die Kultur in Thüringen – und insbesondere auch für die Museen. Wir wollen Planungssicherheit für Mitarbeiter und Einrichtungen. In Thüringen muss sich Kultur trotz der Sparmaßnahmen weiterentwickeln können.
Dazu ist es wichtig, dass wir im Dialog bleiben. In den beiden Kulturforen haben wir gezeigt, dass Kulturpolitik vom Gespräch mit den Akteuren aus dem Kulturbereich profitiert. Lassen Sie uns deshalb die Thüringer Kulturpolitik auch in Zukunft gemeinsam gestalten.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Mitgliederversammlung und anregende Diskussionen zu Ihrem Entwicklungskonzept. Wir verfolgen die Gespräche und Ergebnisse mit Interesse.